Ausgabe 
20.5.1876
 
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393 gegen 52 Stimmen den Antrag Raspail auf

Capitän⸗Lieutepants v. Pawels nach Constantinopel in See. N

München. Die liberale Fraction hat sich in einer Clubsitzung für die Erhöhung der kgl. Civilliste erklärt. Die Klerikalen sind bekanntlich ebenfalls für dieselbe.

Straßburg, 17. Mai. Die Session des Landes- Ausschusses wurde heute eröffnet. Ober⸗ Präsident von Möller hob in seiner Eröffnungs⸗ Rede insbesondere die Bedeutung des bereits be kannten Gesetzentwurss hervor, welcher das Gewicht der Stimme des Landes- Ausschusses bei der Landes⸗Gesetzgebung bedeutend verstärken soll, und wies ferner auf die Vorlage hin, welche den Kreisen Corporationsrechte verleihen soll, wodurch die Bevölkerung mehr zur unmittelbaren Theil nahme an der Verwaltung herangezogen würde. Es wurde Schlumberger mit 26 gegen 2 Stimmen zum Präsidenten, Zorn v. Bulach mit 20 Stimmen zum Vicepräsidenten gewählt.

Wie es heißt, sei Hoffnung vorhanden, daß der Kaiser im Laufe des Sommers den Elsaß besucht.

Ausland. Oesterreich-Ungarn. Pest, 18. Mai. Bei dem heutigen Empfange der Delegationen hob der Kaiser in seiner Erwiederung auf die huldigen⸗ den Ansprachen der Präsidenten hervor, die Ereignisse im Orient vermöchten den Entschluß nur zu be⸗ festigen, das Verhältniß der drei Kaiserreiche noch näher und inniger zu gestalten. Der Kaiser erwarte zuversichtlich, es werde den vereinigten Bemühungen der drei Keiser⸗Mächte und der anderen befreundeten Großmächte gelingen, den europäischen Frieden zu erhalten, und er hege die Hoffnung, daß die Bestre bungen der Mächte, die Pforte bei dem Patisi⸗ cationswerk zu unterstützen, nicht erfolglos bleiben werden. Die Vorlagen der Regierung würden das Bestreben erkennen lassen, alle Anforderungen auszuschießen, welche nicht durch die Rücksicht auf Er⸗ haltung der Wehrkraft der Monarchie geboten seien. Schweiz. Aarau. Der Große Rath des Cantons Aargau hat mit großer Majorität die Nonnenklöster Hermetschwyl und Gnadenthal, sowie das Stift Sanct Verena aufzuheben beschlossen. Frankreich. Versailles, 16. Mai. In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer wurde der Erlaß einer Amnestie für die an dem Commune-Aufstand Betheiligten von den Radikalen Clemenceau und Lockroy befürwortet, während der gemäßigte Republikaner Lamy dagegen sprach. 18. Mai. Die Deputirtenkammer hat mit

vollständige Amnestie verworfen. Die Rede Ras- pail's, worin derselbe das Verfahren der Commu narden rechtfertigte, rief zahlreiche Unterbrechungen hervor.

Schweden. Stockholm, 17. Mai. Heute wurde der Reichstag durch den Staatsminister im Namen des Königs geschlossen. Es wurde keine Thronrede gehalten.

Türkei. Constantinopel, 16. Mai. Der Gouverneur von Sophia meldet: Die In

surgenten von Rakovitza(zwischen Sophia und Bazardjik) haben sich in den Balkan geflüchtet, nachdem sie den Ort niedergebrannt hatten. Der Generalissimus Hussein⸗ Avni-Pascha ist von hier abgereist. Ibrahim Pascha ist zurückgekehrt.

Djesddet Pascha ist zum Unterrichts-Minister, Vely Pascha zum Gouverneur von Brussa ernannt worden; Ali Pascha bleibt Gouverneur der Herzego⸗ wina.

Salonichi, 17. Mal. Es sind bisher im Ganzen 54 Personen zur Untersuchung gezogen und 11 sofort der Betheiligung an dem Morde der beiden Consuln überführt worden. Hiervon wurden 6 zum Tode verurtheilt und gestern auf öffentlichem Platze bei ziemlich erregter Stimmung der Bevölkerung von Salonichi hingerichtet; die- selben gehörten der niedrigsten Classe des Volkes an. Die Untersuchung dauert fort und wird sich namentlich auch auf die Ermittelung etwaiger höherer Anstifter und Begünstiger der Mordthaten zu erstrecken haben.

Rumänien. Bukarest. Die Regierung bat die Aushebung von Recruten für das laufende Jahr eingestellt.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Die schon lange Zeit in schlechtem Zu⸗ stande gewesene Rathhausuhr ist nun seit einigen Monaten wieder hergestellt und von Sachkennern, welche dieselbe eingesehen und seither beobachtet haben, als eine solide, dauerhafte, mit Sorgfalt ausgeführte Arbeit erkannt worden. Der beste Beweis ist das richtige Gehen der⸗ selben, und bald wird dieselbe die Richischnur für alle andern sein. Die Reparatur wurde von Uhrmacher Ochsenhirt in Reichelsheim ausgeführt, welcher bestens empfohlen werden kann. Nur schade, daß man in unserer Gegend noch so wenig auf gutgehende Thurmuhren hält. Hoffentlich wird auch die für den hiesigen Stadtkirchthurm projcklirte neue Uhr nicht mehr so lange auf sich warten lassen.

Allerlei.

Aschaffenburg. Der hiesige Untersuchungs-Richter erläßt in Betreff des an dem Schlächter Gesellen Kuhl⸗ mann bei Rohrbrunn verübten Raubmordes ein Aus schreiben, in dem es heißt:Der muthmaßliche Mörder ist der ledige Schneider Johann Peter Köhler von Nürn berg, bereits früher wegen Raubes zum Tode verurtheilt und begnadigt. Derselbe verließ am 2. d. M. das Zucht- haus Lichtenau mir Paß zum Reisen im deuischen Reiche und reiste zunächst nach Würzburg und Aschaffendurg.

Handel und Verkehr

Frankfurt, 17. Mai. Der heutige Heu- und Stroh markt war sehr gut befahren. Heu kostete per Centner je nach Qualität M. 4.505.. Stroh per Centner M. 4. bis 4.50. Butler im Großbandel das Pfund 1. Qual. M. 1.20, 2. Qual. M. 1.14, im Kleinhandel 1. Qual. M. 1.31, 2. Qual. M. 1.26, Tafelbuster M.. Eier das Hundert M. 4.605.06. Spargeln 70 Pf. bis M. 1. per Pfd.

Mainz, 17. Mai. Producten-Markt. Waizen per Mai 21.70, per Juli 21.85, per Nov. 22.15. Roggen per Mai 16.20, per Juli 16.25. Hafer per Mai 18.30, per Juli 17.75. Rüdöl per Mai 34.15, per October 34.15.

Telegraphischer Schiffsbericht. Mitgeiheilt von Chr. Hecht in Friedberg. Das Hamburger Postdampfschiff Frisia Capi. Meyer, von der Linie der Hamburg Amertkanischen Packetfahrt⸗ Actien- Gesellschaft, welches am 3. Mai von Hamburg via Häore abging, ist nach einer schnellen glücklichen Reise am 16. Mai, 3 Uhr Nachmittags, wohlbehalten in New- Vork angekommen.

Das Hamburger Postdampfschiff Gellert Capt. Barends von obiger Linie, trat am 17. Mai eine Reise via Häte nach New-Pork an.

D. Frankfurt a. M., 18. Mai. Die Börsen⸗ stimmung kann heulte als eine freundlichere bezeichnet werden. Es trugen zu diesem Resultat haupfsächlich Deckungskäufe der biesigen und auswä ligen Contremine bei, welche wie es scheint in erster Linie durch das Aus bleiben weiterer Hiobsposten aus dem Orient zu mofiviren sind. Auch für die Besestigung der Course der einzelnen internationalen Papiere lagen specielle Momente vor. Staatsbahnactien wurden durch die Genehmigung einer Gesammtdividende von 32½ Frs. günstig beeinflußt, während für Lombarden, welche 2 fl avancirten, Paris eine bessere Disposition documentirte. Die festere Haltung Berlins wollte man durch den angeblich bevorstebenden Rücktzitt Camphausens begründen. Credilactien bewegten sich zwischen 113114½113½ 112/113 ½¼ und 113, Staatsbahnaclien zwichen 223 224% und 223, Lombarden zwischen 61¼ und 63. Oesterreichische Bahnen stellten sich durchgebends vöber, Ungarisch⸗

Franz⸗Joseph 1 ½ fl., Elisabe th 1 fl. 1 6 15 Banken sind theilweise besser, besonders Darm⸗ städter, Oesterreichische Nationalbank und deuische Effeeten⸗ bank. Oeslerreichische Silberrente 1%, Papierrente 8 ¾

Deutsche Bahnen

höher. Ungarische Fonds besser, ebenso Amexikanet. Priornäten preishallend, Ungarisch⸗Galszische, Oft, Sieben⸗ bürger, 5% Staalsbahn und 3% Lombardische höher; letztere stiegen 15 ca. 1.%. Anlehnsloose gesucht und steigend. Von Wechseln Wien 70 Pf. tbeurer.

Küßt unsere Kleinen nicht!

Unter der vorstehenden Ueberschrift bringt derDüss. Anz. von einemArzte die nachfolgende Mahnung, die weitere Verbreitung verdient: Eine schauderhafte Unsitte ist es, die Kinder zu küssen. Wir brauchen akbsichtlich den Ausdruckschauderhaft, weil wir uns zart ausdrücken wollen und die Bezeichnungmöͤrderisch uns schon auf der Zunge schwebte. Ja wohl, gnädige Frau,mörderisch! Besinnen Sie sich vielleicht noch darauf, als Sie vor etwa 15 Jahren mit einem großen Shawl um den Hals einen Besuch bei Frau Dr. S. machten? Und als der kleine Hans ins immer gesprungen kam, griffen Sie nicht den Kleinen mit anscheinend überfirömender Zärtlich⸗ keil, nannten ihnmein reizendes Kerlchen und küßten ihn nach Herzenslust? Dann fingen Sie an zu erzählen, welch' einen schrecklich entzündeten Hals Sie hätten, so⸗ gar am Tage vorher eine Einladung zum Concert hätten Sie ablehnen müssen, weil Sie zu verschwollen seien? Sie halten keine Absichten auf das Leben des Kindes, und doch löoteten Sie dasselbe so sicher, als wenn Sie ihm statt ihres zärtlichen Kusses Strychnin oder Arsenik gegeben hälten. Ihre Zärnichkeit wurde verhängnißvoll. Zwei oder drei Tage darauf fingmein reizendes Kerlchen auch über einen entzündeten Hals zu klagen an, und als

um Alles klar zu machen. Heute ist ein kleiner frisch geschmückter Hügel vor dem Thore die einzige Er⸗ innerung an Ihren Besuch. Die Mutter hat natür⸗

lich nicht den geringsten Verdacht auf Sie; sie hängt ihren herben Verlust der geduldigen Vorsehung an. Der Arzt tbat nichts, um diesen Glauben zu zerstören; denn das dürfte eben so unklug, als grausam sein, mir aber hat er es im Vertrauen mitgetheilt, daß allein Ihreschauerliche Dummheit es waren seine Worte, gnädige Frau an dem Tode des kleinen Hans die Schuld trägt. Es läßt sich schwer beurtheilen, ein wie großer Theil der augenblicklich grassirenden Dyphlexitisfälle auf sosche Ge⸗ dankenlosigkeit zu schieben ist; das steht jedoch fest, daß Erwachsene die Dyphteritis oft in so geringem Grade baben, daß sie dieselbe für eine Erkältung nehmen, und da die Erkältung nicht ansteckend ist, so finden sie auch nichts Böses darin, Andere ihrem Athem auszusetzen, und können keine Gesahr darin erblicken, ihre Lippen mit denen Anderer in Berührung zu bringen. Bedenkt man nun aber die Thatsache, daß die Dyphieritis in den meisten Fällen durch die directe Uebertragung der bösartigen Keime, welche die Krankheit verursachen, vor sich geht, bedenkt man ferner, daß es kein besseres Mittel, um den Krankheitsstoff zu übertragen, gibt, als das Küssen, und daß endlich das Küssen bei allen Gelegenheiten Sitte ge⸗ worden ist, so ist es sicher nicht auffallend, daß diese Krankheit so leicht epidemisch wird. Selbstverständlich ist es Unsinn, alle Dyptberetisansteckungen auf's Küssen schieben zu wollen denn da sprechen noch andere Fac toren mit, aber es sieht gewiß Jeder ein, daß es den Kleinen besser bekommen würde, wenn sie weniger geküßt würden. Ein einzelner Kuß hat schon eine ganze Familie angesteckt, und der Zärtlichste kann in die Lage kommen, daß er eine böse Krankheit verbreitet, ohne es zu wissen. Darum empfehlen wir aus ganzem Herzen, die Kinder in Ruhe zu lassen.

Geld ⸗Cours. Frankfurt am 18. Mai 1876.

Holländische fl. 10-Stücke.. Mk. 16 65 G. Ducgtenn nc 5 9 5055 Ducaten al marco

n 9 5262 20-Frankenstücke. 16 1721 Englische Sovereigns 20 34.39 Nussische Imperiales. 16 6368 Dollars in Gold. 4 16 19 Tagesordnung

für die Sitzung des Gemeinderaths zu Friedberg, Montag den 22. Mai, Nachmittags 5 Uhr.

1. Gesuch des Verwalters Peter Gatzert um käufliche Ueberlassung eines Stückchen städtischen Geländes am

Galizische stiegen fl. Nordwest fl., Galizier 2 fl, Usaberg. 2. Baugesuch des Friedrich August Waas.

Arbeits ⸗Versteigerung. 1724 Montag den 22. d. M., Nachmittags 5 Uhr, soll

im Rathhaus zu Holzhausen die Fertigung von 5% fol das Brechen, Fahren und Zerschlagen der 1846 er⸗

lf. Metern Chaussirung, sowie das hierzu erforderliche Steinfahren und Handarbeit einer öffentlichen Versteiger ung ausgesetzt werden. Bad⸗ Nauheim den 17. Mai 876. Brückel, Bezirksbauaufseher.

Großes Lager

in Herrenhemden; auch können dieselben nach Maß schnell angefertigt werden.

Arbeits⸗Versteigerung. 1725 Mittwoch den 24. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr,

forderlichen Unterhaltungssteine für die Gemeinde Mel⸗ bach in der Philippl'schen Wirthschaft daselbst einer öffentlichen Versteigerung ausgesetzt werden. Bad-Nauheim den 17 Mai 1876 Brückel, Bezirksbauaufseher.

Roggenmehl,

142 L. Wetterhahn, Kaiserstraße.

1607 sowie Roggen und Weizenkleie empfiehlt Simon Strauß, Metzgergasse.

Gußeiserne Wasser- Pumpen von 12 Mark 50 Pf. bis 150 Mark und höher, Gußeiserne Jauche-Pumpen von 65 Mark und hoher

liefere aus den ersten Fabriken Deutschlands zu Fabrik preisen.

77 eigener Fabrikation, welche Herr Vachpappen J. Huber in Friedberg auf Lager hält, empfiehlt

2 Die Gas-Anstalt Bad-Nauheim 1594 W. Meyer.

der Arzt kam, genügte das eine Wort:Dyphteritis,