daß die Abfassung des Protokolls und die Ab⸗ rüstungs⸗Frage Schwierigkeiten machen.
Pest, 23. März. In der Club⸗Sitzung der liberalen Partei wurde der Gesetz Entwurf wegen Aufnahme des Goldrenten- Anlehens, nachdem derselde vom Finanzminister befürwortet worden war, ohne Debatte gut geheißen. i
Schweiz. Bern, 23. März. Der National- rath bat heute mit großer Mebrbeit beschlossen, die weitere Behandlung des Gesetzentwurfs bezüg— lich der Telegraphentaxen hinauszuschieben.
Frankreich. Paris. Kaiser Wilhelm's Schweigen bezüglich seiner Politik in den Aeußer- ungen an seinem Geburtsfest wird hier dem Frieden ungünstig gedeutet.
— Wie der„Constitutionnnel“ erfährt, bat die Exkaiserin Eugenie, welche zu ihrer Mutter, der Gräfin Montijo, nach Spanien reisen will, bei der Versailler Regierung die Ermächtigung nachdesucht, bei diesem Anlaß das französische Gebiet zu berühren.
Großbritannien. London, 22. März. Im Unterhause beantwortete der Unter Staats- Secretär Bourke eine Anfrage Potter's dahin, daß der Khedive den Oberst Gordon ermächtigt habe, mit Abessinien Frieden zu schließen. Der⸗ selbe erklärte auf Anregung von Fawectt, die Nachrichten von Unruhen be! Adrianopel seien übertrieben, jedoch habe der dortige englische Consul die Anweisung erhalten, an Ort und Stelle persönlich Erkundigungen einzuziehen. Eine Anfrage Campbell's beantwortete der Schatzkanzler Noctheote dahin, daß die vom Sultan erlassene Amnestie sich nicht auf solche Personen erstrecke, die an den Greuelthaten in Bulgarien theilge— nommen hätten.
— 22. März. General Ignatieff nebst Ge- mahlin ist heute Vormittag nach Paxis abgereist und wird von dort nach Petersburg zurückkehren, wohin er, soweit bisher bestimmt ist, seinen Weg über Wien nehmen wird.
— 23. März. In der heutigen Sitzung des Unterhauses kam der von Faweett gestellte Antrag zur Verbandlung, wonach das Haus erklären solle, die Regierung sei berechtigt, von der Pforte Garantien für die bessere Behandlung ihrer christ— lichen Unterthanen zu verlangen. Der Antrag- steller richtete bei Begründung der von ihm vor— geschlagenen Resolution Angriffe gegen die Regierung und bezeichnete es als unzweckmäßig, die diplo— matischen Beziehungen zur Türkei wieder anzu— knüpfen. Marquis Hartington billigte zwar den Antrag, fügte jedoch hinzu, derselbe dünke ihm unzeitig, da das Haus die jetzige Politik der Regikrung nicht kenne. Gladstone forderte genaue Aufklärungen seitens der Regierung über die schwebenden Unterhandlungen, ob die Regierung keine Hoffnung mehr hege, Garantien von der Pforte zu erlangen, und welche Schritte sie im verneinenden Falle zu thun beabsichtige. Der Schatzkanzler Nertheote erklärte hierauf, der Augenblick sei noch nicht gekommen, um die Politik der Regierung vollständig zu beurtheilen. Die britische Politik bestehe unverändert darin, den Frieden zu erhalten, das Einvernehmen der Mächte aufrecht zu erhalten und die Interessen Englands zu vertheidigen.„Wenn die Pforte unseren Borstellungen Gehör versagt, so werden wir sie ihrer eigenen Verantwortlichkeit überlassen.“ Der Schatzkanzler erklärte schließlich, die Regierung müsse auf der Abstimmung über die Motive Faweett's bestehen. Sodann wurde die Debatte mit Zu— stimmung der Regierung vertagt.
— Der Mißerfolg der Reise Ignatieff's hierher ist hauptsächlich der plötzlichen Wendung Rußlands bezüglich der Abrüstungs⸗Frage und dem dadurch von Neuem entstandenen Mißtrauen Englands zu⸗ zuschreiben. Trotzdem ist eine friedliche Ordnung nach weiteren Verhandlungen der Großmächte nicht aussichtlos.
Italien Rom, 23. März. Die Nach- richten über das Befinden des Papstes lauten heute im Allgemeinen ziemlich befriedigend; jedoch nöthegt die in den Füßen eingetretene Schwäche
Englands läßt neuerlich den Drei-Kaiser-Bund
den Papst, sich im Sessel tragen zu lassen. — 23. März. Mid hat Pascha hat gestern
angeblich Neapel verlassen. Es verlautet, die
dementirt.
Türkei. Konstantinopel, 23. März. Die Verhandlungen mit Montenegro sind abermals ins Stocken gerathen. Sapfet Pascha wird in dieser Angelegenheit nächstens einen Beschluß des Parlaments provociren. Dieser Beschluß böte als ⸗ dann die Richtschnur der ferneren Haltung der Pforte.
— 25. März. Die montenegrinischen Friedens Unterhändler haben telegraphisch nach Cettinje gemeldet, die Pforte beharre auf der Ablehnung der Forderung Montenegro's betreffs der ane
der Districte von Niksic, Kucci und Kolatschin
und wolle nur die Grenzberichtigung gegen Albanien hin bewilligen; sie ersuchten demnach um nähere Weisungen.
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Wie versichert wird, hat England gegaucht.
der Rhede von Poti bis Noworossijsk einschließ ⸗ Wiedereinberufung des vaticanischen Coneils werde 85 0 vorbereitet. Die Nachricht, daß die Eidesformel für die Bischöfe abgeändert werden solle, wird Hayes hat die beiden rivalisirenden Bewerber um
lich gelegt werden. Amerika. Washington.
den Gouverneur⸗Possen von Südcarolina, Cham-⸗ berlein und Hampton, ersucht, entweder persönlich in Washington zu erscheinen oder einen Vertrauens-
mann zu entsenden, um die Sachlage in Süd- Carolina zu erörtern.
Aus Stadt und Land.
* Friedberg. Die Mittheilungen, welche Herr L. F. bier vor Kurzem dem„Vorwärts“ gemacht bat und welche in Nr. 35 d. Bl. unverändert wiedergegeben sind, enisprachen in mehreren Punkien nicht der Wirklich⸗ keit, so daß— zumal für die auswärtigen Leser Ihres Blatts— eine Richtigstellung geboten scheint. Nach der Behauptung des Herrn L. F., der nicht zu hoch greifen will, sind in unserer Stadt urplötzlich mindestens 300 „offene“ Sozialisten und noch eine Masse„geheimer“ auf⸗ Herrn L. F. wird man wobl nicht zu den
die Abtretung von Nikfie nach vorheriger Schleif-„geheimen zählen dürfen, er würde aber„offener? ge—
ung der dortigen Festungswerke anempfohlen; die Pforte halte jedoch die Abtretung selbst in diesem Falle für unmöglich.
Montenegro. Cettinje, 23. März. Fürst von Montenegro hat der Verlängerung des Waffenstillstandes bis 13. April zugestimmt.
Rumänien. Bukarest, 23. März Seitens der mit Verfolgung der Anklage gegen mehrere ehemalige Minister betrauten Commission ist jetzt der Deputirtenkammer die Anklage-Acte vorgelegt worden. Danach ist die Anklage gegen Catargiu, Lahovari, Floresco, Majoresco und Mavrogheni aufrechterhalten, gegen Cretzulesco und Carp aber zurückgezogen. Die Aufrechterhaltung der Anklage gegen Boerescn, Cantakuzeno und Brosetti wird dem Ermessen der Kammer überlassen. ö
Griechenland. Athen. Der Minister⸗ Präsident Deligeorgis hat angekündigt, daß zur Neuberathung der Rüstungs- und Wehr-Gesetze die Kammern zu ihrer nächsten Session schon für den Mai einberufen werden sollen. Durch die Unterstützung von Trikupis ist die Lage des neuen Ministeriums befestigt.
Rußland. Petersburg, 23. März. Die Londoner Protokoll- Verhandlungen sind als gescheitert zu betrachten. Die russische Regierung wird niemals der Aufnahme eines Passus über die Abrüstung der russischen Armee in das Pro- tokoll zustimmen. bezügliche Insinuation Englands wurde entschieden zurückgewiesen. Be
harrt England auf seinen diesbezüglichen Forder⸗ ungen, so sind alle weiteren Verhandlungen zwecklos. General Ignatieff trifft heute in Paris ein und
reist alsbald weiter nach Wien. Die Haltung
Der
Die
in den Vordergrund treten und dürfen diesbezügliche Verhandlungen als bevorstehend signalisirt werden.
— Ignatieff ist von London mißvergnügt abgereist; er äußerte: England wünsche den Krieg im Orient.
— Der Verlauf der Londoner Verhandlungen und die Sprache der englischen Regicrungsblätter veranlaßt die meisten hiesigen Blätter in entschieden tadelndem Sinne sich zu äußern. Es wird vor— nehmlich hervorgeboben, daß die britische Regierung von vornherein bezweckt habe, Rußland nur die Wahl zwischen Beschimpfung und Krieg zu lassen. — Eine Correspondenz der„Agence Russe“ führt aus, daß die Frage, ob Krieg oder Frieden, gegenwärtig ihre Entscheidung nicht in Petersburg, sondern in London finde. Das russische Cabinet sei mit seinen friedlichen Absichten bis an die äußerste Grenze gegangen und halte dieselben auch jetzt noch auftecht. Wenn trotzdem der Krieg nunmehr ausbreche, so werde die Verankwortlichkeit allein England zufallen.
Odessa. Wie amtlich bekannt gemacht wird, sind sowohl auf der Rhede von Poti als auch an verschiedenen Stellen des Ufers von Poti bis zu der Mündung des Flusses Tscholock Torpedos gelegt worden. Die Schiffe, welche dort vorüber— fahren, dürfen nicht näher als zwei italienische Meilen von der Küste vor Anker geben; diejenigen, welche in die Rhede einlaufen oder sich dem Ufer mehr nähern wollen, haben einen Lootsen zu nehmen. In nächster Zeit sollen auch Torpedos nördlich
bandelt baben, wenn er sich in dem, was er der Oeffent⸗ lichkeit übergab, streng an die Wahrbeit gehalten hätte. Mit den 300„offenen“ Sozialisten, die hier sein sollen, macht er sich selbst und Anderen etwas weiß. Die Zahl der in Friedberg sich aufhaltenden„offenen“ Sozialssten
glauben wir, boch gegriffen, auf 60—80 schätzen zu dürsen,
worunter wohl noch mancher Neuling unter die Gattung der„Halbmürben“ zu rechnen sein wird; das weilere Auftauchen einer Masse„geheimer Soziallsten“ halten wir für ein Traumbild des Herrn L. F., welches ihm seine Pbantasie vorgezaubert hat. Die Gründung des liberalen Wahlvereins für den 2. Oberhess. Reichstagswahlkreis ha: mii den Vorgängen, welche mit der Bildung einer Arbeiter— Hilsskosse zusammenfielen, nicht das Mindeste zu schaffen. Ebenso wenig verdankt der liberale Wahlverein seine Eutstebung dem„Schrecken der Gegner der Socia— listen.“ Wozu solche Flunkereien, zumal wenn man es so leicht bat, den Sachve halt bei der ganz öffentlich be— lriebenen Gründung des liberalen Wablvereins zu erfahren? Ueber die in den L. Fischen Bericht hinein gezogene Wirtbsbausscene, welche sich vor einigen Sonntagen in dem biesigeu Stammlocal der Socialisten zugetragen hat, gehen wir mit Stillschweigen hinweg, da wir uns nicht in Bierbank-Zänkereien mischen und deren öffentliche Be— sprechung nicht für unsere Aufgabe halten. In dem Bries⸗ kasten der Freitags-Nummer des„Vorwärts“ ist eine Be- merkung der Redaction an den„Correspondenten in Friedberg“ dabin lautend: Seien Sie unbesorgt, Ihr Name wird nicht genannt werden.“ Sollten Herrn L. F. selbst über seinen Bericht und der darin enthaltenen „Traumbilder“ Bedenken gekommen sein?
Mainz. Nachdem der Rhein ducch sein stetes Steigen bereits wieder ernste Besorgnisse erregt hatte, fällt er seit Donnerstag lanasam. 5
Mainz. Der„Mzr. Anz.“ berichtet: Eine großartige Soldatenschlägerei fand am 22. Abends im„Heilig Geist“ statt. Ein Soldat des 3. Artillerieregiments war zufällig unter die im„Heilig Geist“ seiernden 117er gerathen. Zwei Compagnien der letzteren waren zusammen, der „zer“ wurde schlecht bebandelt. In Folge dessen drangen ein Theil der gerade auf dzr Straße schnell zusammen⸗ gerafsten Soldalen des 13. Husarenregiments, der Zer, der 87er, 88er und 118er in den„Heilig Geist“ ein und gingen mit blanker Waffe gegen die 17er vor, wobei den letzteren übel mitgespiell wurde. Noch um 4 Uhr Morgens wurde ein 117er Lazareihgehülse zusammengehauen, daß er schwer verwundet zusammenstürzte.„Am Lappenhaus“ war selbstwerständlich ebenfalls Randal. Heute früh war die Hauptwache derart überfällt, daß die Wache keinen Platz im Lokal mehr fand. Eine ganze Reihe Soldaten wurden in die Citadelle geschafft, eine große Zahl anderer liegt im Lazareth. Am Markt, Brand ꝛc. sah man überall noch heute Morgen Blutspuren. Aehnliche Excesse meldet man von Miniernacht.
Allerlei.
Cassel. Der taubstumme Mensch, welcher auf der Station Allendorf a. W. verlassen aufgefunden war, ent⸗ puppt sich j tzw als ein Schneiderlehrling Kopp aus Rolls hausen. Die mystisch- romantische Geschiche von einem zweiten Caspar Hauser hat somit ein sehr prosaisches Ende gefunden.
Wien. Die Galizische Karl-Ludwigs⸗Eisenbahn⸗ Gesellschaft zeigt an, daß in Folge Einsturzes einer Brücke auf der Kiew-Brester Bahn der Anschluß- Verkehr von Rußland her über Radziwilow eingestellt worden ist.
Madrid. Bei einem Zusammenstoße zweier Eisen⸗ bahnzüge auf der Südbahn kamen mehrere Personen um's Leben, verschledene andere erlitten Verwundungen.
Handel und Verkehr. Frankfurt, 24. März. Fruchibericht. Mehl Nr. 1 M. 41., Nr. 2 M. 37., Nr. 3 M. 33., Nr. 4 M. 29., Nr. 5 M. 23. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 2., do. II.(Berliner Marke) M. 22., Weizen ab Bahnhof bier M. 26.50—75., ab unserer Umgegend M. 26.5026. fremder je nach Qual. M. 21—25.50., Korn M. 18.25 bis 19.75., Gerste M. 19—21., Hafer M. 14—18., Erbsen M. 21—24., Wicken M. 19., Linsen M. 21—30., Rüböl M. 76. Die Preise verstehen sich sämmtlich per
200 Pfund Zollgewicht— 100 Kilo.„ Frankfurt, 24. März. Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kosicte je nach
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Der Prästdent
Oui.


