habe durch einen Delegirten die Berathung zwischen der Freiburger Curie und der Regierung bezüglich der Besetzung des Erzbisthums selbst fortsetzen lassen, beruht offenbar auf einer irrigen Annahme, da der Ministerial-Präsident Stößer gegenwärtig in den größeren Städten des Landes die ihm unterstellten Anstalten einer Besichtigung unterzieht und im Verfolg dieser Thätigkeit sich auch einige Tage in Freiburg aufgehalten hat.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 19. Dec. Das Abeordnetenhaus hat den Staats⸗Voranschlag und das Finanzgesetz für 1877 nach den Aus- schuß⸗Anträgen angenommen, nachdem zuvor Herbst unter lebhaftem Beifall hervorgehoben hatte, es sei nothwendig, im gegenwärtigen kritischen Momente das Ministerium einmüthig zu unterstützen.
Pest. Graf Andrassy bleibt bis Weihnachten hier. Neueren Dispositionen zufolge begeben sich die ungarischen Minister nicht nach Wien, da man der Rückkehr des Kaisers hierher entgegensieht.
— 19. Dez. Der Minister⸗Präsident v. Tisza beantwortete in der heutigen Sitzung des Ab- geordnetenhauses eine Interpellation betreffs der Zustände Dalmatiens dahin, daß Dalmatien gegen- wärtig thatsächlich zu Oesterreich gehöre und Ungarn sich in die innere Verwaltung Oesterreichs nicht einmengen könne; er könne sich rücksichtlich der Untersuchung des amtlichen Vorgehens solcher österreichischer Regierungsorgane, deren Wirksam- keit auf die Entwicklung der orientalischen Ereig- nisse von Einfluß ist, um so weniger berufen fühlen, als er zur Politik und Energie Andrassy's volles Vertrauen habe. Das Haus hat ferner den mit Frankreich und England abgeschlossenen Handelsverträgen zugestimmt.
Holland. Haag, 18 Dez. Die erste Kammer hat mit 16 gegen 11 Stimmen das Münz⸗Gesetz für Holland verworfen und die Be- rathung des Münz⸗Gesetzes für Niederländisch- Indien auf unbestimmte Zeit vertagt.
Großbritannien. London, 19 Dez. Gestern hat ein Cabinets-Conseil stattgefunden, welchem 11 Minister beiwohnten.
Spanien. Madrid, 17. December. Im Congreß beantwortete der Minister der auswärtigen Angelegenheiten eine Interpellation bezüglich der Ausweisung der spanischen Uaruhestifter aus Frank- reich dahin: Spanien sei erkenntlich für die Dienste, die ihm von Frankreich erwiesen würden.
Italien. Rom, 18. December. Cardinal Patrizi, Decan des Collegiume der Cardinäle, ist gestorben. Der Papst hat ein Consistorium abge⸗ halten, in welchem die Ceremonie des Mundschließens und Mundöffnens bei dem Cardinal Simeoni vor sich ging und ferner 14 neue Bischöfe, darunter 5 in partibus, ernannt wurden.
— 19. Dec. Bei Berathung des Budgets des Ministeriums des Aeußeren in der Depu— tirtenkammer wurde die Regierung Seitens der Deputirten Miceli und Petrucelli wegen ihrer Haltung in der orientalischen Frage und von Marcora wegen der erfolgten Verhaftung einiger Italiener in Trentino interpellirt. In seiner Erwiederung äußerte sich der Minister— Präsident Depretis dahin: bezüglich der orien— talischen Frage könne die Regierung gegen— wärtig keine eingehenden Aufschlüsse geben und müsse sich auf die Erklärung beschränken, daß Italien sich von dem Pariser Vertrage nicht lossagen könne, auf Grund dessen es sich neben den übrigen Großmächten an allen zur Verhandlung gekommenen Fragen betheiligte. „Die Haltung der Regierung unter den gegen— wärtigen Umständen ist bestimmt durch unser Friedens-Bedürfniß und unsere diplomatischen Beziehungen, ohne indeß die Pflichten der Humanität und Civilisation zu verkennen und angestrengte Bemühungen zur möglichsten Ver⸗ besserung des Looses der christlichen Bevölkerung zu unterlassen.“ Der Minister sprach schließlich die Hoffnung aus, die versöhnende Mission Italiens werde guten Erfolg haben. Bezüglich der Interpellation Marcora's erklärte Depretis, daß es sich dabei um rein gerichtliche Ange— legenheiten handle, über die er nicht genau
informirt sei; doch würden die verahfteten Italiener sicherlich nach den Landes-Gesetzen abgeurtheilt werden, andernfalls werde die Regierung ihre Schuldigkeit thun.
— Der Minister des Auswärtigen, Melegari, ist von seiner Krankheit noch nicht genesen. — Mehrere Bischöfe haben neuerdings unter Beobachtung der erforderlichen Formalitäten bei dem Ministerium die Ertheilung des Exe— quatur nachgesucht.
Türkei. Constantinopel. Der griechische Gesandte hat einigen hiesigen Vertretern der Mächte ein Memorandum seiner Regierung mitgetheilt, welches der Conferenz vorgelegt werden soll.
— 17. December. Die„Tel. Corr.“ meldet: Bisher formulirte die Conferenz keinerlei definitiven Beschluß. Alle Fragen, namentlich die der Oceu⸗— pation, sind geprüft, aber nichts ist festgesetzt worden. Die Pforte lehnt jede Occupation ab. Die Be⸗ vollmächtigten versammelten sich heute nicht officiel zur Regelung gewisser Details. Die Ueberein⸗ stimmung erhält sich bis jetzt. Die erste Conferenz unter Zuziehung der ottomanischen Bevollmächtigten tritt bald zusammen.
— 18. Dez. Dem„Temps“ zufolge haben die Conferenz- Bevollmächtigten zu Constantinopel gestern ihren Regierungen die Mittheilung der auf der Vorconferenz angenommenen Beschlüsse übersendet, um sie deren Genehmigung zu unter breiten. Die Haltung Rußlands auf der Vor- conferenz wäre, derselben Zeitung nach, sehr ent⸗ gegenkommend; dasselbe bestehe weder auf Oecu— pation durch seine eigenen Truppen, noch auf der Entwaffnung der mohamedanischen Einwohner. Italien habe es ebenfalls abgelehnt, Truppen behufs einer Occupation abzusenden.
Serbien. Belgrad. Die serbische Re- gierung ist auf die Forderung Oesterreichs, den Vorfall auf dem österreichischen Dampfer Radetzky durch eine gemischte Commission untersuchen zu lassen, eingegangen und hat feierlich zugesagt, die eventuellen Schuldigen mit aller Strenge zu be— strafen. Hier betrachlet man die Verlängerung des Waffe n⸗Stillstandes bis zum 1. März als unmittelbar bevorstehend.
Griechenland. Athen, 14. December. Die Deputirtenkammer hat die Aufnahme einer Anleihe von 10 Millsonen Drachmen für die außer⸗ ordentliche Aufbietung von Streitkräften genehmigt.
Rußland. Petersburg. Die„Mos⸗ kauer Zeitung“ weist darauf hin, daß Frankreich gegenwärtig eine gewisse Sympathie für die Türkei zeige, während dasselbe früher Rußlands Freund- schaft gesucht habe.
— Der„Herold“ bezeichnet es als äußerstes Zugeständniß, welches Rußland bezüglich der er- forderlichen sicheren Garantie, welche allein durch
die Occupation der bezüglichen türkischen Provinzen
gewährt werde, machen könne, wenn Rußland die Occupation durch neutrale Truppen acceptire.
Amerika. Washington. Aus der dem Congreß mitgetheilten Correspondenz über die Frage der Auslieferung von criminell angeklagten Personen zwischen der Union und Britisch. Amerika geht hervor, daß Staats ⸗Secretär Fish davon abgesehen hat, die Auslieferung von strafrechtlich verfolgten Amerikanern zu beantragen nnd ebenso auch die Auslieferung der verfolgten Canadier ablehnte.
— 19. Dec. Eine aus beiden Häusern des Congresses gebildete Commission ist beauftragt, einen Gesetzentwurf vorzubereiten betreffend die Regelung der Zählung der Wahlstimmen bei der Wahl des Bundes-Präsidenten.
Aus Stadt und Land.
W. Rendel. Am 8. December feierten wir hier ein seltenes und schönes Fest, nämlich das 50jährige Dienst⸗ jubiläum des allverehrten Lehrers Runk, eines Ehren⸗ mannes in des Wortes vollster Bedeutung. Früh Morgeus kamen die Festgäste von allen Seiten an, ca. 100 Tbeil⸗ nehmer mögen es im Ganzen gewesen sein. Um 10 Uhr Morgens fand zuerst eine kirchliche Feier statt. Nach Ab⸗ singung des Liedes„Lobet den Herrn“, hielt der Orts— geistliche eine ergreisende Ansprache über Colosser J., 12. 13. Hiernach überreichte der Vorsitzende der Kreisschulcommission Namens der Regierung dem Juvilar die Verdienstmedaille „Für langjährige treue Dienste“, während der Kreisschul⸗ inspector ihm im Namen der Schulbehörde für sein langes
und treues Wirken im Dienste der Schule dankte. Lehrer Backes gedachte noch in warmen Worten des schönen und herzlichen Verhälinisses mit den Collegen, worauf eine Motette, von den Lehrern gesungen, und„Die Kapelle“,
ausgeführt von der Fesimusik, folgten. Hierauf bewegte sich der Festzug nach dem Festlokal bei Gastwirth Leonhardt, der für ein ireffliches Festmahl gesorgt hatte. Hier wur⸗ den dem Jubilar eine große Menge Geschenke von Corpo⸗ tationen und Freunden überreicht; wir führen hier nur folgende an: ein silbernes Tin senfsaß und ein Tafelaufsatz von der Gemeinde, ein Sopha von seinen Collegen Sessel, Blumenständer und Büchergestell von seinen Schülern, ein silberner Becher von der Freimaurerloge in Friedberg ꝛc. ꝛc. Der Jubilar dankte Allen sichtlich gerührt. Das Festmahl wurde gewürzt durch Musik, Gesang und Reden. Von Letzteren führen wir an: den Toast auf den Großherzog, den Jubilar, die Gemeinde, die Kreis-Schulcommisston, den Lehrerstand ꝛc. ꝛc. Lebter Epplé in Ockstadt hatte zwei Festlieder gebracht, die mit vielem Beifall aufgenom⸗ men wurden. Bis spät in die Nacht hinein blieben die Fistiheilnehmer beisammen und trennten sich mit dem Bewußtsein, ein schönes und erhebendes Fest gefeiert zu haben. Mögen dem würdigen Jubilar noch viele heitere Tage an der Seite seiner treuen Gattin bescheert sein, und möge ihm die ganze Festlichkeit ein Beweis sein, in welch hoher Achtung er bei Allen, hoch und nieder, steht.
Gießen, 18. Dec. Am verflossenen Samstag Abend wurde auf dem Cöln-Gießener Bahnhof einem jungen Mann ein Bein abgefahren.
Darmstadt. Der Thäligkeit der Criminalpolizei ist es gelungen, den Menschen, welcher kürzlich in der Nähe des Dippelshoses ein Verbrechen gegen die Sittlichkeit ver⸗ üble, in der Person des Adam Hönig aus dem Odenwald, eines schlecht beleumundeten Subjectes, das sich hauplsäch⸗ lich durch Vogelfang ernährt und seit einigen Monaten hier wohnhaft ist, zu ermitteln. Am Samstag erfolgte dessen Verhaftung und gestern wurde unter Zuziehung von Ortsgerichtsmännern bei demselben Haussuchung vorge— nommen, wobei dem Vernehmen nach weiteres Beweis⸗ material erhoben wurde.
Allerlei.
Frankfurt, 19. Nov. Gestern wurde das seltene Fest einer diamantenen Hochzeit gefeiert. Das glückliche Paar, dem die Glückwünsche des Kaisers durch Polizei⸗ präsidenten Hergenhahn überbracht wurden, erfreut sich noch auter Gesundheit. Carl Loeb(81 J.) und Frau(82 J.) Von 12 Kindern sind noch 6 am Leben. Frankfurt, 19. Dec. Vorgestern Abend kurz vor 9 Uhr wurde ein hiesiger Koch, der sich mit seinem Sohne auf dem Main⸗Weser Bahnhof befand, von einer Loco⸗ motive daselbst überfahren. Der um jene Zeit ankommende Schnellzug war nämlich in den Bahnhof eingelaufen. Eine von rückwärts kommende Locomotive holt von diesem Zuge stets die leeren Wigen ab, und unter diese Locomotive ist der Verunglückte wahrscheinlich dadurch gerathen, daß er von der Rampe herarfiel. Als man ihn auf den Schienen wahr⸗ nahm, war es bereits zu spät, ihn zu retten. Die Loco— molive suhr ihm die rechte Hand, den rechten Unterschenkel und den linken Fuß ab. Trotz dieser gräßlichen Verletz⸗ ungen lebte der Mann aber noch ca. eine halbe Stunde. Der Sohn war bei dem Hinabsturz seines Vaters für kurze Zeit hinter einen Güterschuppen getreten und war außer Stande, eine Auskunft zu ertheilen, er befand sich in einem solchen Grade der Trunkenheit, daß er auf die Polizeiwache gebracht werden mußle. Der Laternenanzünder hatte die beiden Leute vorher schon in nachdrücklicher Weise ermahnt, sich in Acht zu nehmen.
Nieder-Lahnstein, 17. Dec. Gestern Nachmittag ereignete sich hier ein schwerer Unglücksfall. Der in Ober⸗ Lahnstein stationirte Eisenbahn-Assistent Gayer, ein noch ganz junger Mann, hatte den Güterzug nach Nieder⸗Lahn⸗ siein zu begleiten und dort zu übergeben; mitten im Fahren sprang der Assistent vor Nieder Lahnstein vom Zuge, fiel aber so unglücklich, daß er von demselben total zer⸗ malmt wurde.
Kassel, 18. Dec. Ein unerhörtes Aitentat ist in der Nacht vom Sonnabend auf Sonntag zwischen 12 und 1 Uhr auf offener Straße in hiesiger Stadt vollführt worden. Es wurde nämlich der Ofenfabrikant Emil Wehr⸗ bein in der Hohenthorstraße, ganz in der Nähe seiner Be⸗ hausung, von fünf jungen Leuten überfallen und so mit Messerstichen bedeckt, daß derselbe sich nur mit größter Ansirengung nach Hause schleppen konnte und nun lebens⸗ gefährlich krank darnieder liegt. Ein Stich soll bis in die Lunge gedrungen sein. Noch in derselben Nacht sind die Burschen arrelirt worden und hätte man, wie erzählt wird, bei einem, welcher mit blutigen Händen sich im Bett befand, noch das blutige Messer auf dem Tisch liegend gefunden. Wie man nicht ohne Grund annimmt, soll man es mit einem Act der Rache zu thun haben. Die Empörung über die ruchlose That ist so allgemein, daß man mit Ungeduld weiteren Ausklärungen im Publikum entgegen sieht. Wehrbein ist Vater einer zahlreichen Familie,
London, 18. Dec. In Folge einer bei Newport (Monmouihshire) staugehabten Kohlengruben⸗ Explosion sind viele Menschen um's Leben gekommen; die Zahl der bisher aufgefundenen Todten beträgt 17; noch mehr Per⸗ sonen sind erheblich beschädigt.
Handel und Verkehr. Friedberg, 19. Dec. Waizen M. 24.—. Korn M. 20.—. Gerste M. 18.—. Hafer M. 15—20. Kar⸗ toffeln M. 3.—. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo 200 Zollpfund. 5 Frankfurt, 18. Dec.(Viehmarkt.) Der heulige Markt war gut befahren. Angetrieben waren: 360 Ochsen
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