Ausgabe 
22.4.1876
 
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Deutsches Reich.

Darmstadt. Am 5. April wurden die Gym⸗ nassal- und Reallehramts- Accesisten Dr. Schäfer aus Eudorf zum Lehrer an der Realschule zu Mainz, Dr. Staudinger aus Wersau, Dr. Gold- mann aus Mainz zu Lehrern an dem Gymnasium zu Worms, Dr. Walther aus Nieder Ingelheim zum Lehrer an der Realschule zu Darmstadt, Dr. Keller aus Groß Gerau zum Lehrer an der Realschule zu Mainz, der Königlich Bayerische Stadigerichts- Assessor Dr. Seuffert zum ordent lichen Professor in der juristischen Fakultät der Landes-Universität, mit Wirkung vom 1. Mai d. J. ernannt; am 15. April wurde der Dr. Weiland in Berlin zum außerordentlichen Professor bei der philosophischen Fakultät der Landes Universttät, insbesondere für das Lehrfach der Geschichte, berufen.

Da der allgemeine Pensionsfond für Volks. schullehrer durch die Einführung der Sterbequartale stärker als bisher belastet wird, überdies auch die sonstigen ibm obliegenden Pensionen utuerdings erhöht worden sind, so ist eine jedoch verhält nißmäßig nur geringe Erhöhung des jährlichen Beitrags von 10 fl., welcher nach Art. 12 des Gesetzes vom 1. Oct. 1870, die Pensionen der Volksschullehrer betr., für jede Lehrerstelle an einer Volksschule zu leisten ist, auf 20 Mk. vorgesehen worden. Der Gesetzgebungs-Ausschuß zweiter Kammer bat sich in seinem deßfallsigen Verichte damit einverstanden erklärt und einen darauf ab zielenden Antrag gestellt. Der Bericht über die Vorlage der Regierung wegen Erhöhung der Ge halte der Volksschullehrer soll sich dermalen bereits unter der Presse befinden.

An dem Polßptechnicum ist ein neuer Lehr: stuhl, für Modellirkunst, creirt und damit Herr Bildhauer König betraut worden.

Der Gesetzgebungs-Ausschuß zweiter Kammer hat seine Beratbhungen über die neue Gesinde- Ordnung abgeschlossen; die Ausgabe des Berichts steht in Kürze bevor. Gutem Vernehmen nach befürwortet der Ausschuß, von einigen minder wichtigen Punkten abgesehen, die Annahme des Regierungungs⸗Entwurfs.

DieMainzer Ztg. schreibt: Eine vor einigen Tagen hier stattgehabte Besprechung des Ministeriums mit den Delegirten der Stadt Mainz über die endgültige Regelung der Umführung der Eisenbahn um die Stadt hat zwar noch kein definitives Ergebniß geliefert, wohl aber die noch bestehenden Meinungs⸗ Differenzen sehr bedeutend reducirt. Man darf deßhalb mit Recht auf dem- nächstige Erledigung der für Stadt und Land so wichtigen Frage hoffen.

Berlin. DieNordd. Allg Ztg. bringt an der Spitze ihres Blattes drei Correspondenzen, welche sie als von unterrichteter Seite kommend bezeichnet. Die beiden ersten, datirt Petersburg, den 16. und Wien, den 15. April besprechen die otrientalische Frage und betonen, daß die Situation nichte Gefahrdrohendes enthalte und daß das volle Einverständniß der drei Kaisermächte fortdauere.

Der Vorwurf daß Rußland Hintergedanken habe

und ein doppeltes Spiel treibe, sei auf das Be- streben zurückzuführen, zwischen Rußland und Oesterreich Unfrieden zu stiften, nachdem der Ver

such, zwischen Rußland und Deutschland Unfrieden

zu säen, sich als hoffnungelos erwiesen hade. Vollkommenste Loyalität Charakterzug der Politik des Kaisers Alexander.

Der dritte Brief dd. Buda⸗Pest, den 16, April,

theilt mit: In Betreff der Ausgleichs-Berhand

lungen zwischen Ungarn und Ocsterreich werde,

falls in der beutigen entscheidenden Minister-Con-

ferenz der Ausgleich nicht zu Stande komme, der von der ungarischen Regferung nicht zurückgewiesene durch die Krone als feststehendes Ausgleichs Programm auf- Wenn die österreichische Regierung die Vertretung dieses Programms vor dem Reichs rathe ablehne, so werde das österreichische Cabinet durch ein UebergangsMinisterium, welches dem Programme ber Krone die Majorität des Reichs⸗

Vermittlungs- Vorschlag Andrassy's

gestellt werden.

raths verschaffe, ersetzt werden. Kassel, 19. April.

sei ein hervorragender

Die hier tageude Real-

Gründung eines Vereins deulscher Realschulmänner erklärt.

Wiesbaden. Der Kaiser ist am 19. d. M. um 4 Uhr 45 Min. Nachmittags bier eingetroffen und durch die festlich geschmückte Wilhelm ⸗Straßze nach dem Schlosse gefahren. Am Bahnbose waren die landgräflich- hessische Familie und die Spitzen der Behörden zur Begrüßung versaumelt, und auf dem Wege nach dem Schlosse wurde der

Kaiser von einer unübersehbaren Volksmenge freudig bewillkommt. Ca ub. Unsere Stadt, schreibt man dem

Rh. K., ist wieder in großer Aufregung. Der drohende Bergabhang soll in den letzten 24 Stunden um mehr als einen Meter vorgerückt sein. In Folge dessen wurden die Bewohner von ca. 15 Vorder- und Hinterhäusern, etwa 30 Familen, polizeilich ausgewiesen, resp. ihren das Bewohnen ver Häuser zur Nachtzeit untersagt.

Metz. Die zu einem methodologischen Cursus einberufenen lothringischen Lehrer, 34 an der Zahl, sind eingetroffen. Dieselben sind sämmtlich aus dem französischen Sprachgebiet und sollen sich innerhalb 3 Wochen die deutsche Lehrweise insoweit theoretisch und praktisch aneignen, daß sie die im Lehr: plan gestellten Forderungen zu erfüllen im Stande sind. Am Schlusse des Curses, der von den Lehrern des hiesigen Seminars gegeben wird, wird eine Prüfung unter Anwesenheit des Bezirks- präsidenten abgehalten. Beköstigung und Reise⸗ entschädigung wird aus Landesfonds bestritten. Bis jetzt wurden vier solcher Curse abgehalten; nach dem Plane der Regierung werden dieselben auch in den nächsten Jahren stattfinden, bis sämmt liche Lehrer, die nicht in deutschen Anstalten ihre Ausbildung erhalten haben, sich mit der deutschen Methode vertraut gemacht haben.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 19. April. Gestern Nachmittag fand unter dem Vorsitze des Kaisers zur Erledigung der zwischen den beiden Reichshälften schwebenden handelspolitischen Fragen ein großer Ministerrath statt, welcher von 2 bis 6 Uhr dauerte. Die Verhandlungen zwischen der ungarischen und österreichischen Regierung dauern fort und es wird von beiden Seiten angenommen, daß eine endgültige Verständigung zwischen den Regierungen beider Reichshälfte bald werde er zielt sein.

20. April. Die Berathung beider Re- gierungen haben in manchen wesentlichen Punkten zu einer Verständigung geführt; in anderen Punkten konnte bisher eine Vereinbarung nicht erzielt werden. Bevor aber eine endgültige Entscheidung erfolgen kann, haben die ungarischen Minister es für nothwendig gefunden, nach Buda Pest zurück, zukehren, um sich mit ihren Partei-Genossen ins Ein verrehmen zu' setzen.

DerpPester Lloyd schreibt:Bosnien ist vollständig im Aufstande. In Wiener Armee kreisen wird von Mobilmachung gesprochen, die binnen 14 Tagen bevorstände. Die serbische Regierung hat mit dem hiesigen, in der Leder branche arbeitenden Hause Gerhardus Flesch, die Lieferung von 100,000 Schuhen gegen voraus- gehende Baarzahlung abgeschlossen. Von derselben Seite werden Hafereinkäufe auf den österreichischen Fruchtmärkten gemacht.

Frankreich. Paris. Das Ministerium Ricard hat mit seinen bisherigen Acten nicht das Glück gehabt, vie republikanische Majorität zu⸗ frieden zu stellen. Seit einigen Tagen, namentlich seit den letzten Personal Veränderungen in der höheren Verwaltung, kann man bemerken, daß nicht blos die radicale, sondern auch die gemäßigt republikanische Partei sich von diesem Ministerium abwendet, oder ihm doch zu verstehen gibt, daß man Anderes und mehr von ihm doch erwartet hätte. Es habe noch immer keinen Reformplan vorgebracht, vielmehr sich nur damit beschäftigt, einige Präfecten zu entlassen. Officiös wird ange kündigt, daß nach der Rückkehr Ricard's eine dritte Serie von Präfecten- Veränderungen folgen soll.

Großbritannien, London, 18. April. Das von Hamburg nach Brasilien bestimmte Schiff

schullehcer-Versammlung hat sich einstimmig fürHumboldt mit 350 Auswanderern an Bord ist

bei Winterton an der englischen Küste gestrandet. Der deutsche Consul hat sich behufs Hülfeleistung an Ort und Stelle begeben.

19. April. Der Hamburger Dampfer Humboldt if mit Hochwasser vom Strande wieder abgebracht und nach der Rhede vor Narmouth bugsirt worden. Der Schaden ist dem Anscheine nach gering. g

Spanien. Madrid. Es sind Anord- nungen zur Anwerbung von 16,000 Freiwilligen, die nach Cuba bestimmt sind, getroffen. Der Imparcial tritt engerisch für die Aufhebung der Fueros ein.

Der Prinz von Wales wird nächsten Montag hier erwartet und sich acht Tage bier aufhalten. Ihm zu Ehren werden Feste, Bälle und Stiergefechte veranstaltet.

Türkei. Constantinopel. Ein an den Kriegsminister gerichtetes Telegramm Mukbtar Pascha's vom 18. April lautet: Wir sind nach fortwährenden, auf dem Hin- und Rückmarsche durch sechs Tage den Insurgenten gelieferten sieg⸗ reichen Gefechten in Gacko eingetroffen. Die kaiserlichen Truppen haben glänzende Erfolge über den Feind errungen, welcher indessen uns an Zahl zweimal überlegen, etwa 14,000 Mann stark war. Diesmal führte der Fürst von Montenegro offen gegen uns Krieg. Bei 7000 gut equipirte und

regelmäßig organisirte Montenegriner hatten sich

den Insurgenten angeschlossen, um uns zu bekämpfen.

Derwisch Pascha ist an Stelle von Riza Pascha zum Kriegsminister, Abdul Kerim Pascha zum Marineminister ernannt worden.

Amerika. New Nork. Dem hiesigen Consulate der Republik Haiti ist aus Kingston die telegraphische Meldung zugegangen, daß die Partei der Aufständischen auf Haiti den Sieg davon trug und den Präsidenten, den Viceprä⸗ sidenten, und den commandirenden General er schießen ließ.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Im preußischen Staate sind, der Deulschen Schulzeitung zufolge, 4508 Lehrerstellen nicht ordnungsmäßig besetzt, so daß dadurch ungefähr 300,000 Kinder keinen ordnungsmäßigen Unterricht haben.

Gießen. Neulich fand hier ein Billard⸗Tourniet stalt, in welchem der hiesige Kaufmann Herr W. den Lieutenant a. D. Herrn E. um 44 Points(auf 500) über⸗ flügelte. Am 16. fand nun in den Räumen des hiesigen Gesellschaftsbauses vor einer großen Corona sachverständiger Zuschauer die Revanche-Partie statt. Diesmal stegte Herr Lieutenant E., und zwar mit 500 Points gegen nur 326 also um 30 Points glänzender als Herr W. in der ersten Partie. Das Publicum folgte den Perpetien des Kampfes mit athemloser Spannung. Eine Zeit lang schien der Sieg unentschieden Herr W. hatte 325 Points, Herr E. 323. Dann aber neigte sich die Wagschale rasch zu Gunsten des Letzteren. Die Versammlung war ein unmig der Ausicht, daß beide Contrahenien sich ganz vorzüglichgepaukt halten. Der Kampf dauerte 4 Stunden 6 Minuten. Ein Tournier mit auswärtigen Billard⸗ Virtuosen steht, wie wir böten, bevor.

Dar mstadt. Am 18. April wurde der vom Volks⸗ vildungsverein veranstaltete Zeichencursus für Volksschul⸗ lehrer nach Kumpa'scher Methode in der Turnhalle am Woogsplatz mit ca. 50 Theilnebmern aus den verschiedenen Provinzen des Großherzogthums eröffnet.

Wörrstadt. Dahier soll eine Präparandenanstalt die dritte in unserem Lande errichtet worden.

Allerlei.

Berlin. Hiesige Bläiter erzählen: Vor etwa zwölf Jahren machte es in Berlin allgemeines Aussehen, daß ein Fürn X. einer Schauspielerin zweiten Ranges Herz und Hand zu Füßen legte; die vornehmen Verwandten des Liebhabers rümpften die Nasen, konnten aber kein Mittel finden, den einmal geihanen Schritt rückgängig zu machen. Die Ehe des fürstlichen Paares schien trotz der Mesalliance eine glückliche zu sein, als man plötzlich erfährt, daß der Fülst vou seiner Gattin geschieden worden. Die ob des früheren Bundes Entrüstelen erstreben nunmehr wieder eine Aussöynung mit dem Fürsten, sind aber nicht wenig entläuscht, als ihnen dieser erklärt, daß die Ursache des ersten Zwistes zwar gehoben, hingegen ein zweiter dadurch unvermeidlich sei, daß er sich entschlossen, die Schwester der geschiedenen Gattin zu heirathen. Dies ist denn auch in diesen Tagen füll geschehen, nachdem kurz zuvor die geschiedene Fürstin sich mit einem ehemaligen Haushof meister verbunden batte. Die Hochzeiten hätten Ben Akiba den Glauben an sich selbsi verlieren lassen können; auf der Hochzeit der geschiedenen Fürstin mit dem Haushof⸗ meister waren nämlich der frühere Mann der Braut und deren Schwester anwesend und auf der Hochzeit des Fürsten mit der zweiten Frau erschien das kürzlich getraute Pärchen als Gäste.

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