Ausgabe 
29.7.1876
 
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diesen Zeitpunkt hinaus fortsetzt, so verschwindet bekanntlich das Hungergefühl wieder, wahrscheinlich in Folge einer toxischen(giftigen) Einwirkung der Zerfallsioffe der Eiweißkörper auf die Nerven, und das ist dann ein Zeichen, daß die Gewebs zerstörung begonnen hat. Für die Kinderarbeit ist wichtig zu wissen, daß das Kind rascher und öster hungrig wird, als der Erwachsene, deshalb darf es nicht behandelt werden wie letzerer, es verlangt östere Ruhepausen und mehr Mahlzeiten.

3. Frage:Sind von einer vorzugsweisen Entwicklung(Weiterbildung) angeborener besonderer Vollkommenheit einzelner Organe Behufs höherer Qualifikation für gewisse Berufsarten vermittelst vorzugsweiser Uebung dieser Organe unbedingt All- Gesundheitsstörungen zu erwarten? Mit anderen Worten:Empfiehlt fich vom Standpunkte der Naturwissenschaft aus mehr die specifische Aus⸗ bildung der angeborenen Constitution oder die All⸗ gemeinbildung(Anstrebung eines gewissen Normal gleichgewichtes)?

Die Gesundheit eines Menschen ist viel weniger abhängig von der Beschaffenheit seiner nach außen bin für den Beruf arbeitenden Organe, d. h. des Bewegungs- und Sinnesapparates, als vielmehr von der Leistungsfähigkeit der drei innerlichen Hilfsmechanismen: Athmungsapparat, Kreislauf- apparat, Verdauungs- und Absondersrungsapparat. In dieser Beziehung besteht nun unter den ver schiedenen Arten von Berufsarbeit ein Gegensatz, der so zu formuliren ist: Ist mit der Berufsarbeit eine solche körperliche Anstrengung verbunden, daß regelmäßig die Erscheinungen des Echauffements (Steigerung der Körperwärme, gesteigerter Herz: schlag, rascheres Athmen, Schweißausbruch und verstärkter Appetit) auftreten, so ist sie unbedingt gesund, und zwar für jedes Alter; natürlich unter den obigen Voraussetzungen. Alle Berufsarbeit dagegen, welche solche Anstrengungen nicht mit sich bringt, also da, was man gemeinhin die sitzende Beschäftigung nennt, wirkt nicht ausbildend auf die genannten Hilfsapparate, und schädigt deshalb die Gesundheit, namentlich aber die der Kinder. Hier muß die Wissenschaft ein Correktiv verlangen, welches fich die Entwicklung der genannten Hilfs- maschinen des Körpers zur Aufgabe stellt. Dieses

sitzen in geschlossenen Räumen erforden, die kägliche, womöglich im Freien vorzunehmende, nicht der Willkür des Einzelnen zu überlassende, sondern obligate und sachverständig gehandhabte Körper- bewegung als Correktiv anwendet. Dieses ist unerläßlich, sofern der Gesundheits zustand normal bleiben sol; 5) hätte jegliche die Kinderarbeit regelnde Vorschrist auch darauf Bedacht zu nehmen, daß die bessere Ernährung der Kinder sicher ge⸗ stellt wird. Oben sagte ich, daß nicht jede Sorte von Turnen das richtige Correktiv gegen die schäd; lichen Einwirkungen der sitzenden Berufsarten sei. Leitend sind hierbei zwei Gesichtspunkte: 1) Der hygienische; dieser verlangt: daß das Turnen sich die Schulung der Athmungs- und Kreislausorgane zum obersten Ziel setze, und den allseitigen Ge⸗ brauch der Muskeln nur als Mittel zu diesem Zweck, nicht als Selbstzweck betrachte. 2) Der nationalökonomische; dieser verlangt: zweierlei: a) daß das Turnen nicht Kraftturnen, sondern Geschwindigkeitsturnen ist, denn der wichtigste Faktor bei der Arbeit ist die Schnelligkeit derselben, und diese bedarf auch Seitens der oben genanuten Oeganne und Seitens der Nervenleitung eine Nachhilfe, welche das Turnen in ausgezeichneter Weise, und zwar so zu leisten im Stande ist, daß die auf das Turnen verwendete Zeit durch die daraus resultirende Arbeitsbeschleunigung mehr als gedeckt ist; b) das Turnen darf der Ausbildung des speziell zur Berufsarbeit bestimmten Organs, welches wohl in den meisten Fällen die Hand ist, nicht abträglich sein. Hier ist insbesondere die feine Handarbeit im Auge zu behalten, die durch das Kraft- und Gerätheturnen deshalb gefährdet wird, weil dieses eine plumpe, starre Hand macht. Von dieser Seite empfehlen sich die Freiübungen, bei welchen die Hand eine nebensächliche Rolle spielt. Fassen wir diese Gesichtspunkte zusammen, so kommen wir zu dem Schluß, daß die richtigste Art von Turnen, sowohl vom hygienischen als vom nationalökonomischen Standpunkt, die Lauf gymnastik ist. Unter diesem Gesichtspunkte ist von den bisher üblichen Turnsystemen, eben weil seine Basis die Laufgymnastik ist, und weil es den Schwerpunkt nicht in die Gerätheübungen legt, dasjenige das beste, welches als wücttembergisches

Correktiv können wir kurzwegTurnen nennen, Schulturnen in weiten Kreisen bekannt und von 1 1 2* 2 aber nicht jede Sorte von Turnen, wovon nachher, allen tiefer blickenden Fachmännern als das richtige

Vom hygienischen Standpunkt ist also durch-

erkannt worden ist. Dies ist ein Ausspruch, bei

aus nichts gegen eine schon im Kindesalter be- welchem mich nicht im Geringsten die Rücksicht

ginnende einseitige Berufsausbildung und Uebung

leitet, daß der Schöpf

er dieses Turnsystems mein

eines bestimmten Organes einzuwenden: 1) sobald eigener Bruder, Professor Dr. O. H. Jäger, die oben für jede Arbeit geltenden Regeln einge- Vorstand der Turnlehrerbildungsanstalt in Stutt. halten werden: 2) sobald die besondere Regel fuͤr gart, ist. Dieses Turnsystem verdient deshalb das kindliche Alter, die Zahl der Ruhepausen und nicht blos die ihm von militärischen Fachmännern die Zahl der Mahlzeiten zu vermehren, befolgt längst geschenkte Aufmerksamkeit, sondern auch die wird; 3) sobald die dem Kinde zu gebende Arbeit der Nationalökonomen, welche sich bisher, wie es mit ausgiebiger Körperbewegung verbunden ist; scheint, noch nicht darum gekümmert haben, in 4) sobald man bei Berufs arbeiten, die das Still- hohem Maße. Sie erhalten in ihm nicht nur das

beste, einfachste und wohlfeilste, sonderg auch ein böchst ergiebiges Komplement zur Ausbildung für die Berufsarbeit, denn es leistet in Beziehung auf Heranbildung der allgemein en Arbeitsfähigkeit zu jeglichem Beruf Dinge, welche die Arbeit an und für sich und für sich allein in den meisten

Fällen nicht zu leisten vermag. Speziell die Frage der Kinderarbeit wird sich meiner Ansicht nach nur mit Hilse dieses Systems befriedigend lösen lassen: sie ist mit der Turnfrage unauflöslich verknüpft.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 26. Juli. Der heutige Heu- und Stroh⸗ markt war ziemlich befahren. Heu kostete per Centnet je nach Qualilät M. 3.30 5.50. Stirob per Centner M. 4.50. Butter im Großhandel das Pfund 1. Qual. 94 Pf., 2. Qual. 86 Pf., im Kleiuhandel 1. Qual. M. 1.03., 2. Qual. 97 Pf. Eier das Hundert M. 5..

Mainz. N. Juli. Produeten⸗Markf. Walzen per Juli 19.10, per Nov. 20.. Roggen per Juli 15., per Nov. 15.25. Hafer per Juli 19.. Nüböl per October 33.60.

Telegraphischer Schiffsbericht. Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg. Das Hamburger Post⸗ dampfschiff Pommerania, Capitän Schwensen, von der Linie der Hamburg-⸗Amerikanischen Packelfahrt⸗Actien⸗Gesellschaft, welches am 12. Juli von Hamburg via Havre abging, ist nach einer schnellen glücklichen Neise am 25. Juli wohl⸗ behalten in New-⸗Pork angekommen.

Das Hamburger Posidampfschiff Hammonia, Capt. Voß, von obiger Linie, trat am 26. Juli wiederum eine Reise via Havre nach New⸗Pork an.

D. Frankfurt a. M. 27. Juli. Die Geschäfislosigkeit, welche iheilweise das Resultat der Rathlosigkeit der Specu⸗ lation der politischen Situation gegenüber, theilweise der Saison worte ift, blieb auch heute in Permanenz. Nach der gestrigen Besserung ist indeß beute auf mattere auswärtige Nolirungen, trotz der lürkischen Siegesberichte, eine Ab⸗ schwächung der Tendenz eingetreten. Nach Informationen von Wien und Berlin haben dort die Meldungen über das fanatische Gebaren der lürkischen Bevölkerung in Bosnien Befürchtungen in Betreff einer Intervention er⸗ regt, welche verstimmend wirkten. Am Speculationsmarkt vielten sich Staatsbahnactien ziemlich fest, während Cre⸗ ditactien matter lagen. In den Vorbereitungen zur Ulümo⸗

liquidation tritt nur ein geringer Stückmangel hervor.

Crediiactien bewegten sich zwischen 114½114¾8114½ und 114½, Staatsbahnactien zwischen 219219/. 219½ und 2197/8, Lombarden nahe 61. Oesterreichische Bahnen zeigten sich ziemlich fest. Nordwest besser. Galizier matter. Von deuischeu Bahnen Hessische Ludwigsbahn niedriger. Banken sind wenig verändert. Siaatssonds jest. Oesterreichische Renten und Neue Ungarische Schatz; bons anziehend. Ungarische Ostbahnstaaisobligationen und Amerikaner nachgebend. Prioritäten waren ohne Animo. 5% Lom vardische niedriger. 3 Lombardische höher. An⸗ lehensloose unbelebt. Von Wechseln Wien, London und Amsterdau billiger.

Geld Cours. Frankfurt am N. Juli 1876.

Holländische fl. 10⸗ Stücke. Mk. 16 65 G. n 9 550 Ducaten al marco 5 1 9 5762 20 ⸗Frankenstücke 16 1923 Englische Sovereign 8 5 20 37.42 Russische Imperiales. 5 16 6974 err 5 4 16 19

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