1876.
Samstag den 12. Februar.
N. 19.
Betreffend: Die Ausführung des Reichsimpfgesetzes vom 8. Aptil 1874. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Schulvorstände mit Ausnahme derjenigen des Medicinal-Bezirks Butzbach. Wir benachrichtigen Sie unter Bezugnahme auf§ 14 der Instruction rubr. Betreffs vom 30. April vorigen Jahres, doß wir die vorig— lährigen Listen über die Wiederimpfung an Sie abgesendet haben.
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berhessischer Anzeiger.
Die Petitzeile wird mit 11 Pfennig berechnet.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Amtlicher Theil.
Betreffend: Die Beiträge der woblstehenden katbolischen Kirchenfends zu dem allgemeinen katholischen Kirchensond für kuchliche und geistliche Zwecke für 1876.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die katholischen Kirchenvorstände des Kreises.
Nachstebend theilen wir Ihnen das Verzeichniß der in obigem Betreffe zu leistenden Beiträge mit dem Auftrag mit, Ausgabe- Decretur zu
ertheilen und für Zahlung zu sorgen.
Kirche zu Friedberg 3 M. 43 Pf. Zofen 23 M. 28 Pf. Rockenberg 6 M. 17 Pf. Erlenbach 10 M. 6 Pf. Vilbel 1 M. 9 Pf.
Beireffend: Das Militär ⸗Ersatzgeschäft für 1876.
Etwa fehlender Credit wird hiermit ertheilt.
Auszug. Nieder-Mörlen 3 M. 14 Pf. Ober⸗Mörlen 8 M. 23 Pf. Wickstadt 4 M. 92 Pf. Ilbenstadt 14 M. 28 Pf.
Ober⸗Wölstabt 54 M. 75 Pf. Heldenbergen 7 M. 46 Pf.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Friedberg den 9. Februar 1876.
r Ae.
Friedberg den 9. Februar 1876.
Trapp.
Ockstadt 13 M. l Pf. Holzhausen— M. 77 Pf.
Opper⸗ Over⸗
Friedberg am 11. Februar 1876.
Der Cioil-Vorsitzende der Großherzoglichen Ersatz-Commission Friedberg
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien und den Großherzoglichen Polizei-Commissär in Wickstadt.
Unter Bezugnahme auf mein Ausschreiben vom 26. December vorigen Jabrte,
der Rekrutirungs-Stammrollen in Erinnerung.
Kreisblatt Nr. 153, bringe ich die sofortige Einsendung Bei den bis jetzt eingelangten Rekrutirungs-Stammrollen ist vielfach die Bestimmung des§. 45
sub. 2 zweiter Absatz der deutschen Wehrordnung zwischen dem letzten Namen jeden Vuchstabens genügenden Raum zu lassen nicht befolgt worden, weshalb ich Sie hierauf aufmerksam mache und erwarte, daß Sie dieser Bestimmung genau nachleben, überbaupt sich bei der Aufstellung der Stamm-
ollen nach diesem F, richten.
Trapp.
Deutsches Reich.
Darmstadt. Das Großherzogliche Regier— ungsblatt Nr. 7 enthält:
I. Bekannimachung, die Vernichtung von eingezogenen Srundrentenscheinen betreffend.
II. Uebersicht der für das Jahr 1876 genehmigten Imlagen zur Bestreitung von Communalbedürsnissen in den israeluischen Religionsgemeinden des Kreises Groß— Berau.
III. Deßgleichen in den istaelitischen Religionsgemein zen des Kreises Gießen.
IV. Uebersicht der für das Jahr 1876 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communalbedürfnissen in en Gemeinden des Kreises Dieburg.
V. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines
emden. Ordens. VI. Eritzeilupg von Erfindungspatenten. VII Dienstnachrichten. VIII. Chataklererthenung. IX. Nuhestandsbversetzungen. X. Concurrenz⸗Eröffnungen. Exledigt ist: eine Lehrer—
elle an der Stadiknabenschule zu Gießen, Aufangsgehalt
120 M. welcher sich durch Dienstalterszulagen almäylich
uf 2057 M. erhöht; eine Lehrerinstelle an den flädtischen
Volksschulen zu Mainz Anfangsgehalt 1114 M. 29 Pf.;
Miitelschule zu Darmstadt, Anfangsgehalt 1542 M. 86 Pf., welcher bis zum Belrag von 2228 M. 57 Pf. steigen unn; eine Lehrerstelle an den städlischen Schulen zu
Dangelische Pfarrstelle zu Rodheim im Dekanate Nidda, gehalt 4203 M. Dem Freiherrn Löw zu Steinfurt stehl ns Präsentationstecht zu dieser Stelle zu; die 2. Ge— meindeschulstelle zu Berstabt, Gehalt 771 M. 43 Pf.
XI. Sterbefälle. Gesterben sind: am 1. Januar der Schullebrer Schweppenhäuser zu Eugelfladt; am 9. Jan. r Schullehrer Buch zu Stadecken.
Darmstadt. Am 2. Februar wurde der Direcior der Ober-Forst- und Domänen Direction-— Geheimerath Baur, auf sein Nachsuchen in den Kuhestand versetzt und ihm der Charakter als
„Präsident“ verlieben und am 5. Februar dem
Ventamtmann zu Darmstadt, Domänenrath Hauser, ae Ritterkreuz J. Klasse des Verdienst- Ordens
hlltppe des Großmüthigen verliehen.
Darmstadt. Der Abg. Kugler hat nebst undtren Abgeordneten bei den Ständen den An—
lie Sielle eines academisch gebildeten Lebrers der fran Fsischen und deutschen Sprache und der Geschichte an der
Darmstadt, Ansaugsgebalt 1371 M. 43 Pf., welcher bis zum Belrage von 2057 M. 14 Pf. steigen kann; die
trag eingebracht, die Regierung um Herstellung einer directen Eisenbahn Verbindung zwischen Offenbach und Darmstadt zu ersuchen.— Zum Berichterstatter über die Vorlage zur finanziellen
Regelung des Staats mit der Kirche ist der Abgeordnete Theobald ernannt, ebenso über eine weitere Vorlage in Betreff des Neubaues
eines Gymnasiums zu Büdingen, welche eigentlich nur einen bereits in das außerordentliche Budget eingesetzten Posten von 150,000 M. begründet und erläutert.— Ferner ist eine Vorlage wegen Erbau— ung eines neuen Stationsbhauses und eines Güter— schuppens auf der Station Ysenburg, wofür die Summe von 52,000 M. gefordert wird, von der Regierung bei den Ständen eingebracht worden.
Berlin, 8. Febr. Heute war nach langer Zeit zum ersten Male wieder Fürst Bismarck im Hause anwesend; er will der Discussion der Straf— gesetz Novelle beiwohnen und am Donnerstag den Reichstag schließen. Der Kanzler sah beute recht angegriffen aus; er wird bis zu seiner völligen Wiedergenesung eines abermaligen längeren Urlaubs benöthigt sein. Daß Bismarck nur noch wenige Jahre im Amt zu bleiben gedenkt, bat u er am letzten Sonnabend unumwunden ausgesprochen.
— Zu dem Hof-Ball, der am Donnerstag im k. Schlosse staftfindet, sind sämmtliche Mitglieder des Reichstages und der beiden Häuser des Land— tages geladen worden, soweit sie sich veranlaßt sahen, während der Dauer der Session beim Hos— marschall Amt des Kaisers ihre Karten abzugeben Von den Reichstags Mitgliedern werden deßhalb viele nicht schon am Donnerstag abreisen, sondern, wie der Kaiser Das lebhaft gewünscht hat, dem glänzenden Hof-Feste noch beiwohnen.
— Abgesehen von dem Interesse, welches jede größere Rede des Reichskanzlers an und für sich einflößt, verdient die vom 10 d. ganz besondere Aufmerksamkeit durch die Offenheit, mit welcher Fürst Bismarck sich in seiner ostensibeln Vertheidig— ung des vom Haust verworfenen§ 130— den Aufreizungs- oder Kautschukparagraph— ganz
müsse seinen Sobn sehen.
auf den Standpunkt der liberalen Parteien stellte, welche bekanntlich vor Allem betonen, daß die von der Regierung beklagten Schäden in der Gesellschaft nicht durch Strafgesetze zu beseitigen skien. Die socialdemokratischen Agitatoren will der Reichskanzler direct durch Eingehen auf ihre Theorien und Discutiren derselben im Reichstag und in der Presse bekämpft wissen. Die socialist- ischen Blätter möchte derselbe mehr verbreitet sehen — nach dem bekannten Rath, Pasquille so tief zu hängen, daß sie Jedermann lesen kann.„Diese Verbreitung würde das Gute baben, daß die socialistischen Gebilde in ihrer Unausführbarkeit und verbrecherischen Thorheit erkannt werden.“ Ebenso ruft der Reichskanzler gegen Verleumdungen, wie ste in jüngster Zeit mehrfach gegen Privat- personen und Beamte durch die Presse geschleugert worden sind— so namentlich auch von der„Kreuz zeitung“— die Selbsthülfe des Publikums und der Leser an, die sich von solchen Blättern lossagen sollten. Auch„außerhalb des Strafgesetzbuches“ könnten wir sehr viel thun, wenn alle anständigen Leute derartige Schlechtigkeiten versolgen und in Bann halten. Wenn wir dies thun, ruft Fürst
Bismarck am Schlusse seiner Rede,—„se werden wir
mehr erreichen, als mit dem Strafrichter.“ Haben die Liberalen je etwas Anderes gesagt?
— Herr v. Arnim-Schlagenthin, der Sohn des Grafen Harry von Arnim, der sich seines Vaters in so musterhafter Weise angenommen hat, ist an einer Rippenfell-Entzündung lebensgefährlich erkrankt. Sein Vater hat, wie die„K. 3.“
erzählt, aus Florenz telegrapbirt, er werde sofort nach Berlin kommen, unbekümmert um die dort zu gewärtigende Verhaftung, denn er
Man hat ihm zutück⸗ lelegraphirt, er möge noch 24 Stunden warten, da so eben eine leichte Wendung zum Bessern, im Befinden des jungen Arnim eingetteten sei. Man erzählt, daß die Familie Arnim vor ungefähr zebn Tagen eine Bittschrist mit ugegen 60 Unter- schristen verseben an den Kaiser gerichtet habe


