1878.
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beilage.
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Oberhessischer Anzeiger.
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M 94.
Die Vertretung der Landwirthschaft auf der dießjährigen Gewerbe⸗Ausstellung
zu Friedberg.
8 Wie bereits durch Placate bekannt gemacht ist, findet in der Zeit vom 15. September bis 6. October c. dahier eine Ausstellung
1 selbsterzeugter Producte der Industrie und der Landwirthschaft im
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weitesten Sinne, aus dem Kreise Friedberg, statt. Es ist gewiß wün— schenswerth, daß diese Ausstellung ein möglichst getreues Bild des gegenwärtigen Standpunktes der Gewerbe-Thätigkeit unseres Kreises, ihrer Leistungen, Betriebsmittel und Verfahrungsweisen abgibt, daß keine Branche, keine eigenthümliche Productionsrichtung, kein neues er— probtes Hilfsmittel oder Verfahren auf derselben fehlt. Hinsichtlich der Industrie ist in dieser Beziehung bereits genügend gesorgt, anders steht es dagegen mit der Landwirthschaft.
Es liegt in der Natur der Boden-Production als einer solchen, welche sich kaum von der Jahreswitterung unabhängig machen kann, daß der Landwirth in der Regel nicht lange voraus bestimmen kann, ob er etwas Ausstellungswürdiges haben werde, oder nicht. Dieser Eigenthümlichkeit wurde auch seitens des Comités der dießjährigen
hiesigen Gewerbe⸗Ausstellung dadurch Rechnung getragen, daß die Aumeldungsfrist für Producte der Landwirthschaft, des Gartenbaus ꝛc.
bis auf Weiteres offen blieb, während sie für Industrie-Artikel längst geschlossen wurde. Ausstellern kein Hinderniß in den Weg gelegt.
Wenn wir aber auf frühere Ausstellungen zurückblicken und die landwirthschaftliche mit anderen Gruppen vergleichen, so finden wir,
gemeine Ursachen zu Grunde liegen. t, Geten tie.
daß die Oekonomie meist verhältnißmäßig schwach vertreten
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wirthschaftlichen Aussteller für ihre Person von der Betheiligung an Gewerbe-Ausstellungen haben, in der Regel nicht der Fall ist. Aber, es gibt noch andere Erfolge, als die unmittelbaren, persönlichen, das sind die mittelbaren und allgemeinen, und in Bezug auf Letztere dürfen die Oekonomen ihre Betheiligung an Gewerbe-Ausstellungen nicht unterschätzen.
Wer die Landwirthe mit den Mitgliedern anderer Stände ver⸗ gleicht, muß bemerken, daß Erstere überhaupt viel zu zurückhaltend sind. Auch diese Eigenthümlichkeit hat ihre natürlichen Ursachen, aber sie ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht mehr nothwendig, sie ist den Standes-Interessen zuwiderlaufend. Die Welt urtheilt stets mehr oder minder nach dem Schein. Je mehr daher ein Stand sich bemerklich macht, um so höher wird seine Bedeutung geschätzt, um so geneigter ist man deßhalb auch, seine Interessen aus den Mitteln der Gesammtheit zu fördern. Aus solchen Gründen rührt es,
wenn die Landwirthschaft bei Verwendung allgemeiner Mittel zu kurz kommt, wenn ihr von denselben ein geringerer Procentsatz zugewendet
In dieser Hinsicht ist also den landwirthschaftlichen
ist,
namentlich wenn wir von derselben Geräthe und Maschinen sowie die
Producte ihrer Nebengewerbe, Objecte, welche mehr industrieller Natur sind, ausschließen. Allgemeinen Erscheinungen müssen aber auch all— Einer solchen Ursache für geringe Betheiligung der Landwirthschaft an Ausstellungen thaten wir bereits
Erwähnung.
vermehren.
waare.
zu betheiligen, als Industrielle.
6 Unternehmen, ob die Erfolge desselben im Verhältniß zu den Opfern stehn. Nun haben wir allerdings soeben die Ansicht ausgesprochen, daß
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Die Schwierigkeit, in voraus zu beurtheilen, ob man werde ausstellen können, ist sicherlich ein Umstand, welcher der Theilnahme an Ausstellungen sehr hinderlich ist. Das Ausstellen verlangt ferner Opfer an Zeit und Kraft gerade in einer Periode, in welcher der Oekonom durch seinen Beruf am meisten in Anspruch genommen ist. Auch hat der Landwirth bei vielen seiner Producte, behufs ihrer Con— servirung, bezw. Erneuerung und gefälligen, anschaulichen Herrichtung, größere Hindernisse zu überwinden, als die meisten anderen Ge—
werbetreibenden.
Es muß demnach wohl zugegeben werden, daß es dem Landwirth nicht leicht fällt, sich an Gewerbe-Ausstellungen zu betheiligen. Wie steht es nun mit dem Autrieb, der ihn bestimmen kann, diese Schwierigkeiten zu überwinden. Der Schreiner, welcher ein schönes
Moöbelstück, der Mechaniker, welcher eine praktische, solid gebaute Maschine ausstellt, und andere industrielle Aussteller dürfen hoffen, bei
Gelegenheit der Ausstellung die betreffenden Gegenstände preiswürdig zu verkaufen, sowie ihre Kundschaft und dadurch ihr Einkommen zu Welche Aussichten winken denn aber dem Landwirth für thatsächlich gediegene Leistungen. Zunächst meist Werthsverminderung, oder gänzliche Eutwerthung der Ausstellungsobjecte; nur ausnahms— weise eine gesteigerte Nachfrage und in Folge desseun höherer Preis, vielleicht für besondere Arten von Saatgut, oder vorzügliche Gebrauchs— In den meisten Fällen muß er mit dem Gefühl innerer Be— friedigung und der Auerkennung seiner Leistungen vorliebnehmen.
Wir finden es unter diesen Umständen ganz erklärlich, daß die
Eine andere Frage ist aber die, ob
eine so geringe Betheiligung an Ausstellungen, wie sie seitens der
Landwirthe in der Regel zu Tage tritt, dennoch gerechtfertigt ist. Sicherlich fragt ein verständiger Mensch bei jedem umfänglicheren
bezüglich der unmittelbaren, materiellen Vortheile, welche die land—
Oekonomen im Allgemeinen weniger geneigt sind, sich an Ausstellungen
wird, als ihr nach Bedeutung und Bedürfniß gebührt.
Die Gewerbe-Ausstellungen geben den Landwirthen Gelegenheit, die Wichtigkeit ihres Standes augenfällig darzulegen. Daher sollte jeder Einzelne, insbesondere aber jede Gemeinde es sich zur Ehrensache machen, die Landwirthschaft auf derartigen Ausstellungen nach Kräften zu repräsentiren.
Eine andere Rücksicht, welche bei landwirthschaftlichen Ausstell— ungen in Betracht kommt, ist die gegenseitige Förderung durch Be— lehrung. Auch in dieser Beziehung stehn die Landwirthe andern Ständen zu ihrem Schaden sehr nach. Wie zurücktretend ist doch das
Wissen und Können des Einzelnen im Vergleich zu der Summe von
Erfahrungen und theoretischen Kenntnissen, welche sich in einer größeren Gesammtheit von Landwirthen aufgehäuft findet. Diese unverhältniß— mäßige Differenz rührt von nichts Anderem, als von dem Mangel an gegenseitiger Belehrung. Zu Letzterer bieten aber die Ausstellungen ein treffliches Mittel. Wir meinen, die Zeit der Geheimthuerei sollte auch in der Landwirthschaft vorüber sein. Wer eine neue Erfahrung gemacht, eine neue Maschine oder Methode als besonders empfehlens— werth befunden, eine bisher in seiner Gegend unbekannte Frucht— art bewährt gefunden hat, sollte sich beeilen, diese Fortschritte zum Gemeingut Aller zu machen, anstatt etwa darauf auszugehen, blos für seine Familie materielle Vortheile aus denselben zu ziehn. Wenn Alle in dieser Beziehung uneigennützig handeln, werden sicherlich selbst die Tüchtigsten von der Gesammtheit mehr Vortheile empfangen, als sie zum Opfer bringen. Jedenfalls wird Derjenige, welcher Andere an seinen geistigen Errungenschaften theilnehmen läßt, zufriedener, glücklicher sein, als Jener, welcher seine Befriedigung darin sucht, einige elende Batzen mehr zu erlösen, als seine Nachbarn. Eine solche Engherzigkeit
ist des ehrenwerthen Standes der Landwirthe, ist eines Bürgers unseres
großen, ruhmreichen Vaterlandes unwürdig.
Darum wohlan, Landwirthe der Wetterau, bringt die Producte Eures Nachdenkens, Fleißes und guten Glückes. Laßt Eure Standes— genossen theilnehmen an dem Segen Eurer Wirthschaft.— Alles wird uns in dieser Beziehung willkommen sein, was sich über das gewoͤhn— liche Niveau erhebt, und ausstellungsfähig ist. Es zaͤhlen dahin namentlich Getreide, Hülsen- und Oelfrucht in Stroh und Körnern, Gespinnstpflanzen, Kartoffelsorten, Gartensämereien, Gemüse, Obst, Futtermittel, Wolle, Molkerei-Erzeugnisse, Producte der Bienen- und Seidenraupen-Zucht und Anderes. Zur Ertheilung von Auskunft in zweifelhaften Faͤllen ist Unterzeichneter gern bereit.
Friedberg, im August 1878.
Für das Ausstellungs- Comité: Dr. Tobisch.


