Ausgabe 
2.4.1878
 
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drei Mächte England,

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Zweifel gelassen werden dürfe, daß es nicht auf Oesterreich zu rechnen habe. Die ungarischen Blätter fordern insgesammt Oesterreschs offenen Anschluß an England. DerLloyd erklärt, Englands Kampf sei auch der unsrige.

29. März. Das Heerenhaus hat das Budget, sowie das Finanz ⸗Gesetz und die Vor lage, betreffend die Verlängerung des Provisoriums hinsichtlich des Ausgleiches bis Ende Mai, in zweiter und dritter Lesung ohne Debatte angenommen.

30. März Ignatieff ist heute Abend zur Hof⸗Tafel geladen, an welcher auch Andrassy, Novikoff, Orezy und der Kriegs-Minister Theil nehmen. Der rumänische Minister Bratiano ist Abends hier angekommen.

30. März. Ignatieff wird morgen nach Berlin abreisen; die hiesigen Verhandlungen sind in der Schwebe geblieben. Andrassy beharrte zunächst auf europäischer Regelung der Orient frage. Eine britische Note liegt dieserhalb den Großmächten vor, worin verlangt wird, Europa möge ohne Rücksicht auf die russisch⸗türkischen Präliminarien die Gesammtfrage schlichten. Andrassy ist dem Wunsche Englands beigetreten. Zwischen Lord Elliot und Andrassy fanden gestern Berathungen statt, wozu Ignatieff zugezogen war. Ein Be schluß unterblieb, jedoch scheine Rußland einzulenken.

Pest, 29. März. DerPester Lloyd meldet: Die von Andrassy aus höheren Offizieren des Generalstabes zusammengesetzte Commission unter dem Vorsitze des Generalstabs Chefs Baron Schönfeld gab ihr Gutachten über den russisch türkischen Friedens⸗Vertrag ab und erklärte darin, daß der Vertrag als ein solcher anzusehen sei, der die österreichisch-ungarischen Interessen tangire. Um dessen nachtheilige Einwirkungen zu paralystren, eventuell um unsere Interessen vollkommen zu wahren, müßte Oesterreich-Ungarn, dem Gutachten zufolge, bei etwaiger vollständiger Aufrechthaltung des Vertrages entweder durch directe Eroberung oder durch Verträge die Ausdehnung seiner mili tärischen Machtsphäre über Serbien, Montenegro, Bosnien und Albanien durchführen.

30. März. Das Abgeordnetenhaus hat den von der Regierung unterstützten Antrag auf Ueberweisung der Achtzig⸗Millionen-Angelegenheit an die Quoten- Deputation in namentlicher Ab- stimmung mit 155 gegen 142 Stimmen angenommen.

Frankreich. Paris. Gambetta glaubt, daß sich unter gewissen Eventualitäten eine Allianz der Frankreich und Italien her- stellen lasse. Er befürwortet schon längst diese Politik.

Versailles, 29. März. Der Senat votirte die Vorlage, betreffend die Amnestie für Preß⸗ vergehen, mit einigen Mo dificationen; ferner erklärte sich derselbe mit sämmtlichen von der Deputirten⸗ kammer im Ausgabe- Budget beschlossenen Stteich⸗ ungen einverstanden.

Großbritannien. London, 29. März. Unterhaus Auf Befragen Hartington's erwiederte Kriegs⸗Secretär Hardy: die Einberufung der ersten Armee-⸗Reserve und Miliz⸗Reserve sei noth- wendig; die diesbezügliche königliche Botschaft werde dem Hause wahrscheinlich am Montag zu⸗ gehen; dann werde die Proclamation erfolgen, wodurch diejenigen Reserven, welche erforderlich sein dürften, einberufen würden. Auf Anfragen von Cowen und Schilders erklärte Hardy: die Zahl der ersten Classe der Armee-Reserve betrage ungefähr 13,000 Mann, der Miliz Reserve zwischen 25,000 und 26,000. Die Vereinigung der Miliz mit der Armee erfolge erst, wenn eine Expediton ins Ausland gehe.

29. März. Das JournalGlobe meldet: in Erwartung kritischer Bewegungen, die in Konstantinopel eintreten könnten, seien dem Admiral Hornby gestern Abend wichtige definitive In⸗ structionen telegraphisch ertheilt worden.

DieDaily News erblickt in der Ein⸗ berufung der Reserven die Erklärung Englands daß es enlschlossen sei, nicht mehr zu unter handeln und sich für den Krieg vorzubereiten; die Maß regel habe Aehnlichkeit mit einem Ultimatum. Standard empfiehlt eine starke Occupation der Dardanellen, um möglicher Weise einer russischen Besetzung von Gallipoli zuvorzukommen.Daily

Telegraph bemerkt: Gortschakoff's arrogante Schlußantwort verursach: indirect für Rußland den Verlust des geduldigsten Charakters, der bisher dem britischen Cabinet angehörte. Rußland werde künftig eine gründlich einige Regierung finden.

29. März. DerMorning Post zufolge wird entweder Lyons oder Salisbury Derby's Nachfolger. Die Regierung hat die sofortige Vorbereitung fast sämmtlicher britischen und indischen Truppen Schiffe zur eventuellen Beförderung von Expeditions-Corps angeordnet und einen großen Post⸗Dampfer als Truppen⸗Schiff angekauft.

30. März. Salisbury ist zum Staats- Seeretär des Auswärtigen, Hardy zum Staats- Seeretär für Indien ernannt, Letzterer wahr- scheinlich unter Erhebung in den Pairsstand. Der bisherige Unter-Staats Secretär Stanley wird Nachfolger Hardy's als Staats ⸗Secretär des Krieges.Times äußert die Meinung, daß Salisbury's Ernennung angethan sei, weitere Unterhandlungen zu erleichtern, und als Pfand gelte, daß keine feindlichen Maßregeln gegen Rußland ergriffen würden.

Italien. Rom. In dem am 28. März gehaltenen Consistorium richtete der Papst an das heilige Collegium eine Ansprache, welche Cardinal di Pietro im Namen seiner Collegen erwiederte. Sodann verkündigte der Papst die Erhebung di Pietro's zum Camerlengo der Kieche; ferner die Ernennung der Jahaber dee neu errichteten Bisthümer Glasgow, Edinbueg, Aberdeen und Galloway, sowie von zwei amerikanischen Bischöfen und sieben Bischöfen in partibus insidelium. Hier- auf legte der Papst dem Herkommen gemäß sein Glaubensbekenntniß ab, leistete den Eid auf die apostolischen Constitutionen und überreichte schließ⸗ lich dem Eczbischof Mac Closkly den Cardinalshut.

28. März. Der Handels Vertrag mit Deutschland vom 31. December 1865 und die Schifffahrts- Convention vom 14. October 1867 wurden bis 31. December 1878 prolongirt.

Türkei. Constantinopel. Da Rußland keine weitere Schwierigkeiten bezüglich der Uebergabe der türkischen Gefangenen macht, so sind türkische Commissäre nach Sebastöpol entsendet worden, um die Einschiffung der Gefangenen zu überwachen.

29. März. Gestern vor seinet Abreise nach San Stefano empfing Großfürst Nicolaus an Bord seiner Nacht den Besuch der türkischen Minister. Die russische Militär⸗Intendanz erneuerte die Lieferungs- Verträge für San Stefano auf einen Monat; demnach sind die Gerüchte über den bevorstehenden Abzug der Russen von dort falsch. Saadullab Bey ist nach Berlin abgekeist

Rumänien. Bukarest. Nach Rückkehr des Ministers Bratiano aus Wien, wohin derselbe nur behufs Verhandlung mit dem Wiener Cabinet gereist ist, dürfte eine Cabinets- Aenderung statt finden: Cogalniceanu soll austreten, Bratiano das Ministerium des Aus wärtigen, Demeter Sturdza das Finanz, Campineano das Justiz- und Oberst Dabischa das Kriegs⸗ Portefeuille übernehmen.

Griechenland. Athen, 30. März. Es geht das Gerücht, England habe um die Ermäch tigung nachgesucht, auf griechischem Boden ein Armee Corps campiren zu lassen. Die Kammer ist zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen- berufen worden. Die türkischen Truppen griffen die Insurgenten an, wurden aber bis Volo zu rückgeworfen.

Rußland. Petersburg. DieAgence Russe erklärt die Meldung desDaily Telegraph über die Antwort Gortschakoff's an das britische Cabinet für unrichtig: der Reichskanzler habe nicht gesagt, er müsse sich in Bezug auf die Dis- cutirung der Bedingungen, die Rußland als außer halb der Jurisdiclion Europa's stehend betrachte, ein Veto vorbehalten, sondern derselbe habe stets nur für jedes Mitglied dee Congresses die absolute Freiheit der Discutirung für jeden Artikel ohne Ausnahme, und damit auch die Freiheit der Ansicht und Entsckließung aufrecht erhalten. Das Petersburger Cabinet habe sich von dieser Antwort nicht entfernt.

DasJournal de St. Petersburg be- spricht den Rücktritt Derby's, zählt alle von dem

britischen Cabinet seit 1875 aufgeworfenen Hin- dernisse auf und schließt folgendermaßen: Nachdem Rußland Alles gethan hat, um den Frieden auf rechtzuerhalten, nachdem es die äußerste Nachsicht auf diplomatischem wie auf militärischem Terrain bekundet hat, wird es fortan nur seine eigenen Interessen und seine Ehre zu Rathe ziehen, wenn es Anderen gefällt, dieselben zu bedrohen.

Aus Stadt und Land.

Gießen. Vor dem Schwurgericht des II. Quartals kommen nachbemerkte Anklagesachen zur Verhandlung: Den 1. Apr., Vorm. 9 Uhr, gegen Wilhelm Göbel, Müller zu Kloster Arnsburg, wegen Urkundenfälschung; Verth. Adv. Labroisse. Dens. Nachm. 3 Uhr gegen Anton Semmler von Kestrich, wegen Körperverletzung mit tödt⸗ lichem Erfolg; Verih. Adv. Labrolsse. Den 2. Apr., Vorm. 8 Uhr, gegen Johann Heinrich Heckeroth von Nieder Weimar, wegen Diebstahls; Verth. Ado. Weidig. Dens. Nachm. 3 Uhr gegen Johannes Helsenbein von Stockhausen, dermalen in Friedberg, wegen Meineids; Verth. Adr. Thorwart. Den 3, Apr., Vorm. 8 Ubr, gegen Johannes Langwasser von Röthges, wegen Körperverletzung; Verth. Adv. Lauer. Den 4. Apr., Vorm. 8 Uhr, gegen Johannes Hölzer von Atzenhain, wegen Verbrechens wider die Sill⸗ lichkeit; Verth. Abv. Metz. Dens. Nachm. 3 Uhr gegen Heorg Stuckart von Worms, wegen Urkundenfälschung; Verth. Adv. Metz. Den 5. Apr., Vorm. 8 Uhr, gegen Burkhard Frei von Gelnhausen, wegen Diebstabls; Verih, Adv. Thorwart. Dens. Vorm. 10 Uhr gegen Johann Wilhelm Rupp und dessen Ebefrau von Inhaiden, wegen Diebstahls bezw. Hehlerei; Verth. Adv. Thorwart. Den 6. Apr., Vorm. 8 Uhr, gegen Heinrich Hahn und dessen Ehefrau von Oppenrod, wegen Diebstabls; Vertb. die Adv. Kraft und Steinberger. Dens. Vorm. 10½ Uhr gegen Ewald Beinbauer von Eichenrod, wegen Diebstahls; Verth. Adv. S!deinberger.

Darmstadt. Durch Beschluß der Anklagekammer Großberzogl. Hofgerichts ist Kriegsrath Wiegand vor die Assisen des II. Quartals verwiesen worden.

Darmstadt, 29. März. Geb. Staatsralh Franck st gestern Abend an den Folgen eines Schlaganfalls, der ihn vor acht Tagen betroffen, verstorben.

Mainz, 30. März. Unsere Stadt befindet sich in roßec Aufregung. In der Nähe der Ryheinischen Brauerei in Weisenau sand man heute in der Frühe die Leiche eines ut gekleideten jungen Mannes. Der Ermordete war seiner Baarschaft und seiner Werthgegenstände vollständig beraubt; daß hier ein Raubmord vorliegt, ist außer allem Zweifel. Die Behörde hat bereits die umfassendne Unter⸗ suchung eingeleitet.

Worms, 29. März. Ein auf der Heimfahrt be⸗ riff ner Mülle knecht wurde verflossene Nacht in der sog. Hochbeimer Hohl nach seiner Aussage von zwei unbekannten olchen angefallen und seiner Baarschaft, welche gegen 40 Mark betrug, beraubt.

Handel und Verkehr.

Kriedberg, 30 März. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 11.10. Eter per Stück 6 Pf.

Gießen, 30 März. Wochenmarkt Butter per Pfd. M. 1 1.05, Eier per Stück 45 Pf. Tauben das Paar M. 1.10, Hühner per Stück M. 175 Hahnen per Stück M. 1.60, Enten per Stück M. 3.80, Kartoffeln 100 Kilo M 7.50, Ochseyfleisch 70 Pf per Pfd., Kuh⸗ und Rindfleisch 56 60 Pf., Schweinefleisch 64 Pf., Kalb⸗ fleisch 50- 56 Pf.

Frankfurt, 30. März. Der heutige Heu- und Stroh⸗ Markt war ziemlich befahren. Heu kostete je nach Qual. per Cent. M. 2 50 3.40, Stroh per Cent. M. 2.202 40., Butter im Großen 1. Qual M. 1 10 2. Qual. M. 1. im Detail 1. Qual. M. 1.30 40, 2. Qual. M 1 20. Eier per 100 M 4.50 6.20 Fartoffeln M. 6 50. 7. Erbsen geschälte(per 100 Kilogr.) M. 2832, ganze Erbsen M. 24 26. Bohnen M. 25.28. Linsen M. 2735. Fleischpreise: Ochsenfleisch per Pfund 7075 Pf. Kuh⸗ und Rindfleisch 55 64 Pf., Schweinefleisch 70 75 Pf Hammelfleisch 55 68 Pf., Kalbfleisch 60 70 Pf.

Marburg, 30. März. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.101.20, Eier 910 Stück 40 Pf., Käse per Stück 10 12 Pf., Zwiebeln per Pfd. 1012 Pf., Sellerie per Knolle 35 Pf.

Geld Cours.

Frankfurt am 30. März. 1878. 20⸗Frankenstücktk kk 16 0 Englische Sovereigns 20 3237 Russische Imperlales. 8 16 6772 Holländische fl. 10 Stü ge. 18 Ducaten. 7 9 5257 Ducaten al marco 5 9 5560 Dollars in Gold 2 4 18 21

Die Dampf-Kaffeebrennerei von A. Zuntz seel. Wittwe in Bonn empfiehlt auf Pesach ihren gebr. Java⸗Kaffee

la. M. 1. 80 Pf. per Pfd. Alleinige Niederlage für Friedberg und Umgegend bei M. L. Goldmann. 68

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