Ausgabe 
28.10.1876
 
Einzelbild herunterladen

1

heit get Markt.

H. Waas.

4

Beilage.

Oberhessischer Anzeiger.

MN 128.

Deutsches Reich. Darmstadt. Das Großherzogliche Regier⸗ ungsblatt Nr. 45 enthält: Wee

I. Bekanntmachung, d N betreffend. chung, das Maaß und Gewichtswesen

II. Bekanntmachung, die Aussi 0. chung, die Ausführung des Berggesetzes

III. Dienft nachrichten. i önigli b Großherzog ee e e 9. 2 dem Schulamis⸗Aspiranten Meyer aus Flensungen die Schulstelle zu Bleidenbach, dem Schulverwalter Maurer aus Hackenheim die 2. Schulstelle zu Büdesheim zu über⸗ tagen; am 5. Oct. den Schullehrer Armbruster zu Bens⸗ heim zum Lehrer an dem Gymnasium daselbst, am 7. Oct. den provis. Lehrer an dem Gymnasium zu Büdingen, Tresz aus Bonseld, zum Lehrer an dem Gymnastum zu Büdingen, den provis. Lebrer an dem Gymnasium zu Büdingen, Fink daselbst, zum Lehrer an diesem Gymnasium. alle drei unter Belassung in der Kategorie der Volksschul⸗ lehrer, zu ernennen. Am 18. September wurde dem Georg Rupp aus Odernheim das Patent als Geometer 2. Classe für den Kreis Alzey, am 2. Oktober dem Heinrich Braunewell aus Ober⸗Ingelheim das Patent als Geometer 2. Classe für den Kreis Oppenheim ertheilt.

IV. Namensveränderungen.

V. Charakterertheilungen.

Darmstadt. Am 25. September wurde der evangelische Pfarrer Dr. Naumann von Usingen zum Lehrer an dem Gymnasium und der Real- schule zu Worms ernannt.

Darmstadt, 25. October. Militärnachricht. v. Brixen-Hahn, Port.-Fähnrich vom 1. Großb. Dragoner Regiment(Garde-⸗Dragoner-Regiment) Nr. 23, wurde zum Seconde Lieutenant befördert,

Darmstadt, 25. Oct. 37. Sitzung der zweiten Kammer. Der Antrag des Ausschusses auf Bewilligung der Mittel für ein neues Justiz⸗ gebäude zu Gießen wurde angenommen. Bezüg lich der Eingabe mehrerer katholischer Ortsbürger der Gemeinde Heimersheim im Kreise Alzey, die Erhaltung der katholischen Confessionsschule daselbst betr., hatte der Ausschuß Abweisung beantragt. Die Kammer nahm diesen Antrag einstimmig und ohne Debatte an. Sodann verwilligte die Kammer gemäß den Ausschußanträgen die Mittel zu einem ophthalmologischen Lehrstuhl und einer solchen Klinik an der Universität Gießen einstimmig und ohne Debatte, ebenso für Anstellung eines 8. aka · demischen Lehrers am Gymnasium zu Büdingen. Es kam sodann der auf heute vectagte Antrag von Rabenau's zur Berathung. Der Abg. Du- mont hatte in der gestrigen Sitzung einen Antrag auf Uebergang zur motivirten Tagesordnung ge⸗ stelltl. Der Antrag auf vorherige Behandlung dieses Antrags wurde abgelehnt und sogleich in die Behandlung der Materie eingetreten. Nach außerordentlich langer Debatte, wurde die Sitzung bis Nachmittag ausgesetzt. Die Kammer fuhr dann Nachmittags in der Debatte über den Antrag des Abg. von Rabenau fort. Schließlich wurde der Antrag des Abg. Dumont gegen 6 Stimmen ab- gelehnt, der Antrag des Ausschusses und zwar Pos. 1 und 2 gegen 8, Pos. 3 gegen 10 Stimmen angenommen. Die Kammer vertagte sich sodann auf unbestimmte Zeit.

Das Ministerium des Innern hat bekannt lich einen Preis von 500 Mk. ausgesetzt für die Abfassung eines Werkchens, welches in großen und anschaulichen Zügen die wichtigsten Bestimmungen aus dem Verfassungsrecht des Reichs und des Großherzogthums, sowie die Grundzüge der Ver- waltungs⸗ Einrichtungen des Großherzogthums zu enthalten hätte. Zu Preisrichtern find nunmehr Provinzial- Director Küchler in Darmstadt, Se minar Director Schäfer in Friedberg und Kreis- Schul- Inspektor Landmesser in Bensheim ernannt worden.

Die Regierung hat auf Grund angestellter Ermittelungen erkannt, daß die demnächstige, wenn auch nicht auf einmal zu bewerkstelligende Er- weiterung des Gleßener Bahnhofs der oberhesischen Bahnen eine Nothwendigkeit ist. Der deßfallstge Kosten⸗Voranschlag beläuft sich auf etwa 700,000 M. die theilweise im nächsten Budget eingestellt wer⸗ den sollen.

Berlin, 25. October. Der Ministerratb, welcher gestern unter dem Vorsitze des Kaisers stattgefunden hat, ist in der Schutzzoll⸗Frage nicht endgiltig schlüssig geworden.(Es soll sich um Verlängerung der Eisen-Zölle gehandelt haben.) Die Berathung dauerte anderthalb Stunden.

Der Reichshaushalts-Etat für das erste Quartal 1877 liegt jetzt vor. Derselbe umfaßt vier Paragraphen; er steht in Ausgabe und Ein- nahme mit 102,416,560 Mk. und zwar zerfallen die Ausgaben in 98,652,420 Mk. an fortdauern⸗ den und in 3,764,149 Mk. an einmaligen Aus- gaben.

DieProv. Corr. meldet, der Kaiser ge denke den Reichstag in Person zu eröffnen und habe gestern eine Sitzung des Minister-Conseils abgehalten, um vor Beginn der Reichstags⸗Session sich über einige der wichtigeren schwebenden Fragen mit dem Staatsministerium zu verständigen.

DieNational-. schreibt, anknüpfend gan Behauptungen des PesterLloyd über die Haltung Deutschlands in der Waffenstillstands Frage: Gegenüber den mehr als leichtfertigen Behauptungen, daß Deutschland in einseitigem Verfolg einer russenfreundlichen Politik sich von Oesterreich: Ungarn zu isoliren suche, darf daran erinnert werden, daß die deutsche Re- gierung in dieser Frage nicht den russischen Vorschlägen beigetreten ist, sondern lediglich an der von den sechs Mächten feierlich an⸗ genommenen Proposition festgehalten hat, welche dahin ging, der Pforte zunächst die Annahme eines vier- bis sechswöchentlichen Waffenstill standes zu empfehlen. Ueber den türkischen Gegenvorschlag einer sechsmonatlichen Waffen⸗ ruhe habe die deutsche Regierung einfach Still⸗ schweigen beobachtet und sei damit den Grund- sätzen gefolgt, welche ihr ihre Stellung im Drei⸗Kaiser⸗Bündnisse vorgezeichnet: möglichst zu sanctioniren, worüber Oesterreich und Ruß⸗ land einig sind, sich aber zurückzuhalten, so lange ein Einverständniß zwischen diesen bei der orientalischen Verwicklung zunächst be theiligten Mächten noch nicht erzielt ist. Daß übrigens jene Haltung der ungarischen Presse die vorsichtige Reserve, worin Deutschland sich bewege, nur bestärke und in ihrer Angemessen⸗ heit rechtfertigen könne, liege auf der Hand.

Dresden. In dem Gresso-Droguen-Ge schäft von Gehe& Comp. ist, wie dieDr. Z. in Erfahrung bringt, dieser Tage eine Anfrage aus dem Orient eingegangen, ob das Haus im Stande sei, binnen kurzer Zeit 5000 Centner Charpie zu liefern. Es folgte bejahende Antwort.

Rumpenheim, 26. Oct. Gestern Abend ist hier Prinz Friedrich von Hessen Sohn des in 1837 verstorbenen Landgrafen Friedrich und Oheim des jetzigen Landgrafen von Hessen nach kurzem Krankenlager im 87. Lebensjahre verschieden. Derselbe hatte in preußischen Militärdiensten an den Befreiungs-Kriegen von 1813 und 1815 Theil genommen und schied im Jahr 1846 als Gouverneur der Bundesfestung Luxemburg aus dem Militär dienst aus. Er war unvermählt und lebte seit einer Reihe von Jahren mit seinem Bruder, dem Prinzen Georg, und seiner Schwester, der Prinzessin Louise von Hessen, abwechselnd auf dem landgräflichen Familiensitze Rumpen heim und in Frankfurt.

München. Die Resignation des Stifts- decans Enzler auf den bischöflichen Stuhl in Speyer soll, wie dasVaterland hört, auf schristliche Einwirkung von Rom erfolgt sein. Enzler, ein Mann des Friedens, möchte auch mit Rom in Frieden leben. Auch an den zum Bischof von Würzburg ernannten P. Ambrossus Kats soll ein solches Schreiben von Rom ergangen sein.

Karlsruhe, 25. Oct. Die General⸗Synode hat die ganze Agende einstimmig angenommen.

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 25. Oct. Die neuerlichen Gerüchte über eine Demission Andrassy's, welcher man jetzt auch diejenige des ungariscken Minister-Präsidenten Tisza beigefügt hat, sind mit gutem Grunde als Ausgeburt der in mag harischen und Abgeordneten-Kreisen hertschen⸗ den Erregung anzusehen. Von gut unterrichteter Seite wird aus Pest berichtet, daß auch nicht die leiseste thatsächliche Grundlage, die jene Ge⸗ rüchte rechtfertigen könnten, bemerkbar sei. Der Kaiser bleibt bis zum 3. November in Gödöllb und trifft am 4. November in Pardubitz zu den Hof- Jagden ein. Alle Versionen über die Be⸗ antwortung der Interpellation im Abgeordneten⸗ Hause, betreffend die Politik in der Orient⸗Frage, sind verfrüht.

Verhaftungen und Haus-Durchsuchungen in Süd Tyrol nehmen große Dimenssonen an. In Trient, Mori, Riva und an vielen Orten haben solche Maßregeln in den letzten Tagen statt⸗ gefunden und werden auch jetzt noch fortgesetzt. Beachtenswerth ist die Thatsache, daß unter den Verdächtigen und Beanstandeten durchschnittlich die Hälfte im Staats Dienste steht und zuweilen der höheren Beamtenwelt angehört.

Der Kaiser hat den Großfürst Sergius

Alexandrowitsch vom Oberlieutenant zum Haupt- mann und den Großfürst Paul Alexandrowitsch vom Lieutenant zum Ober-Lieutenonnt in der österreichischen Armee befördert.

Pest. Im Finanz- Ausschuß erklärte der Landesvertheidigungs Minister v. Szende auf eine Anfrage, es könnten nöthigenfalls 217,000 Hon⸗ vets binnen acht Tagen vollständig ausgerüstet und mobilisirt werden.

25. Oct. Der Fackelzug der Studenten zu Ehren des türkischen Consuls ist von Seiten der Polizei verboten worden.

26. Oct. Gestern Abend waren große Studenten-Haufen in der Straße angesammelt; dieselben demonstrirten unter Anderem auch gegen Moritz Jokai, der zur Ruhe mahnte. Die Polizei schritt ein, sperrte die Straßen, in denen der türkische und der russische Consul wohnen, ab und zerstreute die Haufen. Abends 11 Uhr war die Ruhe wieder hergestellt.

Schweiz. Bern, 25. Oct. Der Bundes⸗ rath hat im außerordentlicher Sitzung beschlossen, ein Regiment Infanterie bereit zu halten, das Ange- sichts der Zunahme der Aufregung im Tessin dort⸗ hin abgehen soll.

Basel, 25. Oct. DieBas. Nachr. melden: Die Aufregung im Canton Tessin nimmt zu. In Bellinzona und Locarno werden Bürgerwehren gebildet; in Lugano eine Freischaar. Der Bundes- rath hat deshalb das RegimentZollikofer in Thurgau zur Marschbereitschaft aufgeboten.

Frankreich. Paris, 24, October. Die Nachricht von der angeblichen Ankunft des britischen Botschasters Grafen Schuwaloff in Paris ist un- richtig; der hier weilende Graf Schuwaloff ist ein Bruder des Botschafters und hält sich auf der Durchreise von Wien nach London, woselbst er einen Monat zubringen wird, vorübergehend hier auf.

25. Oct. Das amtliche Blatt veröffent- licht die Ernennung Baude's zum Botschafter beim päpstiichen Stuhl, Gabriac's zum Gesandten in Belgien, Duchatel's in Dänemark, Tissot's in Griechenland und Le Sourds's in Marokko.

Nach demBien publie untersagte der Kriegsminister Berthaut den Besuch der Arsenale wegen zahlreicher Spione, die von den Präfecten signalisirt seien.

Holland. Haag. Die Regierung bat im Hinblick auf die zu erwartende internationale Lösung der Münz Frage ihre diesbezüglichen bisherigen Absichten modifieirt und schlägt nunmehr vor, die Gold- und Silber-Währung für die Niederlande gegenwärtig beizubehalten, die weitere Ausprägung von Silbermünzen aber zu suspendiren.

1