Ausgabe 
21.11.1878
 
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f uur Reichs⸗Justiz⸗Gesetze.

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Frene ist befriedigend. Dr. Eigenbrodt. Prof. br. Oertel. Dr. Jäger.

18. Nov. Heute Nachmittag fand, wie der

AUllerhöchste Befehl angeordnet hatte, in der Stille

das Leichenbegängniß der Prinzessin Marie statt.

Man erinnert sich, daß bei Berathung der mtsgerichtssitze die zweite Kammer den Wunsch zussprach, die Regierung möge bei der neuen Organisation einzelne kleinere Untergerichte ein ehen lassen, während die erste Kammer sich für ie Beibehaltung dieser Gerichte aussprach. Die kegierung hat sich nun, in Ausübung ihres ver- sessungsmäßigen Organisationsrechtes, überall für ie Aufrechterhaltung des bisherigen Zustandes sutschieden,(auch Nauheim wird hiernach sein Imtsgericht behalten) was dadurch erleichtert porden ist, daß die meisten interessirten Gemeinden ie Mittel für die nothwendigen Neubauten bezw. mänderungen der bisherigen Amtsgebäude bereit zestellt haben. Auf diese Weise sind finanzielle An. hprüche für Bauwesen an die Stände nicht zu erheben.

Während früber die feierliche Eröffnung zes neuen Landtags im Residenzschlosse durch den Proßherzog in Aussicht genommen war, wird itzt in Folge der Erkrankung des Letzteren ledig- ch eine Eröffnung im Sitzungssaale der zweiten Fammer durch den Minister-Präsidenten Frhrn. 1 Starck stattfinden. Unter den den Ständen sfort zugehenden Vorlagen nennt man jetzt auch kestimmt einen kleinen Gesetzentwurf, betr. eine bänderung der landständischen Geschäftsordnung khufs schleunigerer Behandlung des Staatsbudgets, zie ein solcher schon auf dem vorigen Landtag iugeregt, aber nicht zu Stande gekommen war.

Berlin, 19. Nov. Der Landtag wurde heute im g zeißen Saale des Residenzschlosses durch Stolberg köffnet. Im Abgeordnetenhaus eröffnete Präsident d Bennigsen die Sitzung mit einem Hoch auf n Kaiser. Das Haus stimmte dreimal begeistert ti. Der Präsident theilte darauf die bereits ein · gegangenen elf Vorlagen mit. Hierauf erfolgte de Verloosung der Mitglieder in die Abtheilungen. Im Herrenhause eröffnete Präsident Hersog von Jatibor die Sitzung ebenfalls mit einem Hoch auf den Kaiser. Es folgt hierauf die Präsidenten⸗ Vahl unter Leitung des Vicepräsidenten v. Bernuth. aon 72 Stimmen erhält der Herzog v. Ratibor 63 Stimmen, ist somit gewählt. Zum ersten Meepräsidenten wurde Graf Arnim Boitzenburg, um zweiten Vicepräsidenten Oberbürgermeister Fasselbach gewählt.

Kiel, 18. Nov. Die Untersuchungs Com- nässion in der Angelegenheit desGroßen Kur- sirst wird morgen die Admirale Jachmann und Katt gutachtlich vernehmen. Auch Contreadmiral Vatsch, Capitän Blanc und Corvetten-Capitän zembsch sind zu ihrer Vernehmung durch die Untersuchungs⸗Commission hier eingetroffen.

Stuttgart, 19. Nov. Beide Kammern huben sich heute nach einer Unterbrechung von 1 Monaten wieder versammelt. Dieselben traten gleich in die Tages Ordnung ein. Der Prä- tent der Abgeordnetenkammer, v. Hölder, bezeichnet s Haupt- Aufgaben den Etat und die Ausführung

Ausland.

Oesterreich- Ungarn. Wien. Die Nontags-Revue schreibt: So befriedigend die Erklärungen Schuwaloff's im großen Ganzen ge autet zu haben scheinen, ganz werden sie das ebiet ver Retorsions-Politik, welche den Staats- zännern von Livadia, insbesondere in der Evacua- shensfrage zum Leitstern diente, schwerlich ver essen haben. Aus Alledem kann nur die offene ünschiedene Politik herausführen, welche England ud Oesterreich-Ungarn auf ihre Fahne geschrieben ben. Diese Politik, weder türkisch noch anti⸗ fürkisch, fußt auf dem Standpunkte der europäischen

bereits die Unterstellung des occupirten Gebiets in kirchlicher Hinsicht unter den ungarischen, nicht unter den croatischen Bischof.

Pest, 19. Nov. Der Ausschuß der ungarischen Delegation für die auswärtigen Angelegenheiten hat das Budget des Ministeriums des Auswärtigen angenommen; nur der Dispositionsfonds blieb weiterer Berathung vorbehalten.

Lemberg, 17. Nov. Anläßlich des Verbotes eines Fackelzuges zu Ehren des Abgeordneten

Hausner fanden gestern Abend bedeutende Extcesse

statt; ein Polizei ⸗Commissär und einige Polizei mannschasten wurden mißhandelt, worauf die Po- lizei zu den Waffen griff. Mehrere Excedenten wurden verwundet und verhaftet. Nachts war das Militär consignirt.

Frankreich. Paris, 17. Nov. Schu- waloff ist hier eingetroffen; ferner die englischen Minister der Marine und des Krieges; letztere kamen von Marseille.

Großbritannien. London.Standard will wissen, das KanonenbootCondor würde nach Burgas gesendet, um zu ermitteln, ob von den Russen daselbst Befestigungen errichtet seien; England stehe vertragsmäßig das Recht zu, zwei Kanonenboote im Schwarzen Meer zu haben.

18. Nov. Der Vicekönig von Indien, Lytton, beabsichtigte gestern Simla zu verlassen und sich nach Lahore zu begeben, um daselbst die Antwort des Emirs von Afghanistan abzuwarten.

Spanien. Madrid, 17. Nov. Der öffentliche Ankläger beim Appellgericht hat gegen Olivar Moncasi die Vollstreckung der Todesstrafe beantragt.

Italien. Rom, 17. Nov. Sobald der deutsche Kaiser die Staatsgeschäfte wieder über nimmt, wird die päpstliche Regierung einen neuen Schritt in den Verhandlungen mit Deutschland thun. Der Papst würde sodann die Initiative ergreifen und die diesbezüglichen Verhandlungen mit dem Kaiser einleiten.

18. Nov. Das Königspaar traf gestern Nachmittag von den Behörden, zahlreichen Ver einen und einer großen Volksmenge enthustastisch empfangen, in Neapel ein. Als der königliche Zug die Straße Carbonara passirte und mehrere Personen Bittschriften überreichten, stürzte sich ein Individuum mit einem Dolchmesser auf den König und brachte demselben eine Hautwunde am linken Arme, dem Ministerpräsidenten Cairoli eine leichte Wunde am linken Oberschenkel bei. Die Wunde des Königs ist glücklicherweise nur eine sehr ober flächliche Schramme. Auch Cairoli's Verletzung ist eine leichte, die in wenigen Tagen heilbar. Der König führte Säbelhiebe gegen den Kopf des Mörders; Cairoli ergriff den Mörder an den Haaren; ein Kürassier Capitän verwundete den Mörder ebenfalls und übergab ihn alsbald den Wachen. Alles geschah so schnell, daß die in den nächstfolgenden Wagen Sitzenden Nichts davon ge wahrten. Die Königin und der Prinz von Neapel saßen mit dem Könige in demselben Wagen; sie zeigten Beide große Fassung und Ruhe. König und Königin wurden auf der Weiterfahrt nach dem Palast von unaufhörlichen Jubelrufen der Bevölkerung begleitet und mußten sich von dem Balcon des Palastes den nach ihnen rufenden Volksmassen zeigen. Unmittelbar nach dem Atten tate zogen 60,000 Personen vor den Palast und begrüßten den König mit Zurufen. Der Mörder heißt Johann Passamante, ist Koch, 29 Jahre alt, aus der Provinz Potenza. Derselbe erklärte, er gehöre keiner Verbindung an, wolle aber keine Könige, weil er arm und stets von seinen Herren mißhandelt worden ski. Mehreren Blättern zu folge soll Passamante ein fanatisches Mitglied der Internationale und bereits im Jahre 1870 wegen revolutionärer Affichen verhaftet worden sein. Die Nachricht von dem Attentate auf den König

Privathäuser, alsbald sich mit Flaggen bedeckten und vielfach illuminirt wurden. Große Volks- haufen durchzogen unter Vorantritt von Fackel⸗ trägern mit Musik und unter begeisterten Ovationen auf den König die Stadt. Verschiedene Corpo⸗ rationen traten sofort zusammen, um Glückwunsch⸗ Telegramme an den König und Cairoli zu erlassen. Die hier anwesenden Deputirten drückten ebenfalls in einer Depesche an Cairoli ihren Abscheu über das Attentat und Dank an die Vorsehung für die Errettung des Königs aus. Auch der Papst beauftragte den Erzbischof von Neapel, den König zu dem glücklichen Ausgange des Attentats zu be⸗ glückwünschen. Auf dem Capitol hielt der Syndikus eine mit Begeisterung aufgenommene Ansprache,. Aus vielen anderen Städten werden patriotische Kundgebungen anläßlich des Attentats gemeldet. Allgemeine Erbitterung herrscht über die Frevelthat.

Neapel, 19, Nov. Bei dem Mörder Passa⸗ mante sind mehrere Schreiben von Mitgliedern der Internationale gefunden worden. Mehrere Mitglieder der Internationale wurden in Folge dessen verhaftet und sind weitere Verhaftungen verfügt. Der König empfing viele namhafte Per sönlichkeiten und Deputationen und bemerkte hierbei, daß er vor Kurzem zwei Briefe erhalten habe, in denen mitgetheilt sei, daß ein Attentat ausgeführt werden würde. Vor dem Palast drängte sich den ganzen Tag eine große Volksmenge unter patrio tischen Kundgebungen. Ebenso fanden in Palermo während des ganzen Tags patriotische Demon strationen mit Hochrufen auf den König und den Rufen:Tod den Mördern! Nieder mit den Socialisten! statt. Das Befinden des Königs ist sehr befriedend. Die Wunde Cairoli's ist vier Centimeter lang. Man hofft, derselbe werde morgen das Bett verlassen können. Bei dem Ein⸗ zug hatte sich der König die Begleitung von Polizei⸗Agenten verbeten, weil er mit der Bevölker⸗ ung in unmittelbarer Berührung bleiben wollte. Der Mörder hat gestern und heute mehrere Ver höre bestanden und angegeben, er hasse nicht den König Humbert besonders, sondern die Könige

überhaupt. Er habe sich viel mit Journal-Lesen beschäftigt. Der Mörder hat eine Wunde und eine Contusion. Sein Testament wurde in Vieste be schlagnahmt. Während gestern Abend in Florenz

auf dem Signoria-Platze eine patriotische Kund⸗ gebung für den König stattfand, platzte mitten unter der Volksmenge eine Orsinibombe, wodurch zwei Personen getödtet und mehrere Andere verwundet wurden. Trotz der Erbitterung der Bevölkerung über diese Schandthat nahm die patriotische Kund⸗ gebung ihren ruhigen Fortgang.

Türkei. Constantinopel, 18. Nov. Karatheodori Pascha ist zum General-Gouverneur von Kreta ernannt, heute vom Sultan empfangen worden und reist demnächst ab. Der Sultan hat Midhat Pascha telegraphisch beauftragt, die eng⸗ lischerseits vorgeschlagenen Reformen in Syrien einzuführen.

19. Nov. Der Minister hat die Grund- lage für ein eventuelles Abkommen mit Griechen land festgesetzt. Hiernach gewährt die Pforte, falls Griechenland von der im Berliner Vertrage sestgesetzten Grenzlinie absiebt, eine ausgiebige Gebietsentschädigung in Thessalien. Die Ernenn ung von türkischen Delegirten zu den Verhand lungen mit Griechenland wird erwartet.

Serbien. Belgrad, 17. Nov. Der Fürst ist heute nach Nisch abgereist.

Rumänien. Bukarest. Die Kammern sind zum 27. November einberufen; zur Eröffaung wird der Fürst eine Thronrede verlesen.

18. Nov. Die Räumung Rumäniens seitens der Russen hat begonnen. Die russische Transport- und Approvistonirungs-Commisston ist vorgestern nach Odessa abgegangen. Die Intendanz

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Zuteressen und europäischen Beschlüsse. Sie muß Ales wollen, was der Berliner Vertrag vorschrieb, ger sie darf zu Nichts die Hand bieten, was dseser Vertrag ausschloß oder unberührt ließ.

und das Sanitätswesen werden am 22. Nov. nach Kischeneff abgehen. Die Kriegs-Casse schloß ihre Zablungen ab, welche fortan nur in Rustschuk geleistet werden.

und von dessen glücklicher Errettung, welche durch Plakat der Stadtbehörde bekannt gegeben wurde, hat hier in Rom ungeheure Aufregung und die

i bebe ndt Der bekannte Diakovarer Bischof Stros- lebhaftesten Demonstrationen hervorgerufen. Zahl Amerika. New⸗Nork, 19. Nov. Eine dh 1 nuher reiste nach Rom behufs Regelung des lose Menschenmassen erfüllten alsbald die Straßen] Privat-Depesche aus Lima meldet: Pardo, Prä e en e k holischen Kirchenwesens in Bosnien und der und sammelten sich vor dem Parlamente und sident des Senats von Peru und ehemaliger Prä 6 96 Dirzegowina. Die ungarischen Blätter verlangen anderen öffentlichen Gebäuden, die, wie zahlreiche sident der Republik Peru, ist ermordet worden.

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