Ausgabe 
18.9.1877
 
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richten wollen sogar wissen, die Russen seien aus allen eroberten Positionen wieder vertrieben.

15. Septbr. Der ehemalige Großvezir Ruschdi ist ernstlich erkrankt. Nach Meldungen der Journale ließen die am Dienstag bei Plewna im Kampfe zurückgewiesenen Rumänen mehrere Kanonen zurück. Die Straße nach Arhanie soll noch im Besitze Osman Pascha's sein.

Erzerum. Eine Depesche Mukhtar Pascha's vom 13. Sept. meldet: Eine kurdische Reiter⸗ Abtheilung, welche den Araxes überschritten hatte und unweit Adjenas bei Eriwan erschien, ver⸗ nichtete einen russischen Proviant- Transport, welcher von einer Compagnie Infanterie begleitet war; letztere verlor 60 Mann Todte. Nachdem die Kurden noch bei Sahakaserai eine russische Post aufgehoben hatten, zogen ste sich Angesichts von Igdyr heranziehender überlegener Streitkräfte der Russen mit vieler Beute nach ihrem Lager zurück. Eine Recognoscirungs-Abtheilung ist in der Richtung auf Ardahan vorgerückt. Die Russen sollen in der Besorgniß, daß sie durch bedeutende Streitkräfte angegriffen würden, Ardahan geräumt und sich in die Festung Emiroghi zurückgezogen haben. Die Russen, in der Stärke von 16 Ba- taillonen, 16 Regimentern Cavalerie und 7 Bat- terien, griffen die Vorposten des rechten türkischen Flügels bei dem Dorfe Tschad an. Nach mehr stündigem Kampf wurden die Russen zurückgeschlagen.

Serbien. Belgrad. Aus Alexinatz wird gemeldet, daß zwischen Nisch und Sofia ein aus 25,000 Mann Infanterie und 5000 Reitern be stehendes türkisches Corps concentrirt sei. Der serbische Heerführer Leschjanin verfügt über 22,000 Mann nebst 120 Geschützen.

12. Sept. Das WienerTagblatt will

wissen, daß die russisch⸗serbische Convention für gemeldet: Gestern machten die Russen keine neuen Dasselbe bezieht monat- Angriffe, sondern beschossen aus naher Entfernung lich 4 Mill. Frs., und außerdem werde Rußland bei dem Friedensschluß dafür sorgen, daß Serbien Von russischer Seite werde ihm der größte Theil Alt Serbiens festigungen zwei Explostonen wahrgenommen.

Serbien vortheilhaft sei.

einen Gebiets Zuwachs erfahre.

über Prischtina hinaus, sowie der Kreis von Nisch bis Sofia zugesichert, jedoch dürfe Serbien keiner lei Hoffnungen auf nur den geringsten Theil von Bosnien hegen. Die Action Serbiens solle am 20. Sept. beginnen. Fürst Milan werde am 18. Sept. nach Alexinatz abreisen; in seinem Gefolge werde sich ein Flügel Adjutant des Zaren befinden.

13. Sept. Die serbischen Truppen sind heute nach der Grenze abmarschirt.

Das Kriegs ⸗Manifest des Fürsten wird am 18. d. erscheinen. Montenegro hat den vor⸗ jährigen Allianz Vertrag mit Serbien erneuert und sich zum Vormarsch gegen Sjenitza verpflichtet. DasAmtsblatt veröffentlicht einen Aufruf zur Beischaffung von Verbandzeug. Fremde Aerzte treffen hier ein.

16. Sept. Nach ossicieller Versicherung erhielt der serbische Agent in Constantinopel bis jetzt keinen Auftrag, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen. Derselbe bleibt bis auf Weiteres in Constantinopel. Auf eine Reclamation von serbischer Seite in Constantinopel räumten die Türken das von ihnen besetzte Bujuklijaga. Sämmt⸗ liche Truppen aus dem Lager von Topschider sind nach der Grenze abmarschirt.

Numänien. Bukarest, 13. Sept. Die Kämpfe um Plewna sind beispiellos blutig. Die Rumänen verloren bereits an 7000 Mann; sie sind gezwungen, im Vordertreffen zu kämpfen, hinter ihnen stehende russische Colonnen verhindern jede Bewegung nach rückwärts, während das Feuer der Türken ihre Reihen decimirt. Die Volks⸗Stimmung ist dahier furchtbar erregt.

14. Sept. Ueber die Lage der Russen am Schipka⸗-Passe circuliren ungünstige Gerüchte. Die neue Brücke bei Nikopolis war in Folge Mangels an Schiffen vorgestern noch nicht beendigt. Das vollständige Eintreffen der russischen Garde auf dem Kriegs Schauplatz ist kaum vor dem 1. October zu erwarten. Die Armee des Groß⸗ fürsten⸗Thronfolgers hat sich nach einer Reihe von mörderischen Gefechten vollständig hinter die Jantra⸗ Linie zurückgezogen.

15. Sept. Nach dem letzten Kampfe bei

Plewna hißten die Rumänen die Parlamentär⸗ Flagge auf und entsandten Abtheilungen auf das Schlachtfeld um ihre Gefallenen aufzulesen. Die Türken schossen jedoch auf die Sanitäts Offiziere und tödteten zwei derselben.

Griechenland. Athen. Die Gerüchte be⸗ treffs Unterhandlungen über eine Allianz Griechen⸗ lands mit Rußland, nach welcher ersteres der Türkei den Krieg erklären sollte, sind unbegründet. Dagegen verweigerte anderseits die griechische Re gierung, das von ihr Seitens der englischen Re- gierung in Folge Ansuchens der Pforte geforderte Versprechen abzugeben, auch künftighin auf Krieg führung gegen die Pforte zu verzichten, indem sie erklärte, ein solches Versprechen würde dem Auf geben ihrer Unabhängigkeit gleichkommen.

Rußland. Petersburg. Bei Erstürm⸗ ung der Redoute von Grivitza bei Plewna thaten sich die Rumänen glänzend hervor. Unter den Augen des Kalsers von Rußland wurden zuerst zwei Angriffe auf die Redoute abgeschlagen; beim dritten wurden die türkischen Verschanzungen vermittelst Sturmleitern erstiegen. In der dritten und vierten rumänischen Diviston kämpften zumeist Freiwillige; diese Truppen-Abtheilungen verloren 269 Todte und 1031 Verwundete. Am 12. Sept. versuchten die Türken die Grivitza⸗ Redoute wiederzunehmen, wurden jedoch mit großem Verlust zurückgeworfen. Seit dem 12. Sept. werden die übrigen Werke bei Plewna von Grivitza aus beschossen. Die empfindlichen Verluste der Russen werden dem allzu ungestümen Angriffe des Generals Skobeleff zuge schrieben. Die größte Masse der Verwundeten wurde nach Turnu Magurelli gebracht, wohin die hervorragendsten Aerzte von Bukarest sich begeben haben. Aus Poradim, 13. d., wird amtlich

sämmtliche türkische Befestigungen und die Stadt Plewna, welche gegen 4 Uhr Mittags zu brennen begann: außerdem wurden in den türkischen Be Die Türken erwiederten das Feuer nur schwach, indem sie alle ihte Anstrengungen gegen den russischen linken Flügel richteten, welcher sie vom Rücken bedrohte. General Skobeleff wies fünf heftige Angriffe zurück, mußte aber am Abend nach dem sechsten Angriff die am 11. d. genommenen Be- festiguugen wieder verlassen. In der Nacht ver schanzten sich die Russen rund um Plewna und besetzten geeignete Positionen. Vom Anfang des Kampfes bis zum 12. d. 1 Uhr Nachmittags waren 6000 Verwundete auf die Verbandplätze gebracht: 3500 von diesen sind bereits evacuirt.

General Skobeleff verlor, als er die Redoute auf-

drei Geschütze.

verweigert wurde. Eine endlich doch abgesandte Verstärkung kam zu spät. Die Haupt-Redoute von Grivitza befindet sich noch in russischen Händen. Die Rumänier, welche sich darin befestigten, haben die Beschießung Plewna's fortgesetzt.

Aegypten Alexandria. Der Kbedive hat eine neue Division ägyptischer Truppen nach Europa gesendet. Es werden Vorbereitungen zu einer inneren Zwangs-⸗Anleihe getroffen.

Amerika. New⸗Nork, 13. Sept. Die Demokraten von Massachusetts haben William Gaston zum Candidaten für den Gouverneur Posten ernannt und Resolutionen angenommen, wonach sie die Ueberzeugung aussprechen, daß Tilden als rechtmäßziger Präsident der Vereinigten Staaten gewählt sei, zugleich aber im Interesse der öffentlichen Ruhe sich der constituirten Autorität zu unterwerfen versprechen, obwohl das verübte Verbrechen gegen das Volk Tadel verdiene. Ferner wird die ehrliche Zahlung der Zinsen der Staats Schuld und Geldeirculation auf der Basis der Goldwährung befürwortet.

Aus Stadt und Land. Friedberg. Die Vorarbeiten und Verhandlungen bezüglich der Friedberg⸗Danauer Bahn sind endlich so weit vorgeschritten, dag mit dem Gelände-Erwerb auf der

Strecke Hanau⸗ Windecken und mit der Abpflöckung der

Breiten auf hessischem Gebiet begonnen werden konnte. Außer Friedberg erhalten Assenheim und Windecken⸗Helden⸗ bergen Bahnhöfe, Kaichen-Erbstadt eine Haltestelle mit Güterschuppen. Wegen des letzteren Haltepunktes schweben zwar noch Verhandlungen, doch dürfen die betreffenden Gemeinden hoffen, daß dieselben zu ihren Gunsten ent⸗ schieden werden. Die Lnge dieser Haltestelle, genau in der Mitte zwischen den Bahnhöfen von Windecken-Helden⸗ bergen und Assenheim, tangirt von zwei Staatsstraßen mit lebhaftem Verkehr, in nächster Nähe zahlreicher Orte mit großen Pachthöfen und bedeutendem Ackerbau, ist eine so günstige, daß derselben ohne Zweisel eine tüchtige Frequenz gesichert ist.

Münzenberg. Zur Steuer der Wahrheit bitten wir Sie, in Ihrem Anzeiger zu berichtigen, daß die von den Socialdemokraten ausgeschriebene Versammlung am 9. Septbr. sehr zahlreich von hier und auswärts be⸗ sucht war und wissen wir nicht, was Ihren Berichterstatter veranlaßte, dieselbe als schwach besucht binzustellen. Aller⸗ dings geben wir aber zu, daß der starke Besuch noch lange nicht bezeugt, daß die Besucher mit den socialdemokratischen Ideen einverstanden waren.

Darmstadt. Aus den Mittheilungen der Großherzog⸗ lichen Centralstelle für die Landesstatistik entnehmen wir über das Zeitungswesen folgende interessante Daten: Im abgelaufenen Jahre wurden an Zeitungen und sonstigen periodisch erscheinenden Werken per Post im Großherzog⸗ ihum befördert 6,719,467 Nummern. Davon entfallen auf Darmstadt 2,620,777, auf Mainz 1 417,781, auf Worms 968,034, auf Gießen 211,278 und auf Offenbach 81,007 Nummern. Für Mainz ist es sehr bezeichnend, daß bei einer höheren Bevölkerung als Darmstadt über 1,200,000 weniger Zeitungen aufgegeben wurden, als in letzterer Stadt.

Darmstadt. Für das Nieberwald-Denkmal gingen im Großherzogthum Hessen im Ganzen 37,702 M. ein, im Regierunasbezirk Wiesbaden 34,610 M., nach Potsdam Berlin mit 71,619 M. die höchsten Beträge. Elsaß⸗Lolh⸗ ringen steuerte 841 M.; die ganze Rheinpfalz 657 M.

Allerlei.

Furth a. W., 12. Sept. Die weit bekannte Wirthin Meidinger auf dem Hohen-Bogen, eine hübsche, lebens frohe, etwa 28 Jahre alte Frau, wurde gestern Vormittags er mordet aufgefunden. Wahrscheinlich ist die Thal durch zwei Studirende geschehen. Raubmord ist ausgeschlossen, da das Geld unberührt im Schranke vorgefunden wurde. Vermuthlich wurde die Frau vorerst vergewaltigt und dann durch zwei Revolverschüsse in den Hinterkopf getödtet. Der kleinere der im Verdacht der Thäterschaft stehenden Bursche trug graue Kleidung und einen dunklen Hut, der größere dunkle Kleidung und eine rothe Studentenmütze.

Königsberg, 11. Sept. Dr. Strousberg ist nun endlich von seiner russischen Gefangenschaft erlöst. Gestern Mittag wurde derselbe durch einen russischen Gendarmerie⸗ offizier bei Eydtkuhnen über die preußische Grenze gebracht und dem preußischen Grenzeommissar überliefert. Dieser setzte Stroußberg sofort in Freiheit, wonach derselbe mit dem Courierzuge nach Königsberg fuhr. Dort wurde er gestern Abend von seiner Gattin, die Mittags in Königs⸗ berg angesanat war, empfangen.

Handel und Verkehr. Friedberg, 15. Sept. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 1.2040. Eier per Stück 67 Pf. Gießen, 15. Sept. Wochenmarkt. Bufter per Pfund M. 1.10 40. Eier per Stück 6 Pf. Tauben das Paar 50 Pf. Hüyner per Stück 90 Pf. Hahnen per Stück 60 Pf.

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Enien per Stück M. 1.50. ti geben mußte, die Hälfte seiner Mannschaft und Enien per tück M. 1.50. Kartoffeln, 100 Kilo, M. 5.50.

Frankfurt, 14. Sept. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1

Von den Türken bedrängt, ver- d. 42., Ne. 2 M. 38. Nr. 3 M. 34., Nr. 4 M. 30., langte er wiederholt Hülfe, welche ihm aber von Nr. 5 M. 24. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 25. dem Souschef des Generalstabs, General Levitzky, do. II.(Berliner Marke) M. 21. Weizen ab Bahnvof

hier M. 2324., ab unserer Umgegend M. 2223., fremder je nach Qual. M. 23 25.50. Korn M. 1718.50. Gerste M. 1824. Hafer M. 13 17.75. Kobisamen MN. 36-37. Erpsen M. 2124., Wicken M. 17.., Linsen M. 2130. Rüdböl M. 83.. Die Preise ver⸗ ehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht= 100 Kilo. ö Frankfurt, 15. Sept. Der heutige Heu- und Stroh⸗ Markl war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität per Ceniner M. 2.50 3. Stroh per Centner M. 2.50. Zuter im Großbandel das Pfund 1. Qual. M. 1.20., 2. Quai. M. 1.10.; im Kleinhandel 1. Qual. M. 1.60., 2. Qual. M. 1.40 50. Eier das Hundert M. 5 5.20. Ochsenfleisch per Pfund 75 Pf.. Kuh- und Rindfleisch 5564 Pf., Kalbfleisch 6075 Pf., Schweinefleisch 75 bis 80 Pf., Hammeifleisch 5063 Pf. Kartoffeln M. 5.50. Erbsen, geschälte(per 100 Klogr.), M. 2628., ganze Erbsen M. 22 26. weiße Bohnen M. 2326., Linsen M. 34 38. Brod⸗Preise. 3 Kilo gemischies Brod 90 Pf., 1⁰ Kilo gemischtes 45 Pf., 2 Kilo Kornbrod erste Sorte 52 Pf., 2 Kilo Kornbrod zweiter Sorte 46 Pf.

Marnz, 15 Sept. Producten⸗Martt. Waizen per Nov. M. 22.90. Korn per Nov. M. 15.60. Hafer per Nov. M. 15 25. Rüböl per Oct. M. 39.40.

Marbura, 15. Sept. Wochenmarkt. Butter koste te per Pfund M. 1.35 45. Eier per Stück 67 Pf. Tauben das Paar 4550 Pf. Hähnchen per Stück 5075 Pf. Hühner per Stück 70 90 Pf.

Postsache. Mit dem 1. October tritt in Ober⸗ Mörlen eine Postagentur in Wirksamkeit. Als Land- bestellbeziik werden der Agentur die Orte: Langenhain, Ziegenberg, Nieder- Mörlen, die Kaisergrube und Hof Hasselbeck, sowie die nächstgelegenen Mühlen und Bahn⸗ wäulerpäuser zufetveilt. Die Bureaustunden sind Vor⸗ mittags von 912 Uhr, Nachmittags von 47 Uhr.

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