Ausgabe 
5.4.1877
 
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Tochter des Kronprinzen, Prinzessin Charlotte, mit dem Erbprinzen von Meiningen stattgefunden.

Fürst Bismarck wird demnächst seinen schon seit einiger Zeit in Aussicht genommenen längeren Urlaub antreten. Ueber seine Vertretung während desselben ist noch keine definitive Bestimmung ge⸗ troffen; wahrscheinlich übernimmt Staats- Secretär v. Bülow die Vertretung in den äußeren und Minister Campbausen in den inneren Angelegenheiten.

Cöln. Der Cölner altkatholische Localverein hat in einer Versammlung die Cölibats- Frage zur Sprache gebracht. Man constatirte, daß ziem- lich allgemein das Zwangs⸗Cölibat als verwerflich bezeichnet wird, dagegen variiren die Ansichten über den Zeitpunkt der Aufhebung. Vorläufig wird man diese Frage auf sich beruhen lassen, da ein bezüglicher Antrag auf der nächsten Synode zu Carlsruhe gestellt wird.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. Das Oberlandes-Gericht hat dem Recurse der Süd- bahn⸗Gesellschaft gegen die Seitens des Handels- Gerichts verfügte Bestellung eines Curators für die 3proc. Prioritäten Berücksichtigung zu Theil werden lassen und die Bestellung des Curators aufgehoben, da es sich hier nicht um ein gemein schaftliches Recht handle, zu dessen Geltendmachung ein Curator erforderlich sei, vielmehr jeder einzelne Prioritäten⸗Besitzer Klage anstellen könne.

Hiesige Nachrichten melden, England habe dem Grafen Andrasss mitgetheilt, es bestehe ein geheimer russisch-italienischer Vertrag, worin auch von der Abtretung Welsch-Tyrols die Rede sei. Als Gegenpreis sei Italiens Eintritt in ein anti österreichisches Bündniß bedungen.

DiePol. Corr. meldet über die österreich⸗ ischen Staatsfinanzen Folgendes: das Ergebniß der directen und indirecten Steuern per 1876 ist gegen- über dem Präliminare günstiger um fl. 7,249,000. In den Monaten Januar und Februar gingen an directen und indirecten Steuern um fl. 1,761,000 mehr ein als in der gleichen Periode des vorigen Jahres. Das Consortium Boden-Creditanstalt, Bankverein und Anglo-Bank haben die Option auf den Rest von 30 Millionen Gold-Rente ausgeübt und bereits den entsprechenden Betrag an die Staats-Casse abgeliefert.

Frankreich. Paris. Der Antrag, wo nach die Amortisations Quote von jährlich 150 Mill. Francs behufs Rückzahlung der Schuld des Staates an die Bank von Frankreich herab- gesetzt werden soll, ist von der Budget⸗Commission der Deputirten-Kammer abgelehnt worden.

Marseille, 3. April. Midhat Pascha ist auf der Durchreise nach Spanien hier eingetroffen.

Dänemark. Kopenhagen, 31. März. Bezüglich des Budgets wurde im Volksthing jede Discussion abgelehnt, obwohl der Conseils-Präsident das Wort verlangt hatte. Demnach ist das Budget nicht zu Stande gekommen. Die Reichstage- Session ist verlängert worden.

Großbritannien. London. Das Ver- bot der Vieh Einfuhr ist auch auf die Pro- venienzen von Holland und Belgien ausgedehnt.

Der seitherige Gesandte in Madrid, Layard, ist provisorisch während der Abwesenheit Elliot's mit der Leitung der Botschaft in Constantinopel betraut worden.

1. April. Nach hiesigen Meldungen hat die Unterzeichnung des Protokolls gestern dahier stattgefunden. Die Notification desselben an die Pforte wird alsbald erfolgen. Nach Unterzeichnung des Protokolls durch die Vertreter der sechs Groß- mächte fand eine Besprechung der hier accteditirten Botschafter der Mächte im Hotel der französischen Botschaft statt.

Die Einnahme des Staates in dem Etats⸗ jahre 1876 auf 1877 betragen 78,565,036 L. und übersteigen damit den Voranschlag um 153,036 L., die Einnahmen des vorigen Jahres um 1,433,343 L. DerTimes zufolge dürften die Staats-Einnahmen des soeben abgelaufenen Finanz⸗Jahres durch die Staats Ausgaben um nahezu 1 Mill. Estrl. überschritten werden.

30. März. Layard geht einstweilen mit dem Range eines außerordentlichen Gesandten nach

stellen auf das Bestimmteste in Abrede, daß das

des Aeußern Savfet Pascha.

Constantinopel; seine Entsendung wird mit den bezüglich des Protokolls an Rußland gemachten Zu- geständnissen in Verbindung gebracht. Das Pro- tokoll soll als Unterlage für Layard's Auftreten in Constantinopel dienen, ohne Rußlands Ver- hältniß zur Türkei wesentlich zu ändern. Italien. Rom. Die klerikalen Blätter

jüngst veröffentlichte Circular des Cardinal-Staats- Secretärs Simeonis an die Bischöfe existire.

Türkei. Constantinopel, 28. März. Die Kammer hat gestern in nicht öffentlicher Sitzung die Adresse als Antwort auf die Thron- rede beralhen. In derselben wird absolut jede Einmischung des Auslands in die inneren Ange legenheiten der Türkei zurückgewiesen und die Hoffnung ausgesprochen, daß Serbien wegen des ihm gewährten Friedens dankbar sein werde. Ueber den die Verhandlungen mit Montenegro betreffenden Punkt ist die Berathung auf morgen vertagt worden.

29. März. In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer sprachen mehrere Abgeordnete gegen jede Gebiets- Abtretung an Montenegro. Ein darauf bezüglicher Passus wird in die Thron Adresse aufgenommen. Die montenegrinischen Abgesandten werden Samstag nicht abreisen; die Wiederaufnahme der Verhandlungen ist jedoch nicht wahrscheinlich, da kein Theil Zugeständnisse machen will.

31. März. Die montenegrinischen Delegirten hatten heute eine Unterredung mit dem Minister Die Montenegriner halten ihre zuletzt gestellten Forderungen aufrecht. Sapfet Pascha erklärt, die Pforte werde demnächst definitiven Beschluß fassen und ihn den Delegirten bekannt geben. Die Unterzeichnung des Londoner Protokolls macht ein Einverständniß weniger un- wahrscheinlich. Der Generalissimus Abdul Kerim Pascha wird unverzüglich zur Inspieirung der Donau-Armee abreisen. Es wird versichert, Sadullah Bey werde zum Botschafter in Berlin ernannt werden. General Klapka ist abgereist.

Wie bestimmt versichert wird, soll Ali Pascha die vertrauliche Weisung erhalten haben, alle vorbereitenden Maßnahmen für eine eventuelle Ueberstiedelung der Tscherkessen aus der Provinz Bulgarien nach Kleinasten zu treffen. In diesem Vilajet sind bei 60,000 Tscherkessen angesiedelt worden, die selbst in ruhigen Zeiten der Regierung genug zu schaffen gaben. Das Gros dieser un ruhigen, jede Arbeit scheuenden, stets zum Raube geneigten Bevölkerung soll auf Staatskosten nach wenig bevölkerten Gegenden in Asien auswandern.

Nach Pariser Nachrichten derIndepen dance stellen Depeschen von hier und von London den Beitritt der Pforte zum Protokoll in Aussicht. Rußland soll für diesen Fall England gegenüber die förderlichste Entwaffnung zugesagt haben.

3. April. Der heute stattgefundene außer ordentliche Ministerrath befaßte sich mit der Prüf ung der Lage, wie sich dieselbe in Folge der Unterzeichnung des Protokolles Seitens der Mächte ergibt, doch wurde kein definitiver Beschluß ge- faßt. Was speciell die Entsendung eines Dele girten nach Petersburg behufs Discussion der Abrüstungs-Frage betrifft, so erwartet die Pforte vor Beschlußfassung darüber die vorherige officielle Mittheilung des Protokolls. Wie verlautet, sollen sich die montenegrinischen Delegirten mit Abtretung eines Theils des Districts Niksie zufrieden geben.

Rumänien. Bukarest, 29. März. Im Senat interpellirte Apostoleam die Regierung über die Finanzlage. Sein Antrag auf ein Tadels- Votum wurde abgelehnt.

2. April. Die Deputirtenkammer hat mit 49 gegen 17 Stimmen die Versetzung des ehe⸗ maligen Ministers Boerescu in den Anklage stand beschlossen. Fünf Mitglieder der mit Ver folgung der Anklage gegen die ehemaligen Minister betrauten Commission sind aus der derselben aus- geschieden. Nach ihrer Wiederergänzung wird die Commission die Anflage vor dem Cassations- hof vertreten.

Griechenland. Athen, 29. März. Die

von 20,000 Mann angenommen.

29. März. den Gesetz⸗Entwurf betreffend die Aufnahme von zehn Millionen Drachmen für militärische Zwecke, in dritter Berathung angenommen, worauf der Minister⸗Präsident Deligeorgis die Session für geschlossen erklärte.

Rußland. Petersburg, 29. März. DieWiener Abendpost schreibt, Rußland werde nach Eintreffen Ignatieff's in Petersburg weitere Eröffnungen in London machen; bis dahin sei Stillstand der Situation. Andere Blätter erwarten

Inzwischen hat der Obercommandant der Pontus⸗ Flotte, Admiral Arkaß, die Kriegs- Bereitschaft sämmtlicher Kriegs⸗Fahrzeuge angeordnet.

29. März. Auf die kategorische Auf⸗ forderung des russischen Cabinets an die englische Regierung, binnen fünf Tagen ihre Antwort be züglich der Protokoll Frage zu ertheilen, hat der gestern stattgehabte Ministerrath in London seine Geneigtheit ausgesprochen, das Protokoll unter Acceptirung der russischen Fassung zu signiren und die Abrüstungs⸗Frage fallen zu lassen.

Nach Privatnachrichten wäre der Stand der Dinge in der Abrüstungsfrage folgender: Rußland habe sich bereit erklärt, zur Abrüstung zu schreiten, sobald die Pforte mit Montenegro Frieden geschlossen und ihrerseits das Protololl acceptirt haben werde; zur Vereinbarung über die Demobillsirungs⸗Angelegenheit solle dann von der Pforte ein Abgesandter nach Petersburg geschickt werden. Weitere Nebenverabredungen zwischen England und Rußland würden nicht in das Protokoll aufgenommen, sondern einem besonderen Memo- randum einverleibt werden.

Amerika. New⸗Nork, 29. März. Der Consul der Vereinigten Staaten in Acapulco (Mexico), welcher gegen die Mißhandlung eines nordamerikanischen Bürgers Vorstellungen erhoben hatte, wurde am 5. März auf der Straße durch Soldaten verhaftet und in's Gefängniß geführt.

Washington, 3. April. Wie dem Reuter- schen Büreau von hier telegraphirt wird, hatte die Regierung die Bundes Truppen angewiesen, das Staats-Gebäude zu Columbia in Süd⸗Carolina zu räumen. Auf Wunsch des republikanischen Gouverneurs von Süd-Carolina, Chamberlain, hat jedoch der Präsident Hayes die Zurückberufung der Bundes-Truppen bis auf Weiteres verschoben. Chamberlain motivirt sein Gesuch mit dem Hin weis auf die schwere Schädigung, welche den Republikanern hiedurch widerfahren würde, da dieselben keine weiteren Mittel hätten, den Demo⸗ kraten zu widerstehen.

Im Monat März hat sich die Bundes- Schuld um 14,107,000 Doll. vermindert, mit Inbegriff von 9,554,000 Doll. annullirter Bonds, welche behufs der nach dem Genfer Vertrage zu leisten⸗ den Entschädigung ausgegeben waren. Im Bundes- Schatz befinden sich gegenwärtig 68,818,000 Doll. in Gold und 8,175,000 Doll. in Papiergeld.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Der Reichskanzler Fürst Bismarck wurde an seinem Geburtstag(1. April) von in der Restau sation Weihl versammelten hiesigen Bürgern per Telegramm be⸗ glückwünscht.

Dorheim, 31. März. Vor einigen Tagen ereignete sich hier ein dunkeler Fall von Vergiftung, der unseren Ort und die nächste Umgegend in einiger Aufregung er⸗ hält. Ein Baumwärter S. bier, der mit einem Melbacher Mädchen versprochen war, ist oder hat sich vergiftet. Die Braut wohnte seit Kurzem in dem Hause, soll aber mit dem Bruder des Vergisteten ein Verhäliniß unterhalten haben. Eine Vergiftung liegt nach den Angaben des Gerichtsarztes vor. Die Hraut und der Bruder sollen nun den S. vergiftet haben; Beide sind verhaftet. Der

Vergiflete starb gestern Abend. Nach anderen Angaben liegt auch die Möglichkeit vor, daß S. sich selbst vergiftete. Die eingeleitete Untersuchung wird wohl das Nähere zu Tage fördern.

Darmstadt, 28. März. Gestern wurde im Ober⸗ feld das eiwa 6jährige Töchterchen eines Dienstmanns

glaubliche Weise mißbraucht.

Deputirtenkammer hat den Gesetz⸗Entwurf wegen

auf der Mathildenhöhe betheiligt sei, sind wir heute n

Aufstellung einer außerordentlichen Armee ⸗Reserv⸗

Die Deputirten⸗ Kammer hat

eine durchaus ernste Entscheidung; die rasche Ab⸗ reise Ignatieff's von Berlin wird schlimm gedeutet.

von einem bis jetzt noch nicht ermittelten Kerl auf kaum

Darmstad t. Die aus Dieburg gemeldete Verhaftung eines gewissen Löffler, welcher an dem Einbruchdiebstahk