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1877.
Samstag den 7. Juli.
M 78.
berhessischer Anzeiger.
Die Petitzeile wird mit 11 Pfennig berechnet.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Amtlicher Theil.
Aus dem Großherzoglichen Regierungsblatt ist zu publiciren:
tr. 34. Bekanntmachung, die Ausführung des Reichsgesetzes über die eingeschriebenen Hülfskassen vom 1
Friedberg den 5. Juli 1877.
April 1876 veireffend. Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Dr. Braden.
Nachverzeichnete Gesetze ꝛc. sind im Bundesgesetzblatt des Deutschen Reiches publicirt worden:
Nr. 30. Vertrag mu den Niederlanden, betreffend die Verbindung des niederl
ändischen Kanalnetzes mit Kanälen auf preußischem Gebiete. Seite 539.
Die Mitglieder der landwirthschaftlichen Section F
Sonntag
zu einer Besprechung in den Saal des Hessischen Hofes zu Nieder W̃᷑ Herr Professor Dr. Tobisch, wird einen Vortrag üder„die bei der Stallmi und die Art ihrer Vermeidung“ halten und Herr Kreis-Veterinärarzt Dr. Zuchtstierhaltung“ übernehmen. Außerdem soll eine Besprechung über Anlegung von Gew
Södel am 3. Juli 1877.
Einladung.
den 15. Juli dieses Jahres,
Geb b
öllstadt ergebenst eingeladen. stbehandlung gewöhnlich vorkommenden Fehler
riedberg und sonstige Freunde der Landwirthschaft werden auf Nachmittags 3 Uhr,
Der Dirigent der Ackerbauschule in Friedberg,
wird das Referat über„Rindviehzucht und
annwegen und Zusammenlegung der Grundstücke stattfinden.
Rei tz.
Deutsches Reich. Darmstadt. Das Großherzogliche Regier⸗ ungsblatt Nr. 34 enthält: die Bekanntmachung, die Ausführung des Reichsgesetzes über die einge schriebenen Hulfskassen vom 7. April 1876 betr. — Der Gerichts- Accessist und Ergänzungs- richter in Oppenheim, Hubert, wurde zum Notar in Bechtheim ernannt, und dem Landgerichtsaktuar Schäfer in Zwingenberg das Ritterkreuz 2. Classe des Ludewigsordens verliehen. — Finanzaspirant Hefermehl ist zum Districts- Einnehmer in Heppenheim ernannt worden.
— Vom 1. Januar 1878 ab wird das Groß-
herzogliche Regierungsblatt in einen legislativen und einen administrativen Theil gesondert mit getrenntem Abonnement erscheinen.
— Die Wiener„N. Fr. Pr.“ schreibt unterm 2. Juli: Die Prinzen Alexander von Hessen und Ludwig von Battenberg, Sohn des Ersteren, die sich seit gestern auf der Durchreise ins russische Hauptquartier hier aufhalten, erfreuen sich seitens des Hofes und der offiziellen Kreise besonderer Aufmerksamkeit. Der Kaiser kam aus Ischl hierher und hatte gestern mit dem Prinzen Alexander eine sehr lange Unterredung. Desgleichen weilte Graf Andrassy längere Zeit bei demselben. Man be— merkt der Frkf. Ztg. hierzu in einer Correspondenz: „Sollte an dem Gerüchte, welches vor wenigen Wochen auftauchte und das den Namen des Prinzen Alexander mit der Errichtung eines bulgarischen Thrones in Verbindung brachte, trotz der dama— ligen Dementis etwas Wahres gewesen sein? Die „Nordd. Allg. Ztg.“, die in solchen Dingen sehr vorsichtig ist, meinte anläßlich des damaligen Dementis, daß hier vielleicht eine Verwechslung des Prinzen Alexander mit dem Prinzen Ludwig von Battenberg obwalte! Vielleicht haben wir also in Letzterem, einem Neffen des Czars, den künftigen Fürsten von Bulgarien zu erblicken, das allerdings von den Russen noch lange nicht erobert
Geringste bekannt, ebensowenig von einer Geneigt— heit anderer Mittelstaaten, auf solche Dislocationen einzugehen.
— Der Kaiser wird am 8. Juli von Ems nach Coblenz überstedeln und sich dann über Darmstadt nach der Insel Mainau begeben; der deutsche Botschafter in Wien, Graf Stolberg, wird am 4. Juli in Ems und am 6. Juli in Berlin eintreffen.
— Die„Nordd. Allg. Zig.“ bestätigt, das preußische Ministerium habe beschlossen, bei dem Bundesrath ein Pferdeausfuhr Verbot zu bean— tragen. Das Verbor solle sich nicht auf eine bestimmte Grenze richten. Der Grund der Maßregel sei, daß der Bedarf der Armee an Pferden nicht durch eine zu starke Ausfuhr, besonders bezüglich der Qualität geschwächt werde. des Bundesraths dürfte durch vertrauliche Ver— ständigung bereits vorbereitet sein.
Straßburg. Der Ober-Präsident hat die Unterdrückung des„Industriel Alsacien“ in Mühl⸗ hausen wegen Verbreitung deutschfeindlicher Ge— sinnungen und Agitation gegen die Zugehörigkeit von Elsaß Lothringen zum deutschen Reiche ver— fügt, nachdem wiederholte Warnungen fruchtlos geblieben waren. Hier in Straßburg herrscht darüber große Aufregung.
Oesterreich- Ungarn. Wien. Die „Deutsche Zeitung“ verzeichnet das übrigens noch ganz unbestätigte Gerücht, das Ministerium würde, im Falle die Ausgleichsvorlagen im Abgeordneten- hause unüberwindlichen Schwierigkeiten begegneten, bei der Krone die Auflösung des Abgeordneten hauses und sofortige Ausschreibung von Neuwahlen in Anregung bringen.
Frankreich. Paris, 4. Juli. Der frühere spanische Minister Zorrilla, sowie Munoz und Lagunero sind auf Grund der bei Ersterem
ist.“ Prinz Ludwig von Battenberg steht im 24. Lebensjahre und ist bekanntlich großbritanni- scher Lieutenant zur See.
Berlin, 3. Juli. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ tritt der Meldung einiger Zeitungen entgegen, daß der bayerische Minister-Präsident Pfretzschner bei seiner Zusammenkunft mit dem Fürsten Bismarck in Kissingen erklärt habe, Bayern sei nicht abge neigt, einer Verstärkung der Garnisonen in Elsaßz⸗ Lothringen durch andere deutsche Truppen zuzu- stimmen, und Sachsen und Württemberg würden eine Brigade, Bayern eine Diviston dazu stellen. Vie„Nordd. Allg. Ztg.“ fügt hinzu: von einer solchen Absicht Bayerns sei in Berlin nicht das
gefundenen Papiere ausgewiesen und gestern an die deutsche Grenze gebracht worden. Spanien. Madrid, 4. Juli. Congreß. Castellar theilte mit, daß er morgen wegen der Verhaftung Zorrilla's und seiner Genossen eine Interpellation an die Regierung richten werde. Türkei. Constantinopel, 3. Juli. Officiell. Bei Sistowa fand zwischen 18 russischen und 12 türkischen Bataillonen ein Kampf statt, wobei die Türken Sieger blieben.— Im Kampfe bei Alaschkert hatten die Russen große Verluste. Die Russen waren genöthigt, die Belagerung von
Kars aufzuheben.— Es wird versichert, daß den Kriegs- Minister
Mahmud Damat Pascha
Die Beschlußfassung
während seiner Abwesenheit vertreten werde.— Auf Befehl des Sultans haben die Minister ihre Wohn- ungen am Bosporus zu verlassen und nach Stambul zu übersiedeln, um ohne Zeitverlust den außerordent- lichen Minister-Räthen beiwohnen zu können.
— 4. Juli. Die Russen wurden bei Bjela zurückgedrängt. Dieselben sollen den Vormarsch gegen Rasgrad aufgegeben haben und gegen Timowa vorrücken. Ein Versuch der Russen, bei Turtukai über die Donau zu setzen, wurde zurück- geschlagen. Zahlreiche Truppen sind nach dem Kriegsschauplatz abgegangen. Demnächst findet eine Recruten-Ausloosung in Constantinopel statt.
— Der Gouverneur von Tirnowa, Said Pascha, hat sich am 1. Juli nach Gabrowa zurückgezogen.
— Ein Telegramm des Gouverneurs von Erzerum meldet: Die Russen sind aus Karakalissa, welches die Türken ebenso wie die umliegenden Positionen besetzten, vertrieben worden. Das russische Centrum zog sich hinter Kars, die bei Alaschkert geschlagenen Russen gegen Bajazid zurück. Die Türken ergriffen die Offensive. Ein Angriff auf Poti wird vorbereitet.
— Wie verlautet, soll Mehemed Ali, der Commandant von Novibazar, welcher gegenwärtig in Montenegro operirt, das Commando in Thessalien übernehmen.
Rustschuk. In dem Kampfe bei Sistowa nach dem Uebergang der Russen über die Donau verloren dieselben mehr als 4000 Mann. Mehrere Pontons mit Kanonen versanken. Da die Russen immer mehr Truppen landeten, mußten wir unsere dortige Brigade verstärken. Dieselbe wurde jedoch gezwungen, nach hartnäckigem Kampfe sich zurück- zuziehen. Es sind Maßregeln getroffen, ein weiteres Vordringen zu verhindern.
Serbien. Belgrad, 3. Juli. Die Skupschtina will in der Adresse an den Fürsten die Unabhängigkeits-Erklärung Serbiens anregen. Die Kriegsrüstungen dauern fort. Die Miliz— brigade der ersten Classe ist an die Grenze bei Sienitz abgegangen. General Horvatovie trifft heute in Negotin ein.
Rumänien. Bukarest, 4. Juli. Das auf das bulgarische Gebiet übergetretene rumänische [Detachement kehrte nach stattgefundener Recognos- cirung auf das rumänische Gebiet zurück.(Wahr scheinlich standen drüben Türken, die das Dableiben
unhöflicher Weise nicht leiden wollten.) Die Ka- nonade zwischen Widdin und Kalafat läßt nach. Das rumänische Hauptquartier befindet sich in Pojana, unterhalb Kalafat.
Rußland. Petersburg, 3. Juli. Fürst (Tscherkaßki wurde als provisorischer Gouverneur


