waren zum Empfange anwesend der Herzog Johann Albrecht von Schwerin und der Kriegsminister v. Fabrice. Nach einem viertelstündigen Aufent- halte erfolgte die Weiterreise des Kaisers auf der Route Cottbus-⸗Posen.
Pesst. Der„N. fr. Pr.“ wird von hier tele graphisch gemeldet: Ober Staatsanwalt Kozma und Staatsanwalt ⸗Substitut Löw haben jüngst Reisen in Süd-Ungarn unternommen, welche eine Zusammenstellung der Daten aus der seit Wochen geführten Untersuchung gegen die omladinistischen Umtriebe von Miletics und Consorten bezweckten. Die Verhaftung Mileties in Neusatz erfolgte auf Antrag des Untersuchungsrichters und der Ober⸗ Staatsanwaltschaft in Folge Beschlusses des Groß- Becskereker Gerichtshofes. Ursache ist keineswegs der Preß e Proceß wegen eines Zastava-Artikels, welcher die Ermordung des Zars predigte, son⸗ dern hochverrätherische Umtriebe der Omladinisten, deren vereinigter Straf- Proceß in Pest geführt wird. Der Berhaftungs⸗Beschluß des Beeskereker Gerichtshofes wurde Dienstag Mittags gefaßt und in derselben Nacht noch in Neusatz vollzogen. Der Gerichts⸗Beschluß motivirt die Nichtberücksichtigung der Abgeordneten⸗Immunität Miletics damit, daß der Reichstag vertagt sei. Der Ministerrath er— klärte, daß er das Gerichtsverfahren in keiner Weise beeinflussen werde.
Frankreich. Versailles, 6. Juli. In der Deputirten⸗ Kammer beantragte Madier de Montjau(intransigenter Radikaler), das der Presse ungünstige Decret von 1852 aufzuheben. Nachdem sich Dufaure gegen den Antrag ausge- sprochen, andererseits außer Madier auch Floquet denselben befürwortet hatte, beschloß die Kammer mit 227 gegen 147 Stimmen dringliche Behand- lung. Die Rechte enthielt sich der Abstimmung.
Parig, 6. Juli. Der Großfürst Constantin von Rußland soll heute Abend, und der König von Griechenland, sein Schwiegersohn, morgen Abend in Paris eintreffen. Fürst Orloff ist heute früh von Jugenheim zurückgekehrt, um den russischen Prinzen zu begrüßen.
Belgien. Brüssel, 8. Juli. In der Ausstellung wollte Dr. Günther dem deutschen Kronprinzen die Ambulanzen zeigen. Der Kron— prinz entgegnete, er habe deren schon zu viele ge⸗ sehen und ziehe vor, die Instrumente des Friedens zu betrachten. König Leopold begleitete heute den Kronprinzen beim Besuche des Schlachtfeldes von Waterloo.
Italien. Rom. Die„Agencia Stefani“ dementirt die von der„Gazzeta del popolo“ ge⸗ brachte Nachricht, daß der König einen Abgesandten Mac Mahon's in Turin empfangen habe.
Türkei. Constantinopel. Die„Agence Havas Reuter“ dementirt alle am 4. Juli von Wiener und Pester Journalen veröffentlichten Nachrichten, betr. die angebliche Schwertumgürtung des Sultans am 6. Juli, die Vorbereitung eines Fetyo von Seiten des Scheik ül Islam, sowie endlich über eine von Midhat Pascha entworfene Verfassung und baldigste Proclamirung derselben. Der Bey von Tunis wird ein Regiment nach Con- stantinopel senden.— Der neuernannte Botschafter Aleco Pascha Vogoridis reist morgen nach Wien ab.
— Die„Agence Havas“ meldet aus Ragusa:
Der Gouverneur von Skutari meldet, 1500 Miriditen mit den Türken gegen die Montenegriner marschirten. Die Montenegriner bivouakirten am 5. Juli bei Valemia im Disttikte Bagnani.
— 6. Juli. Einer Regierungs⸗Depesche aus Widdin zufolge griffen die serbischen Truppen am „Mittwoch den Vorposten der Türken bei Belgradjck zwischen Nisch und Widdin an, wurden aber unter Zurücklassung von 100 Todten zurückgeworfen. Die türkischen Truppen concentriren sich zu ent⸗ scheidender Action.
— 7. Juli. Die Softas werden bewaffnet und auf ihr eigenes Verlangen ins Feld geschickt.
— 8 Juli. Nach einem Telegramm Mukhtar
daß
Ort, der sich den Insurgenten ergab.
sogleich aus eigener Entschließung an die serbische
daruntet ein Commandant und mehrere Offiziere. Einige Fahnen sind erbeutet worden, von denen eine nach Konstautinopel gesendet wurde. Die Bewohner der Umgegend sammeln die auf dem Schlachtselde zurückgelassenen feindlichen Gewehre au; von türkischer Seite werden Anstalten zur Beerdigung der Todten getroffen. In Beling sind an türkischen Streitkräften concenkrirt: 1 Batterie, 3 Detachements Cavallerie, 3 Bataillone Infan- terie und starke Reserve-Truppen, die allmählich in Belina eintreffen.
— 8. Juli. Nachricht der Regierung vom Kriegs schauplatze. In dem Kampfe am 6. Juli bei Sienitza im Sandjak Novibazar verfügten im Gefechte die Serben über Streitkräfte von 15,000 Mann; der Divisions General Mehmed Ali Pascha konnte nur 8 Bataillone entgegenstellen; trotzdem wurden die Serben von den Türken zu⸗ rückgeworsen und von denselben bis in die Ver schanzungen verfolgt. Die Serben verloren 1500 Mann durch Tod, ebensoviele wurden verwundet, eine beträchtliche Anzahl von Gewehren und viel Munition wurde erbeutet.
— Am 1. Juli hat die Schaar Golub's nach einem großen Kampfe die bedeutende Ortschaft Kulen⸗Vakuf genommen. Seit dem Beginne des Aufstandes ist es der erste große, reich bevölkerte
Montenegro. Cettinje, 7. Juli. Die „Pol. Corr.“ meldet: Die Montenegriner bivoua- kirten vorgestern Nacht in Volemija, welches im Distriet von Banjani liegt. Gestern marschirten dieselben gegen Gacko, Corrita und Nevesinje und sollen in letzterem Orte eingerückt sein. Der Fürst von Montenegro wäre gestern Abend vor Gacko eingetroffen, woselbst türkische Truppen in beträcht⸗ licher Zahl verschanzt sind.— Aus Bosnien meldet die genannte Correspondenz: Die katho— lischen Bosniaken sind in großer Bewegung gegen- über den Absichten Serbiens auf die Eroberung Bosniens und beabsichtigen einen Appell an Oester— reich wegen Schutzes ihrer Interessen.
Serbien. Belgrad, 6. Juli. Der Remorqueur„Tisza“ der Donau-Dampfschifffahrt- Gesellschaft wurde gestern früh 3½ Uhr auf der Fahrt von Turn⸗ Severin nach Orsova in der Nähe des serbischen Dorfes Spiz von serbischen Truppen mit Pelotonfeuer empfangen und zum Umkehren genöthigt; weitere Unfälle kamen nicht vor. Der österreichische General-Consul richtete
Regierung in der entschiedensten Weise Beschwerde und forderte vollste Satisfaction.
— 6. Juli.(Amtliche Meldung.) Gegen- über den von feindlicher Seite verbreiteten Bulletins über ein angebliches Zurückwerfen der serbischen Streitkräfte auf allen Seiten ist es eine feststehende Thatsache, daß General Tschernajeff seit dem Siege bei Babina Glava sich auf türkischem Boden ohne weitere Gefechte behauptet. Ranco Alimpies steht noch immer vor Belina Gestern wurden 2000 Mann türkische Truppen(Nizams) umzingelt; nur ein kleiner Theil von denselben entging der Vernichtung. In Saitschar wurden, wie schon gemeldet, die Angriffe der Türken siegreich zurück gewiesen. Der Führer des Drina-Corps Bes- janin hat auf telegraphische Anfrage erwiedert, er brauche keine Verstärkung.
7. Juli.(Amtliche Meldung.) Die Ibar⸗Armee unter General Zach überschritt gestern bei Navor die Grenze und traf in einer Entfernung von einer Meile auf den in einer sehr vortheil⸗ haften Stellung verschanzten Feind; nach fünf⸗— stündigem unter beftigstem Feuer verlaufenden Gefechte konnte der Feind nicht delogirt werden; auf beiden Seiten ergaben sich beträchtliche Ver- luste an Verwundeten; beide Armeen halten ihre seitherigen Stellungen noch besetzt. An demselben Tage überschritt Oberst Czolakanties die Grenze bei Baschka. Nach zehnstündigem hartnäckigem Kampfe flohen die Türken nach Novibazar. Die Türken⸗Kulas Raschka, Golia und Borea wurden
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Pascha's über die Gesechte bei Belina sind die
Verluste des Feindes viel ernstlicher als Ansangs Raschka und Novibazar ist in der Gewalt der Das Feuer der serbischen Berg- Batterien
geglaubt wurde. Im Dorfe Belina wurden 200,
in dessen Umgebung über 700 Todte gezählt,
eingenommen und rasirt. Das Gebiet zwischen
Serben.
erwies sich äußerst wirksam. Die Verluste der
lagern auf den eroberten Posttionen. Rumänien. Bukarest, 8. Juli.
Kammer verisicirte die Wahlen und nahm sodann
die Büreau-Wahl vor. Das ganze Büreau gehört
der entschieden radicalen Partei an. Als Präsident wurde C. A. Rosetti gewählt. Aegypten. Alexandria, 4. Juli.
Zwei ägyptische Regimenter gehen heute nach Constantinopel ab.
— Vor einigen Wochen wurde angekündigt, daß der Khedive Anstalten treffe, um zur Be⸗ grüßung des Sultans nach Konstantinopel zu kommen. Man bezeichnete bereits den Tag der Ankunft des hohen Gastes. Inzwischen änderte der Khedive seinen Plan, und Anfangs dieser Woche traf auf einem Speeial-Dampfer sein Abge- sandter Achmed Bey zur Begrüßung des Sultans hier ein. Die Haltung des Khedive hat auf der Pforte sehr böses Blut gemacht. Man betrachtet das Benehmen des Khedive als eine schwere Be⸗ leidigung, und Achmed Bey wird demgemäß gar nicht empfangen werden.
Amerika. Washington. Offieielle Nach ⸗ richten bestätigen die Niederlage Kuster's voll kommen. Morill übernimmt das Amt des Schatz⸗ secretärs.
Aus Stadt und Land. Darmstadt, 8. Juli. Ein in der Frankfurter Straße wohnender Lilhogtaph öffnete sich heute Morgen die Puls⸗ adern. Aerzlliche Hülfe war alsbald zur Stelle und wurde der Mann in's Hospital gebracht.
Allerlei.
Frankfurt. Eine empörende Thierquälerei hat sich hier ein Wirth zu Schulden kommen lassen. Dieser Un⸗ mensch verscharrke einen Wurf von neun lebenden jungen Hunden in die Erde. Ein rührender Anblick soll es ge⸗
wesen sein, als die Hündin die Neugeborenen ausgrub
und durch Schütteln und Lecken drei Hündchen in's Leben zurückrief. Heidelberg, 6. Juli. Gestern Morgen wurde zwischen Friedrichsfeld und Heidelberg ein Bahnwärter von einem auf ein anderes Geleise gehenden Zuge überfahren und vollständig in Stücke zerrissen. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau mii fünf Kindern. 5 Straubing, 6. Juli. Der Schwur⸗Gerichtshof hat heute Abend den der Vergiftung seiner Frau angeklagten Thier⸗Arzi Sandtner fteigesprochen. N 5— Chemnitz. Von hier beberichtet die Chemnitzer Fr. Pr.: Eine fürchterliche Blutthat hält seit gestern die Be⸗ wohner von Chemnitz und Umgegend in Auftegung. In Reichenbrand begab sich am Samstag Abend nach 10 Uhr ein dortiger Ortsangehöriger in die Restauration, nachdem seine Familie sich zur Nachtruhe niedergelegt hatte. Als er 12½ Uubr nach Hause zurückkehrte, zeigte sich ihm ein eutsetzlicher Anblick. Seine Frau lag ermordet durch einen
Hieb, deu sie in die rechte Seite des Halses empfangen; Burg“, dieselbe Weise getödlet; der 13järige Knabe war durch 9 53
seine Tochter, ein Mädchen von 16 Jahren, war auf
einen Hieb, den er mit einem stumpfen Instrument in die rechte Seite des Halses empfangen, lebensgefährlich ver⸗ wundet. Das jüngsie Kind, ein 2jähriges Knäblein war ebenfalls lebensgefährlich verletzt, denn die Kinnlade ist ihm zertrümmert, der Mund und die Zunge beschädigt. Der Mörder muß mii der Sicherheit eines Henkers seine Streiche auf die schlasende Familie geführt haben. Der unglückliche Gatte und Valer machte sofort Anzeige und
die staatsanwaltlichen Erörterungen sind im Gange. Ueber die Art, wie das Schreckliche sich vollzogen hat, weiß man noch nichts, denn der noch lebende ältere Knabe ist in Die Möglichkeit des Raubmordes ist ausgeschlossen, denn die f ein Mord aus Rache ist ebenfalls schwer
seiner gegenwärtigen Lage nicht zu rechnungsfähig.
Familie war arm, g l 0 anzunehmen, da die Befroffenen als ruhige, friedfertige
und vor Allem sehr ehrenwerthe Leute bekannt sind, Es
sollen einige Verhaftungen vorgenommen worden sein an Leuten, die in dem Hause wohnen, in welchem die Blut⸗
that sich vollzog. Hoffentlich gelingt es der Jusliz, auf die
rechte Fährte zu kommen und den oder die Mörder zu entdecken.
München, 6. Juli. Der berüchtigtste und gefähr⸗ lichte Wilderer in Mittelfranken, genannt der„schwarze Seff“, wurde am 1. d. M. bei einer Streife, die von 6 Gendarmen und 3 berittenen Ulanen nach ihm ange⸗ stellt worden war, Widerstand erschossen. Gelegenheit durch einen Schrotschuß verwundet.
Bern, 7. Juli. bei Palezieux, zwischen Bern und Lausanne, kamen sechs Personen um's Leben.
Handel und Verkehr. Grünberg, 8. Juli. Die Preise auf unserem heungen Fruchtmarkte beiragen: Waizen 11 M. 84 Pi.; Korn 9 M. 87 Pf.; Gerste 9 M.— Pf.; Hafer 10 M. 19 Pf.; Molter— M.— Pf.; Erbsen 10 M. 13 Pf.;
Linsen— M.— Pf.; Samen 14 M.— Pf.; Kartoffeln
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serbischen Truppen sind nicht beträchtlich dieselben Die
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