verlesen. Derselbe erinnert daran, daß der Präst⸗ dent das Recht besitze, die Kammer aufzulösen. Er sei genöthigt, diese Maßnahme wegen des Meinungs- Zwiespaltes zwischen ihm und der Kammer zu ergreifen. Kein Ministerium habe sich bisher behaupten können, ohne den Radicalen Concessionen zu machen und sich ihren Bedingungen zu fügen. Um sich hierfür nicht länger herzu⸗ geben, babe er beschlossen, die Auflösung der Kammer zu verlangen.
— 16. Juni. In der Deputirtenkammer ver- las der Minister des Innern eine der im Senat verlesenen Botschaft analoge Erklärung. Hierauf begründete Bethmont die von der Linken gestellte Interpellation und griff dabei das Ministerium an, welches er als aus einer ohnmächtigen Coali- tion hervorgegangen hinstellte. Fourtou erklärte: Das Land wird seine Entscheidung aussprechen zwischen der Kammer und dem Marschall Mat Mahon. Der Opportunismus ist ein geduldiger Radikalismus. Der Act vom 16. Juni hat die Gesellschaft gerettet und bedroht durchaus nicht den äußeren Frieden. Sodann erhob Gambetta gegen das Ministerium die Anklage, daß es ultra- montan und dem Auslande verdächtig sei; derselbe rechtfertigte ferner die Majorität der Kammer und prophezeite als Resultat der Auflösung, daß die Majorität, jetzt aus 363 Mitgliedern bestehend, in der Stärke von 400 wiederkehren würde. Der Minister des Auswärtigen protestirte gegen die Ausführungen Gambettas, in dem er hervorhob, daß die Beziehungen zum Auslande nicht aufge— hört hätten, freundschaftliche zu sein. Gambetta hatte sich in eine solche Aufregung hineingeredet, daß er nach der Rede von einer Ohnmacht be— fallen wurde, jedoch hatte sein Unwohlsein keine ernstere Bedeutung.
Holland. Amsterdam. Das Ergebniß der Ergänzungs⸗Wahlen zur zweiten Kammer stellt sich dahin, daß 27 Liberale und 14 Antiliberale die absolute Majorität auf sich vereinigten, während zwei Wahlen unentschieden blieben; die betreffenden Stichwahlen sollen in 14 Tagen stattfinden. Die Liberalen haben fünf neue Sitze gewonnen und sind jetzt bei im Ganzen 80 Mandaten im Besitze von 48.
Dänemark. Kopenhagen, 13. Juni. Der Reichsgerichtshof hat die ehemaligen Minister Graf Holstein⸗Holsteinborg, Fonnesbech und Krieger von der Seitens des Folkethings gegen sie er- hobenen Anklage wegen der angeblich unbefugten Veräußerung der Ruinen der Marmorkirche frei— gesprochen.
Großbritannien. London. Das aus⸗ wärtige Amt hat verfügt, daß jeder britische Offizier, der einer Macht dient, die Krieg führt mit einer andern Macht, mit welcher England freundschaftliche Beziehungen unterhält, entweder den Dienst im Auslande oder den britischen Dienst quittiren muß.
— 16. Juni. Im Unterhause forderte der Herzog von Argyll die Regierung auf, über die Beziehungen des englisch⸗ostindischen Reiches zu Afghanistan Aufklärung zu geben. Minister Lord Salisbury erklärte, es bestätige sich, daß der Emir von Afghanistan sich geweigert habe, einen eng- lischen Vertreter an seinem Hofe zuzulassen. Es sei übrigens unrichtig, daß die Beziehungen zu dem Emir sich wesentlich geändert hätten.
Italien Rom. Zbwischen dem päpstlichen Stuhle und der belgischen Regierung schweben Unterhandlungen über eine anderweitige Besetzung der Nuntiatur in Brüssel.— Der Nuntius Meglia in Paris verlangte Instructionen für den Fall neuer Ereignisse in der inneren Politik Frankreichs. Der Cardinal-Staatssecretär Simeoni wies den⸗ selben an, jede Einmischung zu unterlassen und den Fortgang der Dinge abzuwarten.
Türkei. Constantinopel, 15. Juni. Gestern wurde auf dem Kriegs-Ministerium unter dem Vorsitz des Sultans Kriegerath gehalten. Die Russen haben bisher die Donau noch nicht überschritten. Kars bietet fortdauernd Widerstand. Anderweitige erbeblichere Nachrichten vom Kriegs- Schauplatze liegen nicht vor. Der bulgarische Exarch wurde gestern vom Sultan empfangen.
— 15. Juni. Suleiman Pascha ließ Bjelin a durch drei Tabore besetzen. Die Lage der Mon- tenegriner wird als sehr mißlich geschildert. Die Ausständischen haben die zwischen Jajtze und Travnik liegenden Ortschaften verbrannt. Ismail Pascha rückt in Eilmärschen mit mehreren Bataillonen aus Serajewo heran.
— 16. Juni. Das ägyptische Truppen⸗Con⸗ tingent ist hier eingetroffen. Der Sultan begibt sich demnächst nach Adrianopel, um die dortigen Befestigungs⸗Arbeiten zu besichtigen.
— Das Parlament verlangt, daß der ehe— malige Großvezir Mahmud Nedim Pascha wegen angeblicher Defraudation von 6 Millionen in Anklagestand versetzt werde.
Rustschuk, 15. Juni. Die Türken errichten Getschek gegenüber Batterien. Die Donau steht bei Braila nach dem Pegel der Dampfschifffahrts⸗ Gesellschaft 16 Fuß über dem normalen Stande.
Erzerum, 14. Juni. Die Türken sind, nach Wiederbesetzung Olti's, in der Richtung nach Ardahan weiter marschirt. Eine türkische Abtheilung verließ Delibaba, um die zum russischen linken Flügel gehörige Abtheilung anzugreifen. Die Lage der Türken bei Toprakkaleh habe sich gebessert. Am Freitag griffen die Russen Tamoz, einen für die Vertheidigung von Kars besonders wichtigen Punkt, an und richteten auch sehr heftige Angriffe auf andere Punkte. Diese Angriffe wurden am Sonnabend wiederholt, jedoch ist über deren Er— gebniß noch nichts bekannt. Mukhtar Pascha steht in sehr stark befestigter Stellung zwei Meilen westlich von Zewin. Der rechte Flügel der Türken steht in der Ebene des Districts Alaschkert dem linken Flügel der Russen gegenüber. Eine Schlacht wird als unmittelbar bevorstehend betrachtet.
Serbien Belgrad. Serbien bleibt unter allen Umständen neutral. Bei Eröffnung der Skupschtina wird in der Thronrede des Fürsten das neutrale Verhalten Serbiens ausdrücklich con— statirt werden.
— Auf die Anfrage mehrerer Pferdehändler erwiederte der Kriegsminister: die serbische Re⸗ gierung mache keine Rüstungen, beabsichtige daher auch keine Mittel für Pferde- Ankäufe zu veraus⸗ gaben. Da die Pforte alle ihre Truppen aus Serbien herausgezogen hat, so beließ auch die genannte Regierung nur die gewöhnlichen Grenz- posten am Javor. Die diesjährigen Milizübungen sind abgesagt.
Rumänien. Bukarest. In rumänischen Regierungskreisen scheinen bedeutende Veränderungen bevorzustehen. Es ist wahrscheinlich, daß zunächst Cogalniceanu, bald aber auch Joan Bratiano zurücktreten werden. Es dürfte die Bildung eines neuen Cabinets mit Demeter Ghika, Boerescu und General Florescu erfolgen und wird damit voraussichtlich ein Systemwechsel, der auch auf die rumänischen Verfassungs⸗Verhältnisse zurück⸗ wirken muß, eintreten.
— 14. Juni. Das russische Hauptquartier ist heute theilweise nach Alexandria übergesiedelt. Das Armee Commando folgt ihm morgen dorthin nach.
— 14. Juni. Die Russen haben auf der Donau- Insel bei Rustschuk eine Batterie erichtet.
— 16. Juni. Drei russische Kanonenboote recognoscirten den Canal von Matschin und gingen bis unter die Kanonen der Festung Matschin, ohne beschossen zu werden. Der Wasserstand der Donau ist 15 Fuß 9 Zoll über dem Normale.
— 16. Juni. Der Fürst von Serbien, von Ristic und dem russischen General-Consul Stuart begleitet, reiste heute um 10 Uhr Vormittags nach Plojesti. Die Rückfahrt findet um 2 Uhr Nach- mittags statt.
— Der Transport von Eilgut und Fracht- gut ist auf allen rumänischen Eisenbahn Linien wieder auf unbestimmte Zeit eingestellt. Die Heerstraße vom Pruih nach Galatz ist wegen des Austrittes des Bratisch⸗Sees unpassirbar.
Jassy. Der der Anstiftung der letzten Juden⸗ Verfolgungen in Darabana bezichtigte Gutsbesitzer Ciumara und dessen Frau wurden verhaftet. Andere Schuldige sind gleichfalls verhaftet. Die Gerichte untersuchen die Angelegenheit eifrigst.
Rußland. Petersburg. Officiell. Tele⸗ gramm des Generalstabs Chefs der Kaukasus⸗ Armee: Vom 7. Juni an recognoscirten unsere Truppen mehrfach bei Kars unter dem Feuer der Festungswerke. Am 9. Juni wurden die feindlichen Stellungen vom Großfürsten Michael persönlich besichtigt. Unser Verlust in diesen Tagen besteht bloß in 15 Verwundeten. Mukhtar Pascha hat aus Trapezunt 20 Bataillone Verstärkung erhalten. General Tergukassoff besetzte am 9. Juni Alaschkert und zog mit der Avantgarde in Seidekan ein
— Ein Telegramm des Ober⸗Commandirenden der Kaukasus Armee vom 13. Juni meldet: Gestern beschossen uns die Türken von den vor- deren Befestigungen der Festung Kars und von ihren Batterien auf den dortigen Höhen aus, wurden aber durch unser Geschützfeuer zum Schweigen gebracht. Am 9. d. hat General Tergukassoff Alaschkert, am 10. Sejdekan besetzt, wobei sich die Türken eilig, mit Zurücklassung von Proviant⸗ und anderen Vorräthen, nach Kenrikew zurückzogen.
Amerika. Washington. Der ameri- kanische Gesandte in Madrid, General Cuhshig, ist zum Gesandien in Wien, James Russel Lowell an seiner Stelle zum Gesandten in Madrid ernannt worden.
Aus Stadt und Land.
Rodheim v. d. H., 16. Juni. Unser Gemeinderath hat heute in Berücksichtigung der äußerst großen Güter⸗ zerspliterung der Gemarkung und der dadurch hervor⸗ gerufenen Schwierigkeit einer rationellen Bewirthschaftung unserer Felder, bei den hierdurch erwachsenden unberechen⸗ baren pecuniären Nachtheilen und den sonstigen Unannehm⸗ lichkeiien und Vexationen, durch Mehrheitsbeschluß von 7 gegen 3 Stimmen den Antrag auf Güterzusammen⸗ legung unserer Gemarkung gefaßt. Für den Antrag waren die Herren Kreisrath Klietsch, Bürgermeister Jacobi und Beigeordneter Wehrheim eingetreten. Gemeinderaths⸗ miiglied und Kreistagsabgeordneter Balih. Jacobi V. vertrat die Minorität und wollte aus Sparsamkeits⸗ rücksichten unsere seitherigen Gülerzustände beibehalten wissen. Die Ausführung der Güterzusammenlegung wird aber, wie den anderen Gemeinden, in denen sie bereits eingeführt ist, so auch der unsrigen zu reichem Segen gereichen.
—6.—. Griedel, 15. Juni. Gestern Nachmittag stürzte die hiesige sehe baufällige Pfarrscheuer plötzlich zu⸗ sammen und bereitete dadurch der Schuer des Nachbars ein gleiches Schicksal. Wären nicht verschiedene, in der Nähe beschäftigt gewesene Arbeiter zufällig abseits gegangen, so hätte leicht ein oder mehrere Menschenleben zum Opfer fallen können. Der Fiscus wird die Pfarrscheuer wieder aufzubauen haben.
Allerlei.
Godesberg. Unter unserer Damenwelt herrscht leider noch vielsach die üble Gewohnheit, bei Näharbeiten Sleck⸗ oder Knopfnadeln, wenn auch nur für Augenblicke, im Munde zu bergen. Ein hier am verflossenen Montag vorgekommenes Ereigniß zeigt wieder einmal, wie überaus gesähtlich ein solches Verfahren ist. Die 20 jährige Tochter einer hiesigen angesehenen Bürgerfamilie halte eine der bekannten schwarzen Knopfnadeln zwischen die Lippen genommen, als sie plötzlich ein Schluchzen überkam und sie die Nadel verschluckte. Unvorsichtiger Weise sagte sie es den Eltern erst am andern Morgen, als ihr das Essen unmöglich wurde und sich heftige Schmerzen im Kehlkopf einstellten. Hier in Godesberg vermochte man nicht, die Nadel bervorzuholen; die geängstigten Verwandten begaben sich deßhalb mit der Patientin nach Bonn zu einem in Kehltopftrankheiten eines besonderen Rufes sich erfreuenden Professor. Diesem gelang es auch, die Nadel zu sassen; sie halte jedoch eine salsche Lage angenommen, daß er es nicht wagte, sie mit Gewalt zu entfernen. Nun ist das junge Mädchen noch einmal nach Bonn gefahren, wo der Versuch, die Nadel zu beseitigen, erneuert werden soll. Man bofft, daß die Lage der Nadel im Kehlkopf in den nächsten Stunden eine günstigere werde, wodurch eine Operation vermieden werden kann.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 16. Juni. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 1.20. Eier 1 Stück 6 Pf., 2 Stück 11 Pf.
Gießen, 16. Juni. Wochenmarkt. Butter per Pfund 90 Pf. dis M 1.10. Eier per Stück 5 und 6 Pf. Käse per S:ück 4 9 Pf. Tauben das Paar 70 Pf. Hühner per Stück M. 1.—. Kartoffeln, 100 Kilo, M. 9.40.
Frankfurt, 16. Juni. Der heutige Heu⸗ und Stroh⸗ Markt war gur befahren. Heu kostete je nach Qualinät per Ceniner M. 4.— 5.25. Stroh per Ceniner M. 4—5. Butter im Großhandel das Pfund 1. Qual. M. 1.10., 2. Qual. M. 1.—.; im Kleinhandel 1. Qual. M. 1.30., 2. Qual. M. 1.15—20. Eier, das Hundert gewöhnliche M. 4.50., italienische M. 5.60. Kartoffeln M. 8—9.
Main:, 16. Juni. Producten⸗Markt. Waizen per Juli 23.50. per Nov. 21.80. Korn per Juli 16.20. per Nov. 15.70. Hafer per Juli 15.40. Rüböl per Juli—.—. per Oct. 33.70.
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