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— 12. Februar. Sitzung des Reichstags. Fürst Hohenlohe zeigt an, daß er die Wahl zum zweiten Vice-Prästdenten annebhme. Die Abtheil⸗ ungen und die vier Fachcommissionen haben sich constituirt. Nachdem der Präsident die neu ein; gegangen Vorlagen mittgetheilt, begann die erste Beratbung der Rechts- Anwalts Ordnung. Die Vorlage ging an eine Commission von 21 Mit- gliedern. Der von Schulze⸗Delitzsch beantragte Gesetzentwurf, betr. die privatrechtliche Stellung der Erwerbs- und Wiribschasts-Genossenschaften, ging nach kurzer Debatte an eine Commission von
Italien. Rom, 11. Febr. Das gestrige Congregat beschloß, das Conelave in der ersten Etage des Vaticans abzuhalten. Heute wird das Conclave- Reglement berathen. Man versichert, die intran⸗ sigenten italienischen Cardinäle wollten nicht nach Malta, sondern nach Miramare bei Triest geben; Manning allein wäre für Malt. Das Fußküssen des Papstes wurde, um Unordnungen zu vermei— den, heute eingestellt. Die officielle Leichenfeier wird nicht in der Petri-Kirche, sondern in der sixtinischen Capelle stattfinden. Cardinal Macclockey ist Samstag von New Rork nach Rom abgereist.
14 Mitgliedern. Der Antrag Demmler's, betr. die Sistirung des von dem Leipziger Bezirks- Gericht gegen Liebknecht anhängigen Straf- Verfahrens während der Dauer der Session wurde genehmigt.“
— 12. Febr. Gerüchtweise verlautet, daß ein deutsches Panzer-Geschwader berkitgestellt werde. Doch ist Bestätigung abzuwarten.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 12 Febr. Es wird allseitig bestätigt, daß die Flotten sämmtlicher Großmächte vor Constantinopel erscheinen werden. Oesterreich, Frankreich, Italien haben bereits bei der Pforte die Bewilligung nachgesucht. Die Pferte ist bertit, dem Wunsche der Großmächte zu entsprechen. Daraus wird geschlossen, daß der Einmarsch der Russen in Constantinopel entweder bereits erfolgt sei oder unmittelbar bevorstebe. Heute sind be— reits zwei österreichische Ktiegsschiffe von Triest nach den Dardanellen abgesegelt. Es geht das, allerdings unbestätigte Gerücht, britische Schiffe seien dom Ufer der Dardanellen aus beschossen worden. Das Casemattschiff„Kaiser“ geht von Pola aus nach der Levante; die Panzerfregatte „Habsburg“ mit dem Contre- Admiral Bary wird demselben wahrscheinlich morgen folgen.
Frankreich. Paris. Der frühere Minister Christophle wurde zum Gouverneur des Credit soncier an Stelle Grivard's ergannt.
Großbritannien. London, 11. Febr. Im Unterbause erklärte Beaconsfield auf Befragen von Dunraven: er habe keine Nachricht, daß russische Marine- Soldaten türkische Schlffe besetzt hätten. Auf eine Anfrage Granville's erwiederte Derby:„Als Admiral Hornby die Dardanellen— Forts erreichte, waren die Commandanten derselben noch nicht im Besitz von Instructionen, wonach sie die Flotte passiren lassen konnten. Hornby erbat telegraphisch Instructionen.“ Er(Derby) habe Depeschen mit der Pforte gewechselt. Noch beständen zwar Schwierigikeiten gegen das Ein laufen der Flotte, doch sei er überzeugt, daß die— selben bald beseitigt würden. Auch drei andere Mächte hätten die Erlaubniß zum Einlaufen nach gesucht. Im Unterhause wurde nach kurzer De- batte der Bericht über den Extra Credit ohne Abstimmung angenommen; deßgleichen der Antrag, das Geld mittelst Schatzbonds zu beschaffen.
— 12. Febr. Die Admiralität erließ nach Chatam Befehl, auch über die gewöhnliche Zeit binaus zu arbeiten, um die im Bau begriffenen Schiffe schleunigst zu vollenden. In allen Arsenglen berrscht außergewöhnliche Thätigkeit. Vier Panzer- schiffe des Canal Geschwaders erhielten tele— graphischen Befehl, nach Gibraltar zu gehen und dort weitere Instructionen zu empfangen. Die weiter veröffentlichte diplomatische Correspondenz enthält eine Depesche von Loftus an Derby vom 9. Februar, worin Loftus die Antwort Gort— schakoff's mittheilt auf ein Telgramm Derby's vom 7. Dec., betreffend die Besetzung Tschataldja's durch die Russen und den Rückzug der Türken von der Linie von Tschekmedje. Gortschakoff er- klärt, er habe noch keine positiven Mittheilungen über die Details der Waffenstillffands Convention; er müsse indeß hinzufügen, daß alle Fragen, welche die zwischen den türkisch russischen Behörden vereinbarte Demarkations Linie betreffen, aus— schließlich die Kriegführenden angingen. Alle Lon doner Blättet führen ausnahmslos eine kriegerische Sprache. Der„Standard“ erklärt, England sei überlistet, aber Rußland werde seine Superklugheit bereuen. Die„Morning Post“ nennt den Lord Derby einen Schwachkopf, welcher Englands Ehre sehr compromittirt habe.
wartet.
— Man versichert, daß mehrere auswärtige Car— dinäle auf das Conclave einen mäßigenden Ein— fluß ausüben werden.
— Das Ministerium ließ acht Bataillone In- fanterie und die Eleven Legion der Carabinieri nach Rom kommen, um während des Conclave und der Inthronistrung des Papstes Dienst zu thun.
— 11. Febr. Die Cardinäle sind in drei
Parteien gespalten, deren Führer Manning, Panebianco, Simeoni sind. Primas Senior ist definitiv mit der Ausübung des österreichischen
Veto-Rechtes betraut worden.
Türkei. Constantinopel, 8. Febr.(In- direct.) Gemäß den Bestimmungen des Waffen- Stillstandes haben die Türken heute Widdin, Rastschuk, Silistria, Belgradschik und Erzerum
— Ein officielles Telegramm aus Tfflis meldet: Am 6. Febr., zwei Tage nach Bekannt- werden des Waffenstillstandes und Einstellung der Feindseligkeiten, wurde eine Abtheilung Kosaken im Dorfe Kichtschik von 300 mit Magazin-Ge— wehren bewaffneten Kurden und Tschetschenzen über fallen. Eine zu Hülfe herbeigekommene Escadron Nischninowgorod'scher Dragoner sah sich gezwungen, euer zu geben. Der Feind wurde getzen das Dorf Ternitz zurückgeworfen. Jsmail Redif Pascha wurde von diesem Vorgange mit dem Ersuchen benachrichtigt, strenge Maßregeln zur Verhütung solcher Ueberfälle zu treffen.
Aus Stadt und Land.
Offendach. Den Bemühungen der biesigen Polizei ist es gelungen, den Thalbestand des Bürgeler Kinder- diebstahls festzustellen. Die belreffende Frau aus Oberrad lebie von ihfem Manne geitennt und gab während dieser Trennung einem Kinde das Leben, beseitigte aber dasselbe wahrscheinlich für immer. Die Polizei bekam davon Kunde und verlangte den Aufenthalt ihres Kindes zu wissen. Bis zum Aeußersten gedrängt, stahl dieselbe in Bürgel das Kind, wovon wir bereits berichtet. Als die Sache sich so weit aufgeklärt batte, begaben sich die betreffenden Be— amen nach Oberrad, um die Frau zu verhaften, und das Kind seinen Eltern zurückzugeben. Aufallender Weise war das Kind gerade gestorben, jedoch noch nicht beerdigt, und da unter den Leschilderten Verhältnissen ein Mord, wohl gar ein Doppelmord vorliegt, wurde die Leiche des Kindes sectrt. Der Schmerz der Eltern bei dem Wieder— finden ihres todten, vielleicht ermordeten Kindes läßt sich
geräumt. Die Truppen von Rasgrad und die Behörden von Rustschuk haben sich nach Schumla zurückgezogen. Ebenso wurde von den Türken die Defensiv- Linie Constantinopels geräumt, die sich von Bujuk-Tschekmedje und Hastemkoet bis Derkoei erstreckt; diese Positionen fallen in einer Breite von 12 Meilen, und zwar von Kuschak: Tschemdje bis Akunar in die neutrale Zone. Die Russen halten Tschataldja besetzt und sichern ihre Verpflegung über Burgas und Midia. Demnächst wird die Eröffaung der Donau Schifffahrt er— Die Pforte hat den hiesigen Botschaftern der Mächte die Aufhebung der Blokade des Schwarzen Meeres notificirt; die französischen Paketboote nehmen unverweilt ihre Fahrten von Constantincpel nach Odessa wieder auf. Zwei höhere russische Offiziere, die gestern in Constan- tinopel eintrafen und vom Sultan empfangen wurden, begeben sich beute nach Montenegro, um den Verhandlungen zwischen montenegrinischen und türkischen Offizieren bezüglich der Demarcations- Linie beizuwohnen.
— 9. Febr.(via Bombay) Im türkischen Parlament brachte der griechische Patriarch heftige Klagen vor über die Metzeleien, welche in 13 Dörfern nahe Constantinopel von Tscherkessen verübt worden seien.
— Es ist ein türkisch russischer Separat-Ver— trag abgeschlossen, welcher neben den Stipulationen bezüglich des künftigen Verhältnisses der Pforte zu Rußland auch die Abtretung eines Theils der türkischen Kriegs-Marine als theilweise Kriegs- Eutschädigung und ferner die Zustimmung der Pforte zu eventueller Cession eines Theils der Dobrudscha an Rumänien enthalten soll,
Serbien Belgrad, 8 Febr. Die Serben baben gemäß den Waffenstillstands- Bedingungen Uskup besetzt.
Rußland. Petersburg. Fürst Gort⸗ schakoff bat den russischen Botschaftern in Berlin, Wien, London, Paris und Rom am 10. Febeuar folgendes Telegramm zugesandt:„Die britische Regierung hat sich auf die Berichte ihres Bot⸗ schafters in Constantinopel entschlossen, den früher erhaltenen Ferman zu benutzen und einen Theil ihrer Flotte nach Constantinopel zu dirigiren, um Leben und Sicherheit, der englischen Unterthanen zu schützen. Andere Mächte ergreffen dieselbe Maß regel mit Rücksicht auf ihre dortigen Unterthanen. Die Gesammthett dieser Umstände wingt uns unsererseiis, auf Mittel bedacht zu sein, um die Christen zu schützen, deren Leben bedroht sein würde. Um dieses Resultat zu erreichen, beab- sichtigen wir, einen Theil unserer Truppen in Constantinopel einrücken zu lassen. Die„Agence Russe“ fügt dieser Meldung hinzu, dem Groß- fürsten Nikolaus seien bereits die bezüglichen Be- fehle zugegangen.
Flammen stand.
8090 Pf., Eier per Stück 8—9 Pf.
M 750, Ochsenfleisch 64 und 70 Pf
nicht beschreiben.
Darmstadt. Die Gendarmerie verhaftete am Montag im Walde bei Nieder-Beerdach einen Meuschen, welcher turz zuvor auf der Landstraße bei Nieder-Beerbach einen NRaubversuch gegen ein Frauenzimmer gemacht hatte. In dem verhafteten ist ein gewisser Feldmann aus Gries— heim kecognoscirt worden une vermuthet man in demselben das Indisiduum, welches dieser Tage auf der Chaussee von Griesheim nach Darmstadt den hiesigen Fourage— händler Mayer seinet Baarschaft beraubt bat.
Mainz. Ueber den bereiis in Ihrer vorigen Nummer jemeldeten Brand bört man jetzt folgeude Details: In dem bekannien Brauhaus„Zum Goldstein“ kam das Feuer früg Morgens zum Ausbruch und sand en den umliegenden älleren Gebäuden reichliche Nahrung, und griff so rasch um sich, daß schon nach eiwa einer balben Stunde auch der öuliche Theil des St. Rochushospftals in Die Flammen theiten sich dem ganzen Dachstuhl des Vorderbauses mit. Von hier aus sprangen die Flammen in das Thürmchen und in den Dachstuhl, der Hospfalkirche und schon einige Minuten nach 8 Uhr nürzten Touem und Dachwerk unter mächtigem Gedröhne zusammen. Den vereinten Kräften der auswärtigen und hiesigen Feuerwehr, sowie der Milnärmannschaften ist es gelungen, egen 10 Uor das Feuer sowelt zu beherrschen, daß eine geößere Gefahr nicht zu erwarten steht. Menschen⸗ leben sind leider zwei zu beklagen; die Kranken, die im Hospual lagen, sind in den unteren Stockwerken unter jbracht worden.
Handel und Verkehr. sertedberg, 13. Febr. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 090 1.00, Eier per Stück 8 Pf.
Friedberg, 12. Febr Waizen M. 22 25., Korn M. 17, Geiste M 17 50- 18., Hafer M 14 17 Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo— 200 Zollpfund.
Gießen, 12 Febr. Wochenmarkt Butter per Pfd. Tauben das Paar M. 1 30 Hühner per Stück M. 1 20, Hahnen per Stück M. 1 30, Enten per Stück M. 3, Kartoffeln 100 Kilo per Pfda, Kuh⸗ fleisch 50 und 60 Pf., Rindfleisch 50 und 56 Pf., Schweine⸗ fleisch 60-64 Pf., Kalbfleisch 50 54, 56, und 60 Pf., Hammelfleisch 60 Pf.
Frankfurt, 11. Febr. Der heutige Viehmarkt war ziemlich befahren. Angetrieben waren eg. 340 Ochsen, 210 Kühe und Rinder, 200 Kälber und 350 Hämmel. Oie Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 72.— 74. 2. Qual. M. 63.— 66 Kühe und Rinder 1 Qual. M. 60—62., 2 Qual. M. 50—52 Kälber 1. Qual. M. 70-72, 2 Qual M. 58—-60 Hämmel 1. Qual, M. 54 56, 2. Qual. M. 48— 50
Frankfurt, 11. Febr. Fruchtbericht.
Mehl Nr. 1
M. 41, Nr 2 M. 37, Nr. 3 M. 33., Nr. 4 M. 29,
Nr. 5 M. 23 Roggenmehl/(Berliner Marke) M. 24., do. II.(Berliner Marke) M. 20. Walzen, ab Bahnhof hier M. 23, ab unserer Umgegend M. 22.— 22 50, do. fremder je nach Qual. M. 23.— 24 Roggen je nach Qualität M. 16— 1750 Gerste M. 19— 23. Hafer M. 13.—16 50 Erbsen M. 19.— 23. Wicken M. 17. Linsen M. 19.— 23. Rüböl, detail M. 80 Die Preise verstehen sich sammtlich per 200 Pfund Zollgewicht 100 Kilo.
Mainz, 12. Febr. Producten-Markt. Walzen per März M. 21.65, per Mai 21.45. Korn per März M. 15 30, per Mai 15.15. Hafer per Marz M. 14.80. Rüböl per Mai M. 36 55.
10 Aus zug aus dem Civilstands⸗Register der Stadt Friedberg. Getraut:
21. Jan. Johann Julius Müller, Wirth von Mannheim, und Elisabetha Katharina Müller von Friedberg.
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dr.


