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1878
Dienstag den 30. April.
51.
N
Oberhessischer Anzeiger.
Wird hier und in Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal per Woche und zwar Dienstags, Donnerstags und Samstags.
Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoneen mit 11 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Zlffersatz mit 14 Pf., bei Reclamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahres-Conto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.
Für die Monate
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Mai und Juni der Verlags-Expedition mit 67 Pf., bei den Poststellen mit 1 Mark abonnirt werden.
kann auf den
„Oberhessischen
Anzeiger“ bei
Deutsches Reich. Darmstadt. Das Regierungsblatt, Beilage Nr. 13, enthält:
I. Bekanntmachung über die Bestätigung von Slüft⸗ ungen und Vermächimnissen.
II. Bekanntmachung wegen Abänderung der Statuten der Bank für Süddeutschland.
III. Bekanntmachung die Umlagen der istaclitischen Religionsgemeinde zu Schaafheim für 1877 beir.
IV. Bekanntmachung den Gehalt des Rabbinen zu Offenbach für 1878. betr.
v. Uebeirsicht der füt 1878 genebmigten Umlagen in den Gemeinden des Kreises Heppenbeim.
VI. Concurtenzeröffnungen. Erledigt ist: die 1. Schul⸗
stelle zu Angenrod, Gehalt 772 Mk.; ꝛwei Lebrerinnen⸗ stellen zu Mainz, Gehal! 1114 Mk. 29 Pf.; die 2. Schul⸗ stelle zu Gloß⸗Winterndeim, Gehalt 771 Pik. 42 Pf.; die Schulstelle zu Grebenhain, Gebalt 791 Mk. 42 Pf.; die 1. Schulstelle zu Dauernbeim, Gebalt 1000 Nek.
Darmstadt. Militär dienstnachtichten. v. Otto,
Major vom 3. Inf. Regt. Nr. 117, in das 6. ibüringische Inf. Regt. Nr. 95; v. Nostiz, Major vom 6. thüringischen Inf.- Regt. Nr. 95, als Bataillons Commandeur in das 3. Großh. Inf. ⸗Regt. Nr. 117 versetzt. Römheld, Major D. zum Bezirks- Commandeur des 2. Bat. (Friedberg) 1. Landw.⸗Regts. Nr. 115 ernanntz Jäger, Oberst Lieutenant z. D., von der Stellung als Bezirks.⸗Comm. des 2. Bat. 1. Landw. Regt. Nr. 115 entbunden.
— Behufs Ausführung des mit dem Jahr 1879 in Kraft tretenden Gesetzes, die Gehalte der Volksschullehrer betr., sind die erforderlichen Vorarbeiten bereits eingeleitet. Dieselben beziehen sich in erster Linie auf die Frage der Leistungs⸗ fähigkeit der Gemeinden hinsichtlich der Aufbring⸗ ung der Lehrergehalte, ein Gegenstand, der namentlich für die kleineren Gemeinden von Wichligkeit ist und zu vielfachen Reclamatlonen Anlaß geben dürfte. Die definitive Entscheidung über die Bewilligung der Staatezuschüsse ist gesetzlich dem Ministerium des Innern zuge wiesen, vorher muß der Kreisausschuß sein Gutachten abgeben.
Berlin, 25. April. Den Abendblättern zu- folge hat die Regierung beschlossen, auf Grund der durch die Kammern bewilligten Credite für Eisenbahn⸗Bauten weitere 60 Millionen Mk. Aproc. preußischer Consols zu begeben. Wegen Ueber- nahme dieses Betrages fand heute eine Berathung des bekannten Consortiums statt, welche zur Einreichung einer bestimmten Offerte führte, über deren An- nahme sich die Regierung voraussichtlich bis morgen schlüssig machen dürfte.
— 26. April. Den beutigen Nachrichten aus Friedrichsruh zufolge nimmt die Krankheit des Fürsten Bie marck den normalen Verlauf; zwar sind noch starke Schmerzen vorhanden, doch ist von Gefahr keine Rede. Die Rückkehr Bis marck's nach Berlin wird indeß verschoben werden müssen. 0— Nach dem„Berliner Actionär“ hat der Handelsminister die königl. Eisenbahn-Directionen am 20. April ermächtigt, eine Aenderung der directen Holztarise im Verkehr mit dem Auslande herbeizuführen, deshalb die nöthigen Verhand- lungen mit den betheiligten deutschen und fremden
Bahnen nachdrücklich zu betreiben und über das Ergebniß binnen acht Wochen zu berichten.
Dresden, 26. April Die Kaiserin ist heute
hier eingetroffen und am Bahnhofe vom Könige, der Königin und der Prinzen empfangen worden. Um 1 Uhr wohnte die Kaiserin mit der Königin der Sitzung des heute eröffneten Verbandstages der deutschen Frauen-Hülfs Vereine bei. Um 7 Uhr reiste die Kaiserin nach Berlin zurück.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Die un⸗ garischen Blätter plaidiren für sofortige Action Oesterreichs mit England. Nur die„Wiener Abendpost“ hält an ihrer optimistischen Aufassung sest.
— 27. April. Heute findet bei dem Minister⸗ präsidenten, Fürsten Auersperg, eine Conferenz statt, worin die beiderseitigen Minister direct mit einander verhandeln. Am Vormittage conferirten die Minister Szell mit Depretis und Tresort mit Chlumecky über Ressort- Angelegenheiten. Tisza, welcher mit Andrassy, Baron Orczy und Baron Wenkheim heute früh eine Besprechung hatte, wurde Vormittags vom Kaiser in längerer Privataudienz empfangen. Gleichzeitig fand Conferenz bei dem ungarischen Finanzminister statt, an der v. Hornbostl, Baron Rothschild, v. Hanse— mann und Weninger theilnahmen.
— 27. April. Die„N. fr. Pr.“ erfährt, daß man im Ministerium des Aeußern wieder die Nothwendigkeit energischer Vorsichtsmaßregeln be- tont habe und mit der finanziellen Mobilisirung den Ansang machen wolle. Die Anwesenheit der ungarischen Minister in Wien solle dazu benutzt werden und dürfte morgen ein gemeinsamer Minister- rath unter dem Vorsitz des Kaisers stattfinden.
Großbritannien. London, 25. April. Von hier signalisirt man den höchsten Ernst der Situation. Die englischen Blätter erachten den Frieden für unrettbar, wenn Rußland nicht gänz- lich zurückweicht. Der„Standard“ nennt die Lage verzweifelt und theilt mit, daß die Regierung 10,000 Uniformen für die Flotten-Reserre bestellt habe.
— Der Herzog v. Edinburg, der bisher den
„Sultan“ commandirte, erhielt das Commando des„Black Prince“.
— 29. April. Der„Times wird aus Peters burg gemeldet: Die Annahme russischer Blätter, daß Dreutschlande Vermittlung resultatlos geblieben sei, ist unbegründet. Ueber die Unterhandlungen in Betreff des gleichzeitigen Rückzuges der Streit kräfte ist Nichts weiter bekannt. Es ist auch nicht bekannt, ob England die neue Einladungs- formel acceptirt hat. Die„Times“ bemerkt hierzu, das britische Cabinet bestehe nicht auf einer be— sonderen Ferm der Worte, sondern verlange ledig- lich, daß Rußland in irgend einer Weise die Suprematie Europas in der Orlentsrage formell anerkenne. Diese Unterwerfung Europa gegenüber involvire keine Demüthigung.
— Das„Reuter'sche Bureau“ meldet: Täg— lich treffen neue Truppen in Bombay ein. Die erste Abtheilung des Expeditions-Corps geht am 29. April, die zweite am 1. Mai nach Malta ab, ohne in Aden anzuhalten; zum Transport sind 25 Segelschifsfe und 12 Dampfer bestimmt, ein Kriegeschiff gibt das Geleit. Ueberall in
tine zweistündige
e 227. April. Savpfet Pascha ist heute nach San Stefano ge⸗ gangen, um mit dem Großfürsten Nikolaus wegen der neuerlichen Reclamation Rußlands in Betreff der Räumung von Schumla, Varna und Batum
Indien herrscht großer Enthusiasmue. Eingeborene Truppen melden sich freiwillig zum Kriegsdienst. Wie verlautet, soll unverzüglich eine starke Flotte, aus Panzerschiffen und anderen Kriegs- Dampfern beste hend, mit der Bestimmung für die Ostsee aus- gerüstet werden. Die Escadre würde etwa 20 Kriegs Fahrzeuge umfassen.
Türkei. Constantinopel, 26. April. Die Insurgenten treiben die Bulgaren vor sich her und nähern sich Philippopel. Selbst in Adrianopel herrscht Besorgniß. Die dortige Garnison marschirt gegen die Insurgenten. Einige russische Soldaten sind in Adrianopel ermordet worden Aus amt⸗ lich angestellten Erhebungen soll hervorgehen, daß acht türkische, außerhalb der Demarkationslinie in der türkischen Zone liegende Dörfer von Bulgaren angegriffen worden sind. Die Russen wälzen die Verantwortung wegen der mohamedanischen Revo— lution in Rumelien auf die Pforte. Der Groß- sürst forderte von der Pforte, sie solle die Unter⸗ werfung der Insurgenten veranlassen.
— 26. April. Unter dem Vorsitze Lapard's fand heute eine Conferenz der Botschafter statt, worin auf Antrag der Consuln beschlossen wurde, die Pforte und die Regierungen zu ersuchen, einer Erhöhung der Eingangs-Zölle um 20 Procent für Constantinopel zuzustimmen, um die Rückkehr der Flüchtlinge zu erleichtern.
Der Minister des Aeußeren,
zu conferiren.
— 27. April. Man spricht von neuen Kämpfen zwischen Russen und Muselmanen im Rhodope⸗ gebirge. Den türkischen Commissären für die Repatriirung der mohamedanischen Flüchtlinge aus Bulgarien gegenüber bezeichnete der Großfürst Nikolaus die Insurgenten im Rhodopegebirge als Räuberbanden, welche sich aus Trümmern der seiner Zeit dorthin verschlagenen Armee Suleiman Pascha's gebildet hätten, zu welchen noch die muselmanische Bevölkerung einiger Ortschaften ge⸗ stoßen sei. Der Aufstand ist im Zunehmen be— griffen und verursacht den Russen ernste Besorg⸗ nisse. Man befürchtet den Anschluß der Griechen Macedoniens an die Insurgenten. Die Generale Niepokojschitzti und Skobeleff der Jüngere sollen als russische Commissäre mit den türkischen Com- missären Tepfik Pascha, Vassa Effendi und Samih Pascha die Pacification versuchen.
Serbien. Belgrad, 25. April. Leschianin, der von seiner Sendung nach Petersburg zurück- gekehrt ist, überbrachte ein sehr schmeichelhaft ge⸗ haltenes Schreiben des Kaisers an den Fürstenz darin wird der Tapferkeit der serbischen Armee volle Anerkennung gezollt, für deren Dienste Dank ausgesprochen, die Berücksichtigung der serbischen Wünsche nach Möglichkeit zugesichert und die Ein⸗ willigung in das Verbleiben des Distriets Vransa bei Serbien erklärt.
— 25. April. Sämmtliche türkische Gefangene wurden heute in Raca den türkischen Commissäxen übergeben. Von allen serbischen Gefangenen sind


