Preßgesetzes an; bezüglich des Preßgesetzes, unter Ablehnung der§§. 5, 6 und 7, betreffend die Aufhebung der Cautionen der Zeitungen, sowie die eventuelle Straflosigkeit des Verlegers, Druckers oder Verbreiters einer Druckschrift.
Frankreich. Paris, 8. März. General Ignatieff hat alsbald nach seiner Ankunft mit dem Fürsten Orloff, dem Grafen Schuwaloff und dem Herzog Decazes berathschlagt.
— 9. März. Graf Schuwaloff bat heute längere Zeit mit dem Herzog Decazes Rath ge halten; Letzterer wird morgen ein großes Essen zu Ebren des Generals Ignatieff geben. Als Gegenstand der Sendung des Letzteren bezeichnet der„Temps“ die Herbeiführung eines Protokolls, worin die Seitens der Conferenz von der Pforte geforderten Reformen aufgezählt würden; dasselbe solle nur eine Wiederholung der Wünsche der Conferenz darstellen und keine Drohung gegen die Türkei enthalten; von Aufhebung des Vertrages von 1856 würde in keinerlei Hinsicht die Rede sein.
— 10. März. Graf Schuwalloff ist heute Vormittag nach London zurückgereist und wird nunmehr der englischen Regierung von den neuesten Diepositionen Rußlands Kenntniß geben.
Belgien. Brüssel, 10. März. Dem „Journal de Bruxelles“ zufolge ist gestern von den Bevollmächtigten Belgiens, Frankreichs und und der Niederlande ein neuer Vertrag betreffend die einheitliche Bebandlung der Zucker-Zölle, ab— geschlossen worden.
Großbritannien. London. 8 März. In der Sitzung des Unterhauses erklärte der Unterstaats- Secretär Bourke auf eine Anfrage Dilke's: Die Regierung wollte die Antwort auf das russische Rundschreiben in voriger Woche ab: gehen lassen, verschob aber deren Absendung, weil sie von Rußland ersucht wurde, zuvor weitere Mittbeilungen von russischer Seite abzuwarten; da diese bisher nicht erfolgt sind, ist auch die Antwort auf das Rundschreiben seither noch nicht ertheilt. Eine fernere Anfrage Hanbury's beant— wortete Bourke dahin, daß die Regierung die aus der Abwesenheit des britischen Botschafters von Constantinopel für die britischen Interessen ent springenden Unzuträglichkeiten nicht verkenne und deßhalb auch nicht beabsichtige, den jetzigen Zustand sehr lange fortbestehen zu lassen. Sodann erkundigte sich Campbell nach der Wahrheit des Gerüchts, demzufolge den Bosniern eine Kriegssteuer von 4 Millionen auferlegt worden sei: ihm entgegnete der obengenannte Vertreter der Regierung, ihm sei bierüber Nichts bekannt, doch werde er sich zu informiren suchen; auch die Nachricht von der Fortdauer des Aufstandes in Bosnien und dem üblen Zustande der Aufständischen während der Winterzeit könne er nicht bestätigen; es scheine, daß vor einiger Zeit 80 türkische Soldaten von den Insurgenten bei Riksik angegriffen worden wären. Montenegro habe die Verproviantirung von Niksik abgelehnt; obwohl die Zahl der Auf— ständischen eine beträchtliche sein solle, hoffe er doch, daß Bosnien und die Herzegowina zur Ruhe kommen würden, wenn der Friede zwischen der Pforte und Montenegro zu Stande komme.
— Im Auftrage der Regierung begeben sich drei Commissäre, nämlich Mallet, Kennedy und Mulholland, unverzüglich nach Paris, um den neuen Handelsvertrag zwischen Frankreich und England als Vertreter Englands mit auszuarbeiten.
Italien. Rom. Die„Germania“ ver⸗ öffentlicht den lateinischen Text eines päpstlichen Deecrets über das nunmehr von den Erzbischöfen abzugebende Glaubens bekenntniß und fügt hinzu, der Schlußpassus der nunmehrigen Glaubensformel laute dahin, daß der neue Erzbischof alle von den heiligen Canones der öcumenischen Concilien, der Tridentiner Synode und dem vatikanischen Concil ausgegangenen Ueberlieferungen, Fest— stellungen und Erklärungen, insbesondere betreffs des Primates des römischen Bischofs und seines unfehlbaren Lehr⸗Amtes, rückhaltlos annehme und bekenne, sowie alles diesem Bekenntnisse Zuwider⸗ laufende, alle von der Kirche verurtheilten, ver— worsenen und verdammten Ketzereien in gleicher Weise verurtheile, verwerfe und verdamme.
Türkei. Constantinopel, 9. März. In einer beute stattgehabten Conferenz der Friedens Bevollmächtigten wurden seitens der montene⸗ grinischen Unterhändler die Gründe für die von ihnen aufgestellten Forderungen dargelegt; letztere müßten sie behufs Herstellung eines dauerhaften Friedens für nothwendig erachten. Wie versschert wird, erklärte hierauf der türkische Minister des Auswärtigen, die öffentliche Meinung der Türkei mache die Annahme dieser Forderungen unmöglich. Hauptsächlich soll der Minister der Abtretung von Niksie und des Hafens von Spizza, sowie der Ver- größerung Montenegro nach der albanischen Seite hin seinen Widerspruch entgegengesetzt haben.
Griechenland. Athen, 9. März. Nach- dem das Cabinet Kumunduros seine Demission eingereicht hat, beauftragte der König Deligeorgis mit der Bildung eines neuen Cabinets, welche in- deß ziemlich schwierig war, da die Meinungen der Parteien sehr getheilt waren.
10. März. Das neue Cabinet bat sich wie solgt zusammengesetzt: Deligeorgis ist Präsident und außerdem Minister des Innern und des Aeußern, Leoides ist Finanzminister, Antonopulos Justizminister, A. Mauromichalis Kriegs minister, Zochios Marine, Komvahis Rongabis(7) Minister des öffentlichen Unterrichts.
Rußland. Petersburg. Die„Pol. Corr“ meldet, daß Fürst Gortschakoff den russischen Bot schafter in London, Grafen Schuwaloff, angewiesen habe, bei der britischen Regierung um eine Rück- äußerung auf das Rundschreiben Gortschakoff's vom 31. Jan. nachzusuchen. Dem Grafen Schuwaloff sind auch gleichzeitig Weisungen über die Anschau— ungen der russischen Regierung zugegangen, deren Grundzüge folgende sind: Entweder erachten die Pariser Tractat-Mächte, und zwar speciell England, den Pariser Vertrag von 1856 trotz der Zurückweisung der Conferenz-Beschlüsse Seitens der Pforte noch für gültig, oder Rußland sieht auch die aus dem Vertrag für die Türkei sich ergebenden Rechte als erloschen an. Im ersten Falle beansprucht Ruß- land, daß die Tractat Mächte gemeinsam auf die volle Annahme der auf der Conferenz in Con- stantinopel gefaßten Beschlüsse in ihrer ursprüng⸗ lichen Form Seitens der Pforte hinwirken sollen. Dadurch wäre auch Rußland die vollständige Möglichkeit geboten, jede kriegerische Verwicklung zu vermeiden. In der ferneren Unthätigkeit der Pariser Tractat-Mächte müßte dagegen Rußland eine Verzichtleistung derselben auf die darin enthaltenen Verpflichtungen der Türkei, sowie auf die daraus hervorgehenden Rechte der Türkei er- blicken. Demgemäß würde auch Rußland den Pariser Vertrag in allen Rußland angehenden Punkten für null und nichtig erklären und sich selbständige Schritte vorbehalten. Weisungen ähn- lichen Inhalts sollen auch an die russischen Bot- schaster in Wien, Berlin, Paris und Rom er- gangen sein.
— 9. März. Londoner Meldungen nach soll ein Theil der russischen Kaukasus- Armee an den Pruth dirigirt worden sein, und der übrige Theil dieser Armee die Aufgabe erhalten haben, die Grenzen in Asien zu bewachen. Die Türkei sei vadurch zu einer ähnlichen Maßregel veranlaßt worden.
— 10. März. Gestern hat bei dem deutschen Botschafter 9. Schweinitz eine glänzende Abend. Gesellschaft stattgefunden, welcher der Kaiser, der Großfürst⸗Thronfolger, Großfürst Wladimir, die Minister und viele Mitglieder des diplomatischen Corps, der Aristokratie und der deutschen Colonie beiwohnten.
Amerika Washington, 8. März. Nach einem Telegramm des Reuter'schen Büreau's hat der Senat die Ernennung Sherman's zum Schatz ⸗Seeretär bestätigt.
— 10. März. Der Senat hat nahezu ein⸗ stimmig sämmtliche Mitglieder des neuen Cabinets in ihren Aemtern bestätigt. Der Schatz ⸗Secretär kündigt die Einlösung von weiteren 10 Millionen 5/ 20er Bonds an.
— 10. März. Der Präsident Hayes erklärte gegenüber einer von ihm empfangenen Deputation
von Farbigen aus Carolina, unter denen sich auch Mitglieder der Legislatur befanden, er wünsche den Racen- Unterschied vollkommen aufgehoben zu sehen. Wenn die Demokraten des Südens die Rechte ihrer politischen Gegner nicht achteten, so wäre die Anwendung von Waffen ⸗Gewalt unver- meidlich. Schließlich befürwortete der Prästdent die vorläufige Beibehaltung des status quo in Carolina; bevor er weitere Schritte thue, werde er die Sachlage prüfen.
Aus Stadt und Land.
Butzbach. Der hiesige Krieger⸗Verein hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, eine Stalulen-Aenderung ein- teien zu lassen, dahin gehend, daß in Zukunf mein ehe⸗ maliger Soldat, welcher ein Anhänger der socialdemo— kratischen Partei ist, nicht in den Verein aufgenommen werden kann, ferner sollen die Social-Demokraten, welche dem Verein angehören, aus demselben entfernt werden.
Laubach. Der Redacteur des in Ortenberg erscheinen⸗ den„Deuischen Volks⸗Freundes“, Pfarrer Dietz in Alien⸗ busck, hat die Redaclion niedergelegt, da er nach Bieleseld übersiedelt. Pfarrer Draudt von Laubach bat slatt seiner die Redaction des Organs der Deulsch-Conservasiven in Hessen übernommen.
Allerlei.
Frankfurt, 8. März. Heute Vormiltag wurde am „Siorch? einem Mann von einem anderen ein Messer in die Brust gestoßen. Die Wunde ist lebensgefährlich. Der Thäter, einer jener dem Spott verfallenen Frankfurler Slraßen-Typen, war von dem tödtlich Gestochenen ver— böhnm und spänich insultirt worden. 5
Dortmund. Der Polizei ist es gelungen, 12 Mit- glieder der Bande feslizunebmen, welche neulich die Be— wohner von Oestrich und Brünningbausen mit mehr oder weniger Erfolg in der Nacht brandschatzte.
Stultgart, 8. März. Heute Morgen verbreitete sich die Kunde eines schreckuchen Verbrechens in der Stadtz Schneider Greiner hat beute Nacht seine Frau und 4 Kinder im Alter von 1—5 Jahren ermo det. Die Frau und 3 Kinder wurden erdrosselt, dae vierte Kind mit gespaltenem Schädel aufgefunden. Bei seiner Vorführung duich die Polizei soll Greiner angegeben haben, daß er mit seiner Frau verabredet habe, sie wollten sich beide mit einander ums Leben veingen.
Dresden. Am 5. d. slarb der Cantor und Musik⸗ direklor an der hiesigen Kreuzschule, Julius Olio. Der⸗ elbe ist in musikalischen Kreisen namentlich durch die von ihm komponiwien volksibümlichen„Gesellen- und Burschen⸗ jahrten“, sowie eine ganze Reihe anderer guter Männer⸗ gesänge bekannt.
Breslau. Die Rinderpest im Kreise Breslau ist füt erloschen erkzärt.
Berlin. Vor einigen Tagen feierten der Kaufmann Julius M. und dessen Frau ibre sisberne Hochzeit. Als oie Gäste und die nicht geringe Anzahl der Familun⸗ gliedet an der Tafel saßen, brachte ein Schwager des M. dem Jubelpaare einen Toast, als ein Mädchen von 11 Jahren, ohne ein Wort zu sprechen, in das nächst⸗ liegende Zimmer ging. Der Redner ließ sich anfangs nicht unterbrechen, als aber aus jenem Zimmer, in welches das junge Mädchen gegangen war, ein nicht unbedeutender Qualm drang, stüizie er und fast die ganze Gesellschaft voll Schreck dortbin und der Anblick, der sich ihnen in diesem Zimmer dardot, war ein eigenthümlicher. Die glimmenden und halbverbrannten Gardinen lagen auf der Erde, und von Rauch eingehüllt stand das junge Mädchen, das so gern lächeln wollie, wenn es nicht so arge Schmerzen gehabt häue, auf einem Stuhle und streckte der Gesellschaft mit unterdrückter wehleidiger Miene seine verwundeten Fingerchen enigegen. Das Kind hatte näm⸗ lich, als es bei Tische saß, durch die balb offenstehende Thür gesehen, daß in dem angrenzenden Zimmer die Gardinen brannten, und ging, ohne weiteres Aussehen zu machen, dorthin, riß die Gardinen, indem es auf einen Stuhl stieg, mit aller Gewalt herab und verhinderte da⸗ durch eine großere Feuersgefahr.
Luzern. Der Dynamit⸗Explesion welche sich vor Kurzem auf der Noroseite des Gottbardiunnels bei Göschenen ereignet hat und zwei Arbeitern das Leben koftlete, soll Böswilligkeit zu Grund liegen; auch beslätigt sich die Nachricht, es sei sonst Niemand verwundet worden, leider nicht; es sei dies vielmehr mit einer ziemlich großen Anzahl Personen der Fall, da die Eyplosion sehr stark gewesen und Steine, Glas- und Holzsplinler weit nach allen Seiten hin geschleudert habe. Man dringt darauf, die Dynamiihütten weiter entfernt von Göschenen anzu⸗ legen. Dieser Wunsch erscheint um so gerechtfertigter, als dies nun schon die dritte Explosion dieser Art ist, welche seit Beginn des Tunnelsbaues dort statigefunden hat.
Paris, 6. März. Gestern Abend fand auf der Ost— bahnstation Lagny ein Zusammenstoß eines Expreßzuges mit einem Güterzug siatt. Hierbei verunglückten 17 Per⸗ sonen, von denen 2 gelödiet und 15 verwundet wurden.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 10. März. Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität per Ceniner M. 4.50— 5.80, Stroh per Ceniner M. 4.50—5.30. Butter 1. Qual. im Großhandel das Pfund M. 1.30—35, 2. Qual. M. 1.20, im Kleinhandel
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