Ausgabe 
26.11.1878
 
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schmückung der Straßen und die Illumination veranstaltet habe; als man ihm aber mittheilte, daß Beiträge nur von den wohlhabenden Leuten beigesteuert würden, und daß man den armen Leuten die Lichter zur Illumination unentgeltlich liefern wolle, war der Kaiser mit der Sammlung einverstanden. Aus land.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 21. Nov. In beiden Delegationen wurden die Vorlagen wegen des Occupations Credits eingebracht. Die österreichische Delegation erledigte das Marine: Budget im Ordinarium und Extra Ordinarium nach den Anträgen des Ausschusses, nachdem der von Teuschel nach der Regierungsvorlage wieder aufgenommene Antrag auf Bewilligung der ersten Rate von 300,000 fl. für ein neues Citadell⸗ Schiff abgelehnt worden war.

Pest, 22. Nov. In der beutigen Sitzung der österreichischen Delegation wurde eine Inter- pellation Grocholski's von Andrassy dahin beant⸗ wortet: Auch die Regierung erhielt Kenntniß da⸗ von, daß Rußland von der Türkei den Abschluß des definitiven Friedens- Vertrages verlange und daß der russische Botschafter, Labanoff, geäußert habe, Rußland erachte sich zur Räumung des türkischen Gebietes erst drei Monate nach Abschuß des zu vereinbarenden definitiven Friedens ver⸗ pflichtet. Die Nachricht betreffs Einreihung rus⸗ sischer Soldaten und Offiziere in die bulgarische Miliz sei amtlich nicht bestätigt. Der Minister kann hinzufügen, daß er in jüngster Zeit seitens des russichen Cabinets bündige Versicherung erhielt,

war kalt, der Himmel sternenklar. Zehn Husaren nahmen Besitz von den südlichen Abhängen des Flußtbals und schnitten dadurch der zurückkehrenden afghanischen Garnison von Capiyanga die Rückzugs⸗ linie ab. Die britischen Truppen nahmen das Fort Ahmedisham, welches fünf Meilen oberhalb im Thale des Korum ⸗Flusses liegt. Die Asgbanen haben vergangene Nacht Fort Ali-Musjid geräumt, nachdem die Brigade Tytler die Difileen binter Ali-Musjid besetzt hatte. Die britischen Truppen baben beute früh Ali⸗Musjid ohne Kampf besetzt. Die von Quettah vorrückenden Truppen sind in Kushlak, 10 Meilen von Quettah, eingetroffen. Es herrscht sehr strenge Kälte. Jedes Regiment bat ungefähr 100 Kranke. Die Garnison von Ali⸗ Musjid ließ Waffen, Proviant, 21 Geschütze und etwa 50 Blessirte zurück; die Engländer machten zahlreiche Gefangene, darunter den Commandanten der Garnison des Forts. Die Zahl der, Todten und Blessirten bei den Operationen im Khyberpaß wird auf 300 geschätzt. Englische Cavalerie und Infanterie besetzten ohne Kampf Sibi, einen Qrt östlich von Dadur auf afghanischem Gebiet. ö

Amtlicher Meldung zufolge tritt das Par- lament am 5. Dec. zusammen.

24. Nov. die Truppen der Afridis 500 Mann des afghanischen Heeres abschnitten und ihnen Waffen und Aus⸗ rüstungs ⸗Gegenstände abnahmen.

Italien. Rom, 21. Nov. Die Rückkehr des Königs und der Königin ist auf Sonntag festgesetzt. Deputirte begeben sich nach Albano, um den königlichen Zug einzuholen.

Major Cavagnare meldet, daß

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Morgen und

wonach Rußland auf voller Ausführung des Berliner Vertrazs von türkischer Seite bestehen wird, aber auch seinerseits entschlossen ist, alle Punkte desselben genau zu vollziehen.

22. Nov. Die österreichische Delegation hat das Ordinarium des Heeres Budgets nach den Ausschußanträgen angenommen unter Ablehn⸗ ung der gestellten Anträge auf Selbständigmach ung eines Genie Bataillons und Berittenmachung eines zweiten Hauptmanns per Bataillon. Bei dem Extra- Ordinarium wurde der Antrag Wid⸗ mann's, demzufolge zur Adaptirung der Weendl⸗ Gewehre für verstärkte Patronen 1,712,000 fl. im Sinne der Regierungsvorlage bewilligt werden sollen, angenommen.

23. Nov. In Beantwortung der Inter- pellation Falk in der ungarischen Delegation sagte Graf Andrassy bezüglich des Durchzugrechtes der Russen durch die Dobrudscha, daß die Dobrudscha im Sinne des Berliner Vertrages rumänisches Gebiet sei, daher die von Rumänien übernommenen Verpflichtungen sich auch auf die Dobrudscha er- strecken und somit die Räumung Rumäniens seitens der russischen Truppen sich auch auf die Dobrudscha beziehe. Die Regierung könne die Umgehung irgend eines Punktes des Berliner Vertrages nicht zugeben, habe auch Grund zu glauben, daß auf keiner Seite solche Absicht bestehe. Der öster reichische Gesandte in Bukarest habe heute ge⸗ meldet, es sei gegründete Hoffnung vorhanden, auf eine Vereinbarung zwischen Rumänien und Ruß- land; doch habe er andererseits eine hiermit nicht ganz übereinstimmende Nachricht erhalten, so daß er gegenwärtig eine bestimmte Erklärung nicht ab⸗ geben könne.

Schweiz. Bern, 23. Nov. Die Nachricht der MadriderCorrespondencia, daß mehrere Cabinete der Schweizer Bundesregierung ange- zeigt hätten, sie würden ihre Vertreter von bier abberufen, wenn die Schweiz fortfahren sollte, Anarchisten aller Länder aufzunehmen, ist nach an amtlicher Stelle eingezogener Erkundigung unbe · gründet. Dementgegen schreibt man jedoch von Madrid: Obgleich der schweizerische Bundesprä⸗ ifident noch keine Mittheilung davon erhalten hat,

10 existiren doch Pourparlers zwischen den Mächten,

welche dahin zielen, von der Schweiz zu verlangen,

Laß sie ihre bishecige Duldung der Anarchisten

ufhbren lasse Großbritannien.

das Korum Corps in Bewegung.

London, 23. Nov. nderStandard berichtet aus Thull: Heute, am Donnerstag, früh Morgens um 3 Uhr, setzte sich Das Wetter

übermorgen finden in zwei hiesigen Kirchen Tedeums für den König statt. In Florenz sind mehrere Internationalisten in Folge des Wersens der Orsinibombe verhaftet worden. Die öffentliche Meinung gegen die anarchischen Parteien ist sehr erregt; in Genua und andern Städten fanden öffentliche Kundgebungen statt, wobei man rief: Tod den Sotialisten und Internationalisten!

Neapel, 23. Nov. Der König besuchte gestern Abend Cairoli und überreichte ihm die goldene Tapferkeits Medaille. Die Florentiner Gazetta d'Italia meldet neben der Verhaftung der Bombenwerfer auch die Entdeckung der Bomben⸗ abrik.

Türkei. Constantinopel, 22. Nov. Zwischen der Pforte und Griechenland sind neue Schwierigkeiten entstanden. Der türkische Vor⸗ schlag betreffs der lediglich auf Thessalien zu beschränkenden Gebiets- Abtretung fand in Athen ungünstige Aufnahme; Griechenland beharrt dar- auf, daß die Verhandlungen auf Grundlage der einschlägigen Bestimmungen des Berliner Vertrages geführt werden. Da die Pforte hierzu nicht ge⸗ neigt ist, wurde die Ernennung der türkischen Delegirten verschoben.

Betreffs der Convention wegen Occupation Novibazars verlautet, daß man sich augenblicklich mit der Abfassung eines neuen Conventions Ent⸗ wurfes beschästige, welcher größere Chancen für eine befriedigende Erledigung dieser Frage bieten dürfte. Dieser neuesten Phase ging voraus die Ablehnung gewisser Zumuthungen der Pforte seitens Zichh's.

großer Majorität den türkischen Antrag auf Heim- besörderung der Emigrirten, Aufrechterhaltung ihrer früheren Rechte, Rückerstattung ihres unbeweglichen Vermögens und Entschädigung für ihr bewegliches Vermögen an. Die Pforte wird die Unterstütz ung der Mächte nachsuchen.

Im Laufe der letzten acht Tage besetzte russische Cavalerie die Ortschaften Calabankibi, Kosikibi, Sultankibi und Hadjikibi im Districte Malgara und nahm daselbst wie in Kriegszeiten Requisitionen vor. Die russischen Generalstabs⸗ Offiziere machten allenthalben neue Aufnahmen. Die Pforte beschleunigt in Folge bessen ihre Defen⸗

sivmaßregeln und gab der Besorgniß Ausdruck, daß Rußland sich zu einem Kriege gegen die Türkei vorbereite.

Scutari. Die Häupter der albanesischen Liga beschlossen auf ihrer letzten Versammlung zu

Die internationale Commision nahm mit]

zu stellen: Anerkennung der Autonomie Albaniens unter türkischer Oberhoheit, Bestellung eingeborenen wicbet

Beamten, Zulassung der albanesischen Sprache im en officiellen Verkehr. bit 5

Rumänien Bukarest, 23. Nov. Da 6 1 die meisten Mächte Rumäniens Anschauungen au 0 theilen, so vollzog Rußland den Rückzug seiner deute Truppen, erklärend, es habe lediglich den Durch⸗ be zug durch die Dobrudscha für den vertragsmäßigen ben ah Aufenthalt seiner Truppen auf der Balkan ⸗Halb⸗ 15 0 insel regeln wollen, damit nach der Occupirung Kind et

der Dobrudscha durch die Rumänen etwaige Reib. 90

ungen vermieden würden. 10 1 0 Aus Stadt und Land. K t Bab. Nauheim, 23. Nov. Eine Frau ag(e Rockenberg, welche sich in Friedberg auf einen Bier wagen 90 tet setzte, um bequemer nach Hause zu kommen, siel an der 100 0 Saline von dem Wagen herab, obne daß der Kulscher es 10 0 merkle. Ein Bahnwärter fand die Verunglückte mit dem 0 il Tode ringend am Wege liegen und eilie hierher um à zu. liche Hülse zu holen. Trotzdem diese rasch zur Stelle war, konnte die Frau nicht mehr gerettet werden und gab als, vald ihren Geist auf. Fel n. Echzel l, 23. Nov. In einer Steinbruchhütte in der ber ft Nähe des Häuserbofes fand man dieler Tage die entblößle 1 Leiche eines unbekannten Mannes. Ov hier ein Verbrechen. 15 vorliegt, ist bis jetzt noch nicht sesigestellt. 481 Darmstadl. Angesichts der sich iäglich in erschrecken⸗ 70 P der Weise mehrenden Arbeitolosigkeit und des hier um sich M. 2. greifenden Nolhstandes, welchen Oberbürgermeister Ohly per 10 bauplsächlich auf das Gesetz über den Unterstützungswohnsiß Pfd., und denUnsug mit der Verehelichung? zurückführt, haben 58.

die Stadtverordneten beschlossen, eine Commission niedere

zusetzen, welche darüber zu berathen hat, ob und welche 0 Wegbauten zur Beschäftigung der Verdienstlosen zu unier⸗ Mark nehmen seien.(Veranlaßi dürfte dieser Beschluß auch jeden⸗ Weißt jalls durch den bekannten auch von uns mitgetheilten 60 N Aufruf der Kölnischen Zeitung worden sein, den beinahe mit 6 alle Zeiiungen reproducirt haben und den wir wiederholt Roth den Gemeindevorständen empfehlen.) 1. Or König, 22. Nov. Am Miliwoch Abend hat hier ein 1. O Bursche einen anderen beim Austritt aus der sogenannten Hund Spinnstube durch einen Messerstich schwer verletzt. Eiser⸗ Roser sucht soll das Motiv der That gewesen sein. fahret Wald michelbach, 21. Nov. DieN. H. V. Sto schreiben von hier: Am verflossenen Montag Abend waten Erbse zwei verheirathete Männer aus Ober- Abisteinach, welche per 1 an einer Jagd Tyeil genommen hallen, auf dem Heimweg) Rind begriffen, als in der Nähe von Siedelsbrunn deren Jagd Schw bund laut wurde, wie wenn er ein Wild gestellt häte Geflü In der That bemerkten die Männer eiwas abseits vom, Wege mehrere Gestalten, welche sie für Rehe oder Hirsche 8 dene hielten und ohne Weiteres Feuer auf dieselben abgaben, 7 Haf worauf lautes Wehegeschrei eischallte. Bei näherer Unter⸗ 9. suchung ergab sich, daß die Schützen einen aus Unteischön⸗ mattenwag gebürtigen, bei einem Müller beschäftigien Jungen, welcher zwei Esel trieb, lödtlich getroffen halten. 5 290 Der übrigens geistesschwache, jedoch zu Arbeiten brauch⸗ Ot bare Junge starb denn auch kurze Zeit darauf, während J zu eines der von ihm getriebenen Grauthiere sofort im Feuer hat geblieben war. Die eingeleitete Untersuchung wird das Ve Maaß der Strafbarkeit der beiden unglücklichen Schützen 5 festzustellen haben. 5 au Worms, 20. Nov. Vorgestern Nachmittag fand hit Au im Rheine unterhalb der Schiffbrücke die Taufe von neun Angehörigen der hiesigen Baplisten- Gemeinde statl. Der J 0

Prediger führte die im Aller von 9 bis 18 Jahren stehel 0

Prizrend, in Constantinopel folgende Forderungen

den, nur mii einem wollenen Hemde bekleideten Täufl ng J in den offenen Rhein und tauchte dieselben unter Wassen Ol wobei er einige Sprüche bersagte. Die Getauften verließen 61 den Fluß und kleideten sich wieder an, nachdem sie vorhel 1 im Kreise ihrer Angehöcigen lüchtig abgerieben worden waren, Allerlei. ö M. Stuttgart. Wiederholt bat man schon in, det ö deuischen Presse, wie auch vor Kurzem im Deuischen Reichstage, darauf bingewiesen, daß es diingend nolb⸗ wendig sei, die Ausbebung der Wucher gesetze rückgüng 1 u machen, oder wenigstens doch durch eine andere den Zell, O. verhälinissen angepaßte Gesetzgebung zu ersetzen. Une d0 wirihschaftlichen Vervälinisse können ohne bieses keine nach⸗ a haltige Besserung ersahren und es wird mit dem Joltbe fo siehen des jetzigen Zustandes nur den, Socialdemoltalen und deren Ideen in die Hände gearbeitet. Ein dieset N Tage vor der hiesigen Strafkammer verhandelter Fall, in 10 welchem durch Zeugenaussagen gerichtlich nach gewiesen wurde. daß ein Stuliarier Bankier, zugleich auch Redacleur einet e hier erscheinenden Handelszeitung, ein sogenannter Hoch. b zinsler ist und für gute Wechsel 11, 15 und sogar wil 1 der Staatsanwalt auszurechnen versuchte 34½ Prozent N von Geschänsleuten nimmt, die augenblicklich in Verlegen sil heit sind und Geld bedürfen, dürste insofern auch außer⸗ wi halb von Intcresse sind, als uns wieder der bodenlose gel Abgrund gezeigt worden ist, vor welchem wit gegenwäruß M. stehen. Welcher Geschästsmann kinn solche enorme Zinsen bei diesen schlechten Zeiten und mangelhaftem Geschäft gange erschwingen? Man darf sich nicht wundern. daß 1 8 Bankeroltlise von Tag zu Tag größer wird. Was val, mögen die Gerichte dei der jtzigen Gesetzgebung an thun Nichts! und wie äußersi selten kommen solche Fälle an l Tageslicht. U Genf, 21. Nov. Ungeheuere Schneemassen bedecheg die Eisenbayn unterhalb des Mont⸗Cenis auf der italien 9