Hamburg. Die Ende 1875 errichtete deutsche Seewarte ist nunmehr constituirt. Die Hamburger Central- Stelle hat einen Director(Neumayer), vier Abtheilungs⸗Vorsteher, worunter der Director der Sternwarte(Rümker), sechs Hülfs⸗ Arbeiter, die Büreaus einen Unterbeamten. Der Neben- stellen sind neunzehn, nämlich Agenturen ersten und zweiten Ranges, Vorsteher und Beobachter an den Normal- Beobachtungs-Stationen. Endlich bestehen vierzig Signal⸗Stationen.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 18. Sept. Oesterreich ist zu gemeinsamer bewaffneter Inter- vention mit Rußland bereit, falls die Friedens- Versuche scheitern sollten, deßhalb unterbleibt die (isolirte) russische Action.
Holland. Haag, 18. Sept. In der Thronrede, mit welcher die neue Session der General- Staaten eröffnet wurde, wies der König auf die fortgesetzt freundschaftlichen Beziehungen zu den auswärtigen Mächten, die günstige innere Lage und die stetige Zunahme der Staats- Ein nahmen hin. Der Krieg im nördlichen Sumatra sei zwar noch nicht beendigt, aber sonst herrsche in ganz Indien die vollständigste Ruhe. Auch die Beilegung des Zwistes mit Venezuela sei demnächst zu erwarten. Angekündigt wurden Vorlagen über die Reform der Justiz Gesetzgebung, des Wahl-Gesetzes, des Volksunterrichts⸗Gesetzes und des Steuerwesens.
Großbritannien. London, 18. Sept. Heute Nachmittags fand in der Citz unter dem Vorsitze des Lordmayor eine große Versammlung statt und nahm einstimmig eine Resolution an, welche gegen die von den Türken verübten Grau- samkeiten protestirt, Schritte zur Beendigung der selben fordert und die Regierung auffordert, die Unabhängigkeits⸗Bestrebungen der slavischen Pro- vinzen der Türkei zu unterstützen. Die Versamm-
lung votirte eine entsprechende Adresse an die Königin und wählte eine Deputation, um die gefaßten Beschlüsse den Lords Beaconsfield und Derby mitzutheilen.
Spanien. Madrid. Die Nachricht, daß ein Noten-Austausch über die an die protestantischen Pfarrer in Spanien erlassenen Verfügungen wegen Rücknahme ihrer Anschläge bezüglich Ausübung des Cultus stattgefunden habe, wird als unbe- gründet bezeichnet; die spanische Regierung hat keinerlei Depeschen über diesen Gegenstand er- halten. Der englische Gesandte hatte blos eine vertraulische Unterredung mit dem Minister des Aeußern; dieselbe habe aber keinerlei Folge gehabt, da die Regierung der Verfassung gemäß ge⸗ handelt babe.
— Das Journal„Diario“ erwähnt der Nachricht eines Journals von Valladolid, wonach der Präfect den Verkauf von protestantischen Bibeln verboten habe.„Diario“ beschwört die Regierung, die Thatsache zu untersuchen und den Präfecten zur Verantwortung zu ziehen, wenn es sich ergeben sollte, daß er den Artikel 11 der Verfassung ver letzt habe. ö
Italien. Rom, 18. September. Gestern haben zahlreich besuchte Meetings in Neapel und Turin zu Gunsten der Christen in der Türkei stattgefunden.
Türkei. Constantinpel, 18. Sept. Berliner Nachrichten besagen, daß die Vertreter der Großmächte erklärten, die türkischen Beding; ungen seien unannehmbar zur Unterhandlungs- Basis. England beharre in der Rolle eines Be- schützers der Pforte. Auch der„Diritto“ in Rom hält die Friedens Bedingungen der Pforte für unzulässig Ein Frieden unter solchen Bedingungen wäre die beständige Aufrechthaltung des Kriegs- herdes, eine Verschlimmerung des Standes der Verhältnisse vor dem Kriege und würde statt der Herstellung der Ruhe neue Motive zu Unruhen schaffen. Die einzige Basis zu Unterhandlungen mit Hoffnung auf Erfolg sei der„status quo“ Serblens. Ebenso sagen die„Times“, daß die Friedensbedingungen nicht annehmbar sind. Eine Wiederbesetzung der serbischen Festungen durch die Türken sei rein unmöglich, weil dieselbe eine ständige
Drohung für den europäischen Frieden bilden
würde.„Times“ plaidiren für die Regelung der Friedens Bedingungen durch eine Conferenz der europälschen Mächte. Nach Wiener Nachrichten verlautet, daß die Großmächte in Constantinopel erklärt haben, die Friedens Bedingungen in Er⸗ wägung ziehen zu wollen, wenn die Pforte eine definitive Waffen ⸗Ruhe gewähre.
— 19. Sept. Durch Erlaß des Sultans wird behufs Erleichterung der Friedens-Verhand— lungen die Einstellung der Feindseligkeiten auf 10 Tage, vom 16—25., verfügt. Die Pforte hat weitere Zugeständnisse gemacht, indem sie die Friedens-Bedingungen auf folgende vier Punkte einschränkte: Vertheilung der Auszahlung der Kriegs- Entschädigung auf einen Zeitraum von 10 Jahren, bis zur vollständigen Abtragung der Kriegs-Entschädigung, Besetzung von zwei serbischen Festungen, Anerkennung des Fürsten Milan ohne Investitur in Constantinopel, Bildung eines neuen Ministeriums in Serbien.
Montenegro. Cettinje, 16. Sept. Nach in Wien eingegangenen Berichten hat am 14. d. bei Spuz ein lebhaftes Scharmützel zwischen Türken und Montenegrinern stattgefunden. Sämmt— liche türkischen Forts hatten gegen die montene— griner Vorposten eine lebhafte Kanonade eröffnet, die indeß erfolglos blieb.
— 18. Sept. Die ausgehungerte Besatzung der türkischen Bergveste Medun machte am 14. c, einen Versuch, sich nach Podgorizza durchzuschlagen, wurde jedoch zurückgeworfen.
Serbien. Belgrad, 19. Sept. Die Armee hatte den Versuch gemacht, den Fürsten Milan zum König von Serbien auszurusen; die „Pol. Corr.“ schreibt hierzu unter hochofficiösem Zeichen: Mit Beziehung auf die Nachricht von der Ausrufung des Fürsten Milan zum König können wir mittheilen, daß allerdings Seitens der serbischen Truppen eine solche Kundgebung statt— gefunden hat, vernehmen jedoch gleichzeitig, daß diese unter dem ersten Eindrucke der Bekannt- werdung der türkischen Friedens-Bedingungen von den serbischen Truppen in's Werk gesetzte Mani— festation auch von maßgebender serbischer Stelle aus als bedeutungslos betrachtet und erklärt wor den ist. Nach Versicherung von derselben Seite haben der Fürst und dessen Regierung, indem sie unerschütterlich auf dem Boden der Friedensbe- strebungen beharren, jene Demostration mit Ent- schiedenheit zurückgewiesen und derseben selbstver— ständlich keine weitere Folge gegeben.
Rumänien. Bukarest. Bei den jetzt begonnenen Herbst-Uebungen werden Truppen⸗ Concenttationen absichtlich vermieden, um keinerlei Grund zu Befürchtungen und Argwohn zu geben.
Aegypten. Kairo. Die Gerüchte an der Londoner Börse über Zurücknahme des Decrets wegen Unification der Schuld sind unbegründet.
Die Unterhandlungen über die an Göschen ge—
sandten Vorschläge werden fortgesetzt.
China. Pecking. Nord- China ist von einer Hungersnoth bedroht, deren Ausdehnung und Heftigkeit sich noch gar nicht absehen läßt. Der größere Theil von Chili und ein großer District von Chatung leiden an einer wirklichen Theuerung, und die Herbsternte scheint hoffnungs⸗ los mißrathen zu sein. Missionäre schildern den Nothstand der in einigen Districten der letzteren Provinz herrscht, in den düstersten Farben. Die Einwohner haben alle ihre Getreidevorräthe auf— gezehrt und sogar ihre Ackergeräthschaften verpfändet.
Aus Stadt und Land.
—2— Petterweil. Unser Ort hat diese Woche einen sehr schmerzlichen Verlust zu verzeichnen. Herr Pfarrer Kalbhenn, ein in seinem Berufe ebenso ge⸗ wissenhafter, als im Leben ausgezeichneter, durch und durch edler und charaklervoller Mann hat uns nach jahrelangem, segensreichen Wirken verlassen, um in Burg-Gräfenrod ein neues Heim zu finden. Möge sein Andenken ein gesegnetes bei uns bleiben.
Darmstadt. Der Thierschutz⸗Verein für das Großh. Hessen zählte am 1. Januar d. J. 3575 Mitglieder incl. der fürsttichen und Ehrenmitglieder. Möge das segens—
reiche Wirken des Vereins noch recht Viele zum Beitritt
veraulassen, zumal bei dem geringen Beitrag noch die
Zeilschrift des Vereins gratis abgegeben wird. Darmstadi. Vor dem Bezirksstrafgericht wurden
dieser Tage zwei Kellner einer hiesigen Brauerei, Wilhelm
Hulhmann von Nieder⸗Ramstadt und H. Becker von Grün fab wegen eines empörenden Falles von Thierquälerel
zu 20 M. Strase verurtheilt. Dieselben bemerkten s. 3. daß sich nach Schluß der Wirthschaft noch ein kleines Hündchen im Locale befand, und hetzlen und schlugen dasselbe mit Besen und Kohlenschausel so lange, bis es liegen blieb. Sie warfen das gemißhandelte Thier schließ⸗ lich zum Fenster hinaus, von wo es auf den Mathilden⸗ platz kroch und baselbst verendete. Schade, daß die beiden rohen Bursche so glimpflich davon kamen.
Mainz. Nachls sollte ein schwer beladener Güterzug in den hiesigen Bahnhof der Hess. Ludwigsbahn einlaufen. Der am Holz⸗ thore stehende Bahnwärter halte übersehen, die Weiche zu siellen, so daß der Güterzug mit voller Kraft auf einen im Bahnhof stehenden leeren Personenzug rannte. Der Zusammenstoß war so stark, daß drei Wagen vollständig zertrümmert und acht Wagen sehr beschädigt wurden.
Mainz. Wie man von hier mittheilt, ist man mit Aussicht auf Erfolg bestrebt, das echte Grab des berühmten Erfinders der Buchdruckerkunst zu ermitteln. Bisher ver⸗ muthete man dasselbe in der Franziekanerkirche in Mainz. Nun weist aber Dr. Bockenheimer nach, das Grab Guten⸗ berg's sei in der Dominikanerkirche zu suchen, wo zahlreiche Denksteine der Familie Gensfleisch, welcher Gutenberg be— kanntlich angehörte, vorhanden und von Grabmälern ber verwandten Familien der Berwolf, Boderam, Gostenhofer, Gelthus und anderer Mainzer Geschlechter umgeben find. Nun ist die Dominikanerkirche, deren ausgezeichnete Resiau⸗ ration im Jahre 1833 ein Werk des verstorbenen Bauralhs Dr. F. X. Geier war, unlängst abgebrannt, und so hofft man denn bei den nach dieser Katastrophe bevorstehenden Bau⸗Arbeilen in den Fundamenten der alten Kirche eine Reihe interessanter historischer Funde zu machen. Möglich, daß dabei die Gebeine des Vaters der Buchdrucker zum Vorschein kommen.
Allerlei.
Frankfurt. Warum die Fremden unsere Gegenden meiden. Der„Mainzer Anz.“ schreibt: Wir haben schon Verschiedenes zur Beantwortung dieser Frage gebracht, aber die Hrn. Wirthe sorgen, daß der Faden nicht abreißt, Zwei Bewohner von Mainz, darunler ein hiesiger Restau⸗ tationsbesitzer, der als Fachkenner wohl die Verhältnisse beurtheilen kann, bringen mit Recht entrüstet uns aus dem„Casé Restaurant Diette“ in Frankfurt eine Nose mit, nach welcher sie dort 4„Salzssängel“ mit 80(achtzig) Pfennig, 4 Tassen oder Schalen Bouillon aber(die Note nennt sie Consommés), darunter 3 mit Eier, mit 3 M. 40 Pf.(drei Mark vierzig Pfennig) bezahlt haben.(In Frankreich kostet ein solches„Consomms“ durchschnittlich, selbst auf Bahnhöfen, 50 Centimes.“) Ist es da den Reisenden zu verdenken, wenn sie rasch die Gegenden auf, suchen, wo nicht blos die Millionäre leben können!
Köln, 18. Sept. Der Dirigent des Kölner Männer; Gesang⸗Vereins, Professor Franz Weber, ist gestorben.
Stuttgart, 17. Sept. Staatsminister v. Golther ist heute Morgen halb 6 Uhr gestorben.
Gotha, 13. Sept. Bezüglich der hier einzuführen⸗ den facultativen Leichen⸗Verbrennung wurde in der gestrigen Stadtverordneten-Sitzung dem Antrage des Stadtraihs gemäß beschlossen, die vom hiesigen Leichen⸗Verbrennungs⸗ Vereine dem Stadtrathe zum Zwecke der Anschaffung eines Siemens'schen Verbrennungs-Ofens zur Verfügung gestellten 15,000 Mark zu acceptiren; ferner zugestimmt, daß dieser Apparat auf dem in der Nähe der Langensalzaer Chaussee anzulegenden Friedhofe, bezw. in der dort zu erbauenden Leichenhalle errichtet werde, und endlich das vom Stadt⸗ Rathe vorbehaltlich der Zustimmung des Ministeriums, welches principiell der Leichen Verbrennung nicht entgegen ist, aufgestellte Statut und der zugleich nothwendig ge⸗ wordene Nachtrag zur Friedhofs-Ordnung genehmigt.
Bremen. Von der Deutschen Gesellschaft zur Retlung Schiffbrüchiger wird wieder eine Rettung gemeldet: Am 11. d. M., Nachmittags 3½ Uhr, überbrachte ein Mann die Nachricht, daß auf Minsener Olde⸗Oog, in der Nähe der Blauenbalje, ein Schiff auf dem Strande und in der Brandung sitze. Das Schiff trage die Nothflagge. Die Bootsmannschaft war bald versammelt, das Rettungsboot schleunigst aus dem Schuppen zu Wasser gebracht und fertig gemacht, so daß es schon um 4 Uhr, mit dem Vor⸗ mann und 6 kräftigen Ruderern bemannt, hier abfahren konnte. Die Schiffs mannschaft, bestehend aus Kapitän, Steuermann und Koch, wurde durchnäßt und erschöpft um 9 Uhr Abends dei Schillighörn glücklich ans Land gebracht und von da sorgfältig nach Horumersiel geleitet, wo sie gesiärkt und gebetlet wurde. Das gestrandete Schiff ist die deutsche Tjalk„Anna Gesina“ von Rhauderfehn, mit Rappssaat von Schulperstel nach Leer bestimm!.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 18. Sept.(Viehmarkt.) Der heutige Markt war gut befahren. Angelrieben waren; 330 Ochsen, 270 Kühe und Rinder, 360 Kälber und 400 Hämmel⸗ Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 63.43 bis 66.86, 2. Qual M. 58.29— 61.71. Kühe und Rinder 1. Qual. M. 56.75- 60.—, 2. Qual. M. 46.29 bis 49.71. Kälber 1. Qual. M. 62-64, 2. Qual. M. 55 bis 60. Hämmel 1. Qual. M. 54— 56, 2. Qual, M. 42— 45.
Frankfurt, 18. Sept. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 40., Nr. 2 M. 36., Ni. 3 M. 32., Nr. 4 M. 28., Nr. 5 M. 22. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 26., do. II.(Berliner Marke) M. 21., Weizen, hiesiger M., 24.50, fremder je vach Qualität M. 18—22., Korn M. 17.75 bis 18., Gerste M. 17.50—19., Hafer M. 16.50— 17.50. Kohlsamen M. 36. Br., Erbsen M. 21—24., Wicken
Am 16. Seplember zwischen 10 und 11 Uhr 5
D
W
W


