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Deutsches Reich. Darmstadt. Das Großherzogliche Regier⸗
ungsblatt Nr. 11. enthält: f f
I. Verzeichniß der Vorlesungen der Universität zu Gießen im Sommerhalbjahr 1877. b
II. Promotionen an der Unwersität zu Gießen.
Darmstadt. Dieser Tage ist die definitive Entscheidung des k. bayerischen Armee-Corps da⸗ hier eingetroffen, wonach der Griesheimer Schieß ⸗ Platz für die Artillerie des zweiten bayerischen Armee Corps benutzt werden soll. Die Welsungen zum Gelände Erwerb sind bereits ertheilt. f
— Am 1. Februar wurde der Vorsteher der Präparandenschule zu Lich, Rückert, zum Kreis- Schul-Inspektor in Lauterbach ernannt.
Berlin, 2. März. In der Sitzung des
Reichtages wurden, nachdem die Ergebnisse der Wahlen zu den Fach-Commissionen und die Con- stituirung letzterer zur Kenntniß des Hauses ge- bracht waren, mehrere Wahlen der Wahlprüfungs⸗ Commission überwiesen. Auf Antrag Reichensperger's wurde ferner beschlossen, die Budget- Commission um 7 Mitglieder zu verstärken. Sodann wurden überwiesen: die Etats-Uebersichten für 18/5 an eine Commission von 17 Mitgliedern, der Patent- Gesetz Entwurf an eine desgleichen von 21 Mit- gliedern. Bei Feststellung der Tagesordnung der nächsten Sitzung sprach sich Hänel tadelnd aus über den Mangel an Berathungs- Material und das Ausbleiben der Etats Vorlagen, worauf Seitens des Präsidenten des Reichskanzler Amtes Hofmann, auf die Schwierigkei“ hingewiesen wurde, in so kurzer Zeit zwei Etats(für das erste Quartal und für das neue Rechnungsjahr) recht- zeitig fertig zu stellen; gleichzeitig gab der Minister die Zusichetung, daß die Vorlegung des Etats künftig zu rechter Zeit erfolgen werde.
— 2. März. Das Abgeordnetenhaus erledigte in der heutigen Sitzung eine lange Reihe von Petitionen. In einer Abend⸗Sitzung wurde eine weitere Reihe von Petitionen ohne allgemeines Interesse erledigt, und sodann ein Antrag Löwen— stein's angenommen, welcher die Vorlegung der Entschließungen der Regierung auf Anträge und Resolutionen des Abgeordnetenhauses aus dem Jahre 1876 betrifft.— 3. März. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurden Prüfungen von Wahlen vorgenommen. Nachdem hierauf der Präsident die übliche Uebersicht der Geschäfte vorgetragen und die Versammluug dem Präsidenten für seine Geschäftsleitung gedankt hatte, schloß Letzterer die Sitzung.
— 2. März. In der heutigen Sitzung des Herrenhauses wurden nach unerheblicher Discussion die einzelnen Etats und sodann das ganze Etats- Gesetz genehmigt. Demnächst wurden die Etats— Ueberschreitungen pro 1875 genehmigt. Bei dem Gesetz Entwurf wegen der Zins Garantie für die Berlin Dresdener Eisenbahn entspann sich zu§. 1 eine längere Debatte; schließlich wurde letzterer in namentlicher Abstimmung, die übrigen Para— graphen und das ganze Gesetz ohne Debatte an- genommen. Nach Erledigung des Restes der Tagesordnung, welcher nur unerhebliche Punkte umfaßte, schloß der Präsident die Sitzung.
— 3. März. In der gemeinschaftlichen Sitzung beider Häuser des Landtages, verlas Minister Camphausen, der von Graf Eulenburg, Leonhardt, Friedenthal, Falk und Achenbach begleitet war, die königl. Cabinetsordre bezügl. der Sessionsschließung.
Berlin. Der beim Kaiser von Fez und Marolko beglaubigte k. deutsche Minister-Resident Weber wird nach Mittheilung der„Krz.-Ztg.“ von einer Deputation von Offizieren nach Marokko begleitet werden. Dieselben werden die Ueber— bringer von werthvollen Geschenken an den Be— herrscher von Fez und Marokko sein.
Leipzig, 3. Febr. Der Reichs ⸗Diseiplinar.
hof bestätigte heute als oberste Instanz das auf Dienstentlassung des Grafen Harry Arnim, ehe—
maligen Botschafters zu Paris, lautende Urtheils gewesen, das Conclave solle im Auslande zu⸗ Der ö
der Reichs⸗Disciplinarkammer zu Potsdam. Gerichtshof hielt hierbei den Rechtsgrundsatz aufrecht,
daß die Entscheidung des Strafrichters ale thatsächl. Friedens-Instrument ist heute von dem serbischen Unterlage für den Disciplinarrichter zu gelten habe. Abgeordneten und dem kürkischen Minister des Der Landes- Aus- Auswärtigen unterzeichnet worden.
Straßburg, 3. März. schuß wurde heute geschlossen.
Ausland. Oesterreich⸗ rn. P 2. März. Das Unterhaus ben la deff had Lesung
das Gesetz angenommen, wodürch die mit der Süd-⸗Bahn abgeschlossenen Verträge theilweise ab⸗ geändert, bezw. ergänzt werden.
— 3. März. Auf eine Interpellation Nemeth's erwiederte in der heutigen Sitzung des Unterhauses der Minister- Präsident Tisza, Stadthauptmann Thaisz habe von glaubwürdiger Seite erfahren, daß gewisse Conventikel sich verabredet hätten, am 28. Februar sich vor dem Parlamente zusammen- zurotten, um einige Persönlichkeiten zu insultiren; vorsichtshalber und um den Straßenverkehr nicht bindern zu lossen, sei die nothwendige Anzahl Polizeimannschaften, wie dies auch in anderen Städten üblich sei, consignirt und in den Nach— barhäusern aufgestellt worden. An diese Mittheil⸗ ung knüpfte der Ministerpräsident eine Warnung, solche Skandalsucht zu unterstützen; das Haus solle sich von Gassen-Demonstrationen fernhalten. Die Versammlung nahm diese Erklärung einstimmig und unter lebhaftem Beifall zur Kenntniß.
Großbritannien. London, 3, März. In der Sitzung des Unterhauses stellte Wyndham den Antrag auf einen Beschluß, daß England seinen Rücktritt von der Pariser Seerechtsdeclaration erklären solle. Unter- Staats- Secretär Bourke wendete hiegegen ein, England könne auf das Recht, Kauffahrtei- Schiffe wegzunebmeu, nicht ver- zichten. Die Pariser Declaration biete große Vortheile; es wäre England's unwürdig, von der- selben zurückzutreten. Eine Diseussion über die Angelegenheit erscheine nicht zeitgemäß. Hierauf wurde der Antrag abgelehnt.
— Das„Mémorial diplomatique“ meldet, daß die englische Regierung Rußland zu bestimmen suche, der Pforte eine Frist für die Ausführung des Reformwerkes zu gewähren; die Verhandlungen seien indeß bisher ohne Erfolg gewesen, da von russischer Seite gefordert werde, daß England Verpflichtungen für die Zukunft übernehme, was von England abgelehnt wurde.
— Bezüglich der Abberufung des englischen Mittelmeer-Geschwaders aus dem Piräus und dessen Rückfahrt nach Malta meldet Reuter's Büreau: Diese Maßregel sei angeordnet, weil an den Schiffen Reparaturen vorzunehmen, auch die Mannschaften theilweise nach Beendigung ihrer Dienstzeit zu entlassen wären. Außerdem bemerkt noch Reuter's Büreau, daß die palitischen Ver hälnisse die Anwesenheit des britischen Geschwaders in den orientalischen Gewässern nicht mehr er— forderlich erscheinen ließen.
Italien. Rom, 2. März. Die Deputirten⸗ kammer hat mit großer Majorität das Incompati- bilitäts-Gesetz im Ganzen genehmigt. Die Re- gierung hat der Kammer die Aetenstücke betreffs der orientalischen Frage vorgelegt, welche demnächst zur Vertheilung kommen.
— 2. März. Die Deputirten-Kammer hat die Special-Berathung des Incompatibilitäts⸗ Gesetzes beendet; ein Antrag Bertani's, wonach das Gesetz gleichzeitig mit der Wahl-Reform in Wirksamkeit treten solle, wurde vom Minister Nikotera bekämpft und als Mißtrauens- Votum gegen das Ministerium bezeichnet und darauf von der Kammer abgelehnt.
— Die„Ital. Nachr.“ enthalten die Bestimm⸗ ungen des heiligen Collegiums der Cardinäle be- treffs des zukünftigen Conclave. Danach hätte das Collegium beschlossen, an der herkömmlichen Zusammensetzung des Conclave nichts zu ändern. Bezüglich des Ortes des Zusammentrittes des Conclave hätte das Collegium mit allen gegen die Stimmen zweier Cardinäle beschlossen, dasselbe in Rom zu halten, wofern nicht besondere Ereignisse die Vereinigung daselbst unmöglich machten. Die beiden dissentirenden Cardinäle wären der Ansicht
sammentreten.
Türkei. Constantinopel, 1. März. Das
Die montene⸗
außerordentlichen Mission bei
stattgefunden. 1328
— Der Minister des Auswärtigen hat den diplomalischen Vertretern bel den auswärtigen Regierungen von der geschehenen aonges einer bürgerlichen Administrationsschule in Constantinopel Mitshellung gemacht, welche für Muhamedaner und Andersgläubige ohne Unterschied bestimmt ist; in derselben sollen Beamte für alle Zweige der Staats- Verwaltung, auch für die diplomatische Laufbahn, herangebildet werden.
— 2. März. Die montenegrinischen Unter- händler haben heute die Vertreter der Großmächte besucht. Morgen beginnen die Friedene⸗Verhand⸗ lungen mit der Pforte. Es ist der Befehl er— gangen, daß das serbische Territorium innerhalb eines Zeitraums von 12 Tagen seitens der türkischen Truppen geräumt werde.
— 2. März. Der ganze Stamm der Miriditen hat die Waffen ergriffen und belagert das auf der Straße nach Pripren belegene türkische Fort Puka. Derwisch Pascha hat von Skutart Truppen entsendet, um Puka zu entsetzen. Auch von Pripren her sind türkische Truppen im Anmarsche, um die Erhebung der Miriditen zu bewältigen.
— 3. März Die montenegrinischen Abge- ordneten haben den Großvezir und den Minister des Aeußeren besucht. Bei den heute begonnenen Verhandlungen werden von beiden Seiten ver— söhnliche Gesinnungen bekundet. Dem Vernehmen nach würde nach Abschluß des Friedens mit Montenegro ein hoher türkischer Beamter mit einer den europäischen Cabineten betraut werden. Die serbischen Abge— ordneten werden voraussichtlich am Dienstag von hier abreisen.
Serbien. Belgrad, 1. März. Die „Pol. Corr.“ enthält eine Meldung aus Belgrad, wodurch bestätigt wird, daß das Friedens-Instrument die drei Punkte in sich begreift: Status quo ante bellum, allgemeine Amnestie und Rückzug der beiderseitigen Truppen hinter die alten Grenzlinien binnen 12 Tagen. Von Garantien findet sich, wie bereits bekannt, in dem Document keinerlei Erwäbnung.
Rumänien. Bukarest, 1. März. In der Deputirten-Kammer gab der von der Regierung vorgelegte Gesetz-Entwurf über das Staats- Rechnungswesen zu einer lebhaften Debatte Anlaß, bei welcher das Ministerium erklärte, aus der Annahme der Vorlage eine Cabinets-Frage machen zu wollen.
Nußland. Petersburg. Die Nach- richt der„Times“ über eine angebliche Sitzung des Ministerraths unter dem Vorsitze des Kaisers, in welcher beschlossen wäre, nach Abschluß des Friedens zwischen der Türkei und Serbien sowie Montenegro die Armee zu demobilistren, ist durch- weg unbegründet; weder liegt ein solcher Beschluß vor noch fand ein derartiger Ministerrath statt. Conseil- Sitzungen, wie sie in anderen Staaten zur regulären Organisation gehören, sind hier überhaupt nicht herkömmlich und könnten nur in Folge ausnahmsweiser Berufung stattfinden. Ein Staats Ministerium, welches reguläre Sitzungen hielte, existirt in Rußland nicht; das vorhandene Minister-Comite ist etwas anderes und zählt auch andere Personen als die Minister zu Mitgliedern.
— Fürst Gortschakoff theilt in einer an England gerichteten Note mit, Rußland sei bereit, eine halbe Million Streiter marschiren zu lassen. Ein friedlicher Ausweg sei gleichwohl erwünschter. Falls die Großmächte Garantien für die Christen von der Pforte anstrebten, sei Rußland bereit, der Pforte eine Frist zu gewähren, wenn die Mächte im Mißlingungs⸗ Falle zwangswetse die Reform durchzuführen sich verpflichteten.
— Das„XIX. Siöécle“ erfährt, daß General Ignatieff demnächst in Paris eintreffen werde.
— 3. März. Das Wiener Börsen-Gerücht von dem angeblichen Versuch eines Attentats auf den Großfürsten- Thronfolger(worüber nach hier telegraphische Anfrage erfolgte) kann auf das Be- stimmieste als leere Erfindung bezeichnet werden.
grinischen Unterhändler treffen heute Abend hier
Odessa. Von hier schreibt man dem „N. W. Tgbl.“ unterm 22. Febr.: Der Ober-
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