Ausgabe 
6.2.1879
 
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Verordnung vom 1. Febr., betreffend das Ver Rußland. Petersburg. Die Sanitäts⸗ bot der Einsubr und Durchfuhr für die bekannten Commission der Moskauer Aerzte hat sich für Waarengattungen aus Rußland anläßlich der im folgende Vorsichtsmaßregeln entschieden: Einricht- Gouvernement Astrachan herrschenden Epidemie. ung von Unterkunftsplätzen für 2000 Personen, DasT. C.-B. erfährt von zuverlässiger Gratisverabreichung warmer Nahrungsmittel, Des- Seite: Seit einiger Zeit fanden auf Initiative infection verdächtiger Ortschaften, Herstellung von Deutschlands zwischen Wien und Berlin Verhand- Oefen in den Hospitälern bebufs Verbrennung lungen über den Artikel 5 des Prager Friedens von Wäsche und Kleidern, Ueberwachung der statt. Da von Seiten Oesterreichs auf Aufrecht: Speise-Anstalten und Schließung der ungesunden erhaltung des Oesterreich Ungarn in jenem Artikel, Erdgeschosse. bezüglich der Bevölkerung Nordschleswigs einge Officielles Telegramm aus Astrachan, 3. d.: räumten Rechtes kein Wertb gelegt wird, so sind In Wetljanka und Umgegend sind keine Pest diese Verhandlungen zu wechselseitiger Befriedigung kranken, in Selistrenn und den benachbarten Häfen

in einer den Wünschen Deutschlands entsprechenden Weise beendet worden. Dadurch ist neuerdings eclatant die Intimität der zwischen Deutschland und Oesterreich Ungarn bestehenden Beziehungen documentirt worden.

4. Febe. Das Abgeordnetenhaus setzte die zur Berathung vorliegenden Gegenstände bis zur Ernennung des definitiven Minißeriums aus.

Der Zeitpunkt der nächsten Sitzung ist noch un

bestimmt.

Pest, 4. Febr. Unterhaus. Auf Ersuchen Tisza's, welcher auf die Verordnungen betreffs Quarantäne und Waareneinfuht aus Rußland hinwies, wurde beschlossen, den Antrag Simonyi's auf Errichtung von Grenzeordons von der Tages- Ordnung abzusetzen.

Frankreich. Paris, 2. Febr. Nachdem alles Bitten, Dufaure zum Verbleiben im Amte zu bewegen erfolglos gewesen, hat der Präsident Grevy den Minister des Acußern, Waddington, mit der Bildung eines neuen Cabinets beauftragt.

4. Februar. Präsident Grevy empfing heute im Elysee die Botschafter Marquis v. Molins, Lord Lyons und Fürst Hohenlohe, die ihren ersten officiellen Besuch machten. DemJournal des Debats zufolge würde das neue Ministerium folgende Zusammensetzung haben: Waddington Präsidium und Auswärtiges, Marcdre Inneres, Say Finanzen, Leroyer Justiz, Jules Ferry Unter richt, Bardoux Cultus, Lepète Landwirthschaft und Handel, Freycinet öffentliche Arbeiten, Gresley Krieg, Pothuau Marine; Krantz würde zum Civil gouvernkur von Algerien ernannt worden.

Dänemark. Kopenhagen. DerNational Tidende zufolge ist der Regierung aus Wien die Bestätigung der Nachricht von dem österreichisch deutschen Uebereinkommen bezüglich des Artikel 5 des Prager Friedens zugegangen.

Spanien. Madrid. Die Ziebung zum Zwecke der Conscription ist im ganzen Lande ord nungsmäßig verlaufen.

Großbritannien. London, 31. Febr. Jakob Khan erwiederte dem Major Cavagnari, er lehne entschieden die britischen Forderungen ab und sei entschlossen, die Befehle Schir Ali's be züglich der Vertheidigung von Kabul auszuführen. Vali Mahomed ist in Hazarpir angekommen; es verlautet, er suche die Unterstützung der britischen Regierung für seine eventuelle Candidatur zum afghanischen Throne nach.

Türkei. Constantinopel, 3. Febr. Vier frühere Großveziere wurden zu General-Gouver neuren ernannt. Um Aufklärungen wegen eines in Prevesa auf ein griechisches Boot abgefeuerten Kanonenschusses angegangen, hat die Pforte dem französischen Botschafter erklärt, daß es ein blinder Schuß gewesen sei, welcher das Boot vor der Annäherung an Torpedos warnen sollte.

Aus Skutari in Albanien meldet man: Alle Nachrichten über die schon erfolgte Uebergabe von Spuz und Podgorizza an Montenegro sind verftüht. Türkischerseits wird die Eröffnung der Verhandlungen wegen der Uebergabe geflissentlich verzögert. Die türkischen Delegirten sind in Vir bazar noch nicht eingetroffen. Auch scheinen die Be wohner von Podgorizza Widerstand leisten zu wollen.

Serbien. Nisch, 1. Febr. Die National- Versammlung hat einstimmig die Regierungsvor⸗ lage, betreffend die Aufhebung der auf die Juden bezughabenden Beschränkungen angenommen. Es erübrigt nur noch die Sanction der großen Skupschtina. Die Sitzungen der Skupschtina wurden heute geschlossen.

6 Kranke(darunter zwei neu Erkrankte) und zwei Gestorbene. Die Epidemie fährt fort, in den durch die Quarantäne abgesperrten Bezirken locali-

sirt zu bleiben. In Tscherncarsk erkrankte eine

Person an typbusartigen Erscheinungen, befindet sich aber auf dem Wege der Besserung. Die Epidemie läßt an Heftigkeit nach. Der Thermo- meter zeigt 10 Grad Kälte.

Aegypten. Cairo, 2. Februar. Die Gerüchte von Differenzen im Schoße des Mini steriums find falsch; es herrscht vielmehr völliges Ein- vernehmen unter den Ministern. Rotbschild's Hypo- tbek auf die Domänen ist gestern vollzogen worden.

Aus Stadt und Land.

K. Friedberg. Sonntag den 2. Februar hielt der hiesige Musikverein im Saale des Hötel Trapp sein erstes Winterconcert. Ein außerordentlich zahlreiches Publikum hatte sich dazu eingefunden; die Erschienenen gaben damit den schlagendsten Beweis der Anerkennung, welche man dem eifrigen Streben des genannten Vereins zollt. Sowohl die zu Gehör gebrachte Instrumentalmusik, als auch die Chor- und Solovorträge der Sänger fanden reichen und verdienten Beifall. Den beiden Violinvittuosen Schmidt aus Offenbach, welche durch freundliche Mitwirkung in den Instrumentalsätzen wesentlich zur Verschönerung des Abends beitrugen(namentlich J. Schmidt für das wacker ausgeführte Beriot'sche Violinconcert) sei hiermit der wärmste Dank ausgesprochen. Daß das ziemlich umfang reiche Quartett im Publikum recht ansprach, konnte man an der lautlosen Spannung bemerken, welche die Aus fübrenden vom Anfang bis zum Schluß begleitete. Den Höhepunkt des Abends und den Haupitheil des Programms bildete Rombergs packende Composition der Schiller'schen Glocke, welche der gutbesetzte Chor bis zum Schlusse mit Präcision und Sauberkeit durchführte. Mit ganz beson derer Theilnahme wurden die in die umfangreiche Pidce eingeflochtenen Duette und Quartette angebörkt. Im

sprochene Urtheil: der Verein singt wirklich recht schön! gewiß adoptiren. Möge er denn seinen wackeren Dirigen len auch ferner durch Eifer und Pünktlichkeit wirksamst unterstützen, dann wird eseinen guten Klang geben.

Mainz, 2. Febr. Ein heftiger Erdstoß wurde gestern etliche Mauten nach 2 Uhr hier verspürt. Die Nach richten darüber laufen von verschiedenen Seiten ein. In det Nacht wurde ein neuer Stoß gespürt, der in einem Hause auf dem Kästrich einen Mauerriß hinterließ.

Allerlei.

Frankfurt. Im Palmengarten saß dieser Tage ein feines Paar, das die Aufmerksamkeit eines Mannes in bobem Grade sesselte. Er zog eine Photographie aus der Tasche, stellte zwischen dem Bild und dem vis- Avis Ver gleichungen an, die ihn wohl befriedigen mußten, denn als das Pälchen sich entfernen wollte, nahie er sich ehr furchtsvoll der Dame und erklärte ihr, sie könne die Promenade mit ihrem Begleiter nicht fortsetzen; denn dessen gestrenger Durchlauchtigster Vater verlange die Rückkehr des Prinzchens und die Frau Mama die Ent fernung ihrer Kammerfrau von ihrem Sohne. Beide mußten sich in ihr Schicksal fügen. Eine in Berlin ihrem Manne am Hochzeitstage mit 138,000 M. durch⸗ gegangene junge Frau wurde von der Polizei in einem hiesigen Hösel ermittelt und in die Arme ihees sehnsüchtig harrenden, betagten Gatten zurückgebracht.

Meerholz, 2. Februar. Gestern Abend wurde der Steuecbote R. auf der Landstraße zwischen Haßlau und Meerbolz von Strolchen überfallen, durch 7 Messerstiche lebens gesäbrlich verwundet und um 400 Mark, die er in amtlicher Eigenschaft eingenommen hatte, beraubt. Einer der muthmaßlichen Tbäter ist bereits ermittelt und in Nummer Sicher gebracht.

Hamburg. In der letzten Sitzung der Hamburger Bürgerschaft wurde die Einführung der fakultativen Leichen verbrennung nach dem Gothaer Systeme angenommen.

Thue Deine Pflicht.

Nicht oft genug inmitten des Ernstes der Gegen wart kann die AufforderungThue Deine Pflicht an einen Jeden unter uns, an das deutsche Volk in seiner Gesammtheit gerichtet werden. Die Möglichkeit, ja die Gewißheit, daß sich die Zukunft für alle Kreise unserer Nation in dem Maße besser, freundlicher, friedlicher gestalten wird, je mehr der Geist der Pflichttreue, das Bewußtsein

Ganzen läßt sich das von einem fremden Zuhörer ausge-

die Hoffnung, daß Gesetze unserer traurigen Lage wesentlich aufzuhelfen vermöchten, zerstören.

Es ist ein Wahn, mit Gesetzes Paragraphen (erhöhten Schutzzöllen) die Leiden unserer Industrie heilen zu wollen; es ist ein Wahn von dem Einfluß einzelner Institute die dauernde Fesselung der großen geistigen Bewegung, in welcher wir stehen, zu erhoffen. Leider hat sich diefixe Idee, das Heil, Hülfe aus den herr schenden Nothständen von Reichs- oder Landes- Gesetzen, Zollschranken, Polizei und Staatsanwalt zu erwarten, in den Köpfen vieler Landsleute sest- gesetzt und es wird keine leichte Arbeit sein, diesen Gedanken- Wust aufzuräumen und an dessen Stelle klare Begriffe über das, was uns wirklich Noth thut, zu setzen.

Entgegengesetzt dem vorsichtigen und strebsamen zu vermeiden sucht, was seinem Kredit in der unser Volk durch unendliche Jagd nach Gewinn, durch Leichtsinn, Größenwahn, Genußsucht u. s. w. um einen guten Theil seines moralischen Kredits in der Welt gebracht.

Das Bewußtsein, daß jeder Mensch, einerlei wo er stehe, Pflichten zu erfüllen habe, war in den 70er Jabren des Schwindels der allge- meinen Berauschung in vielen Schichten unseres Volkes ganz und gar verschwunden. Es wird nicht mit uns besser und noch weniger gut werden, ehe das Verhalten und Handeln unseres Volks im Einzelnen und Kleinen wie im Großen und Ganzen Zeugniß davon ablegt, daß der Grund satz der Pflichterfüllung als oberstes Gebot allgemein anerkannt und überall befolgt wird.Die Pflicht, sagt Frau Jameson, eine Engländerin, ist der Mörtel, der das ganze sittliche Gebäude zusammenhält. Ohne ihn gibt es auf die Dauer keine Macht, Güte, Vernunft, Wahrheit, Glückseligkeit und selbst keine Liebe, vielmehr bricht das ganze Gebäude der Existenz unter uns zusammen und wir sitzen mitten unter Ruinen, indem wir über unsere eigene Vernichtung staunen. Das sind goldene Worte, die als Richtschnur des Handelns genommen, einen Gedankenwust, von dem oben die Rede war, gar nicht aufkemmen lassen. Denn schöne Worte, begeisternde Reden, wovon im lieben Vaterlande auch Ueberproduction besteht, sind ohne die ihnen folgende That inhaltsleer. Die Erziebung des Volkes durch das eigne gute Bei spiel, welches Jeder unter uns in seinem Kreise geben kann, geben soll darin liegt ein Haupt miftel der Besserung unserer Zustände. Obgleich dem Blödesten einleuchtend, scheuen gar Viele die Anwendung dieses Mittels(etwa wie Kinder eine übelschmeckende Arznei), weil sein Gebrauch oft die Ablegung lieb gewordener schlechter Gewohnheiten und den Bruch mit

manchen Vorurtheilen zur Voraussetzung hat.

f Die spätere Geschichte wird uns, wie den übrigen Völkern, eine unerbittliche Richterin sein, deren durchbohrender Blick alle Hohlheit, Ver logenheit, alles Scheinwesen, welches unsere Epoche kennzeichnet, an das Licht ziehen wird. Pflicht- vergessenheit führt unaufhaltsam wie im Haus- halte des Einzelnen, so im Leben eines ganzen Volkes den Niedergang herbei. Wir wollen an dieser Stelle auf ein Urtheil hinweisen, welches 1 Pariser ZeitungTemps unmittelbar nach Niederwerfung des Aufstands der Commune hier über fällte und welches auch über unsere Ver hältnisse Stoff zum Nachdenken gewährt.Temps schrieb damals:Mit allen unseren Mitbürgern liegen wir darnieder unter der Wucht eines Fluches, den wir alle mit einander verdient haber Welcher Franzose könnte sich in der That ganz freisprechen von der Mitschuld an diesem entsetzlichen Verbrechen? Die abge stumpften Konservativen, welche im Kaiserreich eine Versicherungsanstalt gegen die Unordnug erblickten, der als Prämie bürgerlicher Sklaven

der sittlichen Nothwendigkeit der Pflichterfüllung alle Stände durchdringt, muß den Glauben oder

Kaufmann, der mit peinlicher Aengstlichkeit Alles

Oeffentlichkeit Nachtheil bringen könnte, hat sich

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