Monarchie für die Bewilligung des Credits ein- getreten war, wurde letzterer bei namentlicher Ab⸗ stimmung mit 39 gegen 20 Stimmen angenommen.
— 22. März. Fürst Urussoff, der Ueberbringer des Friedens- Vertrags, ift bier angekommen. Ein Petersburger Brief der„Wiener Abendpost“ dementirt die Designirung des Prinzen v. Batten⸗ berg zum Fürsten von Bulgarien. Als Vertreter Italiens beim Congreß ist Graf Corti bestimmt. Die„N. fr. Pr.“ erfährt aus London als autbentisch, daß die österreichisch⸗englischen Alllanz⸗ Verhand- lungen abgebrochen sind. 8
— 22. März. Die österreichische Delegation hat die Credite für die bosnischen Flüchtlinge und die Regierungs Vorlage, betreffend das außer- ordentliche Erforderniß pro 1878 bis Ende April, angenommen. Mit den Beschlüssen der ungarischen „Delegation bestehen nunmehr nur noch geringe Differenzen, deren Ausgleichung voraussichtlich morgen stattfindet.
— Die„Wiener Abendpost“ schreibt mit Be- zug auf die augenblickliche Lage: Das britische Cabinet verlangt die Erklärung Rußlands, daß die Mittheilung des Friedens Instrumentes an die Mächte mit der formellen Vorlegung desselben im Congresse gleichbedeutend sei, während das russische Cabinet seinen internationalen Pflichten mit jener Mittheilung genügt zu haben glaubt und sich zu der ausdrücklichen Vorlage an den Congreß um so weniger verstehen will, als es bereits durch die Bekanntgabe der Friedens⸗Bedingungen jeder einzelnen Macht die Möglichkeit geboten hat, die einzelnen Bestimmungen des Vertrages zum Gegen- stande der europäischen Berathungen zu machen. Eine Verständigung ist bis jetzt nicht erfolgt, und so lange dies nicht der Fall ist, muß auch das Schicksal des Congresses als ein noch unentschie⸗ denes betrachtet werden.
— 23. März. Die bsterreichische Delegation nahm einstimmig den Antrag an: die Petition des Beamten-Vereins und der Versicherungs- Ge- sellschasten wegen Desinfection der Schlachtfelder
dem gemeinsamen Ministerium mit der Aufforderung Bosschaft, an welcher etwa 500 Personen theil.
— Die Admiralität hat die sofsrtige Indienst⸗ stellung der Panzer Fregatte„Invincible“ und der Corvette„Tenedos“ angeordnet. Erstere ist für das Mittelmeer bestimmt. Es verlautet ferner, fünf Dampfer der Counard- und White Star- Compagny sollen provisorisch von der Regierung gemiethet sein.
—„Daily Telegraph“ behauptet die Existenz eines Geheimpacts, worin Rußland den türkischen Besitz garantirt und gegen einen etwaigen eng— lischen Angriff auf den Wasserstraßen die Stellung russischer Hülfstruppen zusage.
— 23. März. Gladstone hielt bei Empfang einer Deputation aus Greenwich eine Rede, worin er sein Bedauern aussprach, daß das Parlament den Sechs- Millionen-Credit bewilligt habe. Er erklärte, er verabscheue den Krieg, constatire indeß, daß dieser Krieg größere Resultate zur Folge gehabt habe, als irgend ein Krieg der letzten Zeit. Er verstehe nicht, weßhalb die britische Flotte sich in den türkischen Gewässern aufhalte und begreife nicht das Verlangen der englischen Regierung, daß Rußland, nachdem es den Friedensvertrag allen Mächten mitgetheilt, ihn noch auf der Conferenz vorlegen solle. Dagegen billige er die Politik der Regierung in Betreff der Dardanellen und in Betreff Griechenlands.
Italien. Rom, 21. März Das Mini⸗ sterium wurde heute in folgender Weise gebildet: Cairoli, Präsidium ohne Portefeuille; Zanardelli: Inneres; Corti, Aeußeres; Seismit- Doda, Finanzen; Baccarini, Arbeiten; Conforti, Justiz; Desanctis, Unterricht; Bruzzo, Krieg; Brocatti, Marine. Cairoli übernimmt einstweilen das Aus- wärtige, Seismit-Doda das Schatz-Ministerium, bis das Ackerbau- und Handels ⸗Ministerium wieder durch Gesetz reactivirt ist.— Die Kammer ist auf den 26. März einberufen, um den Handels- Vertrag mit Frankreich und den Zoll⸗Tarif zu berathen. 23. März. Der König beglückwünschte den Kaiser Wilhelm telegraphisch. Eine veranstaltete Festlichkeit in der deutschen
gestern gestern
über die Besorgniß geäußert, Griechenland dürfte,
wenn der Congreß die hellenische Frage nichl definitiv löse, durch die Aufregung seiner Bevöller⸗ ung in den Krieg getrieben werden. Die Regierung ließ als Congreßbehelf werthvolle statistische Daten über die griechischen Bevölkerungs⸗Verhältnisse in Macedonien zusammenstellen. Die Feindseligkeiten zwischen den Pelion-Insurgenten und den Türken bei Aghia haben wieder begonnen. Die Türken brannten mehrere Ortschaften nieder und massakrirten die Einwohner.
Rußland. Petersburg, 22. März, Der Reichskanzler Fürst Gortschakoff überbrachte beute Morgen dem deutschen Botschafter v. Schweinitz Glückwünsche zum Geburtsfeste des deutschen Kaisers und überreichte dem Botschafter gleichzeitig das Großkceuz des Alexander-Newsky Ordens.
— 22. März. Im Hinblick auf die von England starr festgehaltene Forderung der Er— örterung sämmtlicher Friedens Stipulationen auf dem Congreß und die Haltung in Constantinopel ist die Lage außerst gespannt. An die russische Garde in San Stefano ist Ordre ergangen, dit Einschiffung nach Odessa zu sistiren.
Amerika. Washington. Die Münz ⸗ Commisston der Repräsentanten hat sich für den Gesetz Entwurf ausgesprochen, wonach die Silber, Ausprägung unter den nämlichen Bedingungen wie die Goldprägung erfolgen soll und wodurch die Regierung zur Ausgabe von Certisieaten auf im Depot befindliche Silberbarren ermächtigt wird. Die Regierung fährt mit der Ausprägung von Silber-Dollars für den ausländischen Handels, Verkehr fort.
Aus Stadt und Land.
Darmstadt. Diejenigen Mädchen, welche sich füt das böhere Lehrsach ausbilden und dieserhalb die Seminar⸗ klasse der hiesigen höheren Töchlerschule besuchen wollen, haben ibre Anmeldungen bis zum 13. April spälestens an Director Dr. Wulkow dabier gelangen zu lassen.
Nidda. Der hiesige Vorschuß⸗ und Creditverein hat im abgelausenen Jahre einen Reingewinn von 5352 Mk. erzielt, welcher nach entspfechender Dotation des Reserve— fonds noch die Vertheilung einer Dividende von 10 pCt.
zu übergeben, auf internationalem Wege eine un- nahmen, verlief sehr glänzend. Botschafter v. Keudell gestaltete.
verweilte Beseitigung der durch unbeerdigte Leichen in Bulgarien und Rumelien dem Gesundbeitszustande Europa's drohenden Gefahren anzustreben und zu diesem Bebufe auf die sofortige Bildung einer internationalen Sanitäts-Commission hinzuwirken.
Frankreich. Versailles, 21. März. Der Senat genehmigte die Budgets des Innern und des Krieges. Die Kammer votirte fast einstimmig das ganze Einnahme-Budget.— 22. März. Der Senat genehmigte das Marine Budget mit dem Amendement Kerdrel, wonach der Credit für den obersten Allmosenier der Flotte wiederhergestellt wird. Die Deputirtenkammer beschloß auf An⸗ trag des Finanz- Ministers, die Discussion über die Conversion der§proc. Rente auf einen Monat zu vertagen.
Großbritannien. London, 22. März. Unterhaus. Auf die Anfrage von Williams ant wortet Northeote: vier Panzerschiffe seien in der Bal von Is mid, zwei vor Gallipoli, sieben kleine Kriegsschiffe in verschiedenen Theilen des Marmara⸗ Meeres und an der Sulina- Mündung. Die Umstände, unter denen die britischen Schiffe die Dardanellen passirten, seien bekannt. Die Re- gierung sehe keinen Grund, der gegen die Zu— rückhaltung der Schiffe im Marmara Meere spreche.
— 22. März. Der ehemalige Militärattaché bei der türkischen Armee in Armenien, General Kemball, begleitet Lord Lyons auf den Congreß. Die„Times“ bespricht den Gesammt- Text des Friedens-Vertrages und hebt hervor, daß derselbe Vieles enthalte, was kritisirt und bekämpft werden könne, aber absolut nichts außerhalb der Sphäre der Discussion Liegendes.
Ein hier vorliegendes Telegramm aus Peters burg v. 22. d. besagt: das Gerücht, Rußland habe verlangt, daß die britische Flotte unverzüglich das Marmara-Meer räumen solle, sei übertrieben; dem Gerüchte liege nur die Thatsache zu Grunde, daß Rußland Vorstellungen dieserhalb erhoben habe oder im Begriffe sei, solche zu erheben.
des Fürsten Karl.
toastirte auf Kaiser Wilhelm. Er gedachte der ruhmreichen Tagen von 1870 zu seiner Aufgabe gemacht. Nach einem dreimaligen begeisterten Hoch auf den Kaiser sangen die Anwesenden die
preußische National-Hymne und die Wacht am
Rhein. dem Feste bei.
Türkei. Constantinopel. Der Besuch des Großfürsten Nicolaus beim Sultan ist für den 23. d. beabsichtigt. Der Sultan soll den Besuch auf der Nacht des Großfürsten erwiedern.
Die Russen haben alle Einschiffungs-Vorbereitungen Adrianopel
in San Stefano eingestellt. In wüthet unter den Russen der Typhus. Hobart Pascha soll nach Prevesa gehen und in den dortigen
Gewässern kreuzen.
Serbien. Belgrad, 22. März. Der Herzog von Chartres ist hier eingetroffen und begibt sich nach Bukarest. Die serbische Regierung hat beschlossen, künftig diplomausche Vertreter in Berlin, Paris, Rom, Cettinje und der wahr— scheinlichen Hauptstadt Bulgariens, Sophia, zu unterhalten. Die Stadt Novibazar verbleibt bei der Türkei, die gleichnamige Festung dagegen wird mit Serbien vereinigt.
Rumänien. Bukarest. Einer Depesche Lloyt's aus Sulina zufolge lehnt die europäische Donau Commission es ab, die Donau für die Schiffahrt geöffnet zu erklären, bevor Rußland garantire, daß die Torpedos von Serail bis zur Mündung fortgenommen seien.
— 22. März. Die„Agence Russe“ erwähnte eines in der Stadt circulirenden Gerüchtes von einer Revulution in Rumänien und der Abreise Eine Meldung der„Pol. Corr.“ aus Bukarest von heute dementirt jedoch entschieden diese Gerüchte. Bratiano dürfte zum Congresse gehen. Eine Typhus⸗Epidemie beginnt, Bukarest zu verheeren.
Griechenland. Athen, 22. März. Minister Delijannis hat competenten Persönlichkeiten gegen⸗
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allgemeinen friedlichen Misston, welche der Kaiser nach den
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M. 1.—, Hühner per Stück M. 2—, Hahnen per Stüc
Allerlei.
B. Frankfurt. Vom hiefigen Palmengarten kann kann ich Ibnen berichten, daß die Blüthenhäuser eben schon im herilichsten Schmuck prangen und das Acrangement zur diesjährigen Frühjihrs-Ausstellung nahezu vollendet ist. Wenn auch die Camellien diesesmal weniger reich
Die Peinzessin Friedrich Karl wohnte blühen, versprechen die Azaleen und Rhododendren einen
um so pfachtvolleren Flor. Die Sammlung ist um viele Neuheiten bereichert worden, und finden Liebbaber wie Kenner gewiß Alles, was verlangt werden kann. Auch eine complete Sammlung Cyclamen persicum findet allge⸗ meinen Beifall. Die sämmtlichen Palmen im großen Haus steben in bester Cultur, und der üppige Licepodium' Teppich kann nicht schöner gewünscht werden. Im soge? nannten„Neuen Warmbaus“ sind viele Kinder der warmen Zone vereinigt und bieten des Sehenswzeithen genug. Der Beginn der Ausstellung dürste in den ersten Tagen erfolgen. Die Neue Anlage bat sich sehr emwickelt, und sind es beim Eintritt in den Palmengarten einige neu eröffnete Fernsichten, die wabrhaft üdertaschen. Das klang Fischerhaus und das große Schweizerhaus, welche wir beim Enlie schon erblicken, wirken von diesem Stand- punkle aus wahrhaft wie ein schönes Gemälde, und uin in der jetzigen Jahreszeit muß man diesen Theil der Anlage als den großartigsten bezeichnen. 15
Leipzig. Hier gibt es An socialistische au buchdruckerei; sie“ ist auf Antheilscheine gegründet un zäblt ewa 600 Theilhaber. Mitglieder der Partei ver öffentlichen nun aus diesem Geschäftsbeteied sehr un⸗ socialdemoktatische Gebräuche. Die an der Spitze dei Unternehmens stehenden Agitatoten, d. h. die„Beamten der Partei, haben für sich sehr gut gesorgt, sich hoh Gehaltsbezüge zugelegt und ihre Taschen gefüllt, „Arbeiter“ abet in ihrem„Verdienst“ bis aus's Aeußerß herunlergedrückk. Gleiche Erfahrungen wurden früh schon in Mannheim gemacht. Das sind die in die Praps übersetzten schwulstigen Redensarten der Agltatoren! 1
Leipzig, 25. März. Heute früh starb Ernst Keil, der Herausgeber der Garleulaube.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 23. März. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 1. Eier per Stück 5 Pf., 2 Stück 9 Pf,
Gießen, 23. März. Wochenmarkt Butter per Pfd⸗ M. 1— 1.05, Eier per St. 4—5 Pf., Tauben das Paat M. 2.—, Enten per Stück M. 3.50, Kartoffeln 100 Kile M. 7.50, Ochsenfleisch 70 Pf. per Pfd., Kuh- 1 Rindfleisch 56— 60 Pf., Schweinefleisch 64 Pf., Kalt fleisch 50—56 Pf.
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Fader And zu


