— Der„Pol. Corr.“ veröffentlicht den öster⸗ reichischen Steuer-Ausweis vom Januar bis ein- schließlich August 1877. Nach demselben sind an directen Steuern eingegangen: 56,685,000 fl., um 464,000 fl. mehr als in der gleichen Periode des Vorjahrs. Die indirecten Abgaben betrugen 101,531,000 fl., um 1,166,000 fl. weniger als in der gleichen Periode des Vorjahrs. Es sind daher bei beiden Steuer-Gattungen im Jahre 1877 um 702,000 fl. weniger eingegangen als im Jahre 1876.
Pest. Es verlautet, der Ministerrath erwäge, ob er der Krone die Einstellung der Untersuchung wegen der Siebenbürgen Angelegenheit im Gnaden— wege vorschlagen solle.
Frankreich. Paris. Das„Journal officiel“ veröffentlicht ein Rundschreiben des Justiz ministers, durch welches die General-Procuratoren angewiesen werden, unnachsichtlich die Wahlmanöver zu verfolgen, die in Verbreitung von Gerüchten über Unterhandlungen oder Allianzen zwischen den fremden Mächten anläßlich der möglichen Folgen bestehen, welche die neuen Deputirten Wahlen haben könnten.
— Der General-Zoll⸗Director Ainé hat seinen Unterbeamten angezeigt, daß in Folge der von der französischen und der Schweizer Regierung ausgetauschten diplomatischen Erklärungen der französisch⸗schweizerische Handels-Vertrag bis zum 1. Mai 1878 verlängert ist.
— 12. Oct. Der Marschall⸗Präsident hat
heute ein neues Manifest etlassen. Das von den Bureaux der Linken des Senats erlassene Manifest richtet die Mahnung an die Wähler, nicht Denjenigen Glauben zu schenken, welche behaupten, daß die republikanischen Institutionen außer Gefahr seien und das Mini- sterium den klerikalen Einflüssen nicht nachgebe. Daran wird die Versicherung geknüpft, daß alle officiellen Candidaten Feinde der republikanischen Regierungsform seien; die Wähler sollten gegen das Verfahren der Regierung durch die Wieder— wahl der 363 republikanischen Deputirten protestiren. 12. Oet. In dem Proceß gegen Gam betta wegen Verbreitung seines Wahl-Manifestes verhandelte heute das Gericht in contumaciam und verurtheilte Gambetta zu 3 Monaten Gefängniß und 4000 Francs Buße, den Drucker Lefevre zu 14 Tage Gefängniß und 2000 Francs.
Holland. Amsterdam, 12. Oct. Der König berief gestern den liberalen Opposttions- Führer Kappeyne van de Coella. Letzterer erklärte sich bereit, unter annehmbaren Bedingungen die Cabinets⸗Bildung zu übernehmen
Großbritannien. London, 11. Oct. Lord Salisbury hielt in Bradford eine Rede, in der er hervorhob, daß der Krieg alle Befürchtungen in Betreff der aggressiven Macht Rußlands be⸗ seitigt habe. Da man nicht wisse, wie nahe die Erschöpfung der Kriegführenden sei, so sei es un⸗ möglich, vorauszusagen, ob ein längerer Krieg oder ein baldiger Frieden zu erwarten stehe. Den erregten Leidenschaften müsse erst Genüge geschehen, ehe das Ende des Krieges abzusehen sei. England sei auf's Emsigste bemüht, den Frieden herbeizuführen.
Spanien. Madrid. Der spanische Bot— schafter in Wien hat seine Entlassung eingereicht.
Türkei. Constantinopel, 10. Oetbr. Eine fliegende Colonne Dilaver Pascha's über⸗ rumpelte bei Pyrgos zwei russische Redouten, machte die Besatzung nieder und vernagelte die Kanonen. Die Colonne kehrte sodann nach Rust— schuk wieder zurück.
— Im Libanon ist zwischen maronitischen Mönchen und deren Oberen ein Conflict aus- gebrochen; auf Verlangen der Letzteren intervenirte die türkische Behörde und verhaftete gegen 30 Mönche.
— 11. Oct. Graf Plater ist mit 4 Millionen Francs eingetroffen, um für die weitere Verstärk— ung der polnischen Legion thätig zu sein. Nihad Pascha(der Pole Liliuski) ist mit der Organi— sation der Legion betraut. Commandirt wird die— selbe von Iskender Bey(ebenfalls polnischer Na- tionalität, mit seinem früheren Namen Towarowski).
— Nachrichten aus Varna vom 11. zufolge sind die Wege durch anhaltende Regengüsse fast
vollständig aufgeweicht und daher unpassirbar. Größere Operationen sind augenblicklich unaus⸗ führbar. Die türkischen Truppen haben längs den Ufern des Lomflusses Erdbütten zu ihrer Unterkunft gebaut. Mit den Russen fand nirgendwo ein Zusammenstoß statt. Prinz Hassan von Aegypten wird in Varna erwartet.
— Neuerliche Bewegungen des Corps des Generals Zimmermann veranlaßten Suleiman Pascha eine Abtheilung von 30,000 Mann gegen denselben zu detachiren.
12. Oct. Mehemed Ali Ejub Pascha sind hier eingetroffen und haben einem Kriegsrathe beigewohnt.
— 12. Oct. Mehemed Ali Pascha wurde gestern vom Sultan in Audienz empfangen. Wie verlautet, wird Mehemed Ali in einer Special— Mission nach Wien gesandt.
— 12. Oct. Der serbische Vertreter Christie bereitet seine Abreise vor.
— Mukhtar Pascha telegraphirt, das Gros der türkischen Streitkräfte habe sich nach den Kämpfen am 2., 3. und 4. October auf die Höhen von Kabak zurückgezogen. Während er, Mukhtar Pascha, sein Lager bei Caradja-Dagh aufgeschlagen, habe sich alsbald(Datum fehlt) ein mehrstündiger Kampf entsponnen. Das Resultat sei noch nicht bekannt.
Serbien. Belgrad, 11. October. Die angekündigte Pforten-Note wegen der Rüstungen ist bereits eingetroffen. Sie verlangt energisch Aufklärungen, jedoch ohne Termin, daher wird sie nicht als Sommation betrachtet. Die Regier— ung wird ausweichend antworten.
— Der Kriegsminister hat die Bildung frei— williger Legionen angeordnet; deren Commando erhält Oberst Wlaikowiez. Die Legionäre be— kommen vom Staat die Bekleidung und Be— waffnung geliefert.
Numänien. Bukarest, 11. Oct. Die rumänische Armee wird baldigst Winterquartiere in der kleinen Walachei beziehen, indem ste sich auf die strikteste Defensive beschränkt. Die Brücke bei Sistowa ist noch unterbrochen.
— 11. October. Der österreichische Capitän Hauchmann, der sich für einen Preußen ausgab
und dadurch Zutritt zu der russischen Armee er⸗
hielt, wurde überführt, der Wiener„Neuen freien Presse“ für Rußland beleidigende Correspondenzen und Enthüllungen über Militär-Verhältnisse ge⸗ sendet zu haben, und daraufhin von den rumänischen Behörden über die Grenze gewiesen.
— 11. Oct.„Romanul“ meldet in seiner heutigen Abendnummer, es sei eine größere Anzahl
Ungarn nördlich von Baja Aramas in die kleine
Walachei eingerückt. General Karalamb, davon benachrichtigt, habe die erforderlichen Maßregel getroffen. Den letzten Nachrichten zufolge waltete bei dieser Meldung ein Irrthum ob. Die Meldung war von dem Präfecten von Turnu-Severin hierher gesandt worden, auf Grund eines uncontrolirten Berichts des Unter⸗Präfecten, bezw. Bürgermeisters von Baja-⸗Aramas, welcher die verstärkte Grenzwache für eine Freischärlerbande gehalten. Der Präsfect wird abgesetzt.
— Nach einer Meldung von Turnu Magurelli vom 12. d. ist die Brücke bei Nikopolis durch Sturm und Wellen theilweise weggeführt worden und wird die Passage mittelst Flößen bewerk⸗ stelligt. Die Wiederherstellung der regelmäßigen Verbindung wird lebhaft in Angriff genommen. Turnu-Magurelli und Nikopolis werden telegraphisch verbunden. Sämmtliche rumänische Truppen vor Plewna sind mit Winterkleidern versehen worden.
Rußland. Petersburg, 11. October. Der gegenwärtig noch in Petersburg weilende Großfürst Konstantin, Bruder des Kaisers, soll das Commando eines größeren Truppencorps bei Kalarasch(gegenüber Silistria) übernehmen. Nach- dem die Armee des Großfürsten-Thronfolgers ge— nügend verstärkt worden ist, soll nunmehr auch des Corps des Generals Zimmermann in der Dobrudscha beträchtliche Verstärkungen erhalten.— Aus Bel— grad meldet man, daß die Frage der Kriegs- subsidien zwischen Serbien und Rußland geregelt sei; Rußland verpflichte sich demnach, der serbischen
und Achmet
Regierung von dem Tage des Aufmarsches der serbischen Armee an der Grenze bis zum Friedens- schluß jeden Monat eine Million Rubel zur Ver⸗ fügung zu stellen.
— Der„Regierungs Bote“ veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung, Bestimmungen enthaltend, nach welchen jeder auf dem Kriegsschauplatz be⸗ findliche Soldat für bewiesene militärische Ver⸗ dienste zum Offiziersrang befördert werden kann. Die Weiterbeförderung wird von der Ablegung einer Prüfung abhängig gemacht.
— Officiell. Gorni⸗ Studen, 12. October. Die Kälte und das Uwetter sind anhaltend und es herrscht überall Ruhe, nur beim Rustschuker Corps haben Kosaken am 11. Oct. das Dorf Opaka besetzt und die Türken von dort vertrieben.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 13. Oct. Während der von dem Schwur⸗ gerichtshof in dieser Woche abgehaltenen Sitzungen wurde in den nachverzeichneten Anklagesachen erkannt: Am 10. Oct. gegen Georg Schutt von Dorheim und gegen Karoline Bopp von Melbach, wegen Ermordung durch Gift, Todes- strafe. Am 11. October gegen Heinrich Fich von Staden, wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg, Zuchthaus strafe von 3 Jahren. Denselben, gegen Johannes Köhler III. von Wallenrod, wegen Urkundensälschung, Gefängnißstrafe von 1 Jahr 6 Monaten. Am 12. Oct. gegen Heinrich Imhof III. und Karl Imhof von Wolf, wegen Brand— stistung, Gefängnißstrafe von je 2 Jahren.
Alsfeld. Ein vor einigen Tagen hier begangener Selbstmord macht viel von sich reden. Der biesige Bürger und Kaufmann H., ein Mann von circa 28 Jahren, war ftüher Commis des Braunschweiger Geschästshauses Fl., balte sich aber vor einiger Zeit als Commissionär dieses Hauses dahier niedergelassen und einen eigenen Hausstand begründet. Als vor Kurzem das Braunschweiger Haus sallirte, und der Prinzipal sich in der Folge entleibte, stellte es sich heraus, daß dieser eine Reihe von Wechseln in Umlauf gesetzt hatte, welche theils vom Agenten H., theils von anderen Firmen acceplirt waren. Am vorigen Donnerstag zeigte es sich nun, daß ein boher, mit dem Accepte einer hiesigen Firma versehener Wechsel gefälscht sel. Man begab sich daraufhin zu H., um von dessen Büchern und Lager Einsicht zu nehmen, und sich die nöthigen Aufschlüsse geben zu lassen. H. fand bald einen Grund, um sich in sein Haus zu begeben, woselbst er sich auf dem Speicher eine Kugel durch den Kopf jagte und sofort den Geist aufgab. In einem seiner schwererkrankten und völlig mittellosen Frau zurückgelassenen Briefe versichert er seine Unschuld. Die Noth der Frau ist um so größer, als H. am Montag vorher ebenfalls seine Insolvenz an— gezeigt hatte. Diese Vorgänge gewähren einen traurigen Blick in unser jetziges, zum Theil höchst unsolides Ge— schäftsleben. Man verschafft sich auf verbrecherische Art zum Nachtheil Anderer Credit, häuft Schuld auf Schuld, um sich nachher durch Selbstmord seinen Verbindlichkeiten und dem Zuchthause zu entziehen.
0 Appenheim, 5. Oct. Ein wahrhaft erschüttender Uuglückssall hat sich beute dahier ereignet. Unser ältestes kund sehe geachtetes Gemeinderathsmitglied Fr. Bauer 1. verlor heute, am Tage vor der Wahl, auf eine schreckliche Weise sein Leben. Im Begriffe einige Zweischen in seinem Hausgarten zu brechen, fiel er in einen an dem Baume binziehenden Lattenzaun so unglücklich, daß ihm zwei Lalten in den Leib orangen, welches seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Abgebrochene Slücke der Latten staken beim Ausziehen der Leiche in den tief klaffenden Wunden Der Tod dieses Mannes wird im ganzen Dorse sehr bedauert.
Mainz. Am 10. October verstarb dahier im Alter von 91 Jahren der Geheime Commerzienrath Lauteren. Der Verstorbene war bei Lebzeiten mit allen Ehren über⸗ häuft, Präsident des Verwaltungsrathes der Hessischen Ludwitzsbahn und Mitglied der ersten Kammer gewesen.
Allerlei.
Dillenburg, 7. Oct. Ein Dieb wurde gestern hier auf eine eigenthümliche Weise abgefaßt. Dem Zugführer und Heizer der Deutz-Gießener Bahn wurden in der gestrigen Nacht die Kleidungsstücke gestohlen. Die bestohlenen Zahnbeamten, welche heule Morgen den Frühzug nach Gießen zu fahren hauen, sahen unterwegs einen Menschen, der sich mit den von ihnen vermißten Kleidern aufgeputzt hatte. Schnell lassen sie den Zug halten, springen ab und ergreifen den Dieb, der sich eines solchen Ueberfalls nicht versah und bringen ihn nach Herborn, wo ihn die Polizei in Empfang nahm.
Malsfeld, 10. Oct. Heute Morgen gegen 11 Uhr gewahrie man, daß der noch im Bau begriffene dritte Geiler der Fuldabrücke der Berlin-Coblenzer Bahn auf der Nordostseise zu sinken begann; die betreffenden Beamten nahmen sofort Messungen vor, entfernten die auf dem Pfeiler arbeitenden Maurer und setzten sowohl die gerade abwesenden Bauunternehmer der Brücke, als auch die Bau⸗ behöede von den Beobachtungen in Kenntniß. Nicht ahnend, daß die Kalastrophe so lasch käme, waren noch Arbeiter und Steinbauer auf dem Bauplatz in Thäligkeit, als der circa 60 Fuß hohe Pfeiler gegen 3 Uhr plötzlich nach Osten hin zusammenstürzte, einen italienischen Arbeiter ödiete und drei andere schwer verletzte.
N Saargemünd. Das Dorf Lupershausen war vor wenigen Tagen der Schauplatz eines gräßlichen Verbrechens. Ein Mädchen von 20 Jahren hatte sich vergangen und
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