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Wollzölle würden zahlreiche Produkten Gruppen
nicht geschützt. Delbrück schließt: viele wichtige Judustriezweige seien nicht berücksichtigt zu Guasten einer nur möglichen günstigen Entwickelung ein⸗ zelner; viele seien geschädigt. Der Reichstag werde sich nicht leicht entschließen können dafür zu stimmen.— 3. Mai. Reichensperger(Olpe) spricht gegen die gestrigen Ausführungen Delbrück's. Er betont, daß für die Entscheidung der Zollfrage das Interesse der Gesammtheit maßgebend sein müsse, nicht das Interesse einzelner Industriezweige. Er polemisirt gegen das Freihandelssystem und sagt, man dürfe die vassive Freibandelspolitik gegenüber der activen Schutzzollpolitik des Aus landes nicht aufrechterhalten, nicht nach Doctrinen, sondern nach den praktischen Bedürfnissen sich richten. Bamberger unterzieht zunächst die geschäftliche Lage einer Betrachtung. Er hält eine sorgfältige erschöpfende Prüfung der vor“ liegenden Fragen unter keinen Umständen für möglich, auch nicht in der angestrengtesten Com misstions- Berathung. Er seinerseits wäre daher lieber für Plenar⸗Berathung. Das Gemeinsame der Probleme sei, daß man versichere, wir befän⸗ den uns im größten Nothstande; es mangelten uns die Hilfsquellen unserer Existenz und gleich · wohl wolle man die Steuerzahler in noch er- böbterem Maße in Anspruch nehmen. Die neue Steuerpolitik des Reichskanzlers müsse er als eine verhängnißvolle bezeichnen. Der Reichskanzler habe Hoffnungen erweckt, die nicht befriedigt wer- den könnten. Dies sei doppelt bedenklich Ange- sichte der socialistischen Bestrebungen. Die vom Socialismus drohenden Gefahren seien noch nicht beseitigt. Für die neue wirthschaftliche Politik trage der Reichskanzler allein die Verantwortung. Die Selbstständigkeit des Bundesraths sei dabei vermißt worden. Redner kritisirt sodann das System der indirecten Steuern. ungsmittel, spetiell auf Getreide, zeugten von einer vollständigen Verkennung des modernen Weltverkehrs. Die Ausführungen Delbrück's seien praktischer Natur, nicht idealistisch. Delbrück babe der freibändlerischen Sache einen eminenten
Dienst geleistet durch seine gestrige rein sachliche
Rede. Kampfzölle seien nur gut, wenn man ste maßvoll und vernünftig anwende. Es sei nicht daran gedacht, ob nicht die neue Politik bei an; deren Völkern eine Gegenwirkung hervorbringen werde, die für die dentsche Industrie sehr schäd⸗ lich wirke. Doppelt gefährlich sei die neue Politik bei der Ueberßürzung, womit sie in's Werk gesetzt werde. Die Tarif- Commission habe ebenso hastig wie flüchtig gearbeitet. Man dürfe eine Krank- heit nicht durch eine neue Krankheit kuriren, wirthschaftliche Krisen nicht durch Zoll und Steuererhöhungen beseitigen wollen. Gefährlich seien endlich die mit der neuen Politik drohenden Coalitionen von Industriellen, ganz abgesehen von dem unausbleiblichen Ruin der Seestädte.(Leb- hafter Beifall links, Zischen rechts und im Centrum.) Finanzminister Hobrecht weist den dem Bundes- rath gemachten Vorwurf der Unselbstständigkeit und den gegen den Reichskanzler erhobenen Vorwurf, seine Wirthschaftspolitik leiste der Socialdemokratie Vorschub, zurück. Gerade die Uebertreibung des Systems„Help yourself“ habe der Socialdemokratie Vorschub geleistet. Es handle sich überhaupt nicht um ideale Ziele des Reichskanzlers, sondern um die Beschaffung von Mitteln zur Befriedigung der dringendsten Bedürfnisse. Die Erträge, welche man von dem neuen Zolltarife erwarte, würden viel zu hoch gegriffen. Von Hunderten Millionen neuer Steuern könne absolut nicht die Rede sein. Ueber die zu befriedigenden Bedürfnisse komme man aber absolut nicht hinweg. Minnigerode wünscht namentlich Schutz für die bedrängte Landwirthschaft und erklärt sich schließlich für eine theilweise commissarische Berathung des Zoll tarifs.
— Nach den neuesten Reise⸗Dispositionen des Kaisers wird derselbe am 11. Mat in Berlin resp. Babelsberg eintreffen.
Kissingen, 1. Mai. Der Kronprinz des deutschen Reichs und von Preußen ist heute Abend hier eingetroffen.
Zölle auf Nahr ⸗
Ausland.
Oesterreich⸗UUngarn. Wien, 1. Mai. Aleko Pascha ist gestern nach Constantinopel ab- gereist. Ein gemeinsamer Ministerrath von drei— stündiger Dauer unter dem Vorsitz des Kaisers stellte endgültig die in den früheren gemeinsamen Ministerconferenzen getroffenen Vereinbarungen be ⸗ züglich der bosnischen und serbischen Angelegen⸗ beiten fest. Die ungarischen Minister sind nach Pest zurückgekebrt.
Pest. Dem Ausweise des Finanzministeriums über die Finanzgebahrung im ersten Quartal 1879 zufolge, stellen sich die Einnahmen gegen die gleiche Periode des Jahres 1878 um 1,816,277 fl. günstiger, die Ausgaben gegen das erste Quartal 1878 um 4,771,905 fl. ungünstiger.
Frankreich. Paris, 1. Mai. Die heute stattgebabte Versammlung der Delegirten von 58 schutzzöllnerisch gestimmten Handelskammern hat sich dafür erklärt, daß keine Verhandlungen wegen Abschluß neuer Handelsverträge angeknüpft werden vor Annahme des allgemeinen Tarifs und vor Feststellung des Zollregimes in Deutschland.
— 2. Mai. Oesterreich hat die in Wadding⸗ ton's Circular-Note enthaltenen Vorschläge bezüg⸗ lich der griechischen Grenze angenommen.
Großbritannien. London. Meldung aus Capstadt vom 15. April: General Chelms⸗ ford traf in Durban ein und beabsichtigte am 17. April nach Moritzburg aufzubrechen. Ob⸗ gleich der größte Theil der Verstärkungen gelandet ist, dürfte der neue Vormarsch gegen die Zulus erst in einigen Tagen erfolgen. Truppen versuchten am 8. April vergeblich den Kraal des Basuto- Häuptlings Moirosi zu stürmen; sie verloren 26 Mann. Bartle Frere traf am 10. April in Praetoria ein; die Unterhandlungen mit den Boers ergaben ein befriedigendes Resultat.
— 3. Mai. Das„R. B.“ meldet aus Simla: Jakub Khan sprach die Absicht aus, sich nach dem britischen Lager in Gundamuc zu begeben, um mit den indischen Behörden zu conferiren. Der- selbe tritt unverzüglich in Begleitung mehrerer Minister, Lirdars und eines großen Gefolges die Reise von Kabul aus an.
Spanien. Madrid, 3. Mai. Bei den beute vollzogenen Senatswahlen siegten die Mini- 1 mit sehr großer Majorität.
Türkei. Constantinopel. Da die ost⸗ rumelische Commission die Unstatthaftigkeit erkannte, Ostrumelien nach Abzug der Russen ohne reguläre Berwallung und ohne organisirte bewaffnete Macht zu lassen, so drückte sie den Wunsch aus, die Pforte möge sich mit Rußland betreffs des Ueber⸗ ganges der Administration an die neuen Behörden und der Unterstellung der Miliz und Gensdarmerie unter dieselben verständigen. Die Commission bietet ihre offieibse Mitwirkung an und wird die erforderlichen finanziellen Vorkehrungen treffen.
Rumänien. Bukarest. Die europälsche Donau- Commission nimmt ihre Arbeiten am 9. Mai wieder auf,
Rußland. Petersburg, 3. Mai. Der frühere Lieutenant Dubrowin, welcher bei seiner Verhaftung zwei Gensd'amerie-Unterofsiziere durch Revolverschüsse verwundet hatte, ist gestern Morgen 10 Uhr nach Verlesung des von dem General- Gouverneur Gurko bestätigten Todesurtheils auf dem Glacis der Peter-Paul-Festung durch den Strang hingerichtet worden.
— 3. Mai. Gegenüber von in den letzten
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de St. Petersbourg,“ es sei unwahr, daß die Unterhandlungen mit der hiesigen Mission Chinas abgebrochen seien und daß die Mission Petersburg zu verlassen beabsichtige.
— Der„Agence Havas“ zufolge sollen an scheinend alle Mächte im Einklang sein, um die Fristen für die Räumung der bezüglichen Länder durch die Russen um wahrscheinlich drei Monate zu verlängern.
Aegypten. Kairo, 3. Mai. Der eng ⸗ lische Generalconsul Vivian conserirte heute mit dem Khedive und dem französischen Generalconsul.
Amerika. Washington, 1. Mai. Das Repräsentantenhaus verwarf heute das vordem
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angenommene Armeebudget und lebnte es son ab, gegen das Veto des Präsidenten Hates Wider
spruch zu erheben. Monat April um 20,000 Dollars zugenommen. Der Baarvorrath in der Staatscasse beträgt 448,467,000 Doll.
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Aus Stadt und Land.
ö 8. Griedel, 29. April. Gestern batten wir in unserer Gemeinde ein schönes und selienes Fest. Der viesige hochverdiente Lebrer Jost war an diesem Tage 50 Jahre im Amt. Vorgestern Abend bereits hatte der Krieger⸗ und Sängerverein dem Jubilar einen Fackelzug und Ständchen gebracht. Um 10 Uhr Morgens artangirte sich beute der Fesizug und bolte den Jubilar zur Kirche ab, woselbst Dekan Cellarius die nefergreifende Fefirede bielt. Nach derselben überreichte Kreisschul-Inspektor Schmidt dem Gefeierten, sein Peustonsdekcet, um das Letzterer eingekommen war, nebst dem silbernen Verdienst⸗ kreuz Philipps des Großmüthigen. Nach der krchlichen Feier ging der Zug durch alle Straßen des Ortes nach dem Schulhof, woselbst Jost durch zahlreiche Geschenke seitens der Schulkinder, der Collegen, der Gemeinde ꝛc. 2c. erfreut wurde. Nach Diesem wurde sodann ein einfaches Festmahl, gewürzt durch mannigfache Toaste, in der Wohn⸗ ung des Bürgermeisters eingenommen. Möge dieser schöne Tag dem Jubilar und den Festtheilnehmern noch lange im Gebächtniß bleiben.
Handel und Verkehr. Friedberg, 3. Maj. Wochenmarkt. Butter kostete
0
5 Strohmarkt war gut
Tagen verbreiteten Gerüchten erklärt das„Journ.
ver Pfd. 1 M. bis 1 M. 10 Pf., Eier per Stück 4 Pf. 2 Stück 9 Pf.
Gießen, 3. Mai. Wochenmarkt. Butter per Pfd. 85— 90 Pf., Eier per Stück 4 Pf., Käse per Stück 5— 10 Pf., Tauben das Paar 70 Pf., Hühner per
Stück M. 1.30, Hahnen per Stück M. 1.60. Kartoffeln ö per
100 Kilo M. N. 12.— 13.—
6.50— 7., Zwiebeln per Centner Ochsenfleisch 70 Pf. per Pfd., Kuh⸗
Die Colonial und Rindfleisch 5660 Pf. Schweinefleisch 5860 Pf., N 46—50 Pf.
Frankfurt, 3. Maj. Der beutige Heu- und befahren. Heu kostete je nach Qualität per Centner M 2.50—3., Stroh N. 2.2.20, Solat das Stuck 12 Pf, Blumenkohl 60— 70 Pf., Rothkraut 20 Pf., Radischen 3 Pf. das Bündel, Meerrettig das Stück 10— 12 Pf., Rettig 15 Pf., Ganze Erbsen M. 23—24., geschälte Erbsen M 24—27., Speise⸗Bohnen M. 22—25., Linsen 23—28 per 100 Kilo. Kartoffeln M. 6 50— 7.50 per 100 Kilo. Butter im Großen 1. Qual. 1 M. 2. Qual. 90 Pf., im Detail 1. Qual. M. 1. 2025. 2. Qual. M. 1.10— 15., Eier das Hundert deutsche M. 4.50., italienische M. 5.40, Roggenmehl Vorschuß M. 23.50 24.—., Schrot M. 20—22., Ochsenfleisch per Pfd. 65— 70 Pf., Kuh“, Rind- und Farrenflelsch 50-60 Pf, Schweinefleisch 60— 70, Kalbfleisch 50-65 Pf., Hammelfleisch 40 65 Pf., Hahnen, deutsche, M. 1.70—2., italienische M. 2.50., Poularden M. 5 506.50. Tauben 50-60 Pf., Welsche M. 7—10., Hühner M. 2— 2.50.
Marburg, 3. Mai. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. 85 bis M. 1., Eier per Stück 9— 10 Pf., Käse per Stück 8— 10 Pf., Zwiebeln per Pfd. 10- 12., Pf., Tauben das Paar 60— 80 Pf., Hahnen das Stück M. 1.20—1.50., Hühner das Stück 80 bis M. 1., Salat per Kopf 15—20 Pf.
Geld⸗Cours. Frankfurt am 3. Mai. 1879.
20⸗ Frankenstü cke M. 16 20—24 Englische Sovereigns„ 20 35-39 Russische Imperiales„ 16 70—75 Durden 5 9 54—59 Ducaten al marco 5 5 9 59—64 Dollars in Gold. 8 4 21 G.
0 Gläubiger-Aufforderung. 900 Nachdem Großherzogliches Hofgericht der Provinz Oberhessen über das mit 27,727 Mark 50 Pf. über⸗ schuldete Vermögen der Georg Grimmel Eheleute von
Vilbel formellen Coneurs erkannt hat, werden sämmk⸗ liche Gläubiger derselben aufgefordert, im Termine Freitag den 20. Juni d. J., Morgens 10 Uhr, ihre Forderungen unter Geltendmachung etwaiger Vor⸗ zugs rechte bei Meidung Annahme des stillschweigenden Verzichts auf solche hier geltend zu machen.
In diesem Termine soll alsdann über den Abschluß eines Arrangements, eventuell die Versilberung der Masse, Wahl eines Gläubigerausschusses und eines definitiven Masse⸗Curators, sowie die weiter erforderlichen Maß; regeln verhandelt werden und werden die nicht in Selbst⸗ person erschienenen oder durch gehörig legittmirte Drltte vertretenen Gläubiger als den Beschlüssen der Mehrheit der Erschienenen beistimmend angesehen.
Vilbel den 10. März 1879.
Großherzogliches Landgericht Vilbel. Jäger, Dr. Schäfer, Landrichter. Landgerichts-Assessor.
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