— Englische Blätter erfahren, entgegen früheren Angaben, Oesterreich habe keinerlei Abkommen mit Rußland getroffen. Die Blätter versichern, England babe keine Einwendung gegen eine öster⸗ reichische Occupation in Bosnsen.
— 4. Mai. Es verlautet, das britische Cabinet habe die letzten russischen Eröffnungen bereits be— antwortet. Der Tenor der Antwort laute an- geblich günstig; eine Verständigung wird für möglich erachtet. Die freundlichere Auffassung der Situation ist andauernd, jedoch fehlen positive Friedenszeichen.
— 4. Mai. Im Ministerium des Innern ist ein an die Königin gerichtetes, 17,000 Unter- schriften tragendes Promemoria überreicht worden, in welchem Bedauern über die Einberufung der Reserven ausgesprochen und die Königin gebeten wird, sie möge ihren Einfluß zu Gunsten des Zusammentretens des Congresses geltend machen, damit der europäische Friede aufrechterhalten werde. Unter den Unterzeichnern befinden sich die Herzöge von Westminster und Belford, mehrere Peers, Bischöfe, Mitglieder des Unterhauses, sowie zahl reiche hervorragende Geistliche und Schriftsteller. Im Amtsblatt wird die Ernennung des Staats: secretärs für Indien, Hardy, zum Viscount Cran- breoke veröffentlicht.
Spanien. Madrid. Im Congreß brachte der Colonial Minister einen Gesetzentwurf ein, laut welchein die cubanische Anleihe, welche durch die cubanischen Zölle garantirt ist, auf 500 Mill. Pesetas erhöht wird.
Italien. Rom. Die Cardinals-Congre⸗ gation, welche beauftragt ist, die preußischen Mai- gesetze zu studiren, um darüber eine Meinung ab zugeben, ob dieselben annehmbar sind oder gegen die Rechte der Kirche verstoßen, soll Beschlüsse gefaßt haben, welche die Wiederberstellung der Beziehungen zwischen dem Vatican und der deutschen Regierung sehr erleichtern würden. Es wird ver— sichert, die Congregation sei der Ansicht, daß die Mai⸗Gesetze theilweise schlecht interpretirt wurden,
Türkei. Constantinopel, 2. Mai. Der Divisionär Schakir ist zum ottomanischen Bot- schafter in Petersburg, Suleiman Bey zum Bot— schaftsrath ernannt worden. Fürst Labanoff wurde zum ruffischen Botschafter in Constantinopel er- nannt. Die Russen besetzten Pravadi zwischen Schumla und Varna. Etwa 20 türkische Ba- taillone befinden sich noch in Varna und eben so viel in Schumla.
— 2. Mai. Die Bevölkerung einiger Districte
des Vilajets Scutari(Albanien) sendet den Mächten einen Protest gegen die Annection durch Montenegro. In Thracien fanden neuerliche Zusammenstöße der Russen und Bulgaren mit den Mohamedanern statt. Großzfürst Nikolaus sandte vor seiner Abreise Telegramme an die Fürsten von Rumänien, Serbien und Montenegro, um für die Mitwirkung ihren Armeen Dank zu sagen. Mai. Die„Agence Havas“ meldet telegraphisch aus Batum, daß daselbst 15 Bataillone zur Einschiffung nach Constantinopel bereit seien; die dortigen türkischen irregulären Hülfstruppen seien verabschiedet worden.
— 4. Mai. Gestern fand eine lange Con- ferenz zwischen Savfet Pascha und General Totleben in Betreff der von den Russen energisch geforderten Räumung von Schumla, Varna und Batum statt. Es hänge damit der russische Gegenvorschlag, einen großen Theil der russischen Truppen in die befestigten Linien von Tschataldja zurückzuziehen, zusammen. Von russischer Seite werden die Einwendungen der Pforte gegen die Räumung der erwähnten Festungen als versuchter Vertragsbruch erklärt und zurückgewiesen.
— 4. Mai. Die Räumung von San Stefano durch die Russen ist noch keineswegs beschlossen; ein Theil derselben besetzte wohl aus sanitären Gründen die Anhöhen der Umgebung, aber der größte Theil bleibt in San Stefano. Die Ver handlungen wegen des Rückzuges der russischen Truppen und der britischen Flotte dauern fort. Die Nachricht, daß Totleben mit Hornby ver⸗ handele, ist unrichtig. In Batum wächst die
Agitation gegen die russische Occupation. Der
sichtlich der Regulirung der schwebenden Angelegen⸗
mohamedanische Ausstand in Thrakien ist im Abnehmen. Montenegro. Cettinje. In Antivari
wurde ein österreichischer Consulats Bediensteter von Montenegrinern mißhandelt und von Spizza⸗ noten über die österreichische Grenze getrieben. Statthalter v. Rodie forderte sofort vom Fürsten Nikita Bestrafung der Schuldigen.
Serbien. Belgrad. In Folge erregter Stimmung der an der Demarcations Linien stehen⸗ den türkischen Irregulären behielt die serbische Regierung einen Theil der zur Beurlaubung be- stimmten Milizen der ersten Classe unter den Fahnen zurück; anderweitige außerordentliche militärische Verfügungen wurden von der Regierung nicht getroffen.
Rumänien. Bukarest, 2. Mai. Die Russen bestellten 80 Bahnzüge zur Rückbeförderung der Truppen in die Heimath.
— Die Kammern sind auf den 6. Mai wie- der einberufen.
— Rußland soll den Entwurf einer neuen Militär Convention der rumänischen Regierung unterbreitet haben. Der Entwurf würde Rußland das Recht vorbehalten, zwei Lager(bei Plojesti und Fokschani) zu errichten, dagegen Rußland verpflichten, alle zur Armee gehörigen Anstalten von der Hauptstadt fernzuhalten und selbst das Ober⸗Commando der russischen Truppen in eine Stadt der Provinz zu verlegen. Bisher ver- weigert die rumänische Regierung noch den Ab- schluß einer solchen Convention.
Griechenland. Athen, 4. Mai. Ein Telegramm der„Pol. Cort.“ von hier bestätigt das Zustandekommen eines Uebereinkommens zwi— schen den thessalischen Insurgenten-Chefs und den britischen Consuln und meldet weiter, daß die englischen Pacifications-Versuche auf Kreta bis jetzt erfolglos gewesen seien, indem 12,000 wohl- bewaffnete kretensische Insurgenten das ganze Ge biet zwischen Lassithi und Sphakid inne haben und von einer Versöhnung mit der Pforte Nichts wissen wollen und einzig die Vereinigung mit Griechenland anstreben.
Rußland. Petersburg, 2. Mai. Die Russen haben Verstärkungen nach San Stefano herangezogen, worauf die britische Flotte sich den Prinzeninseln genähert hat.
— 3. Mat. Die„Agence russe“ schreibt: Es gingen fortgesetzt günstige Nachrichten über den Verlauf der durch Deutschlands Vermittlung geführten Pourparlers ein; dieselben hätten so— wohl die gleichzeitige Räumung der Umgebung von Constantinopel zum Gegenstand, wie auch, soweit sie mit Oesterreich geführt würden, die Oesterreich betreffenden Fragen. Das Princip des Meinungs⸗Austausches zwischen London und Peters burg über die England interessirenden Fragen sei zugestanden.
— 3. Mai. Das Gichtleiden Gortschakoff's hat sich in den letzten 24 Stunden verschlimmert und ist in beide Füße übergegangen; die Schwäche hat durch Schlaflosigkeit zugenommen; die Aerzte untersagten dem Reichskanzler jede Theilnahme an den Geschäften.
— 4. Mai. Der Großfürst Nikolaus ist heute Nachmittag hier eingetroffen und wurde enthu⸗ stastisch begrüßt.
— Es steht fest, daß die Thätigkeit der Ge schworenen bei Processen, die politische Attentate gegen Personen in Ausübung ihrer Amtspflicht zum Gegenstand haben, aufhören wird. Die be⸗ treffenden Special- Verhandlungen sind in Aussicht; der Centralisation politischer Processe in der Haupt
stadt wird ein Ende gemacht werden. Die Ge— sundheit des Generals Trepow erheischt seine Entlassung; derselbe soll durch einen jungen
fähigen energischen General ersetzt werden.
— Der Ernennung Labanoff's zum außer- ordentlichen russischen Botschafter in Constantinopel wird hier politischer Werth beigemessen; derselbe ist aus seiner früheren Gesandtenstellung eine sehr gern gesehene Person in Constantinopel, gilt als ein Freund der Beseitigung von Conflicten und für sehr gemäßigt in seinen Anschauungen. Hin-
heiten legt man Werth darauf, an Stelle des bisherigen russischen Geschäftsträgers zu Constan⸗
tinopel einen außerordentlichen Botschafter in Funetion treten zu sehen. Amerika. New Jork, 2. Mai. Der
britische Consul in Portland ist nach Southwest⸗ harbour gereist, um die Bewegungen des Dampfers „Cimbria“ zu beobachten.„New. Nork Herald“ theilt mit, daß 5000 Irländer in Amerika für den russischen Dienst angeworben seien, um eventuell eine Invaston in Neuschottland und Neubraun⸗ schweig zu unternehmen.
Aus Mexico wird der Ausbruch einer Revolution in den Staaten Durango und Nuevo— Leon gemeldet; General Trevino sei zur Unter- drückung decselben aufgebrochen.
Washington, 4. Mai. Gestern fand ein Ministerrath wegen des mexikanischen Aufstandes statt, in Folge dessen General Ord die Anweisung erhielt, die größte Wachsamkeit zu beobachten, um die Invasion revolutionärer Schaaren aus Mexiko zu verhindern.
Aus Stadt und Land.
Osthofen, 1. Mai. Am verfflossenen Samstag war unser Ort in großer Aufregung über eine scheußliche That, welche auf freiem Felde verübt wurde. Nämlich eine Frau überfiel aus unbekanntem Grunde einen zwölfjährigen Knaben von hinten, bielt ihm den Mund zu, schiug demselben mit der Sichel den Rücken schwarz und blau und versetzte ihm zuletzt einen Stich in den Hinterkopf, so daß der Knabe blutend zu Boden sank. Untersuchung ist eingeleitet.
Horrweiler. Am vorletzten Sonntag erlegten hiesige Jäger in einer Stunde 12 Füchse, sage zwölf Füchse, welche sich in einem Backsteinvauten im hiesigen Felde zusammengenfunden hatten. Die Füchse wurden mittetst Stangen aus den Backsteinröhren berausgetrieben.
Alle rlei.
Frankfurt. Der königliche Garten⸗Inspector Sieß⸗ mayer in Bockenheim wurde mit Rücksicht auf seine Ver⸗ diente in der Veredlung der Garten-Cultur von dem landwirihschaftlichen Ministerium in Berlin zum k. k. Garten⸗ bau⸗Director ernannt.
Neapel. Sicheren Nachrichten zufolge steht in nicht serner Zeit ein Vesuv-Ausbruch bevor; analoge Anzeichen wie vor der letzten Eruption wurden bemerkt.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 6. Mai. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 1. Eier zwei Stück 9 Pf.
Gießen, 4 Mal. Wochenmarkt Butter per Pfd. M. 1.6— 1.10. Eier per Stück 4—5 Pf. Tauben das Paar 75 Pf, Hühner per Stück M. 1.30, Hahnen per Stück. M.—, Enten per Stück M. 3.50, Kartoffeln 100 Kilo M. 7.—, Ochsenfleisch 68— 70 Pf. per Pfd., Kuh- und Rindfleisch 58— 60 Pf., Schweinefleisch 64 Pf., Kalb⸗ fleisch 5056 Pf., Hammelfleisch 60-62 Pf.
Frankfurt, 4. Mai. Der heutige Heu- und Stroh⸗ Markt war gut befahren. Heu kostete je nach Qual, ver Cent. M. 2.—3, Strob per Cent M 2202.50 Butter im Großen 1. Qual. M. 1.15-. 2. Qual. M. 1., im Detail 1. Qual. M. 1.25 30, 2. Qual. M. 1.1520. Eier, per 100 M. 4.60 6. Kartoffeln M. 7. Erdbsen geschälte(per 100 Kilogr.) M. 28 bis 33, ganze Erbsen M. 24— 28. Bohnen M. 25.— 28. Linsen M. 28—36. Fleischpreise: Ochsenfleisch per Pfd. 70—75 Pf. Kuh- und Rindfleisch 55 68 Pf., Schweine; fleisch 60 75 Pf., Hamme fleisch 55 68 Pf., Kalbfleisch
60—70 Pf., Speck 1 M. Spargeln per Pfund 40— 50 Pfg.
Marburg, 4. Mai. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.15 1.20, Eier 9—10 Stück 40 Pf., Käse per Stück 10—12 Pf., Sellerie per Knolle 3—5 Pf. Salat per Kopf 15 Pf. Rothkraut per Kopf 25—30 Pf. Tauben das Paar 70—90 Pf. Spargeln per Pfd. 70 Pf.
Geld ⸗ Cours. Frankfurt am 4. Mai. 1878.
20 ⸗Frankenstücke M. 16 22—26 Englische Spvereigns„ 0 3 Russtsche Imperiales. 1 6% 16 6671 Holländische fl. 10⸗ Stücke 18 65 Ducaten. 5 5 9 52—57 Ducaten al marco 15 9 55—60
Dollars in Gold 4 18 21
** Hostaithe-Versteigerung. 1539 Mittwoch den 19. Juni d. J., Vormittags 11 Uhr, soll in hiesigem Rathhause die nachbeschriebene Hofraithe des Samuel Windecker öffentlich meistbietend ver⸗ steigert werden: Gemarkung Friedberg. Flur. Nr. Klftr. 2. 517. 5610. Hofraithe in der Judengasse. Friedberg den 3. Mai 1878.
Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Jud
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