Ausgabe 
14.11.1878
 
Einzelbild herunterladen

Jugend Achtung vor den freisinnigen Institutionen stationirte Compagnien reguläres türkisches Militär bat Gelegenheit genommen, von Neuem die Ber,

des Landes einzuflößen.

Die Organisation des überfallen, nach 30stündigem Kampfe gefangen ge- sicherung der friedsertigsten Gesinnungen abzugeben,

Militärwesens, sagt die Thronrede, ist bisher un- nommen und nach Harbis abgeführt. Bulgarische Graf Schuwaloff, dessen Rückkehr nach London

vollendet.

Die Schaffung einer Nationalreserve Insurgenten griffen auch Jenikaessi-Gracanica an beschleunigt wurde, erbielt Auftrag, dem Londoneg

und die Ausrüstung der Bürgergarde mit wirk- und setzten die mohamedanischen Ortschasten Bres- Cabinet die Absicht des Zaren gewissenbaftest⸗

samen Waffen sei nothwendig. Bezüglich der wirthschastlichen Krisis erörtert die Regierung die Mittel zur Minderung der durch die Krisis her- beigeführten Leiden. Das Budget Gleichgewicht habe aufgehört ein gesichertes zu sein. Sehr

beträchtliche Verpflichtungen, welche der Staats⸗

schatz eingegangen sei, machten es nothwendig, bezügliche Vorsorge zu treffen. Endlich kündigt die Thronrede Vorlagen in Betreff einer Verbesserung der Wahlgesetzgebung an.

Großbritannien. London, 11. Nov. Ein Telegramm aus Bombay enthält eine Meldung derTimes of India, wonach man in Simla auf eine friedliche Lösung der Schwierigkeiten mit Afghanistan hofft. Man nimmt an, Rußland werde im Interesse des Friedens eine Pression auf den Emir ausüben, der ohnehin auf Erfolge gegen die Engländer nicht rechne. Der englische Oberbefehlshaber ist nach Peschawer abgegangen. Im Falle eines Kriegs soll die Division Brown die erste Verwendung finden. In den Verbindungen mit Quettah sind große Schwierigkeiten eingetreten.

Der frühere Vicekönig von Indien, North brook, äußerte sich in Winchester dahin, daß die Rectisication der Nordwestgrenze Indiens sich wahrscheinlich auf die permanente Occupation von Quettah beschränken werde.

Spanien. Madrid. Die ministeriellen Blätter dementiren die Gerüchte in Betreff einer Cabinets Krisis. Das Ministerium besitze das Ver trauen der Cortes und der Krone in gleichem Maße.

Zeitungs Meldungen zufolge würde der Ministerpräsident Canovas nach der Berathung des Preßgesetzes eine Modification des Ministeriums anregen und, wenn der König ihn mit der Neu- bildung des Cabinets beauftragen werde, Elduahen und Jovellar als Mitglieder in dasselbe aufnehmen.

Italien. Rom. DieRiforma erfährt, der Bürgermeister Graf Glusso werde bei Gelegen- heit der bevorstehenden Ankunft der Majestäten in Neapel den König ersuchen, dem Kronprinzen vom Erzbischof von Neapel, Graf Sanfelice, die Fir; melung ertheilen zu lassen, welche der Papst er- lauben wolle, wenn sie begehrt würde. Das Er- gebniß ist wichtig wegen der bekannten Patronats- Stellung des Erzbischofs. Sollte der König zu stimmen, so würde dies eine öffentliche königliche Anerkennung der päpstlichen Ernennung bedeuten. DerDiritto dementirt die Nachricht vom Wieder- erscheinen der Räuberbanden in Sizilien.

Die politische Behörde in Mailand hat Maßregeln ergriffen, zu verhindern, daß die aus Deutschland auswandernden Internationalisten diese Stadt zum Centrum ihrer Propaganda machen, wie dies beabsichtigt zu sein scheint. Vorläufig wurden zwei deutsche, ein französischer und zwei österreichische Soeialisten ausgewiesen. Die Meldung, daß vor Ankunft des königlichen Paares in Bologna die Verhaftung von gegen 100 Per- sonen als Präventiv⸗Maßregel vorgenommen wor den, ist übertrieben. Die Polizei hat, unter Ver⸗ antwortung des Quästors, nur einige Personen verhaftet.

11. Nov. Die italienischen Delegirten für die Verhandlungen über den Handelsvertrag mit Oester⸗ reich reisen morgen nach Wien ab, da die öster reichische Regierung sich zur Wiederaufnahme der Verhandlungen bereit erklärt hat.

Türkei. Constantinopel. Die Gerüchte über die Demission Sapfet Pascha's erhalten sich. Said Pascha ist der vermuthliche Nachfolger.

10. Nov. Nach Salonichi sind Verstärk ungen abgegangen. Der Gouverneur von Salonichi rechtfertigt die Bewaffnung von fünftausend musel manischen Freiwilligen mit dem Hinweis auf die Annäherung von bulgarischen Banden, welche Grausamkeiten begehen. Die Russen haben den District von Malgara wieder besetzt.

11. Nov. Nach Berichten, welche der Pforte aus Seres(Macedonien) zugingen, wurden

nica, Marsca, Podlirea und Hinrica in Flammen, wobei viele Weiber und Kinder getödtet sein sollen.

Feststellung der bulgarisch rumelischen Grenze be- findet sich gegenwärtig in Silistria. Die bei Ernennung des türkischen Commissärs sich ergeben den Schwierigkeiten haben das Zusammentreten der Commission der Art verzögert, daß dieselbe

endigen im Stande sein wird. Die Commission

dann aber die Fortsetzung ihrer Arbeiten bis zum nächsten Frühjahr verschieben müssen, da die Be⸗

möglich ist.

vom Sultan unterschrieben. Fürst Labanoff pro- ponirte der Pforte, falls sie den Abschluß eines definitiven Friedens Vertrags mit Rußland absolut nicht herbeiführen wolle, so möge die Türkei eine Declaration erlassen, nach welcher der Sultan alle jene Punkte des San-Stefano⸗Vertrags, welche durch den Berliner Vertrag nicht aufgehoben wurden, als für sich rechts verbindlich betrachtet. Sapfet Pascha zeigt wenig Geneigtheit, diesen Vorschlag zu acceptiren.

11. Nov. Midhat Pascha ist zum General-

Gouverneur von Syrien ernannt. Der Minister⸗

rath berieth die Antwort auf die griechische Note, in welcher die Ernennung von Delegirten für die Grenzberichtigung verlangt wird. Dem Vernehmen nach ist der Beschluß des Ministerratbes dem Anspruche Griechenlands günstig; derselbe ward dem Sultan vorgelegt. In Burgas treffen fortgesetzt russiche Truppen ein.

Die Pforte richtete an den Fürsten Labanoff eine neue Reclamation bezüglich der 150 türkischen Soldaten, welche bei den jüngsten Kämpfen von den bulgarischen Insurgenten gefangen genommen und später russischen Truppen übergeben wurden. Die Pforte verlangt die Herausgabe dieser Sol- daten und wird hierbei von dem britischen Bot- schafter Layard energisch unterstützt.

Die internationale Comission für Rumelien nahm den Antrag des österreichischen Delegirten an, nach welchem die Botschafter der Mächte in Constantinopel, die die Repatriirung der mohame danischen Flüchtlinge betreffenden Maßregeln zu berathen und die internationale Commission ihre diesbezüglichen Beschlüsse durchzuführen habe. Sämmtliche Commissions- Mitglieder stimmten für den Antrag, mit Ausnahme des russischen Dele⸗ girten, welcher dagegen protestirte.

Serbien. Belgrad, 12. Nov. Der Fürst hat heute die Ernennung des bisherigen serbischen Agenten in Wien, Dr. Zukits, zum Gesandten Serbiens am Wiener Hofe vollzogen. Zukits geht nächster Tage nach Pest, um dem Kaiser seine Creditive zu überreichen.

Griechenland. Athen, 10. Nov. Die Opposition in der Kammer verlangte nicht, wie gemeldet war, die Vorlegung der auf die Insur⸗ rection in Thessalien und Epirus bezüglichen Acten, sondern derjenigen, welche die Verausgabung von 3 Millionen Drachmen für die Flüchtlinge be treffen. Nachdem deren Vorlegung zugesagt worden war, erklärte sich die Opposition für befriedigt. Es ist gegründete Aussicht, daß das Cabinet Kumunduros, welches seine auf Durchführung des Berliner Ver- trages gerichtete Politik fortan unangefochten bleibt.

12. Nov. In Folge eines Compromisses zwischen Kumunduros und der Opposilion brachte Ersterer in der Kammer einen Gesetzentwurf ein, wodurch die griechische Armee um weitere 20.000 Mann vermehrt werden soll. Die Vermehrung soll theils durch Einreihung von Freiwilligen, theils durch Reorganisirung der National-Garde erfolgen.

von den aufständischen Bulgaren zwei in Krasna

Rußland. Petersburg. Die aussssche Regierung, besorgt über die alarmirenden Gerüchte

Die internationale Militär-Commission zur

ihre Arbeiten in diesem Jahre nicht mehr zu be⸗

wird höchstens bis Ende November die Grenze Dorheim, II. Nov. zwischen Silistria und Mangalia bestimmen können, f.

reisung des Balkans während des Winters un-

Ausführung des Berliner Vertrages in vollem Umfange zu betheuern.

Aus eingezogenen authenthischen Berichten aus dem Innern des Reichs ist die Thatsache zu constatiren, daß die Handels- und Fabriks-Ver⸗

bältnisse die befriedigendsten sind. Die Messen von

Nischninowgorod und Charkow fielen sehr günstig aus. Die Fabriken des Gouvernements Wladimit haben ein ausgezeichnetes Jahr.

Aus Stadt und Land.

Heute wurde der Vater des Z. von Braut und Bruder vergifteten Schudt von hier, als der Mitthälerschaft verdächtig, geschlossen an das Land⸗ gericht Nauheim abgeliefert.

t. Kaichen. Arlikelaus der Wetterau, um dessen Reproduktion im Interesse der Sache wir ergebenst bitten. Der Artikel

1 0

Das Reform ⸗Jrade für Klein⸗Asien wurde laulet:Bei der durch seine Vergangenheit für hessische

Geschichte und Alterthumskunde merkwürdigen, im hert⸗ lichsten Theile der Wetierau gelegenen Dorfschaft Kaichen befindet sich unmitlelbar an der Landstraße auf einer Er⸗ höbung, wo sich ein anziehendes Bild mit Baumalleen, Wäldern und dem früher kurfürstlichen Schlosse Naum burg und mehr in der Ferne den Höhen des Vogelsberges und Spessaris entrollt, ein Denkmal aus alser Zeit. Unter den weitarmigen Aesten einer mehr als 100jqährigen Linde, zwischen üppigen Kastanien, einer Schillereiche und Frie⸗ denslinde liegt jetzt friedlich ein Ruhepunkt für ermüdete Wanderer, die einst berühmte Malstait der Grasschaft Kaichen, die eine auf drei Seiten von steinernen Bänken umgebener steinerner Tisch, sowie eine nach der Straße zu liegende Platte, deren fragliche Bestimmung nicht abzusehen ist, noch heute kennzeichnet. Diesen denkwürdigen Zeichen droht in letzter Zeit der Untergang; ein Theil der stei⸗ neruen Bänke und zwar gerade derjenige, der mulhmaßlich aus der alten, in Rede stehenden Zeit stammt, ist beteus zertrümmert. Es wäre höchst bedauerlich, wenn diese in unserem Lande einzigen, an ihrem ursprünglichen Bestimm⸗ ungsorte noch befindlichen Reste einer altdeutschen Malslakt jetzt ihrem Untergange preisgegeben würden, nachdem sie schon den grauenhaftesten, vernichlendsten Kriegsstürmen getrotzt und die Erinnerung an jene längst verschwundenen Zeiten noch heute erwecken, an Zeiten, wo bei ihnen die freien Grundeigenthümer der reichsun mittelbaren Grasschaft aus 18 umliegenden Dörfern bestezend, die gemeinsamen Angelegenheiten ordneten, Rechtsstreuigkeiten beilegten, oder über Leben und Tod ihr entgültiges Urtheil fälltien, wo Dynasten, Grafen, Ritter, weltliche und geistliche Herres allerort erschienen, um an der Wahl des einflußreichen Obergrafen als Vorsitzenden im Gerichte Theil zu nehmen! Ja, an die schön gelegene, anziehende Stälte, mit ihren ehrwürdigen Zeichen, im Munde des Volkes heißt sie der sieinerne Tisch?, knüpft sich eine Reihe historischer Er⸗ innerungen, ein Stück Culturgeschichte und vor Allem ein interessanses, in engen Rahmen gedrängtes Bild echt deut⸗ scher Rechtsgeschichte, und mit nicht geringem Eifer haben Männer wie der Geheime Staalsrath Eigenbrodt, Mader, und vorzugsweise Dr. Friedr. Thudichum in seiner Schrift Geschichte des freien Gerichtes Kaichen, Gießen 1857, in Wort und That an der Ersorschung jenes Gerichtes und seiner Geschichte, in die Kaiser und Fürsten, geistliche und weltliche Herren, Vertreter angesehener Städte han⸗ delnd verwoben sind, gearbeitet. Ihre Versuche konnten wahrlich durch Nichts mehr belebt werden, als durch die noch vorhandenen Zeichen und den Schauplatz jener Thaten, Zeiten und Geschlechier. Auf die Erhaltung derselben als seltener, historischer Denkmale des eigenen Volkes sollie denn doch dieselbe Sorgfalt verwendet werden, die man allenthalben den Resten, die einst der Römische Krieger in unseren Gauen zurückließ, zu widmen pflegt. Da die gerügte Zerflörung der Anlage bis jetzt nur in dem Umsturz der einen öst⸗ lichen Bank beslehl, so ist deren Wiederaufrichtung durch das freundliche Entgegenkommen maßgebender Perfönlich⸗ keiten in Kaichen bereiis gesichert.

Darmstadt, 10. Nov. Heute starb in Folge eines Schlagansalles einer der Veteranen unseres Staalsdienstes, der Duector der Ober-Rechnungskammer Geheimeialh Wernher. Der Verlebte, vor Jahren Mitglied des Minifle⸗ riums und bis zuletzt Vorsitzender der Prüfungs⸗Commisston für das Finanzfach, halte noch vor Kurzem an der Frage wegen Rrorgansation der Ober-Rechnungskammer shäligen Antheil genommen, und erfreute sich anschrinend der desten Gesunoheit.

Darmstadt. In den ersten 9 Monaten dieses Jahres ist die Einsuhr von ausländischem gesalzenem oder ge⸗ räuchertem Fleisch nach Deutschland um 52 Prozent ge⸗ sniegen und belief sich dieselbe auf 50,395 Ceninex.

Darmstadt, 11. Nov. Auf einer gestern bei Gun⸗ dernhausen staltgehabten Treibjagd wurde ein 16jähsiger Bursche von einem Darmstädier Schützen durch einen

(Schrolschuß geiödtet. Wie man bört, soll keine Fahrlässig⸗

keit des Schützen, wobl aber eine des Erschossenen vorliegen.

Pfungsad't, 11. Nov. Ein hiesiger Schuhmacher ließ sein 10jähriges Kind in einem Zimmer allein und entfernte sich auf kurze Zeit von seiner Behausung. Als er eiwa 10 Minuten später wieder nach Haus kam, fand er sein Kind jammernd voll Brandwunden vor dem ebren⸗ nenden Beit liegen und ist es in der Thal ein Räspsel

Der Gießener Anzeiger enthält einen

2 7 8

SN

e

13

o

ä 2