Ausgabe 
2.7.1878
 
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Anz 0 N A c W Deutsches Reich. ran Darmstadt. Die nächste Sitzung der ersten R Kammer findet den 2. Juli statt. W 28. Juni. Nach kurzer Unterbrechung

trat beute die zweite Kammer wieder zusammen und genehmigte zunächst den Bau einer Ver bindungsbahn von Friedrichsfeld nach Schwetzingen. Der Antrag Büchner's auf Revision der Art. 14 und 21 der Landgemeindes und der Städte ordnung, sowie der Art. 8 und 22 des Gesetzes über die Zusammensetzung der beiden Kammern und die Wablen der Abgeordneten wurde in feinem ersten Theil abgelehnt, bezüglich des zweiten n Tbeils jedoch angenommen. Der Antrag Büchner's auf Reviston des Art. 13 der Städteordnung wurde abgelehnt. Ebenso der Antrag auf Revision des Art. 15 über die Zusammensetzung der beiden Kam mern. Es folgten die Recommunicationen der ersten Kammer und wurde auf den diesseitigen Beschlüssen beharrt: bei der Beschwerdevorstellung der Gemeinde % Groß-Rohrheim wegen der Abholzung eines % Theiles des Gemeindewalds; dem Gesetzentwurf 3 über die Aufhebung der Verordnung vom 29. Juli 1791 über Abtretung von Grundeigenthum zu Bauplätzen; dem Antrag, das Ersuchen an die Regierung zu stellen, daß bei Concessionsertheilungen zur Errichtung von Schankstellen der Nachweis des Bedürfnisses erbracht werde; dem Antrag auf Befreiung der rechtscheinischen Gerichte von der ühnen zugewiesenen Feststellung der Collateralsteuer; dem Antrag auf Aufhebung des Generales wegen der Beurkundung des Personenstandes und der Eheschließung und der Vorstellung der Verwaltungs- Commission der Schrautenbach'schen Stiftung wegen der Verleihung der Stipendien. Adoptirt wurden Dagegen die Beschlüsse der ersten Kammer bezüglich der Bewilligung eines Nachtrags-Credits für die deiden Schullehrer-Seminarien zu Friedberg und Bensheim, und des Zuschusses zu den Kosten der Polizei- Verwaltung in Offenbach und Worms. Ebenso der Antrag auf Aufhebung des Gesetzes über die Bildung der Ortsvorstände und eines Theiles des Gesetzes über die Mitwirkung der Forensen bei Festsetzung des Gemeindevoranschlags. Die Vorstellung mehrerer israelitischer Einwohner u Bad- Nauheim wegen der Bildung der Vor tände der israelitischen Religionsgemeinden wurde benfalls abgelehnt und die Revision genannter Verordnung, als auf diesem Landtag nunmehr nausführbar, auf den nächsten Landtag verschoben. 29. Juni. Die zweite Kammer erledigte heute en Gesetzentwurf über die Ausführung des Gerichts. serfassungsgesetzes. Es folgte die Berathung über en Plan zur Bildung der Bezirke der Amts gerichte. Nach langer und lebhafter Debatte be sarrte die Kammer auf ihren früheren Beschlüssen nit Ausnahme des zu Altenstadt gefaßten; ebenso Zurde auch die Bewilligung der erforderlichen Mittel für die Amtslocale in Bad-Nauheim wie lerholt verweigert. Bei der Berathung über den Lustefit aus einer Kirche oder Religionsgemein 3 haft wurden Art. 1, 2 und 3 in der von der usten Kammer beschlossenen Fassung angenommen, tbenso Abs. 2 des Art. 4, während Abs. 3 dieses tikels nach dem früheren Beschluß aufrecht er kalten wurde. Bezüglich der übrigen Art. dieses Oesetzentwurfs trat man im Wesentlichen den Veschlüssen der ersten Kammer bei. Bei der Be lothung äber die Ausübung des Erziehungsrechts h Bezug auf die Religion der Kinder hielt die zweite Kammer in den Hauptpunkten an ihren süheren Beschlüssen fest. Berlin, 30. Juni. de Kaisers dauert an. auf zwei sämmtlich geheilt. n Die bisherige den Griechen freundliche Jombination über West, Rumänien ist noch unbe ligt, doch theilweise wahrscheinlich. West Rumelien

Das günstige Befinden Die Wunden sind bis

68 Rreises. AA angeblich umsassen: Macedonien, Thessalien, den 1679. Fefrus und Albanien. 1* in ben, 29. Junl. In der gesteigen Sitzung des 2 1 biin bongresses ist von allen Großmächten ein Ein

reiten Oesterreichs in Bosnien und der Herzego⸗ na als wünschenswerih anerkannt worden. Ein:

481%% Wadungen sind nur von den Türken erhoben. . 64 Uestere Schritte diesen gegenüber sind abzuwarten.

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Seitens keiner Großmacht ersolgt irgendwelcher Widerspruch. Deutschland bezeugt warmes In- teresse für Oesterreich, England und Rußland nicht minder. Wie es heißt, haben die Vertreter Eng- lands die Diskusston eingeleitet. Das Redactions- Comité hat seine Bulgarien betreffenden Arbeiten noch vorzulegen. Die montenegrinische Frage wurde, wie verlautet, in Rücksicht auf einige russischerseits zur Sprache gebrachten Wünsche gestern nicht zur eigentlichen Verhandlung gezogen. Betreffs der türkischen Garnison und des Be sestigungsrechts im Balkan ist der Türkei das Recht ciner Etappenstraße nach dem Balkan zu · gesprochen. Die Türkei wird bestimmte Etappen punkte in Ost Rumelien haben, wo Kasernirungen durchziehender Truppen stattfinden können. Kein türkischer Soldat darf bei Einwohnern einquartirt werden. Wenn gegen die Maßnahmen des kom mandirenden Generals im Fürstenthum Bulgarien Bedenken obwalten, werden die europäischen Cou suln solche bei dem General zur Sprache bringen, und bei Nichtabhülfe sich an die Gesandten in Konstantinopel wenden. Die Morgenblätter theilen mit, daß die Sitzung minder glatt ver laufen ist, als die früheren. Die Vertreter der Türkel wehrten sich gegen das Oesterreich zu er theilende Mandat, Bosnien zu besetzen, worauf Seitens Rußlands mit exkcutivischer Ausführung des Congreß Auftrages gedroht wurde. Dieser Modus wurde Seitens des Congresses perhorrescirt, dagegen beschlossen, daß der künftige Gouverneur Ost-Rumeliens zwar Christ sein müsse, aber vom Sultan ohne Controle der Mächte ernannt wer den soll. Bezüglich der Stellung, welche die türkischen Delegirten seiner Zeit gegenüber der Frage des Zulassens Griechenlands zum Congresse eingenommen haben, verlautet Folgendes: Als der Marquis Salisbury unter Hinweis auf den Um stand, daß das bulgarische und flavische Element auf der Balkan-Halbinsel auf dem Congresse in Rußland einen Fürsprecher habe, die Vertretung der griechischen Interessen durch Griechenland auf dem Congresse befürwortete, gaben die türkischen Delegirten die Erklärung ab, daß die Pforte alleiniger Vertreter sowohl der bulgarischen, und slavischen wie der griechischen Bevölkerung im türkischen Reiche sei. Die griechischen Vertreter sind zur heutigen Congreß Sitzung eingeladen worden.

Der jüngere Bruder Nobiling's, welcher unter dem Verdachte der Theilnahme in Eisleben verhaftet worden war, ist auf die Verfügung der hiesigen Staatsanwaltschaft vorigen Montag aus der Haft entlassen worden. Die Nachforschungen nach dem Vorhandensein etwaiger Complicen des Nobiling werden fortgesetzt.

München, 29. Juni. Dr. Sigl wurde wegen Beleidigung des deutschen Kaisers heute verhastet.

Ausland.

Großbritannien. London, 28. Juni. Ein im Ministerium des Auswärtigen angestellter Schreiber, Namens Marvin, wurde unter der Beschuldigung, das angeblich russische Memorandum demGlobe mitgetheilt zu haben, heute vor die Magistrats-Behörden gestellt. Aus der Gerichts- Verhandlung geht hervor, daß derselbe am 30. Mai zwei höheren Beamten behüflich war, Abschriften des englisch russischen Memorandums anzufertigen. An demselben Tage veröffentlichte derGlobe in einer Special- Ausgabe das Resumé des Documents. Später copirte Marvin den Text des Memoran dums, welchen derGlobe ebenfalls veröffentlichte.

Italien. Rom. Die amtliche Zeitung meldet, daß die Handels-Verträge mit Oesterreich, Belgien und der Schweiz bis 31. December d. J verlängert worden sind.

Türkei. Constantinopel, 28. Juni. In Therapia wurden etwa 20 Personen verhaftet, welche der Theilnahme an einer Verschwörung zu Gunsten der Wiedereinsetzung des Ex⸗Sultans Murad verdächtig sind. Auf einen Bericht des Polizei- Ministers, daß die Partei Murad's im Wachsen begriffen sei, ließ der Sultan die Garnison von Stambul verstärken.

Es helßt, die Russen hätten in den letzten Tagen wichtige, anscheinend eine Coneentration und Vorbereitung für alle Fälle bezweckende

Truppen Bewegungen vollzogen; auch sollen die Russen in Rumelien und Bulgaren die Ausstelung einer Truppen-Abthellung von 3000 Mann Bul- garen veranstalten. Ueberhaupt herrscht der Ein druck, daß die Stimmung im russischen Haupt- Quartier kriegerisch sei.

28. Juni. Heute besuchte der österreichische Botschafter Graf Zichy den Großvezir. Darauf fand unter dem Vorsitz des Sultans ein außer- ordentlicher Minister-Rath statt, der sich mit der Frage der Occupation Bosniens und der Herzego- wing durch Oestereich beschästigte und fast den ganzen Tag dauerte. Es verlautet, die türkischen Congreß⸗Delegirten hätten die Weisung erhalten, sich gegen eine nicht bestimmt begrenzte Dauer der östertelchsschen Oetupation auszusprechen.

Griechenland. Atben, 28. Juni. In der Umgebung von Kanea findet seit drei Tagen ein erbitterter Kampf zwischen den Türken und den kretensischen Insurgenten statt.

28. Juni. Die kretensische Rational-Versamm- lung überreichte den europälschen Consuln eine Denkschrift über die von den Türken in den letzten Tagen verübten Barbarelen. Eine in Paris nego clirte griechische Anleihe soll bereits zum Abschluß gebracht sein. Wegen eines neuen Handelsver trages zwischen Oesterreich und Griechenland sind, wie verlautet, Unterbandlungen eingeleitet. Hussein Pascha hat die Entfernung aller fremden Schiffe aus der Bucht von Suda angeordnet. Der griech⸗ ische Consul von Larissa, von dem britischen Con sul aufgefordert, gegen 20,000 aus Epirus und Thessalien Geflohene zur Rückkehr in die Heimath zu bewegen, wollte hierfür, aus Furcht vor neuen Massacres, die Verantwortung nicht übernehmen.

Rußland. Petersburg. Ein hiesiger Brief derWiener Abendpost meldet, daß der Zustand des tussischen Heeres große Sorgen be reite. Es gäbe über 50,000 Kranke. Typhus, Pocken und Ruhr grassiren.

Aus Stadt und Land.

n. Friedberg, 1. Juli. Gesiern seierte die bekannte und wohl accrediürte Firma Mayer J. Oirsch hier ihr 50lähriges Geschäftsjubtläum. Die Famllienglieder waren um das Haupt der Familie und den Gründer des Ge schäftes, denalten Herrn Hirsch, versammelt. Abends brachte derLiederkranz dem Jubilar ein Ständchen. Wünschen wir dem alten Herrn, der noch sehr rüstig und wohlauf ist, noch viele Jahre der Gesundheit und dem Geschäfte ferneres fröhliches Gedeihen.

Gießen. In den Schwurgerichts Sitzungen vom 3. Quartal kommen nachbemerkie Anklagesachen zur Ver⸗ handlung: Am 1. Juli, Vorm. Uhr, gegen Elise, Ebesrau des W. Wien von Hainchen wegen Urkunden sälschung, Verth. Adv. Baist. Dens. Nachm. 3 Ubr gegen Heint. Müller VI. von Birklar wegen Urkundensälschung, Verth. Adv. Lauer. Am 2. Juli, Vorm. 8 Uhr, gegen Wab. Lindenstruth IV. von Beuern wegen K örperverletzung, Verih. Adv. Dr. Muhl. Dens. Nachm. 3 Uhr gegen Abr. Kaufmann und Levi Kaufmann von Nleder-Weisel wegen Uikundenfälschung, Verth. die Adv. Dr. Reatz und Dr. Diuumar. Am 3. Juli, Vorm. 8 Uhr, gegen Heinr. Bernbard III. von Angenrod wegen Meineids, Verth. Adv. Dr. Schwarz. Dens. Nachm. 3 Uhr gegen Joho. Becker V. von Michelbach und Feibel Stern von Schotten wegen Diebstahlsversuchs, Verth. die Ado. Barth und Dr. Rosenberg. Am 4. Juli, Vorm. 8 Uhr, gegen Franz Jöckel u. dessen Sohn Bruno von Hosenfeld wegen strasbaren Eigennutzes, Widerstands gegen die Staatsgewalt und Verbrechend wider das Leben. Verth. die Adv. Diery und Dr. Guffleisch. Am 5. Juli, Vorm. 8 Uhr, gegen Heinr. Wahl von Angersbach wegen Körperverletzung mit tödt lichem Erfolg, Verth. Adv. Dr. Mubhl. Am 6. Juli, Vorm. 8 Uhr, gegen Jace. Keßler, Actugrilats-Gebülse in Butzbach wegen schweren Diebstabls, Verth. Ado. Dr. Eckstein.

Allerlei.

Barmen, 29. Juni. Der große Tunnel der srbeinischen Eisenbahn bei Schwelm ist gestern Abend in der Länge von 21 Meter eingestürzt. Sieben Maurer und ein Bergmann sind verschüttet und die Verunglückten jedenfalls sodt; vor acht bis zehn Tagen kinn man zu den Ver- schütteteu nicht gelangen. 5.

Folkestone. Der AvisoLoxreley? ist am Dienstag Morgen nach dem Wrack desGroßen Kurfürsten? hinaus⸗ gefahren; die Taucher konnten, da das Welter günstig war, große Forischritte in der Besichtigung des gesunkenen Schiffes machen. Es gelang ihnen ein Tau an der Schraube und ein anderes an der großen Rae zu besestigen, welch letztere sie zu beben hossten. Im Uebrigen sind sie vorläufig damlt beschäftigt, die Takelung und das laufende Tauwerk, welche die Taucher-Arbeiten sehr erschweren, well die Lustleitungsröhren in Gesahr gerathen, sich in dem Tauwerke zu verwickeln, zu entfernen.

Alexandrien, 28. Juni. Das Nils nimmt einen sehr günstigen Verlauf.

Anwachsen des