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Entwürfe zu erwarten. Sämmtliche Entwürfe werden sofort dem demnächst zusammentretenden Landtag vorgelegt werden.
— Der Kreis Veterinärarzt Dr. Lorenz zu Lauterbach wurde nach Offenbach versetzt, der Veterinärarzt Dr. Eise zu Lich wurde zum Kreis- Veterinärarzt in Lauterbach und der Veterinärarzt
May aus Nieder-Mörlen zum Kreis-⸗Veterinärarzt
in Schotten ernannt.
Berlin, 23. Sept. richten haben die Manöver Anstrengungen den Kaiser nicht angegriffen, und fühlt sich derselbe so kräftig wie vor dem Attentat.
— 23. Sept. Füecst Bismarck ist heute nach Varzin abgereist; er wird daselbst mit seinen beiden Söhnen einige Tage verweilen und dann nach Berlin zurückkehren.
— Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt: Die von„Pesti Naplo“ neuerdings verbreitete Be: hauptung, daß Fürst Bismarck während des Con- gresses der von den österreichischen Delegirteu gestellten Forderung betreffs des europäischen Mandates zur Besetzung Bosniens und der Her- zegowina sich energisch widersetzt habe, ist eine Erfindung von seltener Dreistigkeit. Es ist nicht nur den Cabinetten bekannt, sondern auch in weitere Kreise gedrungen, daß die Vorschläge der österreichischen Bevollmächtigten während des Con · gresses nicht nur bezüglich Bosniens, sondern auch in allen andern Fragen bei Bismarck stets die bereiteste nachdrücklichste Unterstützung gefunden vaben, wie dies den engsten freundschaftlichen Be. ziehungen der beiden Nachbarstaaten entspricht.
— Hobart Pascha soll unserer Admiralität ein Schriftstück überreicht haben, welches die Heb⸗ ung des Panzerschiffes„Großer Kurfürst“ betrifft.
— Das biesige„Tageblatt“ beginnt mit den actenmäßigen Auszügen aus dem Prozeß Nobiling. Aus denselben geht hervor, daß gleich am 2. Juni Nobiling vor dem Criminalgericht vernommen wurde. Seine Auslassungen waren klar und zeigten ibn als einen Mann ven Bildung und Erziehung In diesem Verhör bekannte Nobiling, daß er mit Ueber- legung die That vollführt habe. Er äußerte:„Ich bin im Ganzen Sotial- Demokrat, habe den Ge⸗ danken schon früher, srit October 1877, seitdem ich hier bin, gehabt: Es wäre besser, wenn der Kaiser fortkäme. Ich habe vor achtzehn Tagen den be stimmten Entschluß gefaßt, den Kaiser zu erschießen, und den Entschluß heute ausgeführt.“ Hierauf wurde er ganz erschöpft auf einem Stuhl in die für ihn bestimmte Gefängnißzelle getragen. Es gelang dann Abends, Nobiling nochmals zum Be— wußtsein zurückzurufen und ihn zur Beantwortung der an ihn gerichteten Fragen zu bewegen. In Bezug auf die Genesis seiner verbrecherischen That erklärte er bei dieser Vernehmung, von ihm sei der Plan gefaßt worden, den Kaiser zu tödten; er hätte Anderen in einer Kneipe den Plan vor- getragen und diese hätten zugestimmt. Er hätte sich zunächst zur Ausführung gestellt, könnte aber den Ort und die Theilnehmer der Abrede nicht nennen. Die Bewußtlosigkeit wurde nunmehr dauernd; der Bericht fährt indeß fort: Aber die angestrengtesten Bemühungen haben weder einen Anstifter des Atten⸗ tats, noch einen Gehülfen, noch einen Mitwisser desselben, d. h. einer Person, die von dem Atten⸗ tatsplane Kenntniß gehabt und ihn der Behörde nicht denuncirt hatte, entdecken lassen. Dagegen haben die Haussuchungen bei den Führern der Socialdemokratie und die umfassenden Nachforsch- ungen nach den Antecedentien Nobilings ein nicht unbedeutendes Beweismaterial, sowohl für die Aus- breitung, Verzweigung und Organisation der Social— demokratie in Deutschland und im Auslande, wie für ihre Verbindungen mit den Anarchisten der sogenannten rothen Internationale als auch für die Beziehungen Nobilings zu den Führern der deutschen Socialdemokratie und zu den Social— demokraten in London und Paris ergeben.
Ausland. Oesterreich⸗Unngarn. Wien, 23. Sept. Officiell. Von der 36. Truppen⸗-Vivision wird gemeldet, daß die Entwaffnung in Kozara und dem Prosara-Gebirge anstandslos beendigt sei. Der Commandaut des Truppencordons in Unter-
Nach sämmtlichen Be⸗
lapac berichtet, daß seine Demonstrallon gegen Kulen Vakuf vollkommen gelungen sei.
e 23. Sept. Officiell. Nach einem am 22. d. stattgefundenen sechsstündigen Gefechte wurde das befestigte Hauptlager der Insurgenten auf der dominirendßen Höhe von Sankovie von unseren Truppen genommen, und den fliehenden Insurgenten, welche mit Geschützen beschossen wur⸗ den, der Rückzug gesperrt. Zwei gezogene Ge⸗ schütze, Fahnen, viel Munition, Lebensmittel und Zelte wurden erbeutet. Im Hauptquartier Ge— neral Szapary's erschien eine Deputation aus Tuzla und erklärte die Unterwerfung der Stadt. Die Besetzung und Entwaffnung Tuzla's wurde eingeleitet. In Folge einer Aufforderung durch eine Deputation aus Bielina rückten daselbst am 21. d. unsere Truppen ein und schritten zur Ent⸗ waffunng der Bevölkerung. Die dortige Besatzung wurde beute verstärkt. Unsere Truppen besetzten Olova ohne Widerstand. Die Insurgenten flohen gegen Han- Karaula und Kladanj. Am 21. d. stießen sämmtliche Colonnen des vierten Armee Corps gleichzeitig auf den Feind, der sich auf dem Kamme der Maljevic Planina in ausgedehnten Jägergräben eingenistet hatte. Die Insurgenten wurden aus ihren Verschanzungen verjagt und durch Geschützfeuer verfolgt. Am Abend bezogen unsere Truppen ein Lager bei Dokanj.
— 24. Sept. Qfficiell. Die erste Division rückte nach dem siegreichen Gefecht bei Sankovic und Bandin Ogiak vor bis Rogatica und besetzte diesen Ort. Aus den Berichten der Einwohner geht hervor, daß die Insurgenten theils nach Visegrad, theils nach Goradza entflohen sind. Die Spitzen des dritten und vierten Corps rückten nach Dolnje Tuzla vor; auf der dortigen Citadelle wurde unter Lopalitäts Kundgebungen der Be— völkerung die Kaiserflagge gehißt. Der Fall von Bihac scheint von entscheidender Wirkung gewesen zu sein. Aus allen Gegenden erscheinen Depu— tationen mit Erklärungen der Unterwerfung.
— 26, Sept. Die„Bohemia“ meldet: Das Görzer Platz- Commando theilt mit, daß 500 italienische Freischärler bewaffnet gegen die öster— reichische Grenze ziehen.
— Dieser Tage sind die Verhandlungen über den neuen Handelsvertrag mit den italienischen Abgesandten Elena und Axerio eröffnet worden.
Frankreich. Paris, 22. Sept. Der „Temps“ meldet: da der socialistische Arbeiter congreß am Donnerstag wiederum eine Sitzung zu halten versuchte, so wurden neuerdings Haus- suchungen vorgenommen, die zur Beschlagnahme der Protokolle der Vereinssitzungen führten. Das Journal„Soir“ meldet, in Folge dieser Unter suchungen würden verschiedene Fremde als Asffiliirte der Internationale ausgewiesen werden.
Großbritannien. London, 24. Sept. Aus Calcutta wird berichtet: Ein Offizier des Emirs Schir Ali in Alimusjid verweigerte der britischen Gesandtschaft die Weiterreise und besetzte die Höhen des auf dem Weg liegenden Passes mit Truppen. Der Führer der Militärescorte der Gesandtschaft warnte den Offizier: sein Vorgehen werde als auf Befehl des Emirs erfolgt betrachtet werden. Die englische Gesandtschaft kehrte nach Peshawer zurück. Die Rückkehr erfolgte auf tele graphischen Befehl des Vicekönigs von Indien. Die in Alimusjid befindlichen Truppen des Emirs Schir Ali werden von Afgarisch commandirt. „Daily Telegraph“ will wissen, daß das Cabinet in London zur Berathung der afghanistanischen Frage unverzüglich zusammentreten werde. Einem Telegramm des„Standard“ aus Simla vom 23. d. zufolge fand heute eine Spectalsitzung des Raths des Vicekönigs statt Der Befehlshaber der Grenztruppen reiste mit geheimen Befehlen von Peshawer ab. Die Zusammenziehung einer großen Streitmacht an der Grenze ist angeordnet; 12,000 Mann sind bereits concentrirt. Die indische Presse verlangt Abbitte Seitens des Emirs von Afghanistan oder die Besetzung Afghanistans. Die „Times“ glaubt, die militärischen Operationen dürften vor Frühjahr nicht stattfinden. England könne warten und dem Emir Zeit gewähren, um anderen Sinnes zu werden. Die übrigen Blätter
Schir Ali's schleunige Züchtigung erheische, ohne Rußland in den Conflict zu ziehen.
Italien. Rom, 23. Sept. Die päpftlich Regierung machte angeblich Preußen den Vorschlag, rücksichtlich der wegen Verletzung der Maigesegt abgesetzten oder zu Gefängnißstrafen verurtheilsen Geistlichen dasselbe Vorgehen zu adoptiren, wi der Canton Bern, und denselben die einfach Rückkehr auf ihre Posten zu gestatten. Die Nachricht ist nach Informationen an maßgebende Stelle mehr als zweifelhaft.
— 23. Sept. Der Gesundheits⸗Zustand dez Papstes ist befriedigend; derselbe empfing heut Pilger aus Piemont und verschiedene andere Per sonen.„Voce della Verita“ erklärt es für unbe— gründet, daß in den Verhandlungen zwischen der päpstlichen Curie und Deutschland Schwierigkeiten betreffs der Art der Anwendung der Maigesetz entstanden seien. Ebenso entbehre die Meldung der„Times“ aus Rom, betreffend die angeblich Revision des zwischen der Curie und Belgien be— stehenden Concordates, vollständig der Begründ— ung; dieses Concordat habe niemals bestanden,
Türkei. Constantinopel, 23. Sep Der tunesische Minister des Auswärtigen, Kheredine, der hier mit hohen Ehren empfangen wurde, sol⸗ für einen hohen Posten bestimmt sein.— Aut Kozan, 18. Sept., wird gemeldet, daß der In. surgentenführer Achmet Pascha geflüchtet sei und von zwei Bataillonen verfolgt werde.
Serbien. Belgrad, 23. Sept. Die türkischen Truppen räumten dem Berliner Vertrage gemäß Mali⸗Zwornik und Salar, welche Orte von den Serben besetzt wurden. Gestern empfing der Fürst die Mitglieder der internationalen Com- mission in Audienz und ersuchte dieselben, bei Durchführung der Grenzregulirung das strategische Interesse Serbiens besonders zu berücksichtigen,
Rußland. Petersburg. Aus London wird hierher gemeldet:„Times“ erfährt, Rußland habe Unterhandlungen mit der Pforte eröffnet, um diejenigen Stipulationen des Vertrages von San Stefano, welche lediglich Rußland und die Türkei betreffen und im Berliner Vertrag nicht berührt sind, in einen definitiven Verirag zu ver⸗ wandeln. Eingezogenen Erkundigungen zusolge ist an berufener Stelle hiervon Nichts bekannt.
— Ein Telegramm des Generals Totleben an den Kaiser aus San Stefano, 20. Sept., berichtet: Ich bin Mittwoch Abend in Adrianopel eingetroffen und wurde von der mohamedanischen, griechischen, bulgarischen, armenischen und jüdischen Geistlichkeit empfangen. Alle baten, Ew. Majestät ihre unbegrenzte Dankbarkeit für den Schutz aus zudrücken, welcher ihnen von den russischen Be⸗ hörden erwiesen worden ist. Dabei behauptet man, in Adrianopel sei niemals solche Ordnung und solche Gerechtigkeit gewesen als während des Aufenthaltes der russischen Truppen, welche sich allezeit musterhast betragen hätten. Die Stadt war illuminirt, die Moscheen an den Thoren mit des Kaisers Namenszuge geschmückt. Donnerstag wurde die Stadt mit russischen Flaggen ausgezier und auf den Straßen umkränzte Portraits Euret M jestät aufgestellt. Am Abend bei meiner Abreise war die Stadt, namentlich die Moscheen, wieder illuminirt und die ganze Einwohnerschaft anwesend,
Amerika. Neworleans, 23, Sept. Die Gesammtzahl der bisherigen Erkrankungen am gelben Fieber beläuft sich auf 7972, die der Todesfälle auf 2514.
Aus Stadt und Land. Friedberg. Nachdem vor einigen Wochen ein Dieb⸗ stahlsversuch durch das Wachwerden der Hauseinwohner vereitelt wurde, ist dieser Tage hier mittelst nächtlichen Einsteigens eine werthvolle goldene Uhr mit Kette en!⸗ wendet worden.
Allerlei. Neapel, 23. Sepl. Die in der verflossenen Nacht begonnene Eruption des Vesuvs nimmt zu.
Handel und Verkehr. Friedberg, 25. Sept. Wochenmarkt. Butter kostett per Pfd. M. 1.2030, Cler per Stück 6 Pf. Friedberg, 24. Sept Waizen M. 18.25 Korn M. 14.—15., Gerste M 15—16., Hafer W 12.50 Ale Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.
äußern sich übereinstimmend, daß das Verhalten.


