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Aufhebung aller entgegenstehenden Vorschriften die Gerichte der Provinzen Starkenburg und Ober⸗ bessen anzuweisen, die in 8. 38 des Reichs; Gesetzes über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung zugelassenen Bescheinigungen dahin zu ertheilen, daß in Bezug auf die Nach- weisung, Auseinandersetzung oder Sicherstellung des Vermögens ein civilrechtliches Hinderniß dem Ehe-Abschluß nicht im Wege stehe.
Berlin. Gegenüber der Meldung verschiedener Zeitungen von einem angeblichen Gespräche über die deutsche Kirchen ⸗Politik, welches ein bald Friedrich Karl, bald Karl genannter preußzischer Prinz bei einem Diner des Botschafters v. Keudell in Rom am 10. Mai in Gegenwart fremder Diplomaten mit italienischen Ministern geführt haben solle, constatirt der„Reichs Anz.“: Prinz Friedrich Karl habe sich zur angegebenen Zeit nicht in Rom befunden. Prinz Karl habe während seines Aufenthalts in Rom nur einmal in der deutschen Botschaft dinirt, wobei weder ein italienischer Minister, noch ein fremder Diplomat zugegen ge wesen sei. Das Blatt ist überdies in den Stand gesetzt, zu erklären, daß der Prinz Karl weder bei dieser noch bei irgend einer anderen Gelegenheit mit einem activen oder einem früheren italienischen Minister ein Gespräch über den sogenannten Cul⸗ tur⸗Kampf geführt hat.
— Der Kaiser hat seine Abreise nach Ems auf den 17. Juni festgesetzt und gedenkt vorher am 11. und 12. d. die Garde-Cavalerie-Regimenter bei Potsdam und Berlin zu besichtigen. Betreffs der Abreise nach Gastein bleibt es bei den bis- herigen Bestimmungen: danach soll die Ankunft des Kaisers dort in der Mitte des Juli erfolgen.
— Die Mittheilung eines hiesigen Blattes, daß die Anordnung noch weiterer Verstärkungen der Besatzungen in Elsaß⸗Lothringen zu erwarten sei, wird der„Kreuz-Zeitung“ als vollständig grundlos bezeichnet. Ebenso ist die„Nordd. Allg. Ztg.“ in der Lage, auf das Bestimmteste zu versichern, daß durchaus keine weiteren Maß. regeln in Aussicht genommen seien und namentlich auch von einer Inanspruchnahme des Reichstages niemals die Rede gewesen sei.
Ausland.
Oesterreich-⸗ Ungarn. Wien. Nach der„Deutschen Zig.“ soll der Herzog v. Leuchten⸗ berg, der von Petersburg hier eingetroffen ist, mit einer politischen Mission betraut sein.
Frankreich. Paris. Gegenüber den Gerüchten über den Rücktritt des Marschall Mac Mahon schreibt der„Moniteur“: Es sei nicht abzusehen, welche Gründe den Marschall bestimmen könnten, seine wiederholt ausgedrückte Absicht, vor Ablauf seiner Amts Periode im Jahre 1880 nicht zurückzutreten, zu ändern. Nur wenn beide Kammern gegen ihn wären, würde er Anlaß zur Prüfung der Frage haben, ob er seinen Posten aufgeben solle. Uebrigens hofft der„Moniteur“ auf ein günstiges Ergebniß der künftigen Wahlen.
— 1. Juni. Beim Empfang einer Studenten- Deputation erörterte gestern Gambetta die Even— tualität, daß im Falle des Rücktrittes des Marschalls Mae Mahon Thiers als Candidat für das Amt des Präsidenten der Republik aufgestellt würde.
— 2. Juni. In Folge der eingeleiteten Untersuchung über eine von dem Präsidenten des Pariser Gemeinderaths Bonnet⸗Duverdier in einer Versammlung zu St. Denis gehaltene Ansprache ist derselbe gestern Abend verhaftet worden.
— Die Zeitungs⸗Meldung von einer angeblich demnächst anzutretenden Reise des deutschen Bot- schafters Fürsten Hohenlohe nach Kissingen ent- behrt zuverlässigem Vernehmen nach der Begründung.
Belgien. Brüssel, 1. Juni. In der Deputirtenkammer kündigte Frere⸗ Orban für Dienstag eine Interpellation an hinsichtlich der vom hiesigen päpstlichen Nuntius jüngst an frühere päpstliche Zouaven gehaltenen Ansprache.
Holland. Haag, 1. Juni. Der Zustand der Königin ist bedenklich; der König wird heute Vormittag vom Schloß Loo erwartet.
Großbritannien. London, 31. Mai. In der Sitzung des Unterhauses erklärte Bourke
auf Anfrage von Sandford, die Politik Englands hänge völlig von den Umständen ab. England habe aber Grund, zu glauben, daß weder Rußland noch eine andere Macht der Meinung sei, die Friedens ⸗ Bedingungen könnten andere sein, als solche, denen Europa überhaupt zustimmen würde. Die Actenstücke über die Unterredungen Salisburp's mit Decazes und Bismarck könne er nicht vor⸗ legen, weil solche durchaus vertraulicher Natur seien. Im Fortgange der Sitzung richtete Elcho an die Regierung die Frage, ob England auf die Eventualitäten eines Krieges vorbereitet sei. Kriegsminister Hardy erwiederte: Es wäre zweck ⸗ mäßiger gewesen, die Frage zu unterlassen. Da sie aber einmal gestellt sei, müsse er constatiren, daß es die Pflicht der Regierung sei, auf jeden Nothfall sich vorbereitet zu halten; obwohl die Streitkräfte auf dem Friedensfuß geblieben seien, habe die Regierung die möglichen, wie er jedoch hoffe, nicht wahrscheinlichen Eventualitäten nicht außer Acht gelassen.
— 1. Juni. An einer Demonstration zu Ehren Gladstone's in Birmingham nahmen 30,000 Personen Theil. Gladstone hielt eine Rede, in der er die Politik der Regierung angriff, welche das europäische Einvernehmen gestört habe und für den Krieg verantwortlich gemacht werden müsse. Gladstone rechtfertigte die Agitation; er verlangt die Auflösung des Parlaments, damit das Volk beweisen könne, daß es mit den Liberalen sym- pathisire. Redner wandte sich entschieden gegen das von der Pforte befolgte System.
Italien Rom, 1. Juni. Der Papst empfing gestern zahlreiche Pilger.— In dem demnächst abzuhaltenden Consistorium werden die Erzbischöfse von Wien und Agram, sowie ein französischer und ein italienischer Geistlicher zu Cardinälen ernannt werden.— Der Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses, v. Bennigsen, wurde vom Kronprinzen Humbert empfangen und reiste Abends nach Neapel ab.
Türkei. Constantinopel. Die Pforte hat bekannt gegeben, daß sie an verschiedenen Punkten der Dardanellen und der Bay von Smyrna Torpedos zu legen beabsichtige.
— 1. Juni. Mehrere russische Monitors ver— suchten heute Nacht die Einfahrt in die Donau bei Sulina zu forciren, wurden aber nach einem achtstündigen Geschützkampfe mit türkischen Moni⸗ tors und Strandbatterien zurückgewiesen.
— 2. Juni. Der Sultan soll in Folge der Aufregungen schwer erkrankt sein; es sollen Ohn- machten mit Erbrechungen und ein Blutsturz ein⸗ getreten sein. Man halte sein Ableben für wahr— scheinlich.
Serbien. Belgrad. Das Moratorium wurde bis zum 4. Juli ve. längert. Die Skupschtina ist zum 15. Juni einberufen. Als Nachfolger des zurückgetretenen Kriegs Ministers Gruitsch wird Alimpics genannt.— Die hier liegenden öster⸗ reichischen Monitors sollen den Handelsschiffen als Bedeckung dienen.
— Wie verlautet, würde der Fürst den Kaiser von Rußland nicht in Rumänien begrüßen, son- dern sich durch Marinowitsch vertreten lassen. Das Pioniercorps ist bereit, sich nach der türkischen Grenze in Marsch zu setzen. Die Türken haben eine größere Anzahl Truppen nach Trawnik ge- sendet. Es geht das Gerücht von einem bedeu⸗ tenderen Gefecht zwischen den Türken und den Aufständischen bei Livno.
Rumänien. Bukarest, 31. Mai. Der größte Theil der rumänischen Armee ist in der Umgegend von Kalafat concentrirt. Durch das Bombardement von Widdin ist eine türkische, durch Dampf betriebene Militärbäckerei zerstört. Um der von den Türken ausgeführten Donau-Sperre entgegen zu wirken, soll Adakaleh demnächst bom⸗ bardirt werden.
— 1. Juni. In vergangener Nacht fand eine heftige Kanonade an der Sulina- Mündung statt; vermuthet, daß die russische Flotte die Ein⸗ fahrt zu erzwingen suche(s. oben unter Türkei).
— 2. Juni. Die Deputirtenkammer hat mit Einstimmigkeit dem Gesetzentwurf wegen Emission von 30 Millionen Lei Hypothekar⸗Noten, welche
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durch Domänengüter im Werthe von 60 Millionen garantirt werden sollen, ihre Genehmigung ertheilt.
Griechenland. Athen, 30. Mai. Das neue Cabinet ist folgendermaßen gebildet: Kumun⸗ duros, Inneres und Justiz; Zotiropulos, Finanzen; Petimezas, Krieg; Bubulis, Marine; Constostavlos, Aeußeres; Notaros, Unterricht. Die Parteien Trikupis und Delijannis haben dem neuen Cabinette ihre Unterstützung zugesagt.
— 2. Juni. In der Deputirtenkammer wurde vom Minister⸗Präsidenten Kumunduros das Pro⸗ gramm des neuen Cabinets dargelegt; dasselbe umfaßt auch die Verdoppelung des Armeebestandes sowie die Einreihung der Reserven und Freiwilligen, wodurch die Aufnahme einer Anleihe und die Er⸗ höhung der Steuern nothwendig werden würde.
Rußland. Petersburg. Die„Agence Russe“ meldet: Der Fürst von Serbien würde den Kaiser von Rußland in Bukarest begrüßen; eine Begegnung des Letzteren mit dem Kaiser Franz Joseph sei nicht in Frage gekommen.
— 1. Juni. Das Telegramm der türkischen Regierung vom 31. Mai über die Wiedereinnahme Ardahans ist augenscheinlich unrichtig, da vom heutigen Tage datirte Telegramme aus Tiflis nichts davon erwähnen.
— 1. Juni. Aus Tiflis vom 31. Mai wird gemeldet: Am frühen Morgen des 29. Mai be⸗ wegte sich türkische Cavalerie von Saganlug nach Kars zu. General Loris Melikoff schickte am selbigen Tage Abends eine starke Colonne unter dem Befehl des Generals Fürsten Tschwatschanwadse nach Ardas. Nahe bei Begli wurden die Türken von drei Seiten zugleich angegriffen und gänzlich geschlagen. Die Russen erbeuteten 2 Berggeschütze, 4 Munitionskarren, 2 Feldzeichen und machten viele Gefangene, darunter einen Stabsoffizier der regulären Truppen. Der russische Verlust belief sich auf 6 Todte und 30 Verwundete, der türkische allein an Todten über 100. Im Handgemenge that sich namentlich das Nischnei-Nowgorod'sche Regiment hervor.
— Fürst Gortschakoff hat die Botschafter Nowikoff, Oubril und Schuwaloff zu einer Be⸗ rathung über die Mitwirkung der Mächte am Friedenswerk berufen. Eine Verständigung zwischen England und Rußland ist angebahnt. Der Krieg wird vorläufig weitergeführt. Ueber die Zukunft der Türkei soll cin europäischer Congreß entschei⸗ den. Es ist das Project aufgetaucht, Constantinopel unter den Gesammtschutz Europas zu stellen, die Dardanellenschlösser zu sprengen und das Schwarze Meer für frei zu erklären.
Aegypten. Kairo, 1. Juni. Durch Berichte aus Khartum wird das seit einigen Tagen circulirende Gerücht von einer Revolution in Darfur bestätigt; Gordon Pascha wird sich demnächst in die aufständischen Districte begeben.
Amerika. Washington, 2. Juni. Die Schwierigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und Mexico, herbeigeführt durch die dem ameri⸗ kanischen Consal in Acapulco am 5. März zuge⸗ fügte Unbill, werden auf eine beide Staaten be⸗ friedigende Weise erledigt werden.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Der„Mainzer Anzeiger“ bringt folgende beherzigenswerthe, auch für den hiesigen und andere Plätze äußerst zuireffende Rüge:„Das Beschmieren und Ver⸗ kratzen der Häuser durch Straßenschlingel ist der Gegen⸗ stand fortwährender Klagen. Alle Häuser, die eine saubere Oberfläche im Bereich der frevelnden Hände bieten, müssen sehr bald die Merkmale der Thätigkeit dieser letzteren tragen. Kaum ist die Tüncherfarbe trocken, so erscheint auch sofort irgend ein Strick und ruinirt den Anstrich so weit er kann. Die Klagen sind alt und es fragt sich nur, was dagegen geschehen kann. Man spricht von den Lehrern, daß diese einwirken sollen, das möge auch geschehen; aber vor allen Dingen sollien sich die Eltern merken, daß sie gesetzlich haftbar für den Frevel ihrer lieven Kleinen sind und zum Ersatz angehalten werden können.
Gießen, 29. Mai. In der heungen Sitzung des Hofgerichts der Provinz Oberhessen wurden die Haupt⸗ Geschworenen für das Schwurgericht vom III. Quartal, dessen Sitzunzen Montag den 2. Juli d. J., Vormitlags 9 Uhr, unter dem Vorsitz des Hofgerichts⸗Ratbs Weyland bezinnen, in folgender Reihenfolge ausgelsost: 1) Karl Chbrißtan Hanner, Weinhändler in Büdingen. 2) Georg Ferdinand Gail, Fabrikant in Gießen. 3) Johannes Blitz, Commissionäx daselbst. 4) Freiberr Ado ph von Harnier in Echzell. 5) Friedrich Koch, Gutsbesitzer in Stockgeim.


