Ausgabe 
17.2.1876
 
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pest, 18. Febr. Bischof Horvath entwickelte gestern in einer Rede vor den Wählern der inneren Stadt sein politisches Programm und berührte namentlich die Zollfrage und die Civilehe; im Prineipe trat Redner für ein selbständiges un garisches Zollgebiet ein, zur Einführung desselben müsse jedoch der praktisch günstigste Moment abge- wartet werden, Ferner befürwortete er auch die Einführung der öbligatorischen Cidvilehe, welche, wie Frankreich, Belgien und die Schweiz bewiesen, der Kirche durchaus keinen Eintrag thue.

Lemberg. Erzbischof Ledochowski trifft am 15. d. M. in Krakau, am 17. dahier ein. Der Klerus beabsichtigt, dem Cardinal großartige Ovationen zu bereiten. An dieser Demonstration sollen sich nicht allein der Lemberger Erzbischof, sondern auch sämmtliche galizische Suffraganbischöfe betheiligen.

Frankreich. Paris. DieAgentur Havas fügt einer Meldung, daß der Marquis v. Franclieu ein Schreiben an den Minister des Aeußern ge⸗ richtet hak, um sich über Verletzung des franzöfi⸗ schen Gebiets durch spanische Truppen zu beschweren, hinzu:Den Erkundigungen zufolge, welche wir auf der spanischen Botschaft eingezogen haben, ist diese Nachricht falsch. Kein spanisches Armeetorps hat den Fuß auf französischen Boden gesetzt.

Belgien. Brüssel, 14. Febr. Gestern fand in Mecheln bei Gelegenheit tines katholischen Festmahls ein blutiges Handgemenge zwischen Katholiken und Liberalen statt, wobei 15 Ver⸗ wundete blieben. Die Gendarmerie schritt ein

und besetzte den Bahnhof.

Schweden. Stockholm, 12. Febr. Der Reichstag hat heute die sämmtlichen von den früheren Reichstagen noch rubenden Grundgesetz⸗ Vorschläge angenommen Von viesen rief nur die Vorlage, betr. Ernennung eines Conseilpräsidenten, eine lebhaftere Diecussion hervor, und sand schließ lich in der ersten Kammer mit 57 gegen 46, in der zweiten Kammer mit 112 gegen 60 Stimmen Annahme. Die übrigen Vorlagen betrafen un- wesentliche Abänderungen des Preßgesetzes.

Großbritannien. London. Die Schrift- stücke, welche die Mission des Generalzahlmeisters Cave in Aegypten betreffen, sind nunmehr ver- öffentlicht worden; dieselben umfassen 15 Docu- mente, deren Daten zwischen den 30. November und 10. December fallen. Der Khedive sprach den Wunsch aus, ihm einen erfahrenen Regierungs- Beamten zur Beseitigung des Mißstände des ägyptischen Finanz- Departements sowie zwei Finanzbeamten zur Beaussichtigung der Einnahmen und Ausgaben des Landes zu senden. Lord Derby instruirte Cave am 6. December v. J. dahin, mit dem Khedive die finanzielle Lage Aegyptens zu er⸗ örtern, um dadurch die englischen Regierungskassen in Stand zu setzen, Aegypten den gewünschten Beistand zu leisten. Lord Derby bemerkte dabei, es könne nicht ausbleiben, daß Cave viele Auf- klärungen über den Stand der ägyptischen Finanzen erhalte; Aufklärungen, welche sowohl von dem gtößten Werthe für den Khedive als auch für England seien, da das Letztere in hohem Maße an der Wohlfahrt Aegyptens interessirt sei. Das Wirken der englischen Regierung müsse dahin zielen, daß die finanziellen Angelegenheiten Aegyptens cotrect geordnet würden; jedoch habe sich England jeder Handlung und jedes Rathes zu enthalten, aus denen sich eine Intervention in die inneren Angelegenheiten Aegyptens ergeben könnte.

15. Febr. In der Sitzung des Unter- hauses machte der Schatzkanzler Sir Northeote die Mittheilung, daß der Khedive die britische Regierung um Zusendung eines competenten engl. Finanzmannes ale weiteren Beirath ersucht habe; die Regierung habe hit rauf beschlossen, den Ge⸗ neralcontroleur der Staatsschuld Rivers Wilson zu empfehlen; Letzterer bleibe übrigens in gar keiner Verbindung mit der britischen Regierung.

Den Regierungsblättern zufolge ist die

oder anderer Schiffe vorzubeugen, 14 Die Verstärkungen waren keineswegs durch elwa be vorstebende Verwicklungen mit China hervorgerufen.

Spanien. Madrit. In einer vorbereiten den Versammlung von 207 Cortesdeputirten hielt Cauovas del Casislis eine Rede, in welcher er die Hoffnung aussprach, daß der Bürgerkrieg bald brendigt sein werde und hierauf das erk der Wiederherstellung von Spaniens Wohlfahrt und Credit von Neuem in Angriff zu nehmen sei.

15. Febr. General Qucsada meldete der Regierung, daß er die Carlisten aus Bisegva vertrieben und die Berge von Elguekas besetzt habe. König Alfons wird in Viktoria erwartet.

Italien. Neapel, 10. Februar. Beun⸗ ruhigende Nachrichten sind aus Steilien eben hier eingetroffen. Die große sicilianische Dampfschiff⸗ fahrtsgesellschaftTrinacria hat nämlich fallirt und die Folgen dieses Falliments scheinen ernster werden zu wollen, als Anfangs geglaubt wurde, und zu einer wahren Katastrophe heranzuwachsen. Vor Allem muß hervorgehoben werden, daß der Fall derTrinacria blos der Vorläufer anderer großen Fallimente war, und daß zwischen diesen und anderen Fallimenten eine solche Wechsel Wirkung besteht, daß der Credit der ganzen Insel total erschüttert ist. Das größte Bank- Institut Sicil ens, die Banca- Sieiliana, soll theils durch das Falliment derTrinatria, theils durch andere mißlungene Speculationen so starke Verluste erlitten haben, daß man eine Katastrophe befürchtet, und die stärksten Firmen wanken.

Rumänien. Bukarest, 13. Febr. Beide Kammern haben sich mit der Zusammensetzung des neuen Cabinets einverstanden erklärt. Der Senat bat die von der zweiten Kammer bereits vottrte Vorlage des Kriegsministere, betreffend die Be- willigung eines außerordentlichen Credits zur Aus rüstung der Armee, gleichfalls genehmigt.

Türkei. Konstantinopel, 12. Februar. Der Sultan, welcher an einem Karpunkel litt, und in Folge dessen gestern die Moschee nicht be sucht hatte, befindet sich in Folge einer heute vor⸗ genommenen Operation besser. In Angora sind heftige Zwistigkeiten unter den armenischen Katho⸗ liken ausgebrochen; auf beiden Seiten gab es einige Todte und Verwundete. Der Gouverneur hat aus Anlaß dieser Vorfälle mehrere angesehene Armenier von der Partei der Hassunisten in die Verbannung geschickt. 14. Februar. Anläßlich der Vorstellungen der extremen Hassunisten wegen der Vorgänge in Angora und auf die gemeinsamen Bemerkungen der Vertrcter Frankreichs, Englands, Rußlands, Oesterreichs und Italiens hat der Minister des Aeußern den Gouverneur von Brussa telegraphisch angewiesen, die sechs Verbannten zu- rückzurufen. Der Gouverneur von Angora ist abgesetzt und wird ihm der Proteß gemacht wer⸗ den. Ein arwenischer und ein muselmännischer Commissär sind ernannt worden, um den Thatbe⸗ stand zu untersuchen.

14. Febr. Officiell wird gemeldet: Der Sultan hat das Irade, betr. die Gewährung der in dem Entwurse des Grafen Andrassy enthaltenen Reformen unterzeichnet. Diese Entscheidung wurde den Vertretern der sechs Großmächte bei der Pforte notificirt und den Vertretern der türkischen Re⸗ gierung bei den sechs Großmächten telegraphisch bekannt gegeben. Der in der Note erwähnte Punkt, welcher die Verwendung eines Theils der in den insurgirten Provinzen eingehenden Ein nahmen in den Provinzen selbst betrifft, soll durch eine gemischte Commission geregelt werden.

Amerika. Washington, 14. Februar. Das Haus der Repräsentanten hat mit 137 gegen

welchem der Schatz Stceretät alle nöthigen Voll⸗ machten erhalten sollte, um in einer bestimmten

Frist die Baarzahlungen wieder aufzunehmen.

Philadephia. Für die Welt- Auastellung

sind bis jetzt circa 1100 Aussteller angemeldet;

Verstärkung des britischen Geschwaders in den von diesen gehören 1000 den eigentlichen In⸗

chinesischen Gewässern wegen det Plünderung des deutschen SchoonersAnna, und um während der Abwesenheit der nach Perak gegangenen bri⸗ tischen Schiffe weiteren Plünderungen britischer

dustrie-Branchen, gan.

die übrigen den Kunst⸗Branchen An der vereinigten Ausstellung der Schwarz wälver Uhren-Industrie betheiligten sich 25 Firmen. England steht bis jetzt an Zahl der Aussteller

86 Stimmen den Antrag Hale verworfen, nach

hinter Deutschland zurück, während der England

zugewiesene Ausssellungs Raum den. deutschen übersteigt. Den deutschen Ausstellern sind zwölf Plätze in der Jury eingeränmt. Am zahlreichsien sind von deutscher Seite die Buch Druckerei und der Buch- und Kunst⸗Verlag, und zwar mit 140 Ausstellern vertteten. Die Firma Krupp in Essen hat einen eigenen Dampfer aus gerüstet, der ihre Aussiellungs⸗Gegenstände und die der Montan- branche angehörigen transportirt. Eduard Schmidt von der Firma Schmidt und Grüninger in Phila⸗ delpbia und New Nork fungirt als Bevollmächtigter der 700 deutschen Aussteller. Das deutsche Reich hat die Beranstalter von Collectiv- Austellungen that⸗ kräftig unterstützt. Der Vertreter des Reichs, kanzler⸗Amts, von Zedlitz, wird Ausgangs dieses Monats hier erwaftet.

Aus Stadt und Land.

Mainz, 9. Febr. Vor nicht langer Zeil kaufte ein Fuhrmann aus der Pfalz ein Pferd, weiches er schon früher in seiner Eigenschaft als Fuhrknecht führte und, wie man erfährt, ost mißhandelte. Heute früh, als der mit Wein beladene Wagen desselben an einem Wirtihs⸗ hause in der Holzstraße stand, behandelte der Fuhrmann bei der Fulterverabreichung das Pferd wieder seyr unzart, indem er ihm mit dem Peitschenkolben nach den Augen chlug. Aber mit Blitzesschnelle hatte das Pferd seinen Quäler mit den scharsen Zähnen an Nase und Kinn ge⸗ packt und beide se zugerichtet, daß möglicher Weise an deren Restautirung die Kunst der geschicklesten Cyirurgen scheitern dürfte.

Allerlei.

Geislingen, 13. Febr. Gesiern Abend nach 7 Uhr brach mit furchtbarem Qualm in den oberen Stockwerken des Haupigebäudes der Staub'schen Baumwollspin nerei und Zwirnerei in Kuchen Feuer aus, das mit rasender Schnelligkeit das ganze Gebäude erfaßte und in wenigen Stunden bis, auf die Grundmauern einäscherte. Die un⸗ geheure Flamme, die bis zum Himmel loderte, ergriff auch das Magazin und vernichtete einen großen Vorrath von Robmalerial, so daß der Schaden an Gebäuden, Maschinerien und roher wie halbferliger Baumwolle sehr beträchtlich ist. Ueber die Hälfte des großartigen Anwesens bildet nun einen Trümmerhaufen. In dem niedergebrann⸗ ten Theil, einem 4fiöckigen Gebäude, 100 Fuß lang und ebenso breit, waren 28,000 Spindeln im Gang. Der Schaden an Maschinen allein wird zu 5600,000 fl. angeschlagen. Es wird ungeheure Mühe kosten, bis die vielen zerstörten Maschinen und Maschinentheile, die ein wildes Chaos bilden, nur vom Brandplatze abgeräumt sein werden.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 9. Febr. Waizen M. 20.50. 70. Korn M. 18.. Gerste M. 17.14. Hafer M. 16.. Alle bPreise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.

Frankfurt, 14. Februar.(Viehmarkt.) Der heulige Markt brachte, da namentlich Ochsen höchst gering zu⸗ getrieben waren, wieder hohe Preise. Angetrieben waren, 246 Ochsen, 220 Kübe, 360 Kälber und 200 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 68.40, 2. Qual. M. 60., Kühe 1. Qual. M. 56.43, 2. Qual. M. 51.30, Kälber M. 60., Hämmel 1. Qual. M. 54.72, * 815 1 48..

rankfurt, 14. Febr. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1

M. 39., Nr. 2 M. 35., A. J M. 5 Nr. 4*. 2 Nr. 5 M. 21., Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 25., do. II.(Berliner Marke) M. 21., Waizenschalen M. 9, Waizen M. 22.. Korn M. 17. Gerste M. 17 21. Hafer M. 17. Kohlsamen M. 33-36. Erbsen M. 21 18 0 e 21.. Liusen M. 2130. Rüböl M. 78.. Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfd. Zollgewicht= 100 Kilo.: 5 15 4

Maen; 14. Februar. Producten⸗Markt. Waizen per März 20.45, per Mai 20.90, per Juli 21.65. Roggen per März 14.40, per Mai 15.15, per Juli 15.30, Hafer per März 17.10, per Mai 17.30. Rüböl per Mai 34.65,

per October 34.50.

Telegraphischer Schiffsbericht. Mitgetheilt von Chr. Hecht in Frieddeng. Das Hamburger Post⸗ dampsschiff Pommerania, Capt. Schwensen, von der Linie der Hamburg- Amerikauischen Packetsahrt⸗Actien⸗ Gesellschaft, welches am 27. Januar von Hamburg via Haore abaing, ist nach einer glücklichen Reise von 11 Tagen 10 Stunden wohlbehalten in New Pork angekommen.

DieBanknoten nachstehender Banken, obgleich sie guf Markwäbrung lauten, sind nach§ 56 der Bankordnung ur Verwendung als Zahlungsmitiel dei Strafe von 150 Mark verboten:

Anhalt⸗Oessauische Landesbank.

Braunschweigische Bank.

Commufsalständische Bank der preußischen Obetlausitz in Görlitz.

Geraer Bank.

Landständische Bank in Bautzen.

Leipziger Bank.

Leipzig⸗Dresdener Eisenbabnscheine.

Lübecker Privatbank.

Nieberländische Bank in Bückeburg.

Oldenburger Landesbank. Ritterschl. Privatbank in Pommern zu Stettin.

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