ict, Handlung.
A gberhessis cher Anzeiger.
A
M 137.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 15. Nov. Heute wurde der vom König von Italien zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am hie- sigen Hofe ernannte Graf von Launay behufs Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens in besonderer Audienz vom Großberzoge empfangen.
Worms. Die Bewohner der Gemeinde Mörstadt sind gleichfalls aus der ev. Landeskirche ausgeschie— den; ebenso 150 prot. Männer aus Westhofen.
Berlin, 15. Nov. Reichstag. Der Reichs- tag verwies in seiner heutigen Sitzung den Ge— setzentwurf, die Feststellung des elsaß⸗lothringischen Landes- Haushalts pro 1877 betreffend, in erster Lesung nach längerer Debatte, an welcher sich die Abgeordneten Winterer, Gerber und der Bezirks⸗ Präsident von Lothringen, v. Puttkammer, bethei— ligten, an eine besondere Commission.
— 16. Nov. In der gestrigen Sitzung der nationalliberalen Fraction des Reichtags wurde nahezu einstimmig beschlossen, den Vorschlägen der Reichs- Justiz- Commission bezüglich der Frage der Handelsgerichte beizutreten.
Königsberg. Die„Ostpreußische Zeitung“ enthält eine Bekanntmachung der ostpreußischen Südbahn, daß nach den Stationen der Kiew— Brester Eisenbahn und darüber hinaus bis auf Weeittres nur Eilgut⸗Sendungen zulässig seien.
Sagan, 15. Nov. Kaiser Wilhelm ist heute Nachmittag hier eingetroffen und hat sich nach kurzem Aufenthalte auf dem Bahnbofe, wo sich die Spitzen der Civil- und Militärbehörden zur Begrüßung eingefunden hatten, durch die prächtig er- leuchtete Stadt nach dem herzogl. Schlosse begeben.
Nürnberg. Das fortschrittliche Reichstags- Wahl-Comite ladet zu einer allgemeinen Versamm- lung ein, um eine Petition an den Reichstag zu berathen, in welcher gegen mehrere die Freiheit schädigende Bestimmungen der Justiz⸗Gesetze pro— testirt werden soll.
Augsburg. Die Untersuchung gegen die hies. Bläster(„Allg. Ztg.“,„Augsb. Abd. Ztg.“, „Augsb. Post-Ztg.“) wegen Abdrucks von Akten- stücken aus dem Prozeß Arnim ist eingestellt worden.
Metz, 12. November. Gestern ist hier der General der Infanterie v. Schmidt, Gouverneur von Metz, nach langem Leiden verschieden.
Ausland.
Oesterreich⸗-Ungarn. Wien, 14 Nor- Der„Pol. Corr.“ wird aus Pest gemeldet, daß Graf Andrassy wegen Erkrankung seine beabsichtigte Weiter⸗Reise habe aufgeben müssen.
— 14. Nov. Die officielle Beitritts⸗Erklärung Oesterreichs zur vorgeschlagenen Conferenz ist gestern hier eingegangen.
— 15. Nov. Die Mittheilungen hiesiger Blätter über angeblich erfolgten innigeren Anschluß Oesterreichs an England, welchen eine gegen Ruß land gerichtete Spitze gegeben wird, werden auf türkische Quellen zurückgeführt. In diplomatischen Kreisen ist Nichts bekannt, was diese Version be⸗ stätigt.— Ein Specialbevollmächtigter Oesterreiche, zur Conferenz ist noch nicht ernannt.
— Die Direction der Galizischen Karl Lud— wigs⸗ Bahn zeigt an, daß der Frachtgut⸗ Verkehr nach Rußland via Brody und Radziwilow seitens der Kiew-Brester Eisenbahn vom 16. November angefangen, auf unbestimmte Zeit eingestellt werde. Die Personen⸗Gepäck⸗ und Eilgut⸗ Beförderung dauert fort. Die Odessaer Bahn hat bis auf Weiteres, angeblich wegen Verkehrsstörung, die Uebernahme von Eil- und Frachtgut, mit Aus- nahme von Steinkohlen, in Pod woloczyska sistirt.
— Ee wird das boldige Eintreffen eines hervorragenden englischen Staatsmannes in be- sonderer Mission hier in Aussicht gestellt. Die Pforte hat der Abhaltung der Conferenz in Con- stantinepel bedingungslos zugestimmt.
Pest, 15. Novbr. Im Abgeordneten-Hause wurde von Helsy an den Minister Präsidenten
folgende Interpellation gerichtet: Hat die Regier- Türken betreten war.
Auch habe kein Kampf vor
ung amtliche Kenntniß von der am 10. November Krusewatz stattgefunden, abgesehen von einem
erfolgten Enunciation des Zars Entspricht deren Inhalt vollständig oder doch wesentlich dem in den Zeitungen veröffentlichten Texte? Wenn die Erklärung des Kaisers wirklich erfolgte, welche Stellung gedenkt das Ministerium des Auswärtigen derselben gegenüber einzunehmen? Der Minister⸗ Präsident von Tisza versprach am Freitag die Interpellation Ernst Simonyi's und möglicher Weise auch die soeben von Helsy ge— stellte zu beantworten.
Frankreich. Versailles, 15. November. Der Senat begann heute die Berathung über das Armee ⸗Verwaltungs⸗Gesetz und wurde die Wahl zweier ständiger Senatoren auf den 24. Novbr. anberaumt.
Belgien. Brüssel, 14. November. Die Kammern sind zusammengetreten, ohne durch eine Thronrede eröffnet zu werden. Der Deputirte Bara brachte Unregelmäßigkeiten zur Sprache, welche bei den Wahlen in Antwerpen, Ypern und Brügge vorgekommmen seien.
Großbritannien. London. Die Kriegs- schiffe„Raleigh“ und Rapid“ sind am 11. Nov. nach der Besika⸗Bay abgegangen.
— 14. Nov. Die„Franconia-Angelegenheit“ ist endgiltig entschieden worden. Der Lord-Ober— richter sprach gestern seine(entscheidende) Meinung aus, nachdem sechs Richter für, sechs gegen die Verurtheilung gewesen waren. Da die Sache— so sagte der Vorsitzende— auf hoher See vor— gekommen wäre, einerlei, ob der Angeklagte nach den Gesetzen seines eigenen Landes strafbar wäre oder nicht, könne derselbe dafür nicht nach den Gesetzen Englands gerichtet werden.
Spanien. Madrid, 14. November. Im Senat wurde Seitens des Ministeriums auf eine Interpellation über Art. 11 der Verfassung erklärt, die Regierung habe beschlossen, die Freiheit in Religionssachen aufrecht zu erhalten und zu schützen, wie dies durch die Verfassung ausgesprochen sei, und werde die Unverletzlichkeit der Gotteshäuser und Kirchhöfe eben so gewissenhaft beobachten, wie dies bei anderen freien Völkern geschehe.
in Moskau?
— 15. Nov. Der Congreß zog den Antrag auf Vorlage eines Gesetzentwurfs über den Schutz des literarischen Eigenthums in Erwägung.
Italien. Rom, 14. Nov.
beläuft sich die Gesammtzahl der fortschrittlichen Deputirten auf 421, die der gemäßigten auf 87.
— 16. Nov, Der amtlichen Zeitung zufolge hat der König zum Präsidenten des Senates Tecchio, zu Vicepräsidenten Consorti, Durando, Burgatti und Poggi ernannt.
Türkei. Constantinopel, 15. Novpbr. Gutem Vernehmen nach sind jetzt alle Mäche be— züglich der Conferenz einig, deren Arbeiten Ende dieses Monats beginnen sollen. Regierung hat zwar einige Einwendungen erhoben, doch ist nicht mehr zu bezweifeln, daß sie solche auf dringendes Anrathen Englands fallen läßt.
— Die Demarcations-Commission beginnt am 20 d. ihre Arbeiten. Einzelne Insurgenten— Führer, unter ihnen Mussich, verweigern die An— erkennung der Waffenruhe. Letzterer beabsichtigt, den Dubrova⸗District zwischen Mostar und Stolae zu insurgiren. Mukhtar Pascha bezieht Winter— Quartiere im Suma ⸗Distriete.
— 15. Nov. Der Ober- Commandant der boenischen Insurgenten, Despotovie, hat die Feind seligktiten eingestellt, nachdem ihm von serbischer Seite die officielle Anzeige des Waffenstillstandes zugegangen war. Die Commissare zur Feststellung der Demarcationslinie versammeln sich in Mostar, um auf Grundlage des derzeitigen Besitzstandes auch in Bosnien eine neutrale Zone festzusetzen.
Serbien. Belgrad, 14. Nov. Amtlich ist festgestellt, daß Deligrad niemals von der
Nach dem jetzt vorliegenden definitiven End- Wahl-Ergebniß
Die türkische
serbischen Armee aufgegeben und niemals von
Engagement vor Glasgowo, bei welchem die Türken zurückgeworfen worden seien. Deligrad und Krusewatz blieben daher außerhalb der Er— örterung der Demarcationslinie.
Numänien. Bukarest, 15. November. Fürst Karl ist von einer Truppen-Inspicirung aus
der kleinen Walachei hierher zurückg kehrt.
— 16. November. Die Regierung legte den Kammern das Grünbuch mit der diplomatischen Correspondenz vor. In der Kammer findet heute
die Debatte über die Thron-Adresse statt, deren
Entwurf eine Umschreibung der Thron-Rede ist, und die Nothwendigkeit einer stricten bewaffneten Neutralität hervorhebt. Die hierauf bezüglichen von der Regierung getroffenen Maßregeln werden gebilligt.
Rußland. Petersburg. 15. November. Der heutige„Staats- Anzeiger“ verkündigt nun- mehr das Verbot der Pferde- Ausfuhr über die westliche und südliche Grenze.
— Die Donau- Armee wird gebildet aus dem 7., 8., 11. und 12. Corps; der Stab dieser Armee ist zusammengesetzt wie folgt: Ober-Befehls⸗ haber: Großfürst Nikolai Nikolajewitsch der Aeltere; Stabs- Chef: General- Adjutant Nepokotschitzky; Artillerie-Chef: Fürst Mussalsky; Ingenieur- Chef: General-Major Depp; Hospital-Inspector: Ge— neral⸗Major Stolzenwald; Feldzugs- Hauptmann der irregulären Truppen: General- Lieutenant Tomin. Corps-⸗Commandanten sind: Fürst Barkley de Tolly vom siebenten Corps, General Radetzky vom achten, Baron Krüderer vom neunten, Fürst Woronzoff vom zebnten, Fürst Schachoffskoi vom elften, General Wannowsky vom zwölften. Als Intendant der Aectiv-Armee fungirt Ahrens.
— 15. Nov. Die„Pol. Corr.“ resumirt die Garantien, welche Rußland für die Durch- führung der Reformen in den insurgirten Provinzen als unerläßliche Forderungen zu stellen beabsichtigt: Entwaffnung der gesammten Bevölkerung Bosniens, der Herzegowina und Bulgariens ohne Glaubens- Unterschied; Reorganisirung der Local-Polzei unter Zulassung der christlichen Bevölkerung; Abschaffung der irregulären türkischen Truppen; die Trans- ferirung der in Europa angesiedelten Tscherkessen nach Asien; Verwendung von nur eingeborenen, aus Wahlen hervorgegangenen Beamten; die bis— herige Zehent-Verpachtung soll einem gerechteren Steuer⸗Systeme Platz machen, die Landes Sprache bei den Aemtern und Gerichten eingeführt werden und für jede der drei Provinzen ein eingeborener Christ als Gouverneur von der Pforte ernannt werden. Ferner soll eine permanente Ueberwach— ungs-Commission, aus den Consuln der Großmächte bestehend, eingesetzt werden.
— 16. Nov. Rußland beabsichtigt, auf der Vor⸗Conferenz außer der Friedensfrage zwischen der Pforte und ihren Vasallen Staaten die Garantiefrage zu stellen. Mißlingt die Verhand- lung, soll Ignatieff die Conferenz verlassen, andern⸗ falls aber die Ueberreichung einer Collectiv-Note an den Großvezier und die Eröffnung der Schluß— Conferenz mit Hinzuziehung der türkischen Diplo matie befürworten. Ein Curier mit einem Handschreiben des Zaren an die Königin Victoria ist in London eingetroffen.
O dessa, 15. Nov. In Folge der drohen- den politischen Lage herrscht große Panik. Das Publikum stürmt die Staats⸗Cassen um Rückzahlung der Depositen. Der Güter⸗Verkehr ist eingestellt.
Amerika. New York, 15. November. Die Wahl-Situation ist noch immer unverändert, Ruhestörungen fanden nicht statt. Gestern forderten die Führer der Demokraten die Chess der Repu- blikaner auf, mit ihnen gemeinschaftlich die Zäͤdl- ung der Wahl Resultate in Louistana zu über wachen. General Sheridan ist nach Neworleans gegangen.


