Ausgabe 
22.6.1878
 
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nge 1878.

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Samstag den 22. Juni. M 73.

. Oberhessischer Anzeiger.

Wird hier und in Nauheim Montag, Mittwoch und 1 Freitag Abend ausgegeben.

Erscheint dreimal per Woche und zwar Dienstags, Donnerstags und Samstags.

Areisblatt für den Kreis Friedberg.

Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reelamen mit 22 Pf.;

eee g. ein Beleg kostet 9 Pf. Annoneen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahres-Conto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist,

werden stets per Post nachgenommen.

Amtlicher Theil. can 0 Bekanntmachung. 5 Samstag, den 29. d. Mts., Vormittags 9 Uhr, 3. Wahl von 3 Mitgliedern des Kreis- Ausschusses. en.

findet in dem Rathhaus saale zu Friedberg die diesjährige öffentliche Sitzung des Kreistags des Kreises Friedberg statt. Gegenstande der Tages⸗ Ordnung sind: 1. Wahl der Mitglieder der Einschätzungs- Commission zur Ver a anlagung der Einkommensteuer nebst Ersatzmänner. 2. Wahl von 2 außerordentlichen Mitgliedern der Ersatz⸗Commission

regelmäßige 4. Prüsung und Begutachtung der Kreis-Kasse-Rechnung für 1877. 5. Erstattung des Verwaltungeberichts für 1877.

6. Festsetzung des Voranschlags der Kreiskasse für 1879. Friedberg, 20. Juni 1878. Der Vorsitzende des Kreistags:

und 2 Stellvertretern.

Dr. Braden.

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Deutsches Reich. Darmstadt. Es wurden ernannt: der Ober echnungs⸗Probator 1. Klasse Friedrich zum Ober- echnunge- Revisor, der Oberrechnungs-Probator 2. Klasse Spiegel zum Oberrechnungs-Probator Klasse, der Revisions⸗Gehülfe Landzettel zum Oberrechnungs-⸗Probater 2. Klasse. Militärdienstnachrichten. Schmidt, Unter- enzt vom 4. Groß. Inf. Regt. Nr. 118, zur Zeit in die Charité commandirt, wurde zur Marine zersetzt, Dr. Michaelis, Unterarzt vom 1. Großh. Inf.-Regt. Nr. 115, mit Wahrnehmung einer i dem betreffenden Regiment vacanten Assistenz- Irztstelle beauftragt.

Ausweislich des von dem Abg. Küchler statteten Berichts des Gesetzgebungs-Ausschusses d zweiten Kammer hat dieser letztere beantragt, in Antrag des Abg. Büchner auf Revision des Dahl⸗Gesetzes in dem Sinne, daß ein Wahl- bandidat nicht Wahl- Commissär sein könne, ab⸗ nlehnen, indem für eine solche Bestimmung kein Dedürfniß vorliege. Schon bisher habe die Re herung bei Besiellung der Wahl- Commissäre dar⸗ uf Bedacht genommen, daß Wahl- Candidaten ucht zu Wahl⸗Commissären bestellt worden seien, uch würden Beamte, die als Wahl-Candidaten 9 auftreten wollten, das Amt des Wahl-Commissärs nohl immer ablehnen.

Berlin, 20. Juni. Der Kaiser hat vergangene Jacht sehr gut geschlafen. Der gestrige Tag ver- f in günstiger Weise. In Folge der sehr higen Nacht ist der Kräftezustand ein erwünschter. Leit gestern sind die ersten Gehversuche mit Er lg angestellt worden.

Berlin, 19. Juni. Gortschakoff beantragt n Anschluß an den Rückzug der russischen und aglischen Streitkräfte die Räumung Schumla's u Varna's. Eine Unterstützung seitens der rigen Congreß- Mächte scheint hierfür nicht irhanden.

19. Juni. Die heutige Congreß Sitzung wandelte angeblich einen deutschen Antrag in Hareff einer Militär- Dislocation. Bülow ver lidigte die Vorlage aus politischen Gründen und

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zen der Sicherheit des Congresses. Haymerle 8 Werstützte diese Ansicht. Die englischen und russi · nes Ol sts n Bevollmächtigten mischten sich nicht in die Aci n batte. Das Abstimmungs-Resultat ist unbe⸗

Int. Die bulgarische Frage wurde weiter ver ee, jedoch nicht beendigt. Die Zulassung Mechenlands bei den dasselbe direct berührenden Ankten wurde einstimmig genehmigt. Endgültiger an lechluß erfolgt in der nächsten Sitzung. Die lischen Bevollmächtigten machten hiergegen Lowierigkeiten und drohen mit Abbruch der Ver n dungen auf dem Congreß. England tritt

sagen

sagung.

zu eingehenden Erörterungen Anlaß geben. Die Berufung Rumäniens auf den Vertrag von 1856 werde russischerseits nicht anerkannt, da dieser Ver trag nicht mit Rumänien, sondern mit der Türkei abgeschlossen worden sei. Die Türkei komme somit, da Rumänien als selbstständiger Staat noch nicht anerkannt sei, dabei in erster Linie in Betracht, ganz ebenso wie im vorigen Jahrhundert das deutsche Reich Gebiets Erweiterungen zugestand, unbekümmert um die dabei unmittelbar betroffenen Territorial-Herren. Rumänien werde aber auch mit sich zu Rathe gehen müssen, ob es lieber Bessarabien behalten und sich dafür den fort dauernden Revindications-Ansprüchen eines mäch tigen Nachbars ausgesetzt sehen wolle, dem jenes Gebiet dech nun einmal thatsächlich entrissen worden sei.

20. Juni. Heute Mittag findet eine Sitzung des Staatsministeriums statt, in welcher dem Vernehmen nach über die beim Bundesralhe einzubringenden Vorlagen, betreffend die Bekämpf ung der Social Demokratie, berathen werden soll. 20. Juni. Die Behauptung, daß Fürst Bismarck im Bundesrathe zu Anfang der vorigen Woche in Betreff der einstimmigen Annahme des Antrages auf Auflösung des Reichstages die Cabinets-Frage gestell! habe, erledigt sich durch die notorische Thatsache, daß der Fürst den be⸗ treffenden Sitzungen des Bundesraths gar nicht beigewohnt hat.

Die National- Liberalen widerstreben einer Fuston mit der Fortschritts-Partei, wollen aber die Angriffe auf den Liberalismus Schulter an Schulter mit dem Fortschritt zurückweisen. Das Fortschritts-Wahl-Manifest wird von den National- Liberalen unbedingt gebilligt.

20. Juni. Der Redacteur derBerliner Freien Presse, Schapira, wurde gestern polizeilich sistirt und dann in Haft behalten.

Die Frage, wo die Leiche des Königs Georg von Hannover beigesetzt werden solle, hat nunmehr ihre Erledigung gefunden. Seitens der preußischen Regierung war sofort die Bereitwilligkeit zur Er⸗ füllung des ihr ausgesprochenen Wunsches, die Bei, ung ohne militärische oder amtliche Feier- lichkeit in Herrenhausen stattfinden zu lassen, kund⸗ gegeben worden, und es würde auch nur dieser Wunsch der Anordnung eines feierlichen Leichen begängnisses entgegengestanden haben. Die Hinter bliebenen haben sich jedoch für die Beisetzung in Windsor entschieden.

Wilhelmshaven, 19. Juni. DieLoreley ist nach Folkestone abgegangen, um zu prüfen, ob die Hebung desGroßen Kurfürsten ausführbar ist. Ausland. Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 19. Juni.

Milgend auf. DieNordd. Allg. 31g. schreibt: 0 der bulgarischen Frage dürfte die bessarabische

DiePresse folgert aus den Enthüllungen des Globe( unten: London), Rußland habe einen

englischen Freibrief für alle diejenigen Friedenspunkte in der Tasche, welche nicht unmittelbar die eng- lischen Interessen berühren. Der Vorgang Eng- lands sei ein ungeheuerlicher; dem gegenüber werde Oesterreich auf seinem bisherigen Standpunkte der Lopalität und der offenen Discussion und einer sesten Lösung beharren. DasFremdenblatt betont gleichfalls, für Oesterrkich handle es sich nicht um einen Nothbau, sondern um eine auf festen, natürlichen Grundlagen beruhende Neu- gestaltung, welche an Oesterreichs Grenzen den Frieden verbürge. DasTageblatt meint, gegen Oesterreich hätte man maßlose Anklagen erhoben, wenn es getrennt von Europa auf Wahrung seiner Interessen bedacht gewesen wäre. Es sei gewiß, daß Oesterreich eine Bedrückung seiner Intexressen nicht ruhig hinnehmen werde.

Belgien. Brüssel, 19. Juni. Wie ver⸗ lautet, ist das Cabinet nunmehr definitiv constituirt und folgendermaßen zusammengesetzt: Frére⸗Orban, Präsidium und Auswärtiges; Bara, Justiz; Van Humbeck, Unterricht; Sainctelette, Arbeiten; Graux, Finanzen; Rolin Jacquemins, Inneres; Renard, Krieg. Voraussichtlich werden die Kammern zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen werden, um das Unterrichts⸗Ministerium, das bisher nicht bestand, zu genehmigen.

Großbritannien. London. Ueber die zwischen England und Rußland erzielte Ver⸗ ständigung publicirteGlobe zwei Schriftstücke, die inzwischen seitens der englischen Regierung alsnahezu richtig bezeichnet wurden. Beide Schriftstücke sind vom 30. Mai datirt und als Memorandum bezeichnet. Das erste enthält den angeblichen Wortlaut der zwischen England und Rußland erfolgten, am 30. Mai von Salisburg und Schuwaloff im auswärtigen Amte unter⸗ zeichneten Verständigung und stimmt wesentlich mit den vomGlobe am 30. Mai veröffentlichten bezüglichen Mittheilungen überein. Das zweite Memorandum ist folgenden Inhalts: Unabhängig von den in dem vorhergehenden Memorandum getroffenen Bestimmungen behält sich England vor, auf dem Congresse folgende Punkte zur Geltung zu bringen: a) die britische Regierung behält sich vor, auf dem Congresse die Theilnahme Europa's an der administrativen Organisation beider bulgarischen Provinzen zu beantragen. b) Die britische Regierung wird auf dem Con- gresse die Dauer und Natur der Besetzung Bul⸗ garjens durch Rußland und des Durchmarsches der russischen Truppen durch Rumänien discutiren. c) Ein weiterer Vorbehalt betrifft den der süd lichen bulgarischen Provinz zu gebenden Namen. d) Die britische Regierung behält sich vor, ohne die Territorialftage zu berühren, die Discusston der Frage, betreffend die Donauschifffahrt, ebenso

e) die Frage bezüglich der Meerengen. Der