Ausgabe 
25.5.1876
 
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sich die Regierung gewisse Maßregeln für den Fall vor, daß Provinzen das Contingent verweigern. Der dritte Artikel bestimmt, daß die Provinzen nach ihren Vermögens Verhältnissen Steuern zahlen. Alle Gerüchte von einer neuen Anleihe werden in officieller Weise als durchaus unbegründet bezeichnel.

Serbien. Belgrad. DasAmtsblatt veröffentlicht eine fürstliche Verordnung, betreffend die Ausschreibung einer National- Anleihe von 12 Millionen Francs, sowie die Errichtung einer Verwaltungs⸗Behörde für dieselbe; ferner die Ge⸗ stattung eines dreimonatlichen Moratoriums und endlich die provisorische Suspendirung des Preß' Gesetzes.

Amerika. New Nork. Die Revolution auf Haiti ist zu Ende; der Präsident General Domingue und sein Neffe und Premier-Minister Rameau sind der Volks⸗Wulb zum Opfer gefallen. Seit zwei Jahren regierte General Domingue die Insel, seine Verwandten nahmen die besten und einträglichsten Stellen ein, und sein Neffe plün⸗ derte die Staats-Cassen mit gränzenloser Unver- schämtheit. Bis Anfang März d. J. war ihr Regiment nie erustlich bedroht; da erhob General Tanis, der Commandant des Bezirks von Jacmel, die Fahne des Aufstandes und erklärte sich als Anhänger des Generals Bois rand Canal, der den Schergen Dominguc's mit Mühe entkommen war und seit einem Jahr auf Jamaica lebte. Nachdem der Sturm ausgetobt hatte, trat ver hältnißmäßige Ruhe ein. Ein Sicherheits- Aus schuß constituirte sich, der bis zu den neuen Abgeordneten Wahlen im Amte verbleiben wird, und General Boisrand Canal, der Liebling des Volkes, wird ohne Zweifel den Präsidenten⸗Stuhl besteigen.

Philadelphia. Die Ausstellungs-Commissäre haben 250 Preisrichter ernannt, wovon die Hälfte Ausländer sind. Die Berichte der Preisrichter sollen so zeitig erstattet werden, daß die Prämiirung vor dem 31. Juli stattfinden kann

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Wir erfahren, daß mit Ende dieses Monats die Personenpost Friedberg Hungen wegfällt, dafür ein Privatpersonenfuhrnwerk mit Postbeförderung Friedberg Berstadt eingerichtet wird, und zwar geht der Wagen aus Friedberg 72 Abends, aus Berstadt 5858 Morgens.

Friedberg. Sonntag den 21. Mai d. J. fand auf dem Nathhaussaale zu Kaichen auf Veranlassung des landwirihschaftl. Bezirks⸗Vereins Friedberg eine landwirih⸗ schaftliche Besprechung stalt, die trotz der spät erfolgten Bekanntmachung gut besucht war. Der Vortrag des Herrn Dr. Heuset erstreckte sich diesmal auf dieConsolibation der Gemarkungen. Rednet bezeichnete den jetzt noch herrschenden Flurzwang als einen Ausfluß der in früherer Zeit mehr oder weniger ausgeprägt gewesenen Gütergemein⸗ schaft und erklärte die Durchführung der Consolidation als eine nolhwendige Consequenz der schon vor einigen Jahr zehnten vorausgegangenen Entlastung des Grundbesizes, sowie der im Laufe der Zeit wesentlich umgestalteten wirth⸗ schaftlichen Lage. Die Nachtiheile des jetzigen Zustandes erkannte Reserent in der bei uns nicht selien allzuweit⸗ gehenden Parzelli zung, in dem durch die vielen Grenz surchen hevorgerusenen erheblichen Verlust an Fläche, der großen Zeilverschwendung, welche durch die Bestellung der zerstreut liegenden kleinen Parzellen hervorgerufen werde, dem Hinderniß der Anwendung arbeitsersparender Maschinen, welches Hinderniß bei schlechter Form der Geundstücke noch vergrößert werde, den beständigen Grenzstreitigkeiten, der Unmdglichkeit der Durchführung eines ordentlichen Flur schutzes, sowie endlich in der durch den Flurzwang ge⸗ gebenen Nothwendigkeit des Festhaltens an det alten Dreiselderwirihschaft, wobei der Landwirth nicht in der Lage sei, dem Kleebau die enisprechende Stellung in der Fruchtfolge, sowie die erforderliche Ausdehnung zu geben, auch dem tüchtigsten Landwirih die Möglichkeit benommen sei, zu vorgeschritteneren Feldersystemen üderzugehen und einem Streben nach Vorwärts Rechnung zu tragen. Es müsse unter allen Umständen gesordert werden, daß jeder Landwirih ftei über seine Grundstücke verfügen könne, woraus die Nothwendigkeit der Abhülse jener Uebelstände durch bezügliche gesetzliche Bestimmungen sich von selbst ergebe. Zu den Voraussetzungen über die Gültigkeit eines Beschlusses auf Durchführung einer Consolidalion über- gehend, tritt Redner dem hier und dort herrschenden Vor⸗ uͤrtheil entgegen, als ob die Regierung bei Beförderung des Consolidaulonswesens noch eiwas Anderes im Auge haben könne, als die Absicht, die Weiterentwickelung der Lanewirihschaft zu fördern. Die Regierung lege ja bie

Ausführung vorwiegend in die Hände der betreffenden Gemeinden selbst und beschränke ihre Mitwirkung nur auf die Ueberwachung der Ausführung des Verfahrens, sowie auf die Gestellung tüchtiger Techniker, ohne welche eine zweckentsprechende

Durchführung jener Culturmaßregeln

unmzglich sei. Die Consolidation bestachte ihre Haupt aufgabe zunächst in der Herflellung eines geordnesen Weg⸗

netzes, also in der Zugänglichmachung sämmtlicher Grund⸗

siücke, denen nebenbei eine enisprechende Form gegeben werde, sowie in der Durchführung von Kulturverbesser⸗ ungen(Ent. und Bewässerungen c.) die ohne ein ge⸗ meinschaftliches Zusammengehen nicht ausführbar seien; die Zusammenlegunz habe in dem Maße flattzuftnden, baß die einzelnen Grundstsicke eine mit Rücksicht auf Groß⸗, Mittel- und Kleinbesitz, sowie der vorherrschenden Benutz ungsweise des Bodens entsprechende Größe erhalten. Referent schilderte weiter den Verlauf des ganzen Ver- sahrens, welches jede Willkühr vor Uebervorsheilung des Einzelnen ausschließe, und wies auf Grund der bisher gemachten Erfahrungen nach, daß die vielfach gehegte Furcht, der alle Zustand werde sich später doch wieder ein; siellen, unbegründet sei. Es dürfte ja keine Parzellen⸗ theiilung nach Ausführung der Consolidation derart vor⸗ genommen werden, daß wieder ein unzugängliches Grund stück enistände. Herr Oekonom Pflug von Nieder Wöllstadi u sprach sich nach Schluß jenes Vortrages sehr günstig über die in dortiger Gemarkung theilweife vor⸗ genommene Consolidalion aus, Die Besprechung hate das günstige Resultat, daß dem landwirthschaftlichen Ver⸗ eine wieder 7 neue Mitglieder gewonnen wurden.

Offenbach, 22. Mai. Am Samstag Morgen, kurz nach 4 Uhr, wurden die biesigen Bewohner durch Feuer- lärm erschreckt. Es brannte in der Rohrstraße und zwar in der Filzwaaren Fabrik von Steinhäuser& Kopp. Die Feuerwehr war sehr rasch auf der Brandstälte, sand aber das Gebäude bereits in hellen Flammen. Die vor⸗ räthigen Filz- und die Wollenvorräthe begünstigten das Feuer ungemein. Das Fabrikgebäude ist vollständig aus⸗ gebrannt, von dem links anstoßenden Gebäude mußte noch der Dachstuhl abgerissen werden, während das Gebäude auf der rechten Seite durch eine starke Brandmauer ge schützt, wenig Schaden nahm.

Aller lei.

Bremen, 22. Mai. Die Bremer Wollwascherei in Butglesum ist in der letzten Nacht niedergebrannt; von den Gebäuden sind nur das Kessel- und das Maschinen⸗ haus, sewie die Schoensteine ervalten geblieben; außerdem wurde wur ein kleinet Theil von den Vorräthen unge⸗ waschener Wolle geborgen; sämmtliche Wasch?, Trocken- und Kamm ⸗Maschinen sind in vollständig beschädigten Zustand versetzt. Der entstandene Schaden, woran mehrere Feuerversicherungs⸗ Gesellschaflen betheiligt sind, wird auf 1 ½ Million geschätzt.

Maschiuen und Handwerk.

DerBaugewerks Zeitung entnehmen wir folgenden Aufsatz über die Frage: ob die Maschi⸗ nen der kunstfertigen Entwickelung des Handwerks nachtheilig sind oder nicht, und empfehlen denselben der Beurtheilung unseres Leserkreises.Wenn man es ausspricht, daß unser deutsches Handwerk sich nicht auf der früheren Höhe befände und nicht Schritt gehalten habe mit den sonstigen Errungenschaften der Neuzeit, wenn man unsere jetzigen Leistungen vergleicht mit den vorzüglicheren Arbeiten des Mittelalters, und sie dann nicht immer Stand halten können mit jenen, so hört man nicht selten den Einwurf, daß daran besonders die Maschinen schuld seien, welche der eigentlichen Kunstfertigkeit resp. Kunst hinderlich seien, da ja heute in so vielen Fällen die Maschinenkraft an die Stelle der Menschen⸗ kraft gesetzt werde. Freilich läßt sich letztere That⸗ sache nicht bestreiten, denn was früher 30 fleißige

Menschen kaum zu schaffen im Stande waren, das

leistet heute eine von wenigen Händen bediente Maschine. In großen Städten gehört es heute

schon zu den Seltenheiten, um uns eines Beispiels

zu bedienen, daß Fußbodenbretter von Menschen noch gehobelt und gespundet werden, noch seltener

sieht man den Zimmermann auf dem Sägegerüst welk l 5 um mühsam in tagelanger Arbeit den Stück aus der mittelalterlichen Baukunst erhalten

stehen,

Arbeit.

Maschinen die Arbeit wegnähmen und die Arbeitet brodlos machten; freilich arbeitet die Maschine mil viel größerer Geschwindigkeit und bringt gang andere Massen fertig, als der Mensch, aber sle vermehrt auch die Production unendliche Male und hat uns eine Menge von Betriebszweigen aufgethan, welche früher gar nicht bewirthschaftet werden konnten, und deshalb sind auch wiederum durch die Maschinen so viele Menschenkräfte nöthig geworden, daß man allenfalls den Satz aufstellen könnte: Je mehr Arbeit durch die Maschinen ge⸗ leistet wird, je mehr Arbeit wird für die Menschen geschaffen. Wie nun die Maschine thatsächlich die Handarbeit vermehrt, so könnte sie auch die Ge⸗ schicklichkeit und die Kunstfertigkeit erhöhen, denn früher mußten die Arbeiter im Handwerk auch alle unqualisicirten Arbeiten übernehmen, welche etz die hülfreiche Mildthätigkeit der Maschine leistel, und dem qualificirten Arbeiter bleibt Zeit für die Anwendung seiner Befähigung. Daraus geht aber auch für ihn eine neue oder wenigstens ge⸗ steigerte Berufspflicht hervor. Er soll und kann für diejenigen Arbeiten mit um so größerer Inten- sttät eintreten, welche ihm die Maschine nicht zu leisten vermag, welche heute so gut wie früher der bildenden Hand des Menschen bedürfen. Kann er nur anfertigen, was die Maschine auch zu leisten vermag, so ist er selbst nur eine Maschine, und kann es dann freilich mit denen aus Eisen und Stahl, welche mit Dampfkraft getrieben werden, nicht mehr aufnehmen. Darum mag der Hand- werksgehülse und der Meister, der aus dem Ge⸗ sellenstande hervorgeht, seinen Stolz darein setzen, mehr als bis jetzt durchschnittlich der Fall ist, über die mechanischen Verrichtungen hinaus zu kommen und tüchtiger zu werden in seiner Leistung, damit keine Maschine ihn ersetzen kann. Es muß also der berufstüchtige Handwerker die Concurrenz mit der Maschine aufnehmen, aber nicht in der mechanischen, sondern in der kunstfertigen Leistung, dann wird ihm die Maschine nicht ein Feind, wie dies häufig von den Arbeitern ausgesprochen wird, sondern ein lieber Freund sein, welcher ihm dienstbar ist und ihn ergänzt. Hiernach könnte es nun fast scheinen, als wenn zwar der qualificirte Arbeiter sich mi: der Maschine aussöhnen könnte, nicht aber der unqualificirte. Indeß ist auch dieser Schluß glücklicherweise falsch, denn indem, wie wir schon vorher hervorgehoben haben, durch die Maschinen die Arbeit bedeutend vermehrt wird, werden überhaupt viel mehr Arbeitskräfte erforderlich und damit auch solche, welche weniger qualificirt sind. Der Arbeitsmarkt stellt sich also für jeden Arbeiter günstiger, seitdem wir und weil wir mit Maschinen arbeiten können. Trotz alledem läßt sich nun ein gewisser schädlicher Einfluß auf gewerbliche Thätigkeit nicht hinweg⸗ disputiren, aber die Schuld ist nicht den Maschinen beizumessen, wie dies leichthin gethan wird, sondern den Vertretern des Handwerks, welche das Gut, das ihnen mit den Maschinen gegeben ist, nicht im wahren Interesse ihres Faches verwenden. Was man an den gewerblichen Erzeugnissen des Mittel⸗ alters am meisten bewundert, was diesen gegen die heutigen Leistungen einen so hohen Reiz verleiht, das ist die Erfindung und die eigene geistige Man gehe doch hin in jene Städte, welche sich bis auf die Gegenwart manch edles

mächtigen Block zu zerschneiden; ja, es gibt sogar haben, wie Nürnberg, Bamberg, Augsburg, Rothen⸗

heute schon Maschinen um bei der Zimmerei oder Tischlerei zu bleiben welche die subtilsten

burg, Braunschweig, Hildesheim, Danzig und viele andere, oder man besuche die Gewerbemuseen, um

Profilstücke mit riesiger Ges bwindigkeit liesern, so die Werke der Kleinkünste zu betrachten, da wird

daß z. B. bei der Herstellung von Fenstern und Thüren die Arbeiter wenig mehr sammenpassen zu besorgen haben. Dasselbe trifft auf vielen anderen Gebieten des gewerblichen Lebens gleichfalls zu und deshalb meint Mancher, die Maschinen ersetzten zu sehr der Hände Arbeit, als daß eine wahre Geschicklichkeit und Kunstsertig⸗ keil unter den lernenden Jüngern des Handwerks Platz greisen könne, und es fehle ihnen an Ge legenheit sich entsprechend auszubilden. Wie wenig stichhaltig aber sind doch solche Behauptungen und enisprechen ebenso wenig der Wirklichkeit, wie jene längst durch die Wirklichkeit widerlegte, daß die

als das Zu- und die

man zunächst an den einzelnen Stücken die Liebe Freude herausfinden können, welche der Arbeiter an seinem Werk gehabt hat; da wird man aber auch die eigenen Gedanken des Ver- fertigers, d. h. die Erfindung, wieder erkennen, und diese ist es, an welcher wir uns zumeist erfreuen. Nun wird man uns vielleicht entgegenhalten, daß vie Maschine die Arbeit zu sehr theile und daß der Arbeiter entweder nur mit fertigen Theilstücken zu thun habe, welche zusammenzusetzen sind, oder aber gar nur die Theilstücke genau in der vorge⸗ schriebenen Form anzufertigen habe. Wenn wir das nun auch Alles zugeben wollen, so wird trotzdem

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