gesetzt; die Türken verloren 200 Todte und 700 Verwundete.
— 7. Sept. Eine Anleihe von 2 Millionen Pfund nominell ist mit der Banque ottomane ab⸗ geschlossen,, der Erlös derselben ist bestimmt zur Rückzahlung einiger von Bankiers in Galata ge- leisteter Vorschüsse, ferner zur Bezahlung von in Amerika angekauften Gewehren und Munitions- Vorräthen und endlich zur Garantirung des eircu⸗ lirenden Papiergeldes.
— 8. Sept. Im Balkan herrscht Ruhe. Suleiman Pascha organisirt seine Armee bei Ka- sanlik. Es sind Gerüchte im Umlauf, daß heute zwischen Osman Pascha und den russischen Corps bei Plewna ein neuer Kampf stattgefunden hat. Das Resultat desselben sei unbekannt. Bis jetzt find darüber keinerlei offfcielle Depeschen veröffent- licht worden.
— Die Montenegriner erlitten vor Niesie eine Niederlage mit Verlust von 1300 Mann und hoben die Belagerung der Festung auf. Bezüg lich der letzten Kämpfe bei Schipka ist noch keine amtliche Depesche veröffentlicht.
Serbien. Belgrad, 7. September. Auf neuerliche Vorstellungen des britischen General- Consuls White gegen die Kriegs Vorbereitungen Serbiens erklärte Minister Ristic, Serbien müsse sich aus Opportunitäts Gründen und in seinem eigenen Interesse für alle Eventualitäten vorbe reiten. Der Fürst hat dte Einberufung der Milizen zum 15. September angeordnet. Die Türken concentriren an der serbischen Grenze irreguläre Truppen und errichten Verschanzungen auf dem linken Drina⸗Ufer.
Rumänien. Bukarest, 6. Sept. Gestern früh entwickelte sich in der Umgebung von Rust⸗ schuk ein bedeutender Kampf. Bald darauf be gannen die Russen von Slobosia aus ein Bom-
bardement.— In vefflossener Nacht versuchten
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türkische Truppen von Widdin aus auf Barken sich Cuperceni zu nähern, wurden aber durch das Feuer der rumänischen Batterien zurückgetrieben. Die Garnison von Widdin ist wegen der drohenden Haltung Serbiens auf 8000 Mann verstärkt. ö
— 7. Sept. Von heute an ist der Güter Verkehr auf allen rumänischen Eisenbahnen ganz, eingestellt.— Der rumänische Oberst Catargiu, ein Obeim des Fürsten von Serbien, hat mit Serbien zwar keine förmliche Convention, wohl aber bestimmte Abmachungen über das eventuelle mit den Operationen der rumänischen Streitkräfte zu eom⸗ bintrende Vorgehen der serbischen Armee vereinbart.
— 7. Sept. Die Beschießuug von Rustschuk ward gestern Vormittag 10 Uhr eingestellt, aber von 3 bis 7 Uhr Abends wieder fortgesetzt. Die Türken erwiedern das Feuer, indem sie Giurgewo beschießen, welches Beschädigungen erlitt. Heute hat das Feuer früh 9 Uhr begonnen und dauert gegenwärtig noch fort.
Rußland. Petersburg, 7. Sept. Der Durchzug der Garden durch Rumänien ist in vollem Gange. Die Garde-Cavalerie überschreitet den Pruth bei Scutari und setzt ihren Marsch darauf ohne Benutzung der Eisenbahn fort; da⸗ gegen werden Infanterie und Artillerie größten- theils mit der Bahn befördert. Gestern traf General Gurko als Commandeur der Garde— Cavalerie in Jassy ein.
—„Daily News“ melden über die Einnahme von Lowatsch vom 4. Sept.: 22,000 Russen, bestehend aus der zweiten Division, der Schützen⸗ brigade aus Grabowa, einer Brigade von der dritten Division und Skobeleff's Kosaken⸗Brigade haben gestern über die 7000 Mann starke Be- satzung von Lowatsch einen Sieg erfochten. Skobeleff hatte am Abend zuvor die Position im Nordosten erstürmt, wodurch der Platz unhaltbar wurde. Während der Nacht retirirten die Türken auf die befestigten Anhöhen hinter der Stadt, in Er- wartung des Angriffes, welcher nun auch bei Tagesanbruch Seitens der russischen Artillerie er- öffnet wurde. Dieser Angriff war so geleitet, daß die russische Artillerie eine derartige Position einnahm, daß die von den Türken besetzte Hügel⸗ kette umzingelt und der Rückzug derselben nach
dem Balkan auf dem Wege über Trogan abge—
schnitten wurde. Hartnäckigen Widerstand leistend, wurden die Türken erst nach hartem Infanterie⸗ Kampfe gegen Sonnen- Untergang aus ihrer Stellung verdrängt. Da der Rückzug nach Plewna, den die Türken versuchten, durch Artillerie ver- hindert wurde, so retirirten dieselben in westlicher Richtung, verfolgt von Kosaken. Der russische Verlust bei der Einnahme belief sich auf 1000 Mann Todte und Verwundete. Die Türken hatten ebenfalls großen Verlust und verloren überdies 100 Gefangene.
— Amtlich wird aus Gorni⸗Studen vom 6. d. gemeldet: Die Türken versuchten von Mikre aus einen Angriff auf Lowatsch, wurden aber nach einem Scharmützel, welches vier Stunden dauerte, abgewiesen. Am selbigen Tage griffen die Türken mit geringen Streitkräften in der Nähe von Elena an und wurden gleichfalls zurückgewiesen.
Aegypten Alexandria. Der Khedive ist nach Cairo zurückgekehrt. Der Wasserstand des Nils bei Cairo ist andauernd ein niedriger. Doch soll der obere Nil den mittleren Durch- schnittsstand erreicht haben, so daß zu hoffen ist, daß auch der untere die Normalhöhe erreichen wird. Indeß befürchtet man, die Nil⸗Ueberschwemmung
könne zu einer Zeit eintreten, welche zur Sicherung
einer guten Maisernte nicht mehr geeignet ist.
Aus Stadt und Land.
Offenbach. Dem Vernehmen nach hat die hiesige Polizeibehörde aus Veranlassung der bei verschiedenen Specereihändlern dahier vorgefundenen gefälschten Gewürze — Pfeffer und Zimmt,— welche diese aus auswärtigen Engros⸗ Geschästen bezogen, sich bemüßigt gesehen, die Polizeibehörde in Darmstadt, Frankfurt und Hanau, in deren Amtsbezirk die Letztigenannten sich befinden, von dem Resultat der hiesigen Visitationen Kenniniß zu geben, damit dort auch gegen diese in geeigneter Weise vorgegangen werden kann.
Darmstadt. Die Stempeleinnahme der Großherzog— lichen Haupistaatskasse für das Jahr 1876 beträgt für Stempelpapier 845736 M. 86 Pf., für Stempelmarken 26,968 M. 30 Pf., für Dimensionsstempel 141,382 M. 20 Pf., Gradationsstempel 90,071 M. 50 Pf., Kar ten⸗ siempel 11,056 M. 80 Pf. zusammen 1,117 015 M. 26 Pf. Es wurden verkauft 815,511 Bogen Stempelpapier von 6 Pf. an bis zu 68 M. 60 Pf. per Stück. 52 010
Stempesmarken von 5 Pf. an bis 5 M. per Süüöck,
4 422 142 Dimensionsstempel von 20 Pf. an bis 1 M. 70 Pf. per Stück und 1620 Gradationsstempel. An Kartenspielen wurden 155,085 Stück abgestempelt, und zwar 142,790 Stück à 6 Pf., 11,995 Stück à 20 Pf., und 300 Stück à 30 Pf.
Allerlei.
Würzburg. Vor einigen Tagen kam hier ein eigen⸗ artiger Fall von Blutvergiftung vor. Ein Fräulein sah in einem Winkel des Hausganges ein Thier sitzen, das sie füt ein kleines Hündchen hielt und zu sich nehmen wollte. Das Thier war aber eine große Ratte, die sofort an die Nahende hinaufsprang und dieselbe in die Hand biß. Noch im Laufe der Nacht schwollen Hand und Arm heftig an und die Betroffene liegt nunmehr unter den unverkennbaren Sympiomen der Blutvergiftung lebensgefährlich darnieder.
Frankenthal. Auf dem letzten Wochenmarkie spielte sich ein kleiner Butterstrike ab. Viele Hausfrauen, denen der geforderte Preis für Butter M. 1.70— 80 zu hoch erschien, boten den Verkäufern M. 1.50 jedoch vergebens, in Folge dessen erstere mit dem Kaufen zurückhielten. Nach mehrstündigem Warten wurde denn nicht allein die Bulter weich, sondern auch— die Verkäufer, die sich schließlich begnügten, M. 1.30 für das Pfund zu erhalten. Verdient Nachahmung!
Köln, 6. Sept. Hier wurde gestern Morgen ein dortiger Einwohner, der seit seiner Großjährigkeit ein er⸗ erbles Vermögen von nahe 60,000 M. durchgebracht hatte und zuletzt die Stelle eines Hausknechts versah, in seiner Wohnung erhängt gefunden. Lebensüberdruß soll den Mann zum Selbstmord getrieben haben.
Berlin. Mit welcher Strenge die Staats-Anwalt⸗ schaft gegen Geschäftsleute vorgeht, welche große Quantitäten gesälschter Nahrungsmittel in den Verkehr bringen, beweist folgender Fall: Ein Fabrikant, welcher gemahlenen Pfeffer und ebensolche Cassia vera(Zimmet) fabricirte, d. h. mit anderen Stoffen mischte, und in großen Mengen an die Detaillisten absetzte, war von einem entlassenen Arbeiter denuncirt worden. Die Staats-Anwaltschaft stellte sofort Ermittelungen an, welche die Angaben des Arbeiters be stäligten. Eine Commission begab sich hierauf in die Ge⸗ schäfts⸗Räume des Fabrikanten, versiegelte den ganzen Waaren Vorrath und die Geschästs-Bücher, schloß das Geschäft und untersagte den Weiterbetrieb der Fabrikation. Der Vorfall macht hohes Aufsehen und bürfte vielleicht manchen von den Gewerbtreibenden, welche noch im Ge— heimen das unsaubere Geschäft betreiben, einen heilsamen Schrecken einjagen.
Berlin. Wie der„Volkszeilung“ aus zuverlässiger Quelle gemeldet wird, zieht sich hier über den Häuplern der Bierversälscher ein drohendes Gewitter zusammen. Das Reichsgesundheitsamt hat in neuester Zeit die in
sämmtlichen dortigen Brauereien gebrauten Biere einer Probe unterworfen, um die Zusammensetzung derselben sest⸗ zustellen. Im Reichsgesundheitsamt wird man zunächst den Begriff„Bier“ fesistellen, um dann auf Grund des zu erlassenden Reichsgesetzes alle mit schädlichen Surrogaten (wie Stärkezucker ꝛc.) vermischten Biere einem Verbote und die Fälscher der gebührenden Strafe zu unterwerfen. Das⸗
fälschungen von Milch besser zu controliren und zu con⸗ statiren, als es bisher möglich war. Es sei nämlich ge⸗ lungen, ein Instrument herzustellen, das es Jedem auf die leichteste und schnellste Weise ermögliche, den Procentsatz des der Milch hinzugesetzten Wassers genau festzuftellen.
Die Rührigkeit der Socialdemokratie.
Die letzten Wahlen haben eine Anzahl Augen, welche sich bis dahin hartnäckig verschlossen oder seitwärts kehrten, für eine der wichtigsten Fragen der deutschen Gegenwart geöffnet: das stete Wachsthum der Social Demokratie. Und doch beleuchten die Ziffern der in den Mehr⸗ heiten und Minderheiten der abgegebenen socical- demokratischen Stimmen nur einen kleinen Theil der Bedeutung, der Thätigkeit und der Aussichten dieser Partei. Namentlich lassen sie völlig im Dunklen alle Keime, welche in die verschiedensten Volks- schichten mit unermüdlicher Aus dauer sort und fort gepflanzt werden, und zwar nicht blos von eigentlichen berufsmäßigen Agitatoren, auch nicht blos von wirklichen Parteimitgliedern, sondern von zahllosen halb oder ganz unbewußten Bundes⸗ genossen im Publikum, in der Tagespresse, in Unter⸗ haltungsschriften aller Art, Romanen, Theater- stücken 1c. Manche dieser Patronatsherren und Damen der Social- Demokratie, theilpeise den höheren Bildungs- und Rangklassen angehörig, glauben aufrichtig damit„ein Herz für's Volk“ bethätigen zu können. Andere meinen, ein solches wenigstens vermuthen zu lassen, oder wollen dar⸗ thun, daß sie auf einem erhabenen, unparteiischen Standpunkt stehen. Wieder anderen liegt daran, etwas recht Ungewöhnliches, Ueberraschendes, trotzig Keckes zu sagen.(„Wenn ich Euch gefall', ihr Leute, dünk' ich mich ein Leineweber, aber wenn ich Euch verdrieße, seht, das stärkt mir meine Leber!“ Immermann.) Sie wollen imponiren. Noch Andere, und das ist wohl die Mehrzahl, sprechen und handeln so aus reiner Gedanken- losigkeit. Sie alle haben dies und jenes vom und über den Socialismus gehört, gelesen, nicht aber den grundlegenden Schriften und den Partei⸗ blättern ernstes Studium gewidmet.
Ist es denn aber nicht schon genug, daß die Partei selbst unter allen Arten von städtischen und ländlichen Arbeitern, Handwerkern, Gesellen, Lehr- lingen, Dienstboten unablässig die Werbetrommel offen rührt, daß sie unter Lehrern, Beamten und Geistlichen schon(zum Theil verstohlene) Anhänger zählt, daß sie unter Soldaten, Studenten(I) und Schülern ihre Drachensaat heimlich auszustreuen weiß, daß sie demnächst auch, laut Congreßbeschluß, „sotcialdemokratische Jugendschriften“ herausgeben wird u. s. w.?— Sollen auch wir — die wir weder Socialdemokraten sind, noch werden wollen— ihnen zum Ueberfluß noch Spanndienste leisten?— Und warum das?— Weil wir„keine Zeit“ haben, uns über das Wesen des demokratischen Socialismus und über das aufzuklären, was die jetzige Gesellschaft gegen diesen ihren grundsätzlichen und unversöhnlichen Feind zu thun verpflichtet ist. Oder sollen wir warten, bis alle jene Keime aufgegangen und ins Kraut geschossen sind?— Erfreulich ist es, daß neuerdings auch einige große politische Zeitungen anfangen, der Bewegung gegen die Socialdemo⸗ kratie regere Aufmerksamkeit zu schenken und ent⸗ sprechende Mahnungen an das Bürgerthum anzu⸗ knüpfen. So brachte die„A. Allg. Ztg.“ einen Artikel„vom Mittelrhein, 4. Juni“, worin der „fast krankhafte Eifer, mit dem neuerdings nach Allem gehascht wird, was die Socialdemokratie
gefährlich erscheinen lassen kann“, beklagt wird. Nach unseren Erfahrungen geht dieses Haschen nach Beschönigungen und gemüthlichen Worten nicht selten aus jener rathlosen Furcht hervor, welche sich selbst gerne täuschen möchte und darum Eiapopeialieder singt, aber nicht daran zu denken wagt, sich für eine geistige Abwehr zu rüsten.
selbe Blatt erfährt, daß Aussicht vorhanden sei, die Ver⸗
in ein milderes Licht setzen oder sie als weniger
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