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Keichs-Kanzlers in der preußischen Stimmführung. Auch der Staats⸗Secretär v. Bülow werde zum preußischen Staatsminister ernannt werden. Hier- über sei im Schooße des Staats- Ministeriums Uebereinstimmung erzielt worden. Nach einem Telegramm der„Allg. Ztg.“ hätte die Differenz zwischen Camphausen und Bismarck die Führung der preußischen Bundesraths Stimmen betroffen und sei„vorläufig“ durch das Nachgeben des Reichskanzlers beigelegt.
— Der„Reichs- Anzeiger“ schreibt: Die Er- mittlungen über den traurigen Vorfall in Salonichi gaben bisher noch keinen sicheren Ausschluß über die wirkliche Veranlassung des Mordes der Consuln. Nur so viel steht fest, daß letztere mit dem bul⸗ garischen Mädchen, dessen angeblich erzwungener Uebertritt zum Islam den Ausgangspunkt der Bewegung bildete, in gar keiner Beziehung ge⸗ standen baben.
— Der Ober ⸗Kirchenrath hat sich in einem Specialfalle dahin geäußert, daß die Anwendung des jungfräullichen Ehren-Prädikats bei der kirch⸗ lichen Trauung durch die Verordnung vom 21. September v. J. nicht geboten ist, weil dies nach Verlegung der Trauung hinter den rechtlichen Beginn der Ehe nicht angängig war. Ebenso⸗ wenig jedoch sei dieselbe untersagt Wenn daher die Interessenten die Anwendung des jungfräulichen Prädikate für den Trauungs-Act begehren, und nicht etwa die Gemeinsamkeit des ehelichen Haus- Standes schon begonnen sei, werde der die Trau⸗ ung vollziehende Geistliche unverbindert sein, dem an ihn gestellten Verlangen zu willfahren.
Kiel. Die gedeckte Corvette„Gazelle“, so⸗ wie das Kanonenboot 1. Klasse„Albatios“, ein Schwesterschiff des in die türkischen Gewässer be⸗ orderten„Nautilus“, sind auf Befehl der Admi⸗ ralität in Dienst gestellt worden und werden für die in Aussicht genommene Mittelmeer-Expedition ausgerüstet. In gleicher Weise und zu demselben Zwecke wird nach ihrer Ueberführung von Danzig nach Kiel die gedeckte Corvette„Elisabeth“ seeklar gemacht werden.
München, 18. Mai. Bei den heutigen Urwahlen im Wahllreise München 1 wurden 249 liberale und 35 ultramontaue Wahlmänne— gewählt; dieselben repräsentiten 10,035 liberale bezw. 5007 ultramontane Stimmen. Die frühere Wahl, welche bekanntlich cassirt wurde, hatte 228 liberale und 56 ultramontane Wahlmänner ergeben.
— Dr. Sigl ist nach überstandener 14 monat. licher Haft wieder in München eingetroffen und hat sofort im„Bayer. Vaterland“ einen Fehde⸗ brief an Dr. Jörg und Consorten erlassen, denen er vorwirft, sich muthwillig durch Cassirung der Münchener Wahl blamirt zu haben.
Ausland. SOesterreich⸗Ungarn. Wien. FR. Rodic hat in Folge der Berliner Vereinbarungen den Befehl erhalten, mit Mukhtar Pascha und den Insurgenten⸗Führern über eine Waffen- Ruhe zu unterhandeln. Die Zusammenkuyft soll in der Suttorina stattfinden.
Pest, 20. Mai. Im Budget⸗Ausschusse der Reichsrathdelegationen brantwortete Graf Andrassy bei Gelegenheit der Berathung des Budgets des Aeußern Anfragen bezüglich der orientalischen An- gelegenheiten. Unter Bezugnahme auf die im vorigen Jabre gegebene Darlegung der politischen Ziele der Regierung erklärt Graf Andrassy, er könne heute kon⸗ statiren, daß der europäische Friede ungestört, die Hintanhaltung weiterer Complicationen durch Ver- hinderung der Theilnahme anderer Elemente erreicht sei, daß die vorgeschlagenen Reformen von Europa und der Tückel angenommen und von den In: surgenten freudig begrüßt worden seien, welche letztere nur Garantien für deren Durchführung wünschen. Die gegenwärtige Action der Mächte strebe die Durchführung der Reformen und die friedliche Hinwegräumung der Hindernisse an. Der Minister warnte vor dem im Lande herr—
schenden Pessimismus, der durch die Erfolge der Regierung widerlegt werde. allgemeinen Einverständnisse den eusopäischen Mächte noch nicht beigetreten sei, liege vielleicht in der TCommandanten der
vurch die Verhälinisse geänderten Form des diplo⸗ matischen Verkehrs. Der Redner hegt die private Ueberzeugung, daß wenn die britische Regierung die rein pacificatorischen Intentionen der Mächte klar vor sich sehe, sie sich dem Einverständnisse an⸗ schließen werde. Die Mittheilung des Inhaltes der getroffenen Vereinbarungen sei unmöglich, da deren Mittheilung zunächst an die Pforte gehen müsse. Der Minister übernimmt die volle Ver⸗ antwortung dafür, daß aus der Situation keine Schädigung der Interessen der Monarchie hervor ⸗ gehe. Die Mächte seien gesonnen, alle Sonder- Interessen bei Seite setzend, die Erhaltung des europäischen Friedens als leitendes Princip in den Vordergrund zu stellen. Ein verbesserter Status quo im Oriente ist die Grundlage der Bemühung der Mächte. Der Minister konstatirt, daß Orster⸗ reich-Ungarn keine Feinde habe, mit allen Mächten in den besten Beziehungen stebe, eine brave Armee besitze und als Staat mit 36 Millionen Seelen für den europäischen Frieden eintretend, zuversichtlich dem Erfolge entgegensehen könne.
Großbritannien. London, 18. Mai. Im Unterhause erklärte der erste Lord Ward Hunt auf Befragen, das Schiff„Swiftsure“ sei bereits in Salonichi und das Mittelmeer-Geschwader habe Ordre, zusammen mit dem Panzerschiffe„Deva⸗ station“ ebendahin abzugeben. Ein Kanonenboot behe nach Konstantinopel.
— Die englische Regierung wird, wie „Reuter's Büreau“ erfährt, den Beitritt zu dem Memorandum der drei Kaisermächte bezüglich der orientalischen Angelegenheit nicht erklären.
Frankreich. Versailles, 18. Mai. Deputirtenkammer. Außer dem Antrage Raspail's
wurde auch das Amendement Marcou(Radikaler), für die bei dem Aufstande von 1871 begangenen, unler das gemeine Recht fallenden Vergehen Amnestie zu gewähren, von der Kammer abgelehnt. — 20 Mai. In der heutigen Sitzung machte der Abg. Castellane dem Minister des Innern anläßlich der Ernennung der Maires den Vorwurf, daß er die Radikalen begünstige. Minister Marcére erklärte, daß er die gemäßigte Republik wolle. Der De: putirte Bordona schlug eine Tages Ordnung vor, in der gesagt ist, daß die Kammer in der Er⸗ klärung des Ministers mit Befriedigung den Aus. druck ibrer eigenen liberalen Politik finde. Diese Tages- Ordnung wurde mit Einstimmigkeit von 343 votirenden Abgeordneten angenommen. Die Kammer vertagte sich bis Donnerstag.
Dänemark. Kopenhagen, 19. Mai. König Georg von Griechenland ist an einem gastrischen Fieber erkrankt. Die Krankheit zeigt jedoch keine beunruhigenden Symptome.
Spanien. Madrid. Die Königin Christine, Wittwe Ferdinand's VII., und Großmutter des regierenden Königs von Spanien, verläßt morgen Frankreich, welches ihr durch mehr als zwanzig Jahre als Verbannungs Ort gedient hatte, und geht nach Madrid, um nach kurzem Aufenthalte in der Hauptstadt das Schloß Aranjuez zu beziehen. Die Königin Isabella mit ihren Töchtern wird ihr im nächsten Monat folgen und sich zuerst nach Santander begeben, wo der König Alphons sie begrüßen wird. Den Herbst wird die Königin Isabella in Sevilla zubringen, wo auch der Herzog und die Herzogin von Montpensier wieder ihren Aufenthalt zu nehmen gedenken.
Italien. Rom. Garibaldi bat seine Demission als Deputirter gegeben, dieselbe jedoch alsbald wieder zurückgezogen.
Neapel. Die Panzerschisfe„Ancona“,„Casiel⸗ sidardo“ und„Conte Verde“ sind nach Taranto abgegangen.
Türkei. Konstantinopel, 19. Mai. Die Commissäre der Pforte in Salonichi melden von dort: Heute hat die Beerdigung der beiden ermordeten Consuln mit großer Feierlichkeit und bel vollkommener Ruhe der Bevölkerung stattgefunden.
Salonichi. Ueber das Leichenbegängniß der ermordeten Consuln in Salonichi meldet der
sestgestellt worden; dem militärischen Ehrengeleit der deutschen und französichen Marine Truppen schlossen sich die türkischen Militär- und Civil⸗ Bebörden, sowie die Ossiziere und Mannschaften sämmtlicher Kriegsschiffe an. a
Griechenland. Athen, 19. Mai. Aus Kreta wird gemeldet, daß eine allgemeine Volks ⸗ Versammlung dem Gouverneur erklärt hat, sie müsse auf der Ausfübrung der von Ali Pascha früher versprochenen Reformen bestehen.
Aus Stadt und Land.
Friedberg, 22. Mai. Heute feiert die Firma Fr. Roßbach dahier das 25jährige Bestehen des Geschälles. Am gestrigen Abend wurde der Familie Roßbach seitens des Gesangvereins Liederkranz ein Sländchen gebracht. Aus kleinen Ansängen wuchs das Geschäft rasch zu seiner jetzigen Ausdehnung, und zwar lediglich durch den Fleiß, die Intelligenz, die Umsicht und strenge Rechtlichkeit seines Besizers. Möge die Firma noch lange in Ehren bestehen und wögen ihre Erfolge unseren hiesigen Geschäften ein Sporn zur Nacheiferung sein.
—t—. Friedberg. Bei Gelegenheit der gegenwärtig flaliftudenden Erhebung der Beiträge für den hiesigen Ver⸗ schönerungs-Verein möchte am Platze sein, die Aufmerk⸗ jamkeit dieses Vereins auf den Abhang des Usaberges zu lenken, an weicher Stelle er ein lohnendes Feld für seine Tbäli ku finden dürste.
Allerlei.
Ein Reisender, der wie ein auf der
Weinheim.
Wan derschast fich befindendet Handwerksbursche gekleidet
war, suchle in Gioßsachsen Gold auszuwechseln. Basselbe wurde als falsch erkannt und hatte die Verhaftung des Reisenden zur Folge. Die erste Untersuchung soll wichtige Anhaltspunkte über die Verbreitung einer Falschmünzerei ergeben haben. Der Arretirte wurde zur weiteren Untere suchung dem Amtsgerichte Weinheim überbracht. Derselbe kam, sowein es ermitielt, von Heidelberg.
Schmalkalden. Ein biesiger Metzgermeister hatte Hunde- und ungeborenes Kalbfleisch für genießbares Kalb⸗ fleisch veckaust. Derselbe wurde vom Kreisgerichte dahier zu 150 Mark Strafe, 14 Tage Gefängniß und zur Zahl⸗ ung sämmilicher Gecichtskosten verurteilt. Ein gewiß mildes Strafmaß für das so sehr mißbrauchte Vertrauen des Publikums.
Trier. Ein beklagenswerthes Unglück hat sich auf dem Exercierplatz bei Trier zugetragen. Das erste Batail⸗ lon des 70. Insanterie-Regiments manöorirte und hatte die 4. Compignie als Schützen ausschwärmen lassen, welch' letztere sich zur besseren Deckung auf den Boden niedergelegt hatte. Eine Schwadron des 9. Husaren⸗ regiments rüit— wohl in Folge unrichtigen oder miß⸗ ve. standenen Commando's— dei Ausfübrung einer Slurm: Attaque in vollem Galopp über sie hinweg, bei welcher Gelegenheit 2 Mann lödtlich und 7—8 Mann mehr oder weniger schwer verwundet wurden.
Handel und Verkehr.
Grünberg, 20. Mai. Die Preise auf unserem heuligen Fruchtmarkie betragen: Waizen 12 M. 76 Pf.; Korn 9 M. 84 Pf.; Gersie 9 M. 70 Pf.; Hafer 9 M. 50 Pl.; Molzer— M.— Pf.; Erbsen 10 M. 60 Pf.; Auen— M.— Pf; Samen 15 M.— Pf.; Kartoffeln 2 M. 67 Pf. Die Preise verstehen sich sämmtlich per 50 Kild= 100 Pfund.
Frankfurt, 18. Mai. Fruchlibericht. Mehl Nr. 1 M. 43., Nr. 2 M. 39., Nr. 3 M. 35., Nr. 4 M. 31. Nr. 5 M. 25., Roggenmehl /,(Berliner Marke) M. 26., „0. II.(Berliner Marke) M. 22., Waizenschalen M.—. Walzen M. 25.— 25.50, Roggen M. 19.—, Gerste M. 1721, Hafen M. 18.50— 75, Kohlsamen M.—, Erben M. 21—24, Wicken M. 23— 24, Linsen M. 21 vis 30, Rüböl M. 74.—. Die Preise verstehen sich sämmilich per 200 Pfd. Zoll⸗Gewicht= 100 Kilo.
Frankfurt, 20. Mai. Der heutige Heu- und Stroh⸗ markt war gut befahren. Heu kostete per Centner je nach Qualität M. 3.50—5.—. Stroh per Centner M. 4.— dig 5.—. Butler im Großbandel das Pfund 1. Qual. M. 1.14, 2. Qual. M. 1.09, im Kleinhandel 1. Qual. M. 1.26, 2. Qual. M. 1.20, Tafelbufter M.—. Eier das Hundert M. 5.—6. Spargeln 80 Pf. bis M. 1.— per Pfd.
Mainz 20. Mai. Producten⸗Markl. Wanzen per Mai 22.—, per Juli 22 20, per Nov. 22.60. Roggen per Mai 16.60, per Juli 16.65. Hafer per Mai 18.60, pet
Juli 17.90. Leuben per Mai 34.40, per October 34.20. f Auszug aus dem Civilstands⸗Register der Stadt Friedberg. Gestorben: 14. Mai. Ella Meyer, Tochter des Fruchthändlers Elias Meyer, 43 Tage alt. 17. Mai. Anna Katharina Rampe, Tochter des Schneider⸗
meisters Conrad Rampe, 8 Tage alt.
Universal Reinigungs-Salz.
Daß England dem Frankreichs mit der türkischen Behörde und den
„Reichs ⸗Anzeiger“, das hierbei beobachtete Cere- moniell sei von den Delegirten Deutschlands und
fremden Kriegsschiffe vorher
1545 Von allen Aerzten als das einfachste und billigste Hausmittel empfohlen gegen Säurebildung, Aufstossen, Krampf, Verdauungsschwäche und andere Magenbeschwer- den in /, ½, ½ Original- Packeten mit Gebrauchs- Anweisung 3 ½, ½ und ½ Mark zu haben bei
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