**
.——̃—
Hasselmann, welcher v. Kleist⸗Retzow bei der Aeußerung, die Social⸗Demokraten bereiteten den Hochverrath vor, das Wort„Denunciant“ zuge⸗ rufen hatte, wurde vom Präsidenten zur Ordnung gerufen. Bebel forderte den Präsidenten zum Ordnungsruf gegen v. Kleist auf, der die Social- Demokraten der Vorbereitung zum Hochverrath beschuldigte, und gegen den Fürsten Bismarck, der Fritzsche als Lügner erklärt, und von den Social- Demokraten als Banditen gesprochen. Prästdent v. Forckenbeck: Bei einer anderen Gelegenheit würde er eine so scharfe Sprache, wie die von Kleist's gerügt haben, doch handele es sich nicht um persönliche, sondern um materielle Angriffe. Nach dem stenographischen Bericht, den der Peästdent verliest, seien die anderen Aeußerungen allgemeiner Natur. Bracke(Social Demokrat) sprach sich gegen die Vorlage im Sinne Bebel's unter An- griffen auf Bamberger aus. Dollfus erklärte sich als Gegner des Gesetzes und empfahl die elsässischen Zustände als Vorbild bezüglich des Verhältnisses zwischen Arbeitgebern und Arbeit— nehmern. v. Kardorff sprach für den Entwurf und verwies auf die Thatsachen, welche lauter und überzeugender sprächen als eine Argumentation, und auf die französische Gesetzgebung gegen die sotialistische Umsturz⸗ Partei, welche strenger als die Vorlage sei. Jagzewski(Pole) erklärte sich gegen die Vorlage, obwohl er die Verderb lichkeit der socialdemokratischen Agitationen aner— kennt. Damit fand der Schluß der Debatte statt. Nach einigen persönlichen Bemerkungen wurde die Ueberweisung der Vorlage an eine Commission von 21 Mitgliedern beschlossen. Dagegen stimmten die Polen und Socialdemokraten.— 18. Sept. In der deutigen Sitzung wurde angezeigt, daß die Commission für das Socialisten-Gesetz con stituirt set; dieselbe besteht aus folgenden Mitglie- dern: von Bennigsen(Vorsitzender), Harnier, Lasker, v. Puttkammer(Fraustadt), v. Schauß, Gneist, Reichensperger(Olpe), Moufang, v. Hert- ling, Brüel, Graf Galen, Hauck, Schwarze(stell vertretender Vorsitzender), v. Schmid(Württem⸗ berg), v. Kardorff, v. Stauffenberg, Hänel, Hoffmann(Schriftführer), v. Helldorf, Ackermann und v. Goßler.— Der Antrag Bracke auf Sistirung des Straf- Verfahrens gegen Fritzsche wurde vom Hause angenommen, nachdem der An— trag Beseler's auf Ueberweisung an die Geschäfts⸗ Ordnungs⸗Commission abgelehnt worden war.— Die auf der heutigen Tagesordnung stehenden Wahl⸗Prüfungen wurden von derselben abgesetzt.
— 17. Sept. Contre- Admiral Werner in Kiel hat sein Enlassungsgesuch eingereicht, doch ist es verfrüht, bereits jetzt dessen Annahme zu melden. In gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen erwartet man übrigens noch weitere Folgen für unsere Marine aus den Meinungs⸗Verschiedenheiten zwischen Stosch und Vielen seiner Untergebenen. Das Demissions-Gesuch Werner's erregt großes Aufsehen, weil es als Protest gegen das System Stosch betrachtet wird. Gestern Morgen fand eine Erörterung zwischen Stosch und Werner statt, worauf Werner sofort von den Geschäften zurücktrat.
— In Bezug auf die Niedersetzung des Kriegsgerichts in der Angelegenbeit des„Großen Kurfürsten“ ist vom General- Auditoriat Bericht erstattet worden. Die Entscheidung darüber, an welches Corps die Sache zu weisen ist, steht noch von höchster Stelle aus. 3 19. Sept. Die Reichstags Commission für das Socialistengesetz hielt heute Mittag ihre erste Sitzung und trat ohne Generaldebatte als- bald in die Berathung des ersten Paragraphen ein. Zahlreiche Mitglieder des Bundesrathes wohnten der Sitzung bei.
Kassel, 18. Sept. Das Befinden des Kaisers ist fortgesetzt gut. Spazierritt und empfing Nachmittags die
Ser rilt beiden Geschäftsführer
der Naturforscher- Versammlung,
welche die Festschrift überreichten und zur Tafel gezogen wurden. Heute durchschritt der Kaiser um 11 Uhr den hiesigen Schloßpark.
fuhr der Kaiser im offenen
Hauptstraßen von Kassel,
schen Kundgebungen der dichtgeschaarten Menge
Der Kaiser machte gestern einen und
begleitet, und besuchte das Palals, sowie Schloß Bellevue.
— Die von der Kasseler gesammten Schul- jugend beabsichtigte Ovation wird am Sonntag, den 22. auf dem Friedrichsplatz vor dem Palais in Scene gehen. An dem genannten Tage wer- den beide Majestäten die Garntsonskirche besuchen und von dort direct in das Palais fahren. Wie programmmäßig bestimmt, werden die jugendlichen Kehlen drei Verse des„Heil Dir im Sieger kranz,“ alsdann ein kräftiges Hoch ertönen lassen, wobei der Kaiser je nach der Witterung entweder am Fenster oder auf dem Balkon sich zeigen wird. Alsdann soll von der Kinderschaar längs der Königsstraße, so weit es eben geht, Spalier ge— bildet werden. Nachdem die kaiserlichen Wagen hindurchgefahren sind, wird im Garten der Aetien— brauerei für die jungen Sänger und Sängerinnen eine Erfrischung bereit gehalten.
Ausland.
Oesterreich- Ungarn. Wien. Ueber eine angebliche Cooperation Oesterreich Ungarns mit Serbien und Montenegro sind bisher keinerlei Verhandlungen gepflogen, noch auch nur ange— regt worden.
— Vom Commando des vierten Armeecorps ist folgendes Telegramm eingelaufen: Von der 13. Truppendivision hat die 26. Infanteriebrigade am 16. Sept. Dubrava an der Tinja erreicht, während die 25. Brigade nach hartnäckigem, bis in die Nacht hinein währenden Gefechte Loncare und Krespie besetzte. Am 17. Sept. hatte die 13. Division sich zum Angriff auf Novi-Breka zu formiren, und war die 25. Brigade mit dem linken Flügel an der Save à cheval längs der Straße von Samac entwickelt, während die 26. Brigade die Direction gegen die Südseite von Novi⸗-Breka erhielt. Die Truppen rückten in hartnäckigem Feuergefechte vor und konnten anfänglich wegen gänzlichen Mangels an Aus- sichts⸗Punkten von der Artillerie nur wenig unter- stützt werden. Erst im weiteren Verlauf des Vorrückens war es möglich, 3 Batterien in's Feuer zu setzen. Die Infanterie gelangte bis zur Lisiere des Ortes, erstürmte 2 daselbst ange— legte Verschanzungen, von denen eine mit 2 Ge— schützen armirt war, und drang alsdann in den Ort ein, welcher sofort besetzt wurde. Der Wider— stand war bis zum letzten Augenblick äußerst hart—
näckig. Das Gefecht endete erst gegen 8 Uhr Abends. Es wurden 2 Geschütze und 2 Fahnen erbeutet.
Großbritannien. London. Die„Mor— ning Post“ erfährt, daß Graf Beust von seinem Posten als Botschafter zurücktrete und Graf Karolyi zu seinem Nachfolger bestimmt sei. Letzterer würde im November sein Amt antreten.
— Das deutsche Kronprinzenpaar steuer te 50 Pfund Sterling zu dem Hülfsfonds für die durch den Schiffsunfall auf der Themse Betroffenen bei.— Unterstaats-Secretär Lowther hielt auf einem konservativen Bankett in Nork eine Rede, worin er lebhaft die Ansprüche Griechenlands mißbilligte. Europa würde die Wiederbelebung der Orientfrage durch den übertriebenen Ehrgeiz der Griechen kaum geduldig mit ansehen.
— Gholam Hussein, der Abgesandte der indischen Regierung, ist am 10. September in Kabul eingetroffen und gastfreundlich empfangen worden. Derselbe überreichte dem Emir das Schreiben des Vicekönigs. Mir Akhor, der Ueberbringer der Antwort des Emirs in Betreff der englischen Gesandtschaft, wird demnächst in Bombay erwartet.
Türkei. Constantinopel, 18. Septbr. Die Russen räumen San Stefano in zehn Tagen gehen nach Tschataldja.— Moussa Pascha
wird Erzerum besetzen und hat die Ermächtigung, im Falle von Ruhestörungen das Kriegsrecht an- zuwenden.
— Die ostrumelischen Kreise Stremensk, Crtche,
f Um 1 Uhr Holm, Komuschesk, Trzuegorsk und Rzischowsk en Wagen durch die senden Delegirte nach Constantinopel an die dortigen überall von enthustosti⸗ Vertreter der Großmächte behufs der Ueberreichung von Protesten gegen die Abtrennung Ostrum liens
von Bulgarien. Die Delegitten erklärten gleich⸗ zeitig, die Bulgaren hätten beschlossen, kürkischt Besatzungen im Balkan nicht zu dulden.
— 18. Sept. nister des Auswärtigen in einer Cireculardepesche an die diplomatischen Vertreter der Pforte die
Verantwortlichkeit für die Ereignisse in Bosnien und der Herzegowina abgelehnt und zugleich be
tont haben, daß seitens der Pforte der Berliner Vertrag vollständig respektirt worden sci.
Tro 4 dem scheint bei der Pforte der Abschluß eine
Convention mit Oesterreich-Ungarn wieder leb.“ hafter erörtert zu werden. Seit dem 7. Sept, bereits liegt dem Sultan ein die Unterzeichnung auf Grundlage der letzten österreichischen Vor schläge anrathender Beschluß des türkischen Minister⸗ raths vor. Von allem Anfange an vertrat Sapfel die Opportunität des Abschlusses der Convention, und thut dies auch gegenwärtig, indem er betont, daß die Existenz einer Convention eo ipso die Fortdauer des Rechtstitels der Pforte auf den Besitz Bosniens invofvire. Gegen diese Anschau⸗ ung bemühten sich der Kriegsminister und geistliche Würdenträger, den Sultan einzunehmen.— Die Räumung der russischen Stellungen vor Constan- tinopel wird jetzt lebhaft betrieben. Man glaubt, das russische Hauptquartier werde Ende dieser Woche nach Adrianopel verlegt. Gleichzeitig soll Totleben nach Livadig abreisen.— Wie versichert wird, soll es Layard gelungen sein, bei der Pforte die Annahme der von England für die astatische Türkei aufgestellten Reform Projekte durchzusetzen.
— Die türkische Regierung beabsichtigt, die in Bulgarien gelegenen Domänen, sowie Vorräthe an Waffen und Kanonen im Werthe von ungefähr 2 bis 3 Millionen Pfund Sterling zu verkaufen.
Serbien. Belgrad. 12,000 bosnische Insurgenten haben sich von Bertschka nach Bjelina zurückgezogen. Bei Zwornick sind 20,000 Insur⸗
genten unter Hadji Loja concentrirt. Die vor— nehmeren Familien aus Bosnien flüchten sich nach Serbien.
Amerika. Newyork, 17. Sept. In
Massachusetts organisirten die Anhänger Butler's eine besondere Convention und stellten Butler als Candidaten für den Gouverneurs-Posten auf.— In Neworleans und Vicksburg nimmt das gelbe Fieber mehr und mehr ab.
— Einem Telegramm aus Jamaica vom 18. Sept. zufolge, waren vereinzelte Fälle vom gelben Fieber in Port Ropal constatirt worden, doch sei die Krarkheit bisher nicht epidemisch—
Verloosung.
Mailänder 10⸗Lire⸗Loose vom Jahre 18686. Ziebung vom 16 September. Fünf Serien: 2098 2933 3257 6088 7378. Haupt- Treffer: Serie 2098 Nr. 19 30 000 Lire, S. 2098 Nr. 73 1000 L., S. 3257 Nr. 24 Bad⸗Nauheim. N
500 L. öbel Bad⸗Nauheim. H. Blensdorf, Hoftapezier. Spiegel und Polsterwaaren eigener Arbeit. 1063 Große Auswahl, billige Preise a. Theilz.
Dielen, Latten und Stollen
155 zu Friedberger Preisen bei Veb-gaubeim. Pb. Kappes, Schreinermelfrk
2454 Oefen
aller Art bringe ich in empfehlende Erinnerung zu sehr billigen Preisen. Friedberg.
Jean Huber. Steinerne — 77—* r Töpfe und Krüge, von ½16 Liter bis 40 Liter Inhalt, zum Einmachen und
ür Latwerge geeignet, hat vorräthig ge geeig
%% tier. Hilbrecht Witwe. Leere Füßchen& stein. Töpfe, zum Bohnen- und Gurkeneinmachen, bei
2537 Georg Groß.
Ein Realschüler er unteren Klasse findet freundliche Aufnahme in
einer hiesigen Familie. Näheres bei der Expedition des Anzeigers. 2972
Savpfet Pascha soll als Mi..
55 Costüm
von verkan 61
sch Junk,


