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Zunder nagel b. Nutten
Beilage.
Oberhessischer Anzeiger.
M 98.
Dämon Pulver und Consorten.
Anno Domini 1544 schrieb Sebastian Münster in seiner„Kosmographie über die Erfindung des Berthold Schwartz“:„Der Bosewicht, der so schädlich Ding auf Erdreich gebracht, ist mit wirdig, daß sein Namen auf Erdreich im Gedächtniß der Menschen bleibt“ Damals hat man also noch nicht daran gedacht, welche Vortheile dereinst für den Bergbau' und alle Sprengungsarbeiten das Schieß- Pulver haben werde, ja man hat in dieser Erfindung nur ein verderbenbringendes sonst nutzloses Teufels- werk gesehen. Erst im 17. Jahrhundert ist das Schießpulver zum Sprengen von Gestein benutzt worden und erst in neuester Zeit ist idem Pulver ein mächtiger Rivale im Dynamit sentstanden. Das Unglück von Bremerhaven ist wohl die nächstliegende Ursache, daß man, jetzt auch in weiteren Kreisen begierig ist, zu erfahren, woraus denn eigentlich die neuen Sprengmittel bestehen, wie sie sich unterscheiden und warum sie so gefährlich sind. Die wirkende Kraft in all' den neuen Explosivmitteln ist das Sprengöl oder Nitroglycerin, bestehend aus einer Mischung von Salpeter- und Schwefel- säure mit Glycerin. Dieses gefährliche Oel ist schon 1847 von Sobrero in Paris entdeckt worden; da aber seine Darstellung äußerst gefährlich ist und es doch nicht wie das Pulver durch einen Funken sich entzünden läßt, so hielt man es nicht für technisch verwendbar und
legte die Erfindung ruhig bei Seite. Alfred Nobel entdeckte 1863 eine verhältnißmäßig ge— fahrlose Methode der Darstellung des Nitro- glycerin im Großen, außerdem die Möglichkeit, das Sprengöl mit Hülfe von Zündkapseln sicher explodiren zu lassen. Das Nitroglycerin kam in Aufnahme, die Wirkungen waren ausge— zeichnet— da flog die Nobelsche Fabrik in Stockholm in die Luft, an anderen Orten erfolgten beim Transport und in Niederlagen ohne nachweisbare Veranlassung fürchterliche Explosionen, einzelne Regierungen verboten die Fabrikation, die Einfuhr und den Gebrauch des Spreungöls, Eisenbahn- und Dampfschiff⸗ Direktionen verweigerten die Beförderung. Aber; Nobel selbst gab die Sache nicht auf. Da die fluͤssige Form des Stoffes als die Ursache der meisten Unfälle betrachtet werden mußte, so tränkte er eine sehr poröse Kieselerde, den sog. Kieselguhr, mit Nitroglyceriu und so entstand das Dynamit, ein Sprengmittel, an Kraft dem Schießpulver weit überlegen, in der Nässe gleich brauchbar wie im Trocknen und bei Stoß, Reibung oder Feuer weit weniger gefährlich als das Pulver. Doch einen Feind hat das Dynamit, ebensogut wie das Nitro— glycerin: die Kälte. Bel 7—8 Grad Reaumur unter Null gefriert dasselbe und es scheint da (ähnlich wie beim Gefrieren des Passers eine Ausdehnung der Masse und ein Verschieben
der Molecüle vor sich geht) durch die Krystalli—
sation ein Verschieben und ein Druck der einzel⸗ nen Theilchen auf einander statt zu finden, der endlich zur Explosion führt. Mau mischt übrigens das Nitroglycerin nicht blos mit Kieselguhr, sondern auch mit Sägespähnen, Kohle, Asche, Salzen u. s. w. und gibt den neuen Sprengmitteln möglichst fremdartige Namen: Dualin, Lithofracteur, Colonia-Pulver, Fulminatin u. s. w. Wir wollen davon absehen, die Herstellung des Nitroglycerin zu beschreiben, um den Vorwitz nicht herauszufordern. Wer mit Dynamit und dergl. zu thun hat, kann nicht vorsichtig genug sein. Niemals aber sollte mau Sprengpatronen behufs Erwärmung auf einen Ofen legen, sondern sie im Freien in warmen Sand oder Asche legen. Die Wirkung von Dynamit ist so gewaltig, daß es Felsen, auf denen es freiliegend explodirt, bis auf mehrere Fuß Tiefe zersprengt, während Schießpulver im gleichen Falle ohne besondere Wirkung verpuffen würde.
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