Ausgabe 
14.9.1878
 
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Beilage.

Hberhessischer Anzeiger.

M109.

Deutsches Reich.

Dar mstadt. Dem Oberappellations- und Cassations⸗Gerichtsrath Dr. Röder wurde der Charakter alsGeheimerath, dem Friedensrichter Dr. Siebert in Worms der Charakter alsJustiz- math verliehen; dem Prosessor Dr. Diegel zu Friedberg wurde das Ritterkreuz 1. Classe des Philipps Ordens verlieben; dem Generalsecretär Busch wurde der Charakter alsBaurath verliehen

Militärdienstnachrichten. Der Generalmajor d la suite und Flügeladjutant von Grolmann wurde zum Generallieutenant à la suite, der Oberstlieutenant Rüti zum Oberst und der Ritt, meister Barthel zum Major befördert.

Berlin, 11. Sept. In der heutigen Sitzung des Reichstages wurde die Wahl des Präsidiums vorgenommen. Abgegeben wurden 359 Stimmen, davon erhielt v. Forckenbeck 240, v. Frankenstein 114 und Delbrück 3 Stimmen; 2 Stimmzettel waren unbeschrieben. Somit ist v. Forckenbeck zum Präsidenten gewählt; derselbe erklärte unter dem Ausdrucke seines Dankes die Annahme der Wahl. Bei der Wahl des ersten Vice ⸗Präsidenten wurden 359 Stimmen abgegeben; davon erhielten von Stauffenberg 125, v. Frankenstein 119, v. Seyde⸗ witz 115; da also keiner die absolute Majorität rhalten hatte, so findet zwischen diesen drei Can vidaten eine engere Wahl statt. Die Stichwahl rgab 129 Stimmen für v. Stauffenberg, 121 ür v. Frankenstein und 111 für v. Sepdewitz. Es fand nunmehr eine weitere Stichwahl zwischen Stauffenberg und Frankenstein statt. Die er- neuerte Stichwahl ergab 175 Stimmen für von Stauffenberg und 142 für v. Frankenstein; 33 Zettel waren unbeschrieben. Sonach ist Stauffen- verg gewählt; derselbe nahm die Wahl dankend an. Zum zweiten Vice Präsidenten wurde mit 212 on 335 Stimmen Fürst Hohenlohe-Langenburg zewählt; 117 Stimmzettel waren unbeschrieben. Zu Schriftführern wurden durch Acclamation ge- wählt: Bernards, Graf Kleist(Schmenzin), Thilo, . Soden, Blum, v. Minnigerode, Weigel und Eysoldt.

DemFrankf. Journal schreibt man: Heber Nobiling's Tod kann ich folgende Einzelheiten berichten: Nobiling ist am 10. d. Nachmittags Uhr seinen Wunden in der Krankenanstalt der ziesigen Stadtvogtei erlegen. Sein Zustand, so- weit er körperliches Leiden betraf, anscheinend esser, war doch noch immer äußerst bedenklich, za die Eiterung der Wunde unaufhörlich fort- zauerte, obgleich von den ihn behandelnden Aerzten viederholt die Ansicht ausgesprochen wurde, daß, wenn nicht Blutvergiftung durch die Vereiterung fantrete, Nobiling am Leben zu erhalten sei, wie⸗ wohl durch massenhaften Verlust von Gehirnmasse an der völligen Wiederherstellung der Geisteskräfte mtschieden gezweifelt wurde. Seit letztem Sonn- ing verschlimmerte sich der Zustand des Patienten ichtlich; Dienstag Mittag erklärten die Gefängniß⸗ Uerzte, daß er nur noch wenige Stunden zu uben habe. Seine Mutter wurde eiligst herbei irufen und verlebte mit ihm die letzten Stunden.

Ob ihr Sohn bei Verstand gestorben, ob er seine That bereut, ob er überhaupt Mittheilungen ge macht, wollte die Mutter nicht mittheilen. So Beit wir heute unterrichtet sind, ist er ohne weitere Mittheilungen aus der Welt geschieden. Da obiling noch Untersuchungsgefangener und nicht trurtheilt war, so steht es der Familie frei, ainen Leichnam zu beanspruchen. Nobiling's Tod st durch Blutvergiftung in Folge der Vereiterung berbeigeführt; die Obduction wird Näheres er- eben. DieNat. Ztg. bemerkt anläßlich des

Todesfalls, der Reichstag müsse beanspruchen, vom Zustizminister über Hödel's und Nobiling's Ver- rechen actenmäßiges Material zu erhalten. 12. Sept. DieVossische Zeitung meldet, Zismarc's Ankunst sei schon morgen erwartet. Ec werde jetzt einen ständigen Sicherheitsdoppel-

posten vor seinem Palais erhalten. bäuser seien schon aufgestellt.

Die Schilder Der Grund zu

dieser auffälligen Maßregel sei unbekannt,

Ausland. Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Philippo- vich wird am 28. sein Hauptquartier angeblich behufs leichterer Verbindung mit Wien, sowie mit sämmtlichen Armeecorps Bosniens von Serajewo nach Brod verlegen. Darin wird mehrfach die

Bestätigung des Gerüchts erblickt, daß der Vor⸗

marsch gegen Novibazar für dieses Jahr unter bleibt. Diese Concentration nach rückwärts be weist, wie sehr man seinen Gegner unterschätzt hat, und daß es noch schwerer Anstrengungen be

darf, um Bosnien und die Herzegowina zu pacificiren. Pest. Die Journale publiciren die Staats-

Einnahmen und Ausgaben des zweiten Quartals von 1878. Die Einnahmen betragen 46,213,224 fl. gegen 45,927,018 fl. des entsprechenden Quartals des Vorjahres. Die Ausgaben belaufen sich auf 50,936,344 fl. gegen 50,944,483 fl. im Vorjahre.

Großbritannien. London. Der Genie Oberst Home ist zurs britischen Commissär der bulgarischen Grenz Commission ernannt.

Spanien. Madrid. DasDiario meldet, daß eine Verschwörung zu Gunsten der Föderal- Republik in Sevilla entdeckt worden sei. Es seien Verhaftungen vorgenommen und wichtige Papiere in Beschlag genommen worden.

Italien. Rom. Oesterreichische Journale geben den oberitalienischen Manövern der italien. Armee einen Charakter, den sie in keiner Weise haben. Die Concentration dieser Truppen hat nichts Außergewöhnliches; es sind die alljährlichen gewöhnlichen Manöver, wie sie alle größeren Militärmächte, selbst in ausgedehnterer W. ise, veranstalten. Italien berief thatsächlich noch nicht einmal die Reserve-Classen ein, wie dies gegen- wärtig in Frankreich geschieht, noch berief es jemals die mobile Miliz, wie dies in Oesterreich mit der Landwehr bei den Manövern geschieht, noch endlich schädigte es das gute Einvernehmen und die Bande gegenseitiger Interessen, die uns mit der österreichisch-ungarischen Monarchie verbinden.

In Folge mehrerer Fälle der Nieder- metzelung von Katholiken auf der Balkan⸗Halb- insel, hat der Papst den Cardinal Nina beauftragt, die Aufmerksamkeit der Mächte hierauf zu lenken und um ihren Schutz für die Katholiken nachzusuchen.

Türkei. Constantinopel. DieTimes meldet von hier, der Finanzminister Kiani Pascha sei entlassen und durch Ruschdi Pascha ersetzt worden.

Die Pforte hat ihren Vertretern im Aus- lande aufgegeben, der Zeitungs-Nachricht, wonach der Scheik ül Islam an die muselmanische Be- völkerung Albaniens ein Manifest erlassen habe, amtlich zu widersprechen.

Das letzte Telegramm Mehemed Ali Pascha's an die Pforte von Jakowa vom 4. Sept. meldet, daß die Bevölkerung in höchster Aufregung sei. Man beschuldigte ihn, daß er gekommen sei, das Land an die Serben auszuliefern. Das Haus Mehemed Ali's wurde von den vereinigten Albanesen von Jakowa und Ipek angezündet. Es entspann sich ein Kampf zwischen denselben und seiner Escorte, von welcher 20 Mann fielen. Gegen Abend wurde durch die Intervention der Ulemas dem Kampfe Einhalt gethan und von den Aufständischen eine friedliche Haltung zugesagt. Aus Prizrend wurde der Pforte gemeldet, daß in Jakowa ein neuer Kampf stattgefunden habe. Der Adjutant Mehemed Ali's, Abdullah Pascha und mehrere Offiziere seien getödet und das Haus, worin sich Mehemed Ali befunden, angezündet worden. Mehemed Ali, noch unversehrt, habe sich in ein benachbartes kleines Haus geflüchtet, sei daselbst jedoch aufge- sucht und erschlagen worden. Die Zahl der todten Offiziere sei noch unbekannt. Man glaube, daß auch zwei Compagnien, die Mehemed Ali zu

seinem Schutze von Prizrend requititte, massacrirt worden seien.

Folgende Details über die Ermordung Mebemed Ali's werden noch bekannt: Die unmittel- bare Veranlassung zu der Katastrophe gab die von Mehemed Alt am 5. Sept. in Jakowa einberufene Versammlung albancsischer Häuptlinge, welchen er den Gegenstand seiner Mission auseinandersetzen wollte. Als Mehemed erklärte, daß die Regierung nicht die Macht habe, sich dem Willen des ge einigten Europa's gewaltsam zu widersezen, und somit auf Ausführung der Congreß-Beschlüsse Bedacht nehmen müsse, weshalb den Albauesen ernstlich gerathen werde, der Durchführung der beschlossenen territorialen Veränderungen keine Schwierigkeiten zu bereiten, brach in der Ver sammlung der Sturm los, welcher sich auf die Straße verpflanzte und zu einem blutigen Kampfe führte, in welchem 100 Personen theils getödtet, theils verwundet wurden. Erst später gelang es dem Mufti die Ruhe herzustellen. Mehemed be- nutzte dies, um mit seinem Gefolge eine andere Zufluchtsstätte aufzusuchen, woselbst er die Nacht unbehelligt verbrachte. Am Tage darauf wurde jedoch sein neues Quartier von den fanatischen Albanesen ausgespäht, die sofort zum Angriffe schritten und sowohl ihn als 39 Personen seiner Escorte, theils Offiziere, theils Soldaten, nach verzweifelter Gegenwehr niedermetzelten. Mehemet Ali erhielt 16 Wunden, darunter 8 tödtliche.

10. Sept. Der neu ernannte deutsche Bot- schafter Graf Hatzfeld besuchte vor seiner Aus- schiffung den General Totleben in San Stefano. Der Marine-Minister hat sieben Transport- Dampfer nach Batum zur Herbeförderung der Garnison und des Materials abgesandt.

DiePolit. Corr. meldet, die Pforte habe noch von keiner der Großmächte eine Antwort auf ihre Circulardepesche in Betreff der griechischen Frage erhalten. Die Pforte bleibe indeß entschlossen, zu erklären, daß sie jetzt keine Delegirten für die von Seiten Griechenlands geforderte Grenzregu lirung ernennen könne.

Serbien. Belgrad. In serbischen Re- gierungskreisen sieht man mit Besorgniß der Ent- wickelung der Ereignisse in den angrenzenden türkischen Provinzen entgegen. Mehreren Mit- gliedern des hiesigen diplomatischen Corps wurde der nachgesuchte Urlaub von ihren Regierungen abgeschlagen. Der augenblicklich abwesende britische Vertreter Colonel Gould trifft übermorgen hier ein.

Griechenland. Athen, 11. Sept. In Folge einer Ministerberatbung hat der Kriegs- minister die unverzügliche Einberufung der beur- laubten Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten an befohlen. Das JournalEthnikon Pneuma bemerkt bei Veröffentlichung dieser Nachricht, daß die bezügliche Maßregel durch gewichtige Beweg- gründe eingegeben sei.

Geld ⸗Cours. Frankfurt am 12. September 1878.

1

20 Frankenstücke. 1. M. 16 2327 Englische Sovereigns. 20 40-45 Russische Imperiales.. 16 6873 Sai fl. 10⸗Stücke. 16 65 G.

Juen 9 60-65 Duca e sse, 9 60-65 Dollars in Gold. 1 4 17 20

Loose à 3 Mark zur Deutschen Middle-Park⸗Lotterie

2884 sind zu haben in der Exped. des Oberhess. Anz.

Zur Verloosung sind bestimmt: A. 1 Hauptgewinn (Vollblut⸗Hengst) im Werthe von 30,000 M. B. 1 Haupt⸗ gewinn(Vollblut-Hengst oder Zuchtstute), im Werthe von 15,000 M. C. 3 Hauptgewinne(Zuchtstuten),& 10,000 M., im Werthe von 30,000 M. D. 5 Hauptgewinne(Zucht⸗ stuten), à 8000 M., im Werthe von 40 000 M. E. 10 Haupt gewinne(guchtstuten), à 6000 M., im Werthe von 60,000 M. F. 20 Hauptgewinne(Zuchtstuten), d 3000 M.,

im Werthe von 60,000 M.