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Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wie n. Am vorigen Donnerstag hat man auf dem Nordbahn⸗ hofe zu Wien vier nach Rzezow in Galizien be stimmt gewesene Kisten mit Beschlag belegt, weil dieselben anstatt des deklarirten Stärke Mehles Patronen für Hinterladergewehre enthielten. Der Aufgeber der Kisten ist ein Wiener Kaufmann, der bereits von der Behörde vernommen worden ist.
Pest, 30. October. Die hier eingetroffenen österreichischen Minister haben bereits mehrmals mit den ungarischen Ministern conferirt. Die österreichische Regierung steht auf dem Standpunkt des autonomen Zolltarifs. Die ungarische Re— gierung dürfte diesem Standpunkte nur gegen anderweitige Compensationen Concessionen machen.
Frankreich. Paris, 29. October. Die Fraclions Vorstände sämmtlicher Gruppen der Linken des Senats und der letzten Kammer be— riethen gestern gemeinsam, um über ein letztes Manifest Beschluß zu fassen, welches genau die Forderungen der republikanischen Majorität ent- hält. Der„Francais“ stellt in Abrede, daß die Majorität des Senats sich auflösen und die Sache der Regierung aufgeben wolle.
— 29. Oet. Bei den gestern stattgehabten Stichwahlen zur Deputirtenkammer siegten 11 con- servative und 4 republikanische Candidaten; im Ganzen umfaßt nunmehr die Kammer 320 Repu⸗ blikaner und 210 Conservative.
— 29. Oct. Der„Temps“ spricht die An- sicht aus, der Marschall⸗Präsident sei zu der Er⸗ kenntniß gelangt, daß die Lage gebieterisch eine Aenderung seiner Politik erheische. Die einzige Frage sei, ob der Marschall selbst diese Aenderung vollziehe oder solches Anderen überlasse.
Italien. Rom. Der„Corriere d'Italia“ dementirt entschieden die Nachricht eines Wiener Blattes, daß die Pforte eine Beschwerdenote an das italienische Cabinet wegen angeblicher Intriguen italienischer Agenten in den slavischen Provinzen gerichtet habe.
dern hatte selbst keine Veranlassung, diesbezügliche Bemerkungen zu machen.
Türkei. Constantinopel. Suleiman Pascha meldet vom 27. Oct.: Das Artillerie- und Gewehr-Feuer zwischen den auf der Insel Saba vor Silistria aufgestellten türkischen Truppen und den am anderen Donau-⸗Ufer befindlichen Russen dauert fort; die dabei erwachsenden Ver⸗ luste sind unbedeutend.— Reuf Pascha meldet vom 27. Oct.: Die Artillerie- und Infanterie— Kämpfe dauern auf allen Punkten fort.
— Nihad Pascha(vormals Billinski) ist zum Chef des Generalstabes der Armee von Schumla ernannt.
— Chefket Pascha berichtet aus Orkhanie vom 27. Oct.: Die Russen zündeten Gradischnitza an, wurden aber von den Türken zurückgewiesen. Am 26. October fand auf der Straße von Orkhanie nach Plewna ein Zusammenstoß statt. Slatitza wurde von den Russen besetzt.
— 29. Oct. Amtlich: Suleiman Pascha ist gestern nach Rasgrad zurückgekehrt und hat die Garnison von Bajardschik verstärken, auch gegen- über voraussichtlichen Angriffen von der Dobrud scha her Vertheidigungs⸗ Werke errichten lassen. In den Rasgrad umgebenden Ortschaften wurden Ca- valerie Vorposten stationirt.
— 28. Oct. Den letzten Nachrichten zufolge hat die Vereinigung Ismail Pascha's und Mukhtar Pascha's heute stattgefunden. Ismail Pascha traf am 27. October nach mehreren Scharmützeln, namentlich bei Delibaba, in Köpriköi ein, Mukhtar Pascha's Gesammt- Armee steht in Getschesur, in der Umgebung von Zewin.— Das Bombardement von Kars dauert fort.— Die Besetzung Penneks durch die Russen wird bestätigt.
— Derwisch Pascha meldet aus Batum vom
26. Oct.: Die bei Batum stehenden Russen wur- n.
den durch vier Bataillone und mehrere Batterien verstärkt.— Mukhtar Pascha telegraphirt am
27. Oct. aus Köpriköi: Die Russen haben bei dem drei Stunden von hier entfernten Azapkibi ein Lager bezogen.
Das Blatt sagt: Die Pforte hat hierüber nicht bloß keine Beschwerde geführt, son⸗
Rußland. Petersburg. Amtlich aus Bogot vom 29. d.: Gestern umzingelten die Gardetruppen unter General Gurko die befestigte Position der Türken bei Telisch auf der Chaussee nach Sofia und eröffneten ein Bombardement aus 72 Geschützen. Nachdem das Bombardement zwei Stunden gedauert, capitulirte die Garnison von Telisch und streckte die Waffen; dieselbe wurde von Ismail Chaki Pascha befehligt und hatte eine Stärke von 7 Tabors nebst 3 Geschützen. Etwa 300 Mann sind entflohen; die übrigen, darunter der genannte Pascha und über 100 Offiziere, be- finden sich vorläufig in der Redoute bei Gorni- Dubniak, sollen jedoch freigelassen werden; nur Ismail Chaki Pascha und einige andere Offiziere zogen es vor, in der Gefangenschaft zu verbleiben.
— Aus Igdyr wird gemeldet: In der Nacht vom 19. auf den 20. Oct, verließ die Arriére-⸗ Garde Ismail Pascha's unbemerkt ihre Positionen. Vor ihrem Rückzuge verbrannten die Türken 240 Patronenkasten. Drei Kosaken-Sotnien und zwei Escadrons Dragoner jagten dem Feinde nach, überschritten die Grenze und stießen bei dem Missuna⸗Passe auf einige Hundert Mann türkische Cavalerie, welche sich eilig in die Berge auf der Straße nach Diadin zurückzogen. Später erhielten neue Truppen Geschütz- Feuer von den Missuna Höhen, welches unsererseits nicht erwiedert wurde, da keine Artillerie mitgenommen worden war. In der Nacht verzog sich auch dieser Theil der türkischen Truppen.— Ferner wird gemeldet, daß drei Colonnen der Eriwan Abtheilung Ismail Pascha nachrückten und dessen frühere Positionen bei Tschersala besetzten. Die Nachhut Ismail Pascha's eröffnete von den Höhen von Alikotschak ein Artilleriefeuer, besonders gegen die Colonne des Generals Dewel. Die Dunkelheit und der Nebel verhinderten General Dewel, den Feind von der rechten Flanke zu umgehen.
— Officiell.. Das Detachement des Generals Tergukassoff, welches seit dem 18. d. sich zur Ver⸗ folgung des gegen Erzerum zurückgehenden Ismail Pascha in Marsch gesetzt hatte, befand sich am 25. bei Karakilissa in Sicht der türkischen Nach- hut. Mit ihrer Hauptkraft zogen sich die Türken am 25. nach Seidekan zurück. Von dem Gros des operirenden russischen Corps wurde am 22. d. aus Tikma ein besonderes Detachement unter Ge— neral Heimann hinter den Saganlugh nach Köpriköi in Khorassan dirigirt. General Heimann hat sich
am 29. d. mit General Tergukassoff vereinigt.
Beide setzen die Verfolgung Ismail Hakki Pascha's fort und haben bei Hassankaleh ein Bivouae bezogen.
Amerika. New Nork. Zum Gesandten der Vereinigten Staaten in Petersburg wurde Sloughton ernannt.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Der Frauenverein der Gustav Adolpf Stiftung beabsichtigt, Sonntag den 11. November zum Besten des Vereins eine Abendunterhaltung mit Tableaux zu veranstalten. Da die besten hiesigen musikalischen Kräfte, sowie die beliebte Sängerin Frau Freund aus Salzhausen ihre Mitwirkung zugesagt haben, so wollen wir nicht versäumen einstweilen auf diesen gewiß sehr genußreichen Abend aufmerksam zu machen. Das Programm wird das
Nähere besagen.
Bönstadt, 29. Oct. Heute Morgen verunglückte in einer Sandgrube ein hiesiger Einwohner. Trotzdem der Einsturz der durch den Regen der letzten Tage gelockerten Erdmasse zu befürchten stand, wagte sich der Mann, ein Familienvatee, dennoch in die Grube und mußte seinen Leichisinn mit dem Tode büßen.
Mainz. Eine Mama entdeckte vor einigen Tagen in dem Arbeitslischchen ihres dreizehnjährigen Töchterchens eine interessante Cocrespondenz mit einem fünszehnjährigen Bürschchen, welche darin gipfelt, daß sothanes Bücschchen am nächsten Montag mit der geliebten„Dreizehnjährigen“ und aller beweglichen Habe durchbrennen wollte und zwar
in das Land der Tulkomanen, wo der„Fünfzehnjährige“
Pascha von drei Roßschweisen werden wollte. Pflänzchen!
Handel und Verkehr.
Friedberg, 30. Oet. Waizen M. 23.—. Korn 17.50. Gerste M. 18.50. Hafer M. 14.50.— 18. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.
Gießen, 30. Oet. Wochenmarkt. Butter per Pfund 90—95 Pf., Eier per Stück 7 Pf., Tauben das Paar 54 Pf., Hühner per Stück 90 Pf., Hahnen per Stück 60 Pf., Enten per Stück 1 M. 40 Pf., Kartoffeln
Zwei nette
100 Kilo 7 M.
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flau und blieb Vieles unverkauft. Angetrieben waren; 330 Ochsen, 250 Kühe und Rinder, 130 Kälber und 400 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 70-74. 2. Qual. M. 65-68. 1. Qual. M. 60., 2. Qual. M. 54— 56. Kälber 1. Qual. M. 62—64., 2. Oual. M. 50-54. Hämmel 1. Qual. M. 50 55. 2. Qual. M. 42—45. Schweine das Pfund 65—68 Pf. Frankfurt, 29. Oet. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 42., Nr. 2 M. 38., Nr. 3 M. 34., Nr. 4 M. 30., Nr. 5 M. 24. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 25., do. II.(Berliner Marke) M. 21. Waizen ab Bahnhof hier M. 23—24.50., ab unserer Umgegend M. 22— 23.50. fremder je nach Qual. M. 23— 25.50. Korn M. 17.—
bis 18.50. Gerste M. 18—24. Hafer M. 13—17. Kohlsamen M. 36—37. Erbsen M. 2124. Wicken M. 17.—. Linsen M. 21— 30. Rüböl M. 83.—.
Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zoll⸗ gewicht 100 Kilo.
Mainz, 29. Oct. Produeten-Markt. Weizen per Nov. 22.40. Korn pr. Nov. 15.40. Hafer pr. Nov. 15.30. Rüböl pr. Oet. 40.20.
D. Frankfurt a. M., 30. October. Das Haupt⸗ interesse der Börse concentrirte sich heute auf die Ultimo⸗ liquidation, die sich unter etwas schwierigeren Geldverhält⸗ nissen, als sie bisher obwalteten, vollzog. Creditactien wiesen einen kleinen Report auf, während Siastsbahnactien übrig waren. Was die Tendenz betrifft, so kann dieselbe im Allgemeinen als fest bezeichnet werden, das Geschäft blieb jedoch in sehr enge Grenzen gebannt, in Folge dessen von einer Weiterentwicklung der Besserung keine Rede sein konnte. Die günstige Disposition, welche Wien in der Vorbörse zeigte, sand hier wenig Wiederhall, indem der
das Gros der Speculalion überhaupt keine Lust zu haben scheint, vor entscheidenden Ekeignissen auf dem Kriegs⸗ schauplatz, die in der nächsten Zeit erwartet werden, sich umfassender zu engagiren. Creditactien bewegten sich zwischen 180/— 181- 180½— ½, und 1805⅜, Staats⸗ bahnactien zwischen 222-/ und 222. Lombaroen notirten 60/. Von ausländischen Staatsfonds wurden österr. Renten zu behaupteten Coursen umgesetzt. Ungar. Schatz⸗ bons hielten sich fest. Oesterr. Prioriläten preishaltend. Oesterr. Bahnen sind wenig verändert. Elisabeth hoben sich ½ fl., Galizier gaben ½ U fl. nach. Banken sehr still. Deulsche Handelsgesellschaft, deulsche Vereinsbank Meininger und Oesterr. Nationalbank zogen eiwas im Course an. Von Wechseln Amsterdam, London und Paris theurer, Wien schwächer. Privatdisconto 4%.
Landwirthschaftliches und Gewerbliches.
Zur Kenniniß des Hartglases. Luynes und Feil bestäligen, daß das Zerbrechen von Blöcken und Scheiben des gehärteten Glases so verschieden sie auch in der Form und Größe sein mögen, Analogien mif dem Zerbrechen der Glasihränen zeigt. Im allgemeinen ge⸗ lungt es nicht Hariglas mit Säge, Bohrer oder Feile zu bearbeiten, ohne daß es nach Art der Glasthränen zer⸗ springt. Eine Scheibe kann jedoch in ihrem Mittelpunkte durchbohrt werden, ohne zu zerbrechen; sie zerspringt da⸗ gegen, wenn man sie an irgend einem anderen Punkte durchbohrt. Eine gehärtete quadratische Spiegelscheibe von Saint-Gobain zeigt im polarisicten Lichte ein schwarzes Kreuz, dessen Arme parallel den Seiten des Quadrales sind. Nach diesen Richtungen kann die Platte zersägt werden, ohne zu zerspringen; außerhalb dieser Linien ge⸗ lingt es jedoch nicht, dieselbe ohne Bruch zu zersägen oder zu durchbohren.
Brauner Ocker. Wird ein Gemenge von 110 Theilen gelben Ocker und 5 Theilen Kochsalz lange Zeit der Kusch⸗ rolhgluth ausgesetzt, so erhält man eine schöne braune Farbe. Das Erhitzen des Gemisches geschieht am besten in einer verschlossenen gußeisernen Relorte, welche so ein⸗ m ist, daß man den Ingalt hin und her schwenken unn. großen Einfluß auf die Nüance der Farbe. Der so er⸗ haltene braune Ocker eignet sich vortrefflich zum Anstreichen
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wo die Mineralien, welche sonst braune Farbe liefern, fehlen. Die Kosten der Fabrikation belaufen sich auf etwa 3 Mark für 100 Kilo Ocker.
Plötzliches Springen von Gläsern von Ed. Hagenbach. Bekanntlich kommt es öfter vor, daß Gegen⸗ stände aus Glas plötzlich springen, ohne daß die Ursache zu Tage tritt. Man nimmt wohl allgemein an, daß solche Gläser in Folge schneller Abkühlung in einen inner⸗ lich gespannten Zustand kamen, dem ähnlich, welchen wir bei den sogenannten Bologneserflaschen und Glas thränen beobachten, daß dann vielleicht ein Quarzkorn dieselben ritzte, und später bei geringer Einwirkung der Temperatur⸗ änderung oder Erschütterung das Springen eintrat. Da wir seit der Entdeckung der entoplischen Farben durch Seebeck diesen gespannten Zustand im polarisirten Lichle erkennen können, so müssen, wenn diese Annahme richlig ist, auch solche Gläser Farben im polarisirten Lichte zeigen. Dies ist nun auch wirklich der Fall, wie sich Versasser durch die Beobachtung bei einem Trinkglas und einer Glasschale überzeugt hat, die beide von selbst sprangen; besonders die letztere zeigt die Farben sehr deutlich und lebhafl. Es wurden zur Controle eine große Zahl anderer ähnlicher Glaswaaren, theilweise auch aus dickem Glas, in polarisirtem Lichte untersucht und nur in einigen wenigen Fällen schwache Spuren von Farben erkannt. Es möchte
diejenigen auszuscheiden, welche deutliche Farben zeigen.
Kühe und Rinder.
Berliner Platz eine äußerst lustlose Haltung bekundete und
von Gebäuden; kann überhaupt da gute Dienste leisten,
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Frankfurt, 29. Oet. Der heutige Viehmarkt war
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Die Dauer des Erhitzens und des Abkühlens hat
vielleicht beim Ankauf von Glas nicht ganz unpraktisch sein, 2 die einzelnen Stücke im polarisirten Lichte zu untersuchen und
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