Ausgabe 
18.5.1876
 
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handlungen deshalb seit geraumer Zeit mit ihm geführt worden. General Tschernajeff war längere Zeit Adlatus des Generals Kaufmann im Krsege gegen Khokand und ist erst kürzlich aue dem activen russischen Dienste ausgetreten. Gleich nach seiner Ankunft batte er eine Audienz beim Fürsten.

Türkei. Constantinopel. Weitere Aenderungen im Ministerium baben nicht stattge⸗ funden. RaschidPascha ist noch Minister des Aeußern. Ein Gouverneur von Brussa ist noch nicht ernannt. Die Censur der Journale ist wieder aufgehoben. Die von der christlichen Bevölkerung und den Europäern gehegten Befürchtungen sind vollständig verschwunden. DerLevant Herald ist wegen ungeziemender Aeußerungen über den hiesigen russischen Botschafter suspendirt worden.

15. Mai. Die Pforte ist gestern von der Behörde in Salonichi benachrichtigt worden, daß bisher 216 Personen verhaftet seien; die Ver- haftungen würden fortgesetzt. Der Proceß habe begonnen. Die Züchtigung werde eine rasche und schreckliche sein. Von den Verhafteten seien 58 am Bord des KriegsschiffesSelimie gebracht worden, wo das Verhör derselben stattfindet. Die Bevölkerung verhält sich durchaus ruhig.

15. Mai. In den Umgebungen von Tatarbazardjik und Philippopel sind bereits un- gefähr 15,000 Mann türkische Truppen zusammen⸗ gezogen. Den neuesten telegrapbischen Meldungen zufolge, welche von der türkischen Regierung veröffentlicht sind, wurden die bulgarischen In- surgenten in mehreren Gefechten geschlagen. Zahl- reiche Unterwerfungen hätten stattgefunden. Gegen wärtig werde der Angriff auf die von den Insurgenten besetzte Ortschaft Avret Alan vorbe reitet Die in den Balkan geflüchteten Insurgenten würden verfolgt. Die von Rußland, Italien und Griechenland entsendeten Kriegsschiffe sind an ihren Bestimmungsorten eingetroffen.

Rumänien. Bukarest. Eine vom Senat entsendete Commission hat dem Fürsten eine Adresse überreicht, worin die volle Ergebenheit für den Thron versichert, und Unterstützung der Regierung in allen Angelegenheiten, insbesondere hinsichtlich der Finanz⸗ Frage, zugesagt wird.

16. Mai. Der Senat ist vertagt, die Depu tirten Kammer aufgelöst worden. Die Neuwahlen für letztere sollen in 3 bis 4 Wochen stattfinden.

Aegypten. Cairo, 16. Mai. Heute wurde das Decret des Vicekönigs publieirt, welches einen höchsten Finanz-Rath einsetzt und den früheren italie nischen Minister Scialoja mit dem Vorsitze betraut.

Aus Stadt und Land.

Darmstadt. Kürzlich wurden in der Nähe des Schießhauses Gerippe(von Pferden), sowie Urnen und Muscheln, aus aligermanischer Zeit stammend, in einer Sandkaute ausgegraben. Die Muscheln sind inwendig vergoldet und dienen wahrscheinlich als Schmuck dei Pferde.

Erbach, 14. Mai. Heute Nacht ist der Landtags⸗ abgeordnete Mül berger in Folge eines Schlaganfalls ver⸗ storben. Det Verlebte war Mitglied der hessischen Fort⸗ schrutspartei, im Geschäfts⸗ und Privatleben hochgeachiet und häufiger Veriteter des Wahlkceises Michelstadt-Erbach in der zweiten Ständekammer.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 17. Mai. Walzen M. W.. Kon M. 19.50. Gerstie M. 17.80 18.20. Hafer M. 18. bis 18.30. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo

= 200 Zollpfund.

Nrankfurt, 15. Mai.( Viehmarkt.) Der heutige Markt war ziennlich gut befahren. Ochsen hielten sich auf früherer Höhe und zeigten die Preise eher eine fieigende Teundenz. Käl er waren billiger. Angetrieben waren: 320 Ochsen, 210 Kühe, 250 Kälber und 340 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 65.14 bis 68.57, 2. Qual. M. 61.71. Kühe 1. Qual. M. 60., 2. Qual. M. 54 86. Kälber 1. Qual. M. 57, 2. Qual. M. 4851.43. Hämmel 1. Quol. 56.57, 2. Qual. M. 51.43. Schweine das Pfd. 65 Pf.

Frankfurt, 15. Mai. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 41., Nr. 2 M. 37., Nr. 3 M. 33., Nr. 4 M. 29., Nr. 5 M. 23., Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 26., do. II.(Berliner Marke) M. 22., Waizenschalen M.. Walzen M. 25. 25.50, Roggen M. 19., Gerste M. 1721, Hafer M. 18.50 75, Kohlsamen M., Erbsen M. 2124, Wicken M. 23 24, Linsen M. 21 bis 30, Rüvöl M. 74.. Die Preise verstehen sich, sämmtlich per 200 Pfd. Zoll⸗Gewicht 100 Kilo.

Mainz, 16, Mai. Producten⸗Marki. Wanzen per Mai 21.70, per Juli 21.90, per Nov. 22.30. Roggen per

Mai 16.10, per Juli 16.25. Hafer per Mai 18.30, per Juli 17.70. Rüböl per Mai 34.15, per October 34.30.

Verloosungen,

55 Ci. Landgräfl. Hessisches Staats Anlehen vom Jahre 1859. Ziehung vom 25. April 1876. Heimzablung am 1. August. 1876. Nr. 8 30 101 103 144185 190 197 à fl. 500. Nr. 202 204 212 221 9 0 236 237 243 248 288 294 je A. B. C. D. E. à fl. 100.

4p. Bayerische Tolr. 100 Loose. Gewinn⸗ Ziehung vom 1 Mai 1876. Heimzahl. am 1. Juni 1876. don 1866. Nr. 146686 M. 120,000. Nr. 158795 M. 36,000. Nr. 62601 M. 18,000. Nr. 37435 M. 4800. Nr. 26724 102992 128890 à M. 2400. Nr. 19291 21691 26655 731 34824 39502 44862 89 96 70448 906 78599 80666 102891 128883 129331 142184 145255 147723 148331 966 3 M. 600. Alle übrigen Nummern in den am 1. Mäz 1876 gezogenen Serien erbalten den geringsten Grwinn von M. 300..

Ansbach-Gunzenhausen 7 fl.⸗Loose. Ansbach 15. Mai. Gezogene Serien: Nr. 197 613 620 714 835 1002 1027 1042 1235 1292 1382 1547 1584 1598 1645 1747 1816 1896 1935 1946 1999 2363 2470 2597 2912 3258 3538 3695 3733 3764 4121 42ʃ2 4218 4256 4342 4390 4916 4983.

Kasseler Aproc. Stadtobligationen. Kassel, 10. April. Lit. 4 Ne. 75 138 264 418 454 478 484 574 581 732 853 901 967 1101 1166 1174 1177 1247 1376 1462 1519. Lit. B. Ne. 29 108 109 173 283 348 349 361 434 449 528 539 554 616 643 655 670 692 788 833 902 908 911 969 1013 1201 1283 1319 1549 1613 1632 1831 1944 1999 2130 2139 2227 2432 2511 2552 2628 2631 2663 2749 2875 2919 2972 3117 3125 3191 3431 3688 3827 4003 4047 4137 4181 4210 4427 4438 4458 4625 4633 4702 4763 4766 4810. Zahlbar 1. October.

Oldenburgische 40 Tylr.⸗Loose. Oldenburg, 1. Mai. Nr. 103637 90,000 M. Nr. 69961 3000 M. Ni. 67843 80107 113313 à 900 M. N. 36935 94559 99834 100360 à 450 M. Nr. 7047 16761 4563 45004 63806 71295 73184 80964 86560 98342 119961 à 180 M. Ni. 572 4024 19396 29548 32111 32408 32891 37251 41813 54792 69275 73761 73853 80724 93606 95745 102089 114176 3 120 M. Zahlbar 1. August.

D. Frankfsur ta. M., 16. Mu. Die Böcse zeigte sich heute stark politisch verstimmt, da die Orienifrage eine Entwicktung zu nehmen scheint, welche nicht erwartet wurde. Under den Einzelheiten, die von der Berliner Vereinbarung bekannt geworden sind, macht namentlich die Anerkennung der Insurgenten als keiegsührende Macht, sowie das in Aussicht gestellie energischere Eintreten Rußland's in die Action keinen günstigen Eindruck. Die Tendenz gestaltete sich in Folge dessen matt, das Geschäft beschränkt und die Couise der Speculationspapiere verkehrten unter ihrem gestrigen Abendniveau, besonders waren Lombarden auf bedeutende auswärtige Exkcutionsverkäufe gedrückt. Credit⸗ octien bewegten sich zwischen 112111½112¼ und 112½, Staatsbahnactien zwischen 222½221¾ und 222½ Lombarden zwischen 60½59½ 61 ¼ und 61. Oesterreichische Bahnen waren wenig sest. Alföld und Galizier besser, Elisabeth und Franz Josef matter. Banken blieben ziemlich stabil. Oesterreichische und Ungarische Staatsfonds matter. Deutsche sest. Nussen behauptet. Prioruäten preisbaltend. Von Loosen 1860er nach erheb lichen Schwankungen niedriger als gestern. Von Wechseln Wien theurer, Parie und Schweiz billiger.

Bericht über die Thätigkeit des Zweigvereins für Verbreitung von Volksbildung zu Friedberg in der Zeit vom 1. April 1875 bis 1. April 1876.

Obgleich nach einer inzwischen eingetretenen, von dem Hauptverein zu Berlin veranlaßten Abänderung das Ver⸗ einsjahr schon mit Ende Dezember v. J. seinen Abschluß erlangt hat, glaubt der Ausschuß doch mit Rücksicht auf den Umstand, daß gerade während des Winterhalbjahres der Verein seine Hauptthäligkeit entfaltete, in den Bericht über die Entwickelung und Thätigkeit des Zweigvereins den Zeitraum bis April d. J. einschließen zu müssen. Der Verein hat auch im letzten Jahre wieder einen er freulichen Ausschwung genommen. Die wachsende Theil nahme an den Bestrebungen des Zweigvereins äußerte sich zunächst in einer erheblichen Zunahme der Miigliederzahl, die von 97 auf 120 gestiegen ist. Unter den Mitgliedern befinden sich 3 Corporationen, die höhere Beiträge bezahlen. Das Comité der Welterauer Industrie-Ausstellung hat sein Interesse am Vereine in erfreulicher Weise bethätigt, indem es demselben 150 Gulden überwiesen bat. Der Stand der Vereinskasse mußte sich hiernach sehr günstig gestalten. Die Wirksamkeit erstreckte sich auf: 1) Die Beibehaltung des öffentlichen Lesezimmers, welches recht fleißig denutzt wurde; 2) Die Erweiterung der Bibliothek, worüber der Catalog näheren Aufschluß gibt, und 3) Die Veranstaltung öffentlicher Vorträge mit und ohne Discussion. Bezüglich der letzteren Thätigkeit kaun mit Befriedigung darauf hin⸗ gewiesen werden, daß die eigeneu Kräfte des Vereins vollauf ausreichten, das erforderliche Conungent an Vortragenden zu siellen, so daß auf eine Mitwirkung von Auswärts ver⸗ zichtet werden konnie. An Vorträgen wurden auf Grund des im vorigen Herbste veröffentlichten Programms im hiesigen Rathhaussaale abgehalten: J. November, den 12. 19. und 26., Vortrag des Herrn Reallehrer Klein über:Berechnung der Entfernung und Größe des Sonnen⸗ körpers, mit Rücksicht auf den vor Kurzem stattgehabten Venusdurchgang. II. Dezember, den 10., Vortrag des Herrn Hofgerichts- Advokaten Curiman über: Criminal⸗Proceß⸗Ordnung. III. Dezember, den 17., Vortrag des Herrn Dr. Heuser über:Theorie und

Geschichte der Bevölkerung. IV. Januar, den 7. und 14., Vortrag des Herrn Bau⸗Accessisten Schnitzel über: Ventilation. V. Januar, den 21. und 28., Vortrag des Herrn Dr. med. Wagner über:Leichenverbrennung. VI. Februar, den 4. und 11., Vortrag des Herrn Dr. Uloth über:Das Stärkemehl und seine Bedeutung im Hausbalte des Menschen und der Pflanze. VII. März, den 3., 10. und 24., Vortrag des Herrn Medieinalraths Dr. Lorenz über:Das leibliche Wohl des Schulkindes. Sämmtliche 7 Vorträge, die im Ganzen 14 Abende in Anspruch nahmen, waren recht zahlreich besucht. Den betreffenden Herren Referenten spricht der Ausschuß im Namen des Vereins hiermit öffentlich seinen ganz be⸗ sonderen Dank aus. Das Gleiche betrifft den Heren Hieronimus, welcher die Güie hatte, als Illustration zu einigen Vorträgen mehrere sehr treffende Zeichnungen unentgeltlich auszuführen. Die am 16. April d. J. siatt⸗ gehabte Neuwahl des Vorstandes und Ausschusses hat nachsiehendes Resultat ergeben: A. Vorstand: 1. Vor⸗ sitzender: Herr Reallehrer Blickhahn. 2. Vorsitzender: Herr Buchhändler Scriba. Schristführer: Herr Dr. Heuser. Rechner: Herr Seminarlehrer Wahl. B. Aus schuß: 1. Herr Kaufmann Carl Trapp in Friedberg. 2. Herr Salinenrentmeister Nebyuth in Bad⸗Nauheim. 3. Herr Obeclehrer Bilsch in Friedberg. 4. Herr Dr. med. Wagner in Friedberg. 5. Herr Prosessor Dr. Köhler in Friedberg. Herr Bau⸗Accessist Schnitzel wurde nachträglich in Anbe⸗ tracht seiner Verdienste um den Verein durch Cooptation in den Ausschuß gewählt. Ausschuß Sitzungen wurden innerhalb jener Zeit 4 abgehalten und zwar am 20. April, 14. Sepiember, 2. November 1875, sowie am 11. Januar 1876. Der Verein gibt sich zum Schluß der Hoffnung hin, daß seine gemeinnützigen Bestrebungen ihm immer mehr Freunde und Anhänger gewinnen werden.

Aufruf!

Am 7. Juni 1876 werden es 200 Jahre, daß Paul Gerhardt, der Dichter desBefiehl du beine Wege! und manch' andren nicht verklungenen Liedes, hier die Augen schloß. Eines Denkmals in Stein und Erz bedarf ein Mann nicht, der sich ein dauerndes Monument im Herzen des deulschen Volkes gebaut. Aber verschiedentlich it der Wunsch laut geworden, sein Gedächtniß an seinem 200 jährigen Todes lage durch Stiftungen, die seinen Namen tagen und seinem Sinn enksprechen, zu ehren. Da glaubt sich denn vor Allen die Stadt, in welcher sein Leib ruht, berufen, gewissermaßen auf sein Grab einen solchen Ehren⸗ keanz niederzulegen und wendet sich an Alle, denen Paul Gerhardi's Lied dunkle Stunden erbellt, heitere verklärt bat, mit der Bitte, ihr jenen Ehrenkranz flechten zu helsen. Das unterzeichnete Comite hat beschlossen, ein in seinem Todesorte Lübben zu verwaltendes Stipendium für Studirende der evangelischen Theologie unter dem Namen

Paul⸗Gerhardt⸗ Stiftung zu gründen. Wo man Paul Gerpardt's Lieder fingt, hoffen wir, wird der Aufruf um Beiträge zu dieserPaul⸗ Gerhardi⸗Stiftung Anklang finden. Zur Entgegennahme von Gaben sind die Unterzeichneten bereit, Lübben N/2., den 10. Sepiember 1875. Das Comité. (Folgen die Unterschriften.)

Der Aufforderung obigen Comiié's an den Unter⸗

zeichneten, auch unter der evangelischen Bevölkerung unseres

Landes für die Förderung der beabsichtigten wohlthätigen Sliftung thäug zu sein, kommt derselbe um so freudiger nach, als er die Zuversicht hegen darf, daß auch unter uns die dankbare Liede zu Paul Gerhardt, diesem nächst Luther volksthümlichsten, unter den deulschen geistlichen Liederdichtern, eine weit verbreitete, der Zweck der frag⸗ lichen Stiftung aber ein ebenso zeitgemäßer, als dem Sinne des edlen Sängers entsprechender ist.

Es ergeht deßhalb an alle Verehrer des Dichters die freundliche Biite, das schöne Unternehmen sowohl durch eigne Beiträge, als durch Sammlung von solchen in be⸗ freundeten Kreisen zu unterstützen und die Beträge ent⸗ weder direct oder durch die gütige Vermittelung der Redaction desOberhessischen Anzeigers, welcher auch die Empfangs Bescheinigung bringen wird, an den Unter⸗ zeichneten zur Uebersendung an das Comits gelangen zu lassen.

a den 16. Mai 1876.

Dr. Schwabe,

Director des Predigerseminars.

NB. Zur Erinnerung an den Lieblingssänger des deut⸗ schen evangelischen Volkes wird der Unterzeichnet nächsten Sonntag den 21. l. M., Nachmittags um 4 Uhr, in hiesiger Burgkuche einen Vortrag über Paul Gerhardt und seine Zeit halten.

Dr. Schwabe. Geld Cours.

Frankfurt am 17. Mai 1876. Holländische fl. 10⸗-Stücke Mk. 16 65 G. een 9 5055 Ducaten al mareo 9 5762 20⸗Frankenstücke 16 1721 Englische Sovereigns A. ei n nee Russische Imperiales 16 63-68 Dollars in Gold.. 72 4 16 19

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