Ausgabe 
12.9.1876
 
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Gewerbfleiß der Stolz Frankreichs seien. Von der Bevökerung wurde der Präsident der Republik sehr sympathisch empfangen.

Großbritannien. London, 8. Sept. Bei einem Banket in Sheffield befürwortete der Führer der Liberalen im Unterhause, Lord Harting- ton, die baldige Einberufung des Parlements und führte aus, die orientalische Frage solle nicht durch Krieg, sondern durch die Vermittlung der Groß- mächte gelöst werden; eine derartige Lösung sei schwierig, aber unerläßlich. England müsse auf. hören, alle Schritte abzulehnen, die nicht von ihm ausgingen.

Gladstone's Broschüre über die Gräuel⸗ Thaten in Bulgarien ist erschienen. In derselben wird ausgeführt, daß einer Erneuerung solcher Vor- gänge nur vorgebeugt werden könne, indem Bos nien, die Herzegowina und Bulgarien der türkischen Ver- waltung entzogen würden. England müsse, vereint mit den andern Mächten, hierauf hinwirken.

9. Sept. Die heutigen Morgenblätter melden, daß Lord Derby am Montag eine De putation von Vertretern des Arbeiterstandes zur Entgegennahme einer Kundgebung über die orienta⸗ lische Frage empfangen werde. In denTimes wird ein Brief des Lord Stratford de Redeliffe über dieselbe Frage veröffentlicht; darin wird ein⸗ müthiges Handeln der sechs Garantie-Mächte und als Mittel zur Lösung der orientalischen Frage die Herstellung einer Reihe von autonomen Staaten vom schwarzen bis zum adriatischen Meere em pfohlen, und zugleich das Bedauern ausgedrückt, daß England durch Mißtrauen davon abgehalten sei von vornherein im Einverständnisse mit den nordischen Mächten zu handeln.

Spanien. Madrid. Der Minifterrath hat beschlossen, die Behörden auf die gewissenhafte Beobachtung der Verfassung bezüglich der Be stimmungen über den religtösen Cultus hinzuweisen

und denselben einzuschärfen, daß sie einerseits

öffentlichen Kundgebungen gegen den katholischen Cultus entgegentreten, anderseits darüber wachen, daß die Unverletzlichkeit der reformirten Gottes- häuser und Friedhöfe geachtet werde.

Türkei. Konstantinopel, 7. Sept. Die Feierlichkeit der Schwert⸗Umgürtung des Sultans hat in der Moschee Ejub in Gegenwart der Minister, der Civil⸗, Militär- und geisllichen Würdenträger stattgefunden. Auf der Rückkehr von der Moschee besuchte der Sultan das Mauso- leum seines Vaters.

8. Sept. Die Insurgentenführer Zimunie und Sotschitza haben, wie gerüchtweise verlautet, das Fort Zlostup eingenommen und zerstört; dabei wurden 90 Gefangene gemacht und Munition und Lebensmittel erbeutet. Mukhtar Pascha ist, aus Zaslap debouchirend, weiter vorgedrungen und hat das montenegrinische Dorf Potkovie in Brand stecken lassen.

8. Sept. Wie von gut unterrichteter Wiener Seite verlautet, soll im türkischen Mini⸗ sterium die Partei, welche Serbien und Montenegro die härtesten Bedingungen auferlegen will, die Oberhand gewonnen haben.

Montenegro. Cettinje, 7. Sept. Die Türken unter Derwisch Pascha überfielen zwei in Rogani(Kreis Piperi) lagernde Bataillone Men tenegriner; diese leisteten jedoch heldenmüthigen Widerstand und trieben, nachdem sie drei Bataillone Verstärkung erhalten, die Türken über die Moraca nach Podgorizza zurück. Von letzteren sind viele im Kampfe gefallen, auch ertrank eine große An- zahl in der Moraca.

8. Sept.Glas Czernagorza veröffent- licht nähere Angaben über den vorgestern erfochtenen Sieg der Montenegriner, durch welchen die Ab- sicht von Derwisch Pascha, in das Innere Mon- tenegros einzudringen, vereitelt wurde: 2000 Türken blieben auf dem Schlachtselde, aber 1000 ertranken, die übrigen floben nach Podgoritza hin; die Mon- tenegriner hatten 67 Todte und 122 Verwundete.

8. Sept. Die Consuln haben im Namen ihrer Regierungen den Fürsten von Montenegro veranlaßt, unterm 6. d. M. in Constantinopel den Wunsch kundzugeben, ebenfalls Waffenstillstand eintreten zu sehen.

Serbien. Belgrad, 7. September. Der Minister Ristie hat an die hiesigen Consuln heute eine zweite Note gerichtet, welche von neuen durch die Türken verübten grausamen Handlungen Kunde gibt. Es wird darin constatirt, daß im Bezirke von Saitschar das Land spystematisch verwüstet und unter den Augen der türkischen Behörden allabendlich ganze Dörfer niedergebrannt werden. Ebenso seien im Bezirk von Alexinatz bereits 48 Ortschaften eingeäschert. Trotz aller Ver- sprechungen würde die Genfer Convention von den Türken nicht respectirt, da letztere auf Am- bulanzen schießen, sobald sie des rothen Kreuzes ansichtig werden. Am Sonntag hätten sie den Seeretär des Comites des rothen Kreuzes von Alexi natz, nachdem ihm zuvor der Arm abgehauen worden, getödtet. Die serbischen Offiziere versicherten ein- müthig, daß die allgemein nach dem Kampfe statt⸗ findenden Brandstiftungen durch keinerlei strategische Nothwendigkeit gerechtfertigt seien. Das ganze Verfahren der Türken stelle sich dar als ein

System unerbittlicher beharrlicher Verfolgung eines Werkes der Zerstörung und Ausrottung, und nicht als Kriegführung eines civilisirten Volkes.

Mittheilungen in englischen Blättern er- wähnen der steigenden Abneigung und Eisersucht zwischen Serben und Russen, welche avf dem Kriegs ⸗Schauplatze zu Tage treten. Den Serben wird bei der russischen Völker-Wanderung nach gerade angst und bange. Die Schwärmerei der Serben für die Russen ist jedenfalls unendlich viel geringer, als die Neigung der Russen für die serbische Sache. Der Berichterstatter der Times in Belgrad deutet an, die starke Sterb lichkeit unter den russischen Offizieren komme nicht bloß auf Rechnung der von türkischen Kugeln gerissenen Lücken, und dies wird von anderer Seite auf Grund von zuverlässigen Privat- Mit. theilungen dahin erklärt, daß die Serben sich in manchen Fällen der unbequemen Freunde und Führer, welche mit der flachen Säbel-Klinge und dem geladenen Revolver dem ermattenden kriegerischen Eifer der stammverwandten Slaven nachzuhelsen suchten, durch eine Kugel entledigten.

Rußland. Petersburg. Der Kaiser ist auf der Reise nach Warschau sowohl, als nach der Krim nicht blos von dem Reichskanzler Fürsten Gortschakoff, sondern auch von der ganzen diplo⸗ matischen Suite, die sich während seines Aufent haltes in Deutschland an seiner Seite befunden, als dem Geheimrath Baron Jomini und Staats- Secretär Hamburger, ferner dem Kriegs minister begleitet.

Gegenüber dem, auch anläßlich der Sistir⸗ ung von russischen Freiwilligen in Pest, gegen die russische Regierung erhobenen Vorwurfe, daß die selbe der Parteinahme des russichen Volkes für stammverwandte Glaubensgenossen nicht entgegen- trete, wird von russischer Seite bemerkt, die Regierung habe, nachdem sie die Sache reiflich erwogen, zu einem derartigen Entgegentreten keiner lei Anlaß gefunden. Rußland habe kein Foreign Entlistment⸗Gesetz wie England, könne auch darauf verweisen, daß trotz dieses Gesetzes England während des ersten Carlisten-Krieges die Bildung der Evans'schen Legion gestattet habe. Für die Engländer habe es sich damals um abstracte con stitutionelle Grundsätze gehandelt, für das russische Volk handele es sich derzeit um den Ausdruck von Glaubens und Nationalitäts- Sympathien. Diesen dürfe die Regierung, die mit den anderen Mächten officiell für die Besserung der Lage der Christen in der Türkei und gegen die türkischen Greuel thaten eintrat und auch ferner energisch eintreten wolle, nicht entgegentreten. Ausschreitungen der Presse seien, wie die Suspension der Zeitungen Grashdanin undRußki Mir beweise, bestraft worden; hingegen die Aeußerungen der nationalen Stimmung preßpolizeilich einzudämmen, fühle man sich nicht berufen. Der Thätigkeit unter dem rothen Kreuz werde, wie von jeder europäischen Regierung, Vorschub geleistet; Organisationen für massenhasten Uebertritt und Bildung von Frei⸗

schaaren habe die Regierung jedoch nicht gestattet, Afrika. Cap Coast⸗Castle. Der König von Dahomey hat die Verbindung mit

Whydah zu Wasser und zu Lande abgeschnitten, und alle von Whydah nach dem Innern führenden Wege werden von dahomianischen Truppen be

wacht. Ein Brief von einem in Whpdah ansässigen Europäer, welcher in Grand⸗Popo eintraf, meldet, daß alle Europäer in Whydah in ihren Häusern internirt und bewacht sind. Sie dürfen weder unter sich, noch mit dem Gestade verkehren und alle Kähne in der Bucht sind weggeschafft worden, Sämmtliches europäisches Besitzthum ist mit Beschlag belegt worden. Der König hat die Europäer benachrichtigt, daß er für einen Krieg rüstet, und er droht sie alle tödten zu lassen. In Folge dessen herrscht große Bestürzung unter den Europäern.

Amerika. Philadelphia. Den Sioux ist es gelungen, trotz der Instrengungen der Truppen, mit dem Haupttheil ihrer Streitmacht den Nellow⸗ stonefluß in nördlicher Richtung zu überschreiten. Man hat den ursprünglich beschlossenen Plan des Feldzugs gegen sie aufgegeben. Terry's Streit- kräfte folgen ihnen auf dem Fuße nach und haben ebenfalls den genannten Fluß überschritten; Crook's Truppen bleiben im Süden stehen, um die streifen⸗ den Banden aufzufangen.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Während unser Land zwei staalliche Taubstummen⸗Anslalten, eine hier und eine in Bensheim besitzt, waren die Blinden seither lediglich auf das hiesige aus privaten Mitteln unterhaltene Inslitut angewiesen, welches Director Schäfer leitet. Nach einem mit diesem von der Regierung getroffenen Abkommen sollte die ganze Anstalt nebst Gebäude und Inventar in das freie Eigen⸗ thum des Staates übergehen und dagegen dem seitherigen Leiter das Directorium unter Beilegung der Qualität als desinitiv angestellter Staatsdiener belassen werden. An Besoldungen ꝛc. waren bereits 17,400 Mark in das

Buboget eingestellt, der Plan ist jedoch an der Forderung

des seitherigen Anstalts-Curatoriums gescheitert, welches den Character einer specifisch lutherischen Anstalt gewahrt wissen wollte. Bei dem letzten Jahresfest der Blinden⸗ Anstalt wurde nun bekannt gegeben, daß sich das besagte Cutatorium nunmehr aufgelöst habe und sind jetzt neue Verhandlungen wegen Umwandlung des Instituts in eine Staatsanstalt angebahnt.

Darmstadt. Die Dauer der Ausstellung ist verlängert bis Sonntag, 17. Sept. Die Verloosung ist Montag, 18. Sept. Im Laufe der nächsten Woche findet bei günstiger Witterung ein Concert mit brillantem Feuerwerk gratis für die Besucher der Ausstellung und die Ausssteller statt. Das Interesse des Publikums wächst stetig.

Darmstadt. In dem hiesigen Museum ist seit einigen Tagen ein archäologischer Fund ersten Ranges aufgestellt, der von Friedverg an das Mufeum kam. Es ist ein römischer Broncchelm mit Visir. Die Gestalt desselben ist insbesondere durch den kreuzweisen Kamm auf dem Scheitel merkwürdig; ein weit herabgehender Nackenschirm deckt Hinterkopf und Hals. Bei der geringen Anzahl römischer, in Deutschland gefundener Helme(es gibt deren noch kein halbes Dutzend und keiner steht unserem an Interesse voran) haben wir in dem beschriebenen geradezu eine Seltenheit von großem Werthe zu erkennen. Der Helm erscheint zugleich als Meisterwerk der Wiederher⸗ siellungskunst, wie sie unser Landsmann, der Director des römisch⸗germanischen Museums in Mainz L. Lindenschmit übt. Nach der Auffindung in größere und kleinere Stücke zerbrochen, wurde er durch Zusammen⸗, resp. Einsetzung dieser sämmtlichen Stücke in seiner vollen Authenticität in dem Museum des Herrn Lindenschmit wiederhergestellt, von wo aus er in diesen Tagen an unser Museum gelangte.

Darmstadt. Die so eben ausgegebene amtliche Ueber⸗ sicht der Rechts⸗Pflege in Hessen ergibt die wenig erfreuliche Thalsache, daß die Zahl der Criminal⸗Untersuchungen seit acht Jahren fländig und erheblich zugenommen hat. Nur das unter abnormen Verhältnissen gestandene Kriegs⸗ Jahr 1870/1 zeigt eine geringe Abnahme. Im Geschäfts⸗ Jahr 1867/68 betrug die Gesammt⸗Zahl der Criminal⸗ Untersuchungen in Starkenburg nur 4994, im letzten Geschäfts⸗Jahr nicht weniger als 7238. In Oberhessen ist die Zahl von 3831 auf 4549 gestiegen. Noch ungünstiger ist das Verhältniß, wenn man nur die Fälle in Betracht zieht, welche vor das Schwurgericht getommen sind. In 1870 handelte es sich um 82 solcher Untersuchungen gegen 95 Angeklagte, 1871 um 88 gegen 108 Angeklagte, 1872 um 117 gegen 132, 1873 um 107 gegen 113 und 1874 um 144 gegen 185 Angeklagte. Die Zahl der Ange⸗ klagten ist sonach in den fraglichen 5 Jahren um nahezu das Doppelte gestiegen. In Oberhessen tagte der Assisen⸗ hof im vorigen Jahre 29, in Starkenburg 52 Tage.

Mainz, 6. Sept. In verflossener Nacht nach 1 Uhr zeigten die Sturmglocken abermals einen Brand im Gartenfelbe an. Er war in der Behausung eines Wagners in der Rheinallee ausgebrochen und ergriff alsbald das Nebengebäude des benachbarten Bleich⸗Geschäftes von Stockinger. Daselbst wurden rasch die Pferde aus dem Stalle geholt und das Haus vollständig ausgeräumt. Es lag die Gefahr nahe, daß das Feuer auch die nahe ge⸗ legene Kistenfabrik von Braß erfassen würde, doch den Anstrengungen unserer wackeren Feuerwehr, die rasch zur Stelle war, gelang es, den Brand auf seinen ursprüng⸗ lichen Herd zu beschränken und eine größere Gefahr ahzu⸗

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