Ausgabe 
6.5.1879
 
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Dienstag den 6. Mai.

M 53.

berhessischer Anzeiger.

Wird hier und in Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Artisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal per Woche

und zwar Dienstags Donnerstags und tes,

Samstags.

Die einspaltige Petitzeile wird ber Annoncen mit 11 Pf. berechnet, bei grö. 6 9 N N f. größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reelamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahres-Conto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post

Amtlicher Theil.

Betreffend: Die Voranschläge der Gemeinden des Kreises Friedberg für 1879.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir benachrichtigen Sie, daß die rubricirten Voranschläge, nachdem dieselben uns beute von Großherzoglichem Ministerium wieder zugekemmen sind, Ibnen in den nächsten Tagen definitiv abgeschlossen im Original zugeben werden. Sie wollen auf Vollziehung des Voranschlags achten, zunächst aber das in Ihren Händen befindliche Exemplar(Concept) dem Original⸗Exemplar gleichstellen und Letzteres hierauf dem Gemeinde- Einnehmer zustellen.

Dr. Braden.

Einladung.

Betreffend: Die General Versammlung des landwirthschaftlichen Bezirks⸗Vereins Friedberg. Die General- Versammlung des landwirthschaftlichen Bezirks-Vereins Friedberg pro 1879 findet Samstag den 10. laufenden Monats, Nachmittags 2 Uhr, auf dem Rathbause zu Friedberg statt und werden hierzu die Mitglieder des Bezirks-Wereins. insbesondere auch die Herren Bürgermeister

und Freunde der Landwirtbschaft freundlichst eingeladen.

Friedberg den 2. Mai 1879.

1) Vorlage der Vereins- Rechnung pro 1878. 2) Festsetzung des Voranschlags pro 1879. 3) Ergänzungswahl des Ausschusses des Bezirks

4) Mittheilung über verschiedene, die Landwirthschast berührende Gegenstände.

Tagesordnung.

Der Director des landwirthschafte N

Friedberg am 2. Mai 1879.

Aus ja. Bezirks ⸗Vereins Friedberg. Dr. Baden.

5) Vortrag des Genkralsekretärs der landwirtbschaftlichen Vereine im

Großberzogthum, Vereins. Auslandes.

Herrn Dr. Weidenhammer:Die deutsche

Land wirthschaft, insbesondere die Wetterau vor der Concurrenz des

Deutsches Reich.

Darmfadt, 3. Mai. Wie derDarmst. Ztg. aus Berlin geschrieben wird, trifft Prinz Alexander von Battenberg morgen in Darmstadt ein und wird morgen oder am Montag in Wies baden von Kaiser Wilhelm empfangen werden. Die bulgarische Deputation wird in Darmstadt gegen den 15. Mai eintreffen.

Darmstadt. Das Regierungablatt, Beilage Nr. 12, enthält:

I. Vekanntmachung über die Abänderung der Statuten det Bank für Süddeutschland.

II. Bekanntmachung über die Bestätigung von Stist⸗ ungen und Vermächtnissen.

III. Uebersicht der für 1879 genehmigten Umlagen in den Gemeinden des Kreises Worms.

Iv. Bekanntmachung über die Vergütung der Brand⸗ schäden in Gernsheim.

V. Ordensverleihungen.

VI. Namene veränderungen.

VII. Dunsinachrichten. Dem kvang. Pfarrer Sell zu Burg⸗Gemünden wurde die Pfarrstelle zu Beienbeim über

magen; der Lehrer Mitzenius in Gußen wurde zum Real-

lehrer daselbst ernannt; dem Schullehrer Bertram zu Unter⸗Apisteinach wurde eine Lehrerstelle zu Büdesheim übertragen.

VIII. Dienstentlassung. Der Schullehrer Arxtops in Lich wurde auf Nachsuchen enlassen.

IX. Charakierertheilung.

X. Muhestandsversetzung. Die Lehrerin E. Dieffenbach zu Offenbach wurde auf Nachsuchen bis zur Wiederher⸗ siellung ibrer Gesundbeit in den Ruhestand versetzt.

XI. Concurtenzetöffnungen. Erledigt sind: Zwei mit evang. Lehrern zu besetzende Schulstellen an der Schule zu Friedberg, Anfangsgehalt 1000 M. Eine ev. Lehrer⸗ slelle zu Brandau, Gebalt 900. Die kath. Lehrerstelle zu Alsheim, Gehalt 1000 M. Eine kath. Lehrerstelle an der Schule zu Bievelnheim. Gehalt 900 M.

Berlin, 2. Mai. Reichstag. Eingegangen ist ein Schreiben des Abgeordneten Obertribunal- ratb Bär(Kassel), worin derselbe unter Bezug nahme auf seine Ernennung zum Reichsgerichts · rath die Entscheidung des Hauses darüber anruft, ob er sein Mandat niederzulegen habe. Das Schreiben geht an die Geschäfts-Ordnungs Com- mission. Für v. Minnigerode wird Wichmann per Acclamatlon zum Schriftführer gewählt. Die Gebübren⸗Ordnung für Rechts-Anwälte wurde in zweiter Lesung nach unerheblicher Debatte nur bis 6. 93 erledigt und der Rest an die Com- mission zurückverwiesen, erste Lesung der Zolltarisvorlage.

erklärt: Das Bedürfniß einer Zoll- und Steuer Reform ist seit 1848 hervorgetreten. Seit 1818 hat eigentlich diese Gesetzgebung geruht. Wir haben nicht heute zum ersten Male betont, daß wir das Bedürfniß der Finanzreform nicht zurück weisen können. Je mehr ich diesen Fragen meine Aufmerksamkeit zuwendete, um so mehr drängte sich mir die Nothwendigkeit auf, so schnell wie möglich zu einer Steuerreform zu kommen, um zunächst das Reich finanziell unabhängig zu machen von den ungleichen, ungerechten Matrikularbeiträgen. Wir wollen überhaupt keine höheren Einnahmen er- zielen, als für Deckung der Reichsausgaben er- forderlich ist, wünschen aber, daß das Nothwendige in der Form aufgebracht werde, in welcher die Lasten am leichtesten zu tragen find, und glauben, daß dies am besten auf dem Wege der indirecten Steuern geschehen kann, so daß dadurch auf der anderen Seite Erleichterungen geschaffen werden könnten. Was die Staaten mit den disponibel werdenden Geldern machen wollen, welche nach Abschaffung der Matrikular-Beiträge sich ergeben, ist ihre Sache. Das bewegliche und das unbe⸗ wegliche Eigentbum war bei uns zu ungleich be⸗ steuert. Der städtische und der ländliche Grund- besitz sind ja unterschiedlich gestellt. Hierin liegt ein Grund zum Rückgang der Landwirthschaft. Der Getreidebau ist schwer besteuert gegenüber dem Import von Außen. Kein Gewerbe ist so schwer besteuert wie das landwirthschaftliche. Ein weiterer Vorwurf, der die jetzigen Zustände trifft, ist der mangelnde Schutz der Industrie gegenüber dem Auslande, wir bedürfen eines mäßigen Schutzzolles, hatten ihn ja auch bisher; den ab: soluten Freihandel kennen wir ja auch überhaupt nicht. Ein niedriger Schutzzoll ist es auch nur, den wir von Ihnen verlangen. Wir müssen doch erkennen, daß wir die Ablagerungsstätte der Ueberproduction anderer Länder sind und daß es geboten erscheint, unsere Thore einigermaßen zu schließen. Ob wir von den bisherigen Verträgen Vortheil Wenn der Schutzzoll aber ruintten soll, dann

land bei dem Schutzzollsystem prosperiren, während

Es folgt nunmehr die Länder, die offen sind, zurückgehen. Ich nehme Fürst Bismarck davon England nicht

hatten, kann Jeder sich selbst sagen. und bekaͤmpft namentlich die Eierzölle. weise brauche die Albuminfabrikation zur Herstellung

müßte Frankreich längsteruinirt sein. Wir seben Ruß⸗

aus, welches auch zum

Schutzzoll kommt. Seitdem wir den Tarif so weit herabgesetzt haben, sind wir im Verblutungs⸗ prozeß begriffen. Für die Abhülfe können wir uns nicht auf Theorien, sondern müssen uns auf die praktische Erfahrung stützen. Es handelt sich hier nicht um politische, sondern um rein wirth schaftliche Fragen. Delbrück gibt einen bisto⸗ rischen Rückblick über die Handelspolitik Deutsch⸗ lands während der 60er Jahre und fährt dann fort: Es frage sich, welche praktische Bedeutung die in dem neuen Tarif vorgeschlagenen Aender ungen hätten. Der Tarif enthalte zunächst ein System, welches logisch uud systematisch geordnet sei, und doch widersprächen die praktischen In⸗ teressen der meisten großen Industrien völlig der Logik und Systematik. Beispielsweise sei dies mit der Baumwollen-Industrie der Fall, deren Lebens-Interessen mit den vorgeschlagenen Baum- wollgarn- Zollen unvereinbar seien. Die Roth- weberei, Strumpfwirkerei und andere Industrie- Zweige, worin gegen 150,000 Arbeiter be- schäftigt seien, würden durch jene Zölle ebenfalls schwerstens getroffen, wie zahlreiche Petitionen dar thäten. Auch die Fischernetzgarnfabriken werden schwerlich in Deutschland weiter bestehen können bei hohen Baumwollzöllen. Redner geht sodann auf die Verhältnisse der Glas- Industrie über, welche gleichfalls unter den neuen Zöllen leiden würde. Delbrück wendet sich serner gegen die Zölle auf Haare; auch bierdurch schädige man mehrere Industriezweige. Die Zölle auf Holz- waaten scheinen ihm ebenfalls nicht nach richtigen Gesichtspunkten in der Vorlage aufgestellt Auch seitens der Gummi- Industrie, welche einen leb haften Export habe, lägen zahlreiche gegen die Zölle auf Kautschuk und Guttapercha gerichtete Petitionen vor. Die vorgeschlagenen Kupferzölle seien überflüssig und finanziell bedeutungslos. Redner bekämpft ferner eingebend die Erhöhung der Leinenzölle. Er beleuchtet die einzelnen Zoll- erhöhungen im Verhältniß zu den Industriezweigen Beispiels-

von einem Kilogramm Albumin Eier, welche 20 bis 25 Mark Zoll bezahlen: Albumin selbst aber sei zollfrei. Die ein heimische Albuminfabrikation werde also durch die Eierzölle ruinirt. Auch durch die

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