Ausgabe 
26.10.1878
 
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Spanien. Madrid. In Folge der energischen Vorstellungen der spanischen Regierung wurden seitens der marokkanischen Behörden am 21. d. in Gegenwart des spanischen Consuls die Wachmannschaften, welche an dem Tage, als der spanische Unterthan Liano von Marokkanern er- mordet ward, mit der Ueberwachung des Lazareths betraut waren, strengt bestraft.

Türkei. Constantinopel. Ein Tele-

gramm der türkischen Regierung spricht Mukhtar Pascha den Dank fär die Pacisikation der Insel Kreta aus. Der Sultan hat den durch die Con- vention bedingten Aenderungen seine Zustimmung gegeben. 23. Oe. Dem Vernehmen nach zeigte Fürst Labanoff dem Großvezier an, die russischen Truppen würden die jetzt von ihnen eingenommenen Stellungen nicht verlassen, bevor nicht für die der russischen Armee folgenden christlichen Flüchtlinge Vorsorge getroffen sein werde, und wiederholte, daß die russischen Truppen vor Unterzeichnung des definitiven Friedens den Rückzug über Adrianopel hinaus nicht sortsetzen würden. Hier eingegangene Meldungen signalisiren eine allgemeine Bewegung der Russen südwärts; es sollen 80,000 Russen südlich des Balkans stebhen und nur wenig in Bulgarien geblieben sein. Mittheilungen, welche der Pforte aus Ueskueb, Kustendsche und Morokope (Bulgarien), sowie aus der Umgegend von Salonichi zugegangen sind, geben Kunde von großer, Be- sorgniß erregender Agitation. In Philippopel wird eine Kundgebung gegen die ostrumelische Com- mission vorbereitet. In Seres(Macedonien) sind bereits Unruhen vorgekommen. Nach weiterer Meldung sind die Unruhen in Macedonien ernster als vermuthet ward. Eine Schaar von 2000 wohlbewaffneten Bulgaren griff am 18. d. M. Krasna an; am 19. d. M. dauerte der Kampf noch fort. In den bulgarischen Districten Djuma und Samakof ist gleichfalls Alles zur Erhebung bertit. Auch Raslik ist von einem bulgarischen Angriff bedroht. Alles deutet auf eine wohl vorbereitete neue bulgarische Erhebung.

Die Pforte hat ihre definitive Antwort auf den englischen Reform- Vorschlag, betreffend Klein⸗Asien, festgestellt. Danach willigt sie in die Ernennung von fremden Gerichts- Inspectoren, jedoch nicht von fremden Richtern mit ausschlag⸗ gebender Stimme; ferner in die Ernennung von mehreren fremden Offizieren für effective Comman⸗ dos in der Gendarmerie, und endlich in die Er nennung von fremden Finanz- Infpectoren, jedoch nicht von dergl. General- Einnehmern. Auch ist die Pforte geneigt, den Steuersatz zu ändern und alle fremden Functionäre auf fünf Jahre zu ernennen.

Serbien. Belgrad. Petew Effendi ist zum türkischen Minister⸗Residenten in Belgrad und

Senator Philipp Christic zum serbischen Minister⸗

Residenten in Constantinopel ernannt. Das serbische Drina ⸗Corps ist auf den Friedensfuß gesetzt. Die bisher nach Serbien geflüchteten mohamedanischen Insurgenten, gegen 5000 an der Zahl, sind nach Bosnien zurückgesendet.

Rumänien. Bukarest. Dem Vice⸗Prä⸗ sidenten des Senats Demeter Bratiano wurde der Constantinopeler Gesandtschaftsposten übertragen. General Ghika wurde zum Gesandten in Peters-

burg ernannt, obwohl der hiesige russische Ver⸗ treter Stuart nur den Rang eines Minister Re- sidenten erbielt.

Aegypten. Alexandrien, 24. Oct. Die Ueberschwemmung des Nils hat beträchtlichen Schaden verursacht, der auf 500,000 Pf. St. geschätzt wird. 250 Menschen sind ertrunken. Die Eisenbahnverbindung ist unterbrochen Die Einwohner beschuldigen die Regierung, die Vor sichtsmaßregeln außer Acht gelassen zu baben.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Ein hiesiger Metzger wurde beim Schlachten einer Kuh von derselben so heftig niederge⸗ worfen, daß er den Oberschenkel brach. ö

Friedberg, 22. Oct. Unser dies jähriger Herbst⸗ Pferdemarkt nahm einen günstigen Verlauf. In 1⁰2 bis 2½j̃ährigen Fohlen waren wirklich Prachtexemplare zu Marke und war darin der Handel ziemlich lebhaft. Von den zu Markt gebrachten Saugfohlen wurde der größte Theil verkauft. In Pferden war das Geschäft nicht so belangreich als am Frübjahrsmarkt. Die Preise für Fohlen sind ziemlich hoch geblieben, ebenso für junge Arbeits⸗ und Luxuspferde. Der gleichzeitig heute hier ab⸗ gehaltene Bullenmarkt, der mit einer Prämitrung seitens des landwirthschaftlichen Vereins verbunden ist, war sebr lebhaft. Der größle Theil der Thiere wurde verkauft und blieb schließlich noch Nachfrage nach guten Bullen von Berner Abkunft.

Bad⸗Nauheim. Die drei inländischen Salzwerke (Bad-Nauheim, Theodorsballe und Ludwigsballe) produ cirien im Etatsjahr 1877/8 zusammen 164 286 Cr. Salz; versieuert wurden 102.662 Cir. mit M. 615 907. In den freien Verkehr gelangten von Ludwigshalle 128 504 Cir., von Bad⸗Naubeim 33,344 Cir. und von Tbcodorsvalle 16,609 Cir., aus dem deuischen Zollgebiet 37512 Cir.(meistens aus Württemberg), aus Frankreich 1101 Cir. Zu landwiribschastlichen Zwicken wurden ab⸗ gabenfrei verabfolgt an 577 Empfänger 40 009 Ctr., für Soda und Glaubersatzsabriken 27832 Cir. u. s. w.

Dorn-⸗Assenheim, 24. Oktober. Gestern hat ein hiesiger Mann seine Frau mit einem Messer gestochen und gefährlich verletzt. Der Tbäter entfloh sodann.

Wölfersheim, 24. Oct. Schon seit einer Reihe von Jahren wurden bier nächtlicher Weile Pasquille an die Hof- und Scheuertbore geschrieben, ohne daß es gelang, den Thäler zu erwischen. Endlich erwischte man in der gestrigen Nacht den Thäter in voller Arbeit. Zwei Ein⸗ wobner verbrachten ihn sosort zum Bürgermeister wo seine Perjönlichkeit ꝛc. sestgestellt wurde, um die Sache dem Gerichte übergeben zu können.

Gießen. Der der Brandstistung verdächtige Einwohner von Heuchelheim ist wieder aus der Haft enlassen.

Gießen. Ein schlecht beleumundeter Bursche aus

Münchholzhausen, auch bier genugsam bekannt, mußte gefiern Abend eingesieckt werden. Dersebe versuchte am Nachminag kleine Mädchen an sich zu locken und insultirte später auf dem Sellersweg nach Hause gebende Fabrik mädchen auf die grödlichste Art, so daß er von zwei Schutz⸗ männern verhastei wurde. Langen. Bezüglich des gemeldeten enzsetzlichen Vor⸗ falls dabier wird von glaubhafter Seite versichert, daß die unglückliche Ehefrau von dem auf sie abgeseuerien Schuß gar nicht gelödiet wurde, daß die Aerzte sogar erkläten sollen, die Krankheit und nicht die Kugel sei als die Ur sache des alsbald nachher eingetretenen Todes zu bezeichnen. Die gerichtliche Untersuchung wird jedenfalls Lich: über den 1 49 noch völlig unaufgcklärten Fall bringen.

Allerlei.

Mannheim, 24. Oct. Auf dem Transport vom Postbureau nach dem Bahnhof ist gestern ein nach Würz⸗ burg vestimmier Postbeutel mit 16000 M. Inhalt auf bis jetzt noch nicht aufgellärte Weise abhanden gekommen. Der Beutel ist auf einem Abort beim Bahnhof heute früh gefunden worden, während das Geld und courante Bank⸗ noten bis jetzt noch nicht wieder auf der Bildfläche er⸗ schienen sind. Wegen Verdachts der Theilhaberschaft an diesem Diebstahl sind drei Personen in Haft genommen.

Gladbach, 22. Oct. Seit dem 3. Sept. d. J. ist die 22jäbrige unperehelichte Gertend Cl. von bier ver

in derselben Angelegenheit ein hiesiger Wunder-Doctor fi,

schwunden. Alle Bemühungen, etwas über ihr Verblesbeg zu ermitteln, blieben bis vor Kurzem ohne Resultal.

Jitzt scheint sich, nach derElberf. Zig., das Räihsel.

in schrecklicher Weise zu lösen. Gestern wurde hier bez Heizer eines hiesigen Fabrik⸗Elablissements verhaftet unte dem Verdachte, die ꝛc. Cl., mit welcher er in unerlaubeen Verhältnisse gelebt haben soll, ermordet und in der Feuerung der Dampfmaschine verbrannt zu haben. Außerdem wu

genommen, als verdächtig, eine verbotene Kur an Verschwundenen versucht zu haben.

Aachen, 21. Oct. Heute Morgen wurde aus dem bh nachbarten Haaren ein Fabrikarbeiter dem hiesigen Geric eingeliefert, der, nach derA. Z., gestern seine eigen Mutter erstochen hat. Der Unmensch ist kaum 30 Jahre alt,

Berge⸗ Borbeck, 18 Oct. Heute Vormittag hat sich hier ein schreckliches Grubenunglück ereignet. Im neuen Schacht der ZecheAnna wurden gegen 10 Uhr Morgen zwei Bergleule unter einem gewaltigen Felsblock gefunden der sich aus dem Hangenden losgelöst hatte. Einer de Verunglückten, am Kopf getroffen, war schon lodt, dg andere starb, während seine Kameraden das Felsstück wen räumten. Die Unglücklichen waren verheirathet; der ein hinterläßt 4 Kinder, der andere 1 Kind.

London, 21. Oct. Aus Merthyr, Wales, wird ein schreckliches Eisenbahn-Unglück gemeldet, das sich am Samstag Nachmittag auf der Taff Vale⸗Eisenbahn⸗ Line oberhalb Pontypridd ereignete, indem ein von Treherberl, Rhandda, Valley, kommender voller Personenzug mit volle Dampfkraft in ein leeren Zug hineinfuhr. So viel bis jetzt ermittelt worden, wurden zwölf Personen auf ber Stelle gelödtet, während mehr als dreißig Personen mehr oder minder erhebliche Verletzungen davon trugen. ö

Handel und Verkehr. a

Frankfurt, 23. Oet. Der heutige Markt war in alle Richtungen hin neichlich mit Cerealien befahren. Auz dem Ried waren ca. 60 Wagen mit Kraut und Kartoffeln. am Platz; für letztere wurden verschiedene Preise ver⸗ langt, je nach der Gegend, und wurden für 100 Kilo M. 6.508 verlangt und bezahlt. Weißkraut der Centner M. 1.50 80, Kohlkraut per Stück 10 Pf., Rothkraut⸗ per Stück 10 Pf., Blumenkohl 1520 Pf., Weißrüben, höchst billig, das ½ Hundert 30 Pf. Ganze Erbsem (per 100 Kiloar) M. 20 23, geschälte M. 24 20, Bohnen M. 28 30, Linsen M. 20 23. Butter das Pfund im Großen 1. Qual. 90 Pf., 2. Qual. 80 Pf., im Detail 1. Qual. M. 1 1.10, 2. Qual. 90 95 Pf, Eier das Hundert M. 6 8. Ochsenfleisch per Pfd. 70 75 Pf., Kuh-, Rind- und Farrenfleisch 54 60 Pf., Kalbfleisch 60 70 Pf., Hammelfleisch 58 68 Pf., Schweinefleisch 7075 Pf.

Frankfurt, 23. Oet. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1. M. 39., Nr. 2 M. 35.) Nr. 3 M. 31., Nr. 4 M. 2. Nt. 5 M. 21. Roggenmehl ¼½(Verliner Marke) M. 21, do. II.(Berliner Marke) M. 18. Waizen, effeetip hie siger ab Bahnbof hier M. 19 50, ab unserer Umgegend M. 18.25 18.50, do. fremder je nach Qual. M. 19.20.50, Roggen je nach Qual. M. 13.16. Gerste W. 13.18 50, Hafer M. 12.50 13.50. Kohlsamen M. 28. 29. Eiben! M. 19. 23. Wicken M 15.16. Linsen M. 17.23. Rüböl, detail M. 70. Die Preise verstehen sich sämmte lich ver 200 Pfo. Zollgewicht 100 Kilo

Neuerdings sind falsche goldene Fünfmarksfücktz mit badischem Gepräge und der Jahreszahl 1877 in Umlauf gesetzt worden. Wie es scheint, haben die Fälschit ganz dünne Goldplättchen geprägt und dann mit Blei ausgefüllt, weßhalb diese Falsificate so weich sind, daß Nägeleindrücke ganz leicht bemerklich erscheinen..

Gießen. Auf dem am 22. und 23. Oetober dahle; abgehaltenen Viebmarkte waren aufgetrieben 1500 Stüc Rindvieh und 774 Schweine; nächster Viehmarkt Dien stag den 5. November d. J.

Geld⸗Cours. Frankfurt am 23. Oetober 1878. 20⸗ Frankenstücke 4 J M. 16 19 b. G. Englische Sovereigns. 20 40-45 Russische Imperiales 186 7075 Holländische fl. 10 Stücke. 16 65 Ducaten b 9 57-62 Ducaten al marco 5 5 9 6267 Dollars in Gold. 8 4 1720

Bekanntmachung.

3389 Laut heute in das Handelsregister vollzogenem Eintrag betreibt Theodor Pfad in Vilbel eine Hand lung mit Eisenwaaren unter der Firma Fleisch und Pfad als alleiniger Inbaber weiter. Vilbel den 22. October 1878. Oroßherzogliches Landgericht Vilbel. Jäger, Pückel, Landrichter. Landgerichts-⸗Assessor.

Bekanntmachung.

3391 Da das von der Stadt Gießen am 24. Februar 1876 beschlossene und von der Aufsichisbehörde genehmigte Anlehe von 600,000 Mark sucecessive aufgenommen werden soll, so können weitere Einzahlungen auf dasselbe gegen Empfangpahme der Obligationen, à 100, 300 u. 500 Mark, bei der Stadtkasse dahier jederzeit noch stattfinden. Gießen den 21. October 1878. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Bur a m m.

Schafpferch-Versteigerung. 3402 Montag den 28. October, d. J., Vormittags 11 Uhr, sollen auf hiesigem Rathhause 10 15 Schaf⸗ pferche öffentlich meistbietend versteigert werden.

Friedberg den 25. Oetober 1878. Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg. Nou ea x.

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Faselochs-Versteigerung. 3403 Mittwoch den 30. Oetober d. J., Nachmittags 2 Uhr soll in hiesigem städt schem Faselstall ein abgängiger, zum Schlachten tauglicher Faselochs öffentlich meistbietend versteigert werden.

Friedberg den 25. October 1878.

Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg.

F o u e a k.

0 Ginstern-Versteigerung. 3383 Donnerstag am 31. October d. J., Vormittags 9 Uhr, sollen im Ober⸗Erlenbacher Gemeindewals

4470 Stück Ginstern⸗Wellen versteigert werden. Die Zasammenkunft ist am Eingang des Waldes au Dillinger Feld. Ober Erlenbach am 24. Oetober 1878. Großherzogliche Bürgermeisteret Ober- Erlenbach. Möglich.

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