zwischen sind auch viele Anhänger Midhat Pascha's verhaftet! worden. Außerdem wurde ein Ver⸗ gistungs ⸗Versuch gegen Mahmud Damat Pascha durch seinen Arzt vereitelt. Die Aufregung in Constantinopel ist gewaltig und erhält durch das im Volke verbreitete Gerücht, der Prophet sei dem Sultan erschienen und habe ihm geboten, Frieden zu schließen, weitere Nahrung.
Batum, 7. Nov. Derwisch Pascha sendet von bier folgende telegraphische Meldung: die Russen haben Verstärkungen nebst sechs Geschützen von großem Kaliber erhalten. Dieselben eröffneten ein hestiges Artilleriefeuer und griffen heute mit einer Colonne die türkische Front an, wobei sie von dem Feuer aus den Verschanzungen unter- stützt wurden. Nach drei Stunden dauerndem Kampfe wurden sie jedoch gezwungen, sich hinter die letzten Befestigungswerke zurückzuziehen.
Erzerum, 8. November. Ein Telegramm Mukhtar's vom 5. Nov., meldet, daß die Russen am Sonntag seine Positionen rechts und links angriffen. Mukhtar, die Unmöglichkeit, die Po- sitionen zu behaupten, einsebend, gab das Signal zum Rückzug auf Erzerum. Mukhtar schreibt eine dabei im Centrum ausgebrochene Panik dem unehrenvollen Verhalten einiger Offiziere zu, welche vor ein Kriegs- Gericht gestellt werden sollen. Die Truppen Mukhtar's halten die befestigten Werke von Erzerum besetzt. Es sind alle Ver⸗ theidigungs Maßnahmen getroffen. Mukhtar, Ismail und Mehemed Pascha befinden sich sämmt⸗ lich in Erzerum. Mukhtar sandte von Trapezunt heranrückenden Verstärkungen Truppen entgegen.
— 9. Nov. Mukhtar Pascha meldet über einen heute erfochtenen Sieg Folgendes: Die Schlacht dauerte 11 Stunden. Die Russen griffen in zwei Colonnen die Redouten auf der Süd- und Ostseite von Erzerum an. Die im Osten angreifende Colonne wurde, nachdem sie ein Blockhaus occupirt hatte, mit großen Verlusten zurückgeschlagen. Auch die im Süden angreifende Colonne ward zum Rückzug gezwungen und von Hassan Mussa Pascha auf der Straße nach Dewe⸗ Boyun verfolgt. Die Russen ergriffen später neuerdings die Offensive, und es gelang ihnen einen Augenblick, dem Vordringen der Türken Einhalt zu thun und dieselben zurückzuwerfen. Bald jedoch gewannen die letzteren wieder die Oberhand und warfen die Russen schließlich auf Dewe Bohun zurück.
Montenegro Cettinje, 6. November. Die Montenegriner haben heute das Bombardement des Forts Serdan bei Spuz begonnen. Dieselben
haben 20 Geschätze vor Podgoritza zur Belagerung
Rußland. Petersburg, 9. November. Der Correspondent der„Daily News“ in Bogot hebt in einer ausführlichen Besprechung der Lage Osman Pascha's hervor, daß seit mehr als einem Monat keine Zufuhren in Plewna eingetroffen seien. Die Stadt Plewna sei durch russische Erdwerke umzingelt, welche von noch täglich ver⸗ stärkten Truppen besetzt seien. Osman Pascha habe keine Vorräthe, dies sei fast sicher. Die Frage sei also, ob capituliren oder durchbrechen. Die russischen Linien seien vollkommen telegraphisch untereinander verbunden. Jede Concentrirung türkischer Truppen sei von allen Theilen der russischen Posttionen bemerkbar. Das Skobeleff'sche Corps, welches am 11. September so stark litt, zähle jetzt wieder 11,500 Mann. Der „Politischen Correspondenz“ aus Bukarest zuge⸗ gangene Nachrichten drücken ebenfalls die Ueber- zeugung aus, daß bei Plewna Angesichts des Proviant⸗Mangels der Armee Osman Pascha's und der vollständigen Cernirung eine Katastrophe unausbleiblich sei. Bei Sistowa haben die Russen den Bau einer neuen Donau-⸗Brücke begonnen. Gestern wurde ein erneuter Versuch der Türken, auf rumänischem Ufer nächst Oltenitza Fuß zu fassen, blutig vereitelt.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Vor einigen Tagen wurde eine Fuchs⸗ jagd in einem Keller in der Burg abgehalten. Der Eigen⸗ thümer des Kellers wollte etwas in demselben holen, als ihm aus einer Ecke plötzlich etwas entgegenfauchte. Bei genauerem Nachsehen entdeckte derselbe Meister Reinecken, der auf einer Jagd je ensalls angeschossen worden war und sich durch das Kellerloch in diesen Versteck geflüchtet hatte. Man machte ihm mit Knüppeln den Garaus und lieferte ihn dem zussändigen Jagdpächter ab.
Friedberg, 10. October. Gestern Abend, als der hiesige Gendarmerie-Brigadier, ein sehr geachteter und pflichttreuer Mann, der sich zum Rapport nach Gießen begeben halte, im Bahnbofe in Gießen die Rückreise an⸗ treten wollte, brach er plötzlich zusammen. Ein Herzschlag halte seinem Leben ein Ende gemacht. Er hinterläßt noch kleine unerzogene Kinder und ist seine Familie im höchsten Grade zu bedauern.
W. Nieder⸗Rosbach. Ein in diesen Tagen hier vorgekommener Unglücksfall kann abermals als eine Mahnung zur Vorsicht beim Arbeiten in Lehm⸗ und Sandgruben betrachtet werden. Am 2. dieses Monats fuhr in Begleitung seiner beiden Söhne— von 16 und 10 Jahren— der biesige Octsbürger J. S. Jacobi III. zu der vor dem Orte gelegenen Sandgrube, um Sand zum Pflastern seines Hofes herbei zu holen. Wenn auch in der letzten Zeit die Grube durch Verbringen vielen Sandes viel unterhöhlt und wirklich sehr gefahrdrohend geworden war, so gedachte der Mann doch diese eine letzte Ladung noch glücklich berausbringen zu können, und begab sich, nachdem er den Wagen vorgefahren, mit den beiden Jungen, er mit Hacke, diese mit Schippen, an die un⸗ heimliche Stelle. Obgleich im Hintergrund stehend, ge⸗ wahrle er, und zwar noch zum großen Glücke, daß der Wind der einen Kuh die Decke abgeworfen hatte und
dieser Festung herangeführt.
Serbien. Belgrad. Man berichtet von hier über ein plötzliches Wachsen der Spannung zwischen der Pforte und Serbien; dies sei durch eine dem Belgrader Cabinet zugegangene Verbal— Note der Pforte veranlaßt, in welcher unter An- drohung energischer Maßnahmen die Zurückziehung des serbischen Observations Corps gefordert werde.
schickte sosort den ihm sast an der Seite stehenden jüngsten Sohn binaus, um solche wieder aufzulegen. Kaum hatte dieser die Grube verlassen, als sich die übechängende Masse löste, den Mann total begrub und den ältesten, mehr bern stehenden Jungen bis zu den Beinen verschüttete, so daß er fesigebannt war. Mit Hülse des Bruders frei ge⸗ worden, brachten beide Knaben die Schreckenskunde ins Oct, worauf denn Alles zur Unglücksstätte hineilte. Erst nach 1½ lündiger schwerer Arbeit gelang es, den Ver⸗
schütteten ans Tageslicht zu bringen, natürlich— todt. Der Fall ist um so trauriger, Alter stebender Mann und der einzige Ernährer der Fam ilie war. Wir halten es für eine Pflicht der Presse, derartige Vorkommnisse zur Warnung für Andere zu registriren.
als Jacobi ein noch im besten
Mainz, 9. Nov. Heute Nacht verschied nach langem
Leiden der auch in weiteren Kreisen bekannte Staats⸗ procurator Schön.
Allerlei.
Kaiserslautern. Der Verleger der„Pfälz. Volks⸗ Ztg.“ und der verantwortliche Redacteur des Blattes wurden vom Polizei⸗Gericht in Kaiserslautern wegen „groben Unfuges“ zu einer Geldstrafe von je 50 Mark verurtheilt. Dieser Unsug wurde dadurch begangen, daß die„Pfälzische Volks- Zeitung“ trotz vorher erfolgter Warnung von Seite der k. Staats⸗Anwalischaft die Annonce einer auswärtigen Gummi⸗Fabrik publicirte, in welcher versängliche Gummi-⸗Artikel angepriesen wurden. Die Einrede, daß eine Menge anderer Zeitungen dieselbe Annonce bis auf den heutigen Tag bringen, wurde vom Richter als Enischuldigungs⸗Grund nicht acceptirt.
Handel und Verkehr. Friedberg, 10. Nov. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund 90 Pf. bis 1 M. Eier per Stück 8 Pf. Gießen, 10. Nov. Wochenmarkt. Butter per Pfund 90 Pf. bis 1 M. Eier per Stück 7—8 Pf. Tauben das Paar 50 Pf. Hühner per Stück 70 Pf. Hahnen per Stück 65 Pf. 6 M. 50 Pf., Frankfurt, 10. Nov. Der heutige Heu- und Stroh⸗ Markt war ziemlich befahren. Heu kostete je nach Qualität per Cent. M. 2.60— 3.50, Stroh per Cent. M. 2.30 2.60. Butter im Großen kostete 1. Qual. M. 1.10 15,2. Qualität M. 1.10, im Detail 1. Qual. M. 1.30, 2. Qual. M. 1.15, bis 20. Eier per 100 M. 7.—.60. Kartoffeln per 100 Kilogr. M. 6.—7.—. Erbsen, geschälte(per 100 Kilogramm) M. 26—28., ganze Erbsen M. 21—24., Bohnen M. 28 30. Linsen M. 30—32. Weißkraut das Hundert M. 2025. Fleischpreise: Ochsenfleisch per Pfund 75 Pf. Kuh⸗ und Rindfleisch 55—60 Pf., Kalbfleisch 64—70 Pf., Hammel⸗ fleisch 5460 Pf., Schweinefleisch 75—80 Pf. Marburg, 10. Nov. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 1.05.— 1.15. Eier per Stück 8— 9 Pf. Tauben das Paar 5060 Pf. Gänse per Stück M. 3—6. Hasen per Slück M. 3.50 Pf. Aepfel 6—7 Stück 10 Pf. Birnen 5—7 Stück 10 Pi. Weikßraut per Kopf 7 10 Pf. desgl. 100 Stück M. 6. Mainz, 10. Nov. Nov. M. 22.90, per März 22.50. M. 15.70. Rüböl per Mai M. 38.20.
Verloosungen. Schwedische 10 Thlr⸗Loose. Ziehung 1. und 2. Nov. Gewinne: 12,000 Thlr, Nr. 98845; 1000 Thlr. Nr. 24746; 500 Thlr, Nr. 57819; à 150 Thlr. Nr 992 53893 141630 163466; 60 Thlr. Nr. 11489 19103 27242 69719 84769 110186 168889 207466 210933 224767; 3 35 Thlr Nr 21274 30320 34535 42969 49924 92532 111225 114990 122913 136634 145087 158376 178337 182405 193847 196662 200178 206915 212610 221282; à 25 Thlr. Nr. 6575 7968 22530 22579 23639 28714 39436 50110 51052 66069 66333 77320 89451 100095 101415 105304 108175 114667 115386 119001 124769 134965 156227 177351 178070 184165 188292 191430 194544 202906 204486 216101 217415 221095 230762 233117 236151 239793.
Geld⸗ Cours. Frankfurt am 10. November 1877.
Produeten⸗Markt. Weizen per Korn pr. Nov,
20 Frankenstücke Mk. 16 25— 29 Englische Sovereigns„ 20 36-41 Russische Imperiales„ 16 68 7 Holländische fl. 10⸗ Stücke 16 65 G. Dielen; N 9 6267 Ducaten al marco„ 9 6570 Dollars in Gold 4 17-20
Verpachtung. 3462 Wegen des Ende d. J. stattfindenden Ablaufes des Pachts des militär⸗fiscalischen Exereierplatzes dahier
(Seewiese) soll eine neue Verpachtung auf 1 oder mehrere
Jahre eintreten.
Der 9965 Klafter enthaltende Exereierplatz ist 1
weder als Graswiese zu gebrauchen, oder kann auch als Bleichplatz oder Schafweide verwendet werden. Pachtliebher werden ersucht, ihre Gebote bis spätestens zum 25. d. M. mit der Angabe, in welcher Art sie das qu. Gelände zu gebrauchen wünschen, auf dem diesseitigen
ürcau abzugeben, woselbst die Pachtbedingungen zur
2 „Urstch offen liegen. Friedberg den 9. November 1877. Großherzogliche Garnisonverwaltung Friedberg. Js ger, Oberstlieutenant und Bezirks-Commandeur.
Arbeits-Versteigerung. 3461 Donnerstag den 15. November, Vormittags 10 Uhr
soll in der Gemeinde Bönstadt Pflasterarbeit, ver⸗ Großherzogliches Landgericht Friedberg,
anschlagt zu 36 Mark, in Accord gegeben werden. Assenheim den 10, November 1877. Wenck, Bezirksbauaufseher.
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Bekanntmachung.
Donnerstag den 15. November l. J., Vormittags von 9 bis 12 Uhr und Nachmittags von 2 bis 4 Uhr, wird die Wahl von einem Vorstandsmitgliede für die israelitische Religlonsgemeinde zu Friedberg im Rath⸗ haussaale vorgenommen.
Alle Stimmberechtigte werden daher eingeladen an dem gedachten Tage sich persönlich einzufinden.
Friedberg den 9. November 1877.
Der Wahl⸗Commissär: I d n ee e 3466 Großherzoglicher Bürgermeister. Veröffentlichung aus dem Firmen⸗Register Nr. 164.
Die Firma„Ludwig Seibert& Comp.“ zu Friedberg ist erloschen. Friedberg am 6. November 1877.
Pistor, Allwohn, 3448 Landrichter. Landgerichts-Assessor.
3454 Die amerikanische Glanzwascherei, durch „welche sich eine Familie eine sichere Existenz gründen kann, wird gegen mäßiges Honorar in 2 bis 6 Tagen
Faselochs⸗Versteigerung. 3457 Freitag den 16. November, Vormittags 11 Uhr, soll ein der Gemeinde gehöriger und zum Schlachten geeigneter Faselochse auf hiesigem Rathhause öffentlich versteigert werden.
Nieder-⸗Wöllstadt den 11. November 1877.
Großherzogliche e eee Nieder⸗Wöllstadt.
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