Ausgabe 
4.11.1876
 
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Beilage.

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Belgien. Brüssel. 31. October. Der Nord, indem er die Lage der orientalischen Frage bespricht, gibt der Hoffnung Ausdruck, die Mächte würden die Forderungen Rußlands unter- stützen und der Waffen-Stillstand zu Stande kommen. Die dilatorische Tattik der Pforte er- leichtere freilich nicht die definitive Herstellung des Friedens, nöthige vielmehr die Mächte, ihre Festig- keit und Energie in Bezug auf die zu gewähren⸗ den Garantien zu verschärfen.

Großbritannien. London, 1. Nov. Die heutigen Morgenblätter enthalten noch keine Mittheilung über die Antwort der türkischen Re- gierung auf das russische Ultimatum; fast alle sprechen die Meinung aus, die Pforte werde nach gebeu.Times glaubt, daß die Mächte ohne Zweifel dem Sultan die Annahme der russischen Forderung anrathen, und äußert schließlich: Unsere letzten Nachrichten lauten widersprechend, doch ist es undenkbar, daß die Pforte Rußland zum Aeußersten treiben werde. Nach einer Depesche desDaily Telegraph aus Constantinopel von Dienstag Abend wäre ein zweimonatlicher Waffenstillstand unter⸗ zeichnet worden.

Türkei. Der General- Gouverneur von Rustschuk meldet der Regierung, daß Deligrad gestern von den Türken genommen sei.

Einem der Regierung zugegangenen Tele- gramm aus Rustschuk- vom 31. Oct. zufolge haben die Türken Alexinatz mit Sturm genommen.

2. Nov. Bezüglich der Waffenstillstands frage bringen die Blätter folgende Nachrichten: Eine Meldung derKöln. Zeitung aus Pera bestätigt, daß die Pforte den Botschaftern der Mächte in Constantinopel ihren Beschluß in der Waffenstillstandsfrage notificirt hat. Dar nach erklärte sich die Pforte, wie dieK. 3. übereinstimmend mit der anderweitigen früheren Nachricht meldet, zu der Annahme eines zwei monatlichen Waffenstillstandes mit 2monatlicher facultativer Verlängerung von je sechs Wochen bereit. DieKöln. Zig. will weiter wissen, Ignatieff hätte sich am Montag mit diesen Beschlüssen einverstanden erklärt. Gutem Vernehmen aus Wien nach notificirte die Pforte ihren früheren, vor Absendung des rufsischen Ultimatums gefaßten Beschluß in Betreff des Waffenstillstandes den Mächten am 30. Okto⸗ ber früh. DasNeue Wiener Tagblatt bringt die sonst unbestätigte Nachricht, die Antwort der Pforte auf das russische Ulti matum wäre heute Mittag dem Botfchafter General Ignatieff zugestellt worden. Die Pforte hade sich zur Annahme des Waffen- Stillstandes auf beliebige Dauer bereit er⸗ klärt, sie fordere jedoch die vorherige Be⸗ kanntgabe von Friedens-Bedingungen, welche eine Garantie zur Herstellung des tiven Friedens zu bieten geneigt seien. DieWiener Abendpost sagt: Die Nachrichten aus Constantinopel lassen an der Annahme der letzten Forderung Rußlands von Seiten der Pforte kaum noch einen Zweifel aufkommen. Nach Privat- Berichten hätte, derAgence Havas zufolge, die Pforte dem Waffen⸗Stillstande zugestimmt mit dem Vorbehalt, daß auch Serhien denselben annehme. Da die Annahme von Seiten Serbiens erfolgt sei, so wäre gestern Abend der Waffen⸗Stillstand unterzeichnet worden. Auch in Belgrad verlautet, die Pforte habe einen zweimonatlichen Waffen- stülstand zugestanden und Serbien denselben an- genommen. 4

Montenegro. Cettinje, 1. November. Die Montenegriner haben gestern Podgoritza ein. geschlossen und beschießen den Ort mit den bei Med un eroberten türkischen Geschützen; bereits ist eine türkische Batterie demontirt. Podgoritza hat stark gelitten. grinern gänzlich zerstört.

Die Truppen, welche

Constantinopel, 31. Oetbr.

defini⸗

Medun ist von den Montene⸗s

Hberhessischer Anzeiger.

früher Medun kernirten sind tiefer in Albanien eingedrungen und haben die Verbindung mit Podgoritza abgeschnitten.

Serbien. Belgrad, 31. Oetbr. Fürst Milan befindet sich in Paratschin, die Armee Tschernajeff's bei Deligrad, diejenige des General Horvatovic zwischen Djunis und Kruschewatz. Die durch den Verlust der Stellung bei Djunis hervorgerufene Bestürzung hat sich etwas gelegt; es herrscht große Thätigkeit und der Entschluß, bis zum Aeußersten Widerstand zu leisten.

Rumänien. Bukarest. DasWiener Fremdenblatt meldet unter Vorbehalt von hier, der Ministerpräsident Bratiano werde am 2. Nov. den Kammern einen Gesetz-⸗Entwurf vorlegen, wo durch die Einberufung der Milizen verfügt wird; gleichzeitig würde den Kammern eine andere Vor- lage des Ministers zugehen, wonach Rumäniens Unabhängigkeit proclamirt werden solle.

2. Nov. Die Thronrede, mit welcher heute die außerordentliche Session der Kammern vom Fürsten eröffnet wurde, besagt:Unsere Bezieh⸗ ungen zu den auswärtigen Mächten sind die besten. Wir erhalten Seitens aller garantirenden Mächte Ermuthigungen zur Aufrechthaltung unserer Neu- tralität, welche von der Regierung seit Anfang des Krieges beobachtet wird. Selbst die Pforte scheint mehr geneigt, die Gerechtigkeit unserer For- derungen anzuerkennen. Jeren Tag empfangen wir Beweise des Wohlwollens der Großmächte für Rumänien. Wir sind somit, Dank der klugen und festen Richtung, welche die Kammern meiner Regierung vorgezeichnet, zu der Hoffnung berechtigt, daß, wenn den rumänischen Staat Gefahren, welche über seine Kräfte gehen, bedrohen sollten, der mächtige Schild des garantirenden Europa unsere territoriale Intgrität und unsere nationalen Rechte vertheidigen wird. Indessen haben wir die volle Ueberzeugung, daß schon die nächste Zukunft dem Orient die Ruhe bringen wird, Dank den An- strengungen aller europäischen Mächte zur Ver besserung des Schicksals der christlichen Völker⸗ schaften. Schließlich kündigt die Thronrede ver- schiedene Reformen und Gesetzänderungen für die innere Verwaltung an.

Rußland. Petersburg. Aus Radom meldet man hinsichtlich russischer Kriegs⸗Rüstungen, daß ein Telegramm angelangt sei, durch welches der Gouverneur benachrichtigt wird, daß 90,000 Mann an die österreichische Grenze marschiren. Sämmt⸗ liche Kreis- Vorsteher sind aufgefordert worden, nach Radom zu kommen, um sich über die Unter- bringung und Verpflegung der Truppen während des Marsches zu verständigen. Auch sollen unge wöhnliche Truppen⸗Bewegungen stattfinden. Dieser Tage wurden aus Lublin mit gemietheten Pferden 60 Kanonen und viele Munstions Wagen nach Warschau gebracht, und am 27. v. M. langten drei große Eisenbahn-Züge mit Infanterie auf der Warschau Wiener Bahn in Warschau an.

2. Nov. DerRegierungs- Anzeiger ver- öffentlicht einen kaiserlichen Befehl, welcher den Termin der Einberufung der militärpflichtigen jungen Mannschaften für dieses Jahr auf den 13. December festsetzt. Auf Sibirien und die Gouvernements Archangel und Orenburg findet der Befehl keine Anwendung.

Livadia. DerPol. Corr. wird gemeldet: Der Befehl an Ignatieff wegen Uebergabe des Ultimatums ist direct vom Kaiser ergangen, welcher durch die neuesten Ereignisse auf dem serbischen Kriegsschauplatz und durch die ohne Rücksicht auf die schwebenden Verhandlungen über den Waffen- Stillstand fortgesetzte türkische Kriegs⸗Action dazu bestimmt worden ist.

Amerika. New Nork. Die Staats- schuld hat sich im abgelaufenen Monat October um 3,388,000 Doll. vermindert. Im Staats- chatze befinden sich 7,596,000 Doll. in Gold und 12,901,000 Doll. in Papier.

M 131.

Aus Stadt und Land.

Friedberg, 2. Nov. Heute wurde der dies jährige Cursus der hiefigen Ackerbauschule erössuet. Es ist erfreu⸗ lich, melden zu können, daß ca. 30 Schüler angemeldet und zum größten Theil auch bereits eingetroffen sind. In Folge Ausschreibens des Curatoriums sind bereits mehrere Meldungen um die Stelle des Dirigenten und ersten Lehrers der Anstalt eingelaufen, so daß die baldige Besetzung der Stelle in Auesicht steht.

Mainz, 30. Oct. Der Zugführer des ersten Güter⸗ zugs, welcher gestern Morgen von hier nach Alzey fuhr, bemerkte auf der Strecke zwischen Wörrstadt und Armsheim Elwas auf den Schienen liegen und gelang es seiner Auf⸗ merksamkeit und Anstrengung, noch rechtzeitig den Zug zum Stehen zu bringen. Man sah nach und fand einen Mann in den fünfziger Jahren, der, in seinen Reck dicht eingehüllt, sich absolut überfahren lassen wollte. Er wurde nolens volens in den Packwagen geschafft und in Arms⸗ heim an die Behörde abgeliesert. Wie man hört, soll der selbe geisteskrank sein und nunmehr in eine Irrenanstalt verbracht werden.

Mainz. Unserer Polizei ist es gelungen, einen ge⸗ fährlichen Einbrecher, welcher in einem Cass in Frankfurt kürzlich in Gemeinschaft mit einem Burschen aus Alzey eingebrochen und eine bedeutende Summe Geldes entwendet hat, zu verhaften. Der Bursche, der in zerlumpten Kleid⸗ ungsstücken in einer Droschke einherfuhr, erregte dadurch die Aufmeiksamkeit der Behörde; bei seiner Vistiation fanden sich noch ungefähr 600 M. im Besitz des Diebes.

Allerlei.

Saarbrücken, 28. Oct. Gestern Abend 5 Uhr kam, per Eisenbahn und eskortirt von einem Gendarmerie⸗ Wachtmeister, der Pastor Neureulet aus Marpingen hier an. Derselbe wurde sofort als Untersuchungsgefangener im hiesigen Justizarresthause untergebracht und soll, wie man sagt, wegen Betrugs prozessirt werden.

Genf. Ein schreckliches Verbrechen hat die Bewohner von Morges am Genfer See in Aufregung versetzt. Nicht weit von einander fand man auf offenem Felde die nackten Leichnahme zweier jungen Frauen, denen beiden die Stirn eingeschlagen war. Dieselben müssen in Heu auf einem Karren dorthin gebracht worden sein, da man Heu- und Blutspuren weit auf der Straße versolgen konnte. Außer⸗ dem entdeckte man noch die Leiche eines Mannes und ein ausgegesetztes Kind auf einem dortigen Felde, womit man die Ermordung der beiden Frauen in Zusammenhang bringt.

Moskau, 31. Oct.((Proceß Strousberg). Der Staats⸗Procurator und die Anwälte der Eivilkläger suchten, um Letzteren Anspruch auf Schadenersatz zu sichern, nach⸗ zuweisen, daß der Verwaltungsrath in seiner Gesammtheit den Sturz der Bank herbeigeführt, falsche Bilanzen auf⸗ gestellt, Actien verkauft und Depots eilig herausgenom⸗ men habe. 1. Nov. Der erste Vertheidiger Poljanski's stellt diesen als durch Landau versührt hin und klagt diesen an, um jenen zu kechtsertigen. Der zweite Vertheidiger sucht nachzuweisen, daß Poljanski's Handlungen vielleicht unmoralisch, nicht aber ungesetzlich gewesen seien. Landau's Vertheidiger behauptet, daß sein Client seine Amlopflicht nicht verletzt habe.

Handel und Verkehr.

Gießen. Auf dem am 31. October und 1. November staltgehadten Viehmarkte waren aufgettieben 1615 Schweine und 881 Stück Rindvieh.

Frankfurt, 1. Nov. Der heutige Heu⸗ und Stroh⸗ markt war gut befahren. Heu kostete per Ceniner je nach Qualität M. 5.6.50., Stroh per Ceniner M. 5.5. 60. Butter 1. Oual. im Großhandel das Pfund M. 1.20. 2. Qual. M. 1.10., im Kleinbandel 1. Qual. M. 1.40 bis 1.45,, 2. Qual. M. 1.30. Eier das Hundert M. 6.. Kartoffeln per 200 Zoll-⸗Pfund M. 56.

Geld Cours.

Frankfurt am 2. November 1876. 20⸗Frankenstücke Mk. 16 2428 Englische Sovereigns 20 33.38 Russische Imperiales 8 16 73-78 Holländische fl. 10-Stücke.16 65 Dutaten n 5 9 71-76 Ducaten al ma reo 9 6570 Dollars in Gold 7 4 16-19 Herr Johann Maria Farina

gegenüber dem Jülichsplatz in Cöln hat uns den Debit des 2

allein üchten Cölnischen Wassers

übertragen und empfehlen wir dasselbe

per Glas zu M. 1,50, ½ Dutzend 1 Dutzend 1108755

Die Exped. d. Anz.