Ausgabe 
28.3.1872
 
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Friedberg. Bon dem Leden und Treiben der bieslaen Ackerbauschule hat man seit der feierlichen Eröffnung dieser Anstalt am 1. Nov. v. J., gelegentliche Erwäbnungen derselben bei den Berichten über die Thälg⸗ keit des land wirihschafilichen Casino's abgerechnet, in der Oeffentlichkeit kaum etwas mehr vernommen. Und das wobl mit Recht. Das Streben und Wirken einer Schule gedeiht um so besser, je mehr sie sich in stiller Zurückgezogen⸗ heit mit ruhiger Sammlung in ihre Aufgabe vertieft.

Wenn für irgend eine Anstalt, so lag aber für unsere Ackerbauschule, der für ibre Thätigkeit nur die Spanne Zeit von fünf Monaten vergönnt ist, dringende Aufforderung zur Beberzigung dicser Wahrhein vor. Erst am Ende des Fursus war es ihre Aufgade, vor die Oeffentlichkeit zu treten und Rechenschaft von ihrer Wilk amkeit abzulegen. Das ist denn nun durch die am 25. d. M. vor den Ver⸗ tretern des landwirthschaftlichen Provinzialvereines und der landwirthschaftlichen Centralstelle in Darmstadt, dem Curatorzum der Anstalt und im Beisein der Eltern der Schüler und einer großen Zahl sonstiger Freunde und Förderer der landwirthschaftlichen und allgemeinen Volks⸗ bildung im Saale des Hotel Trapp geschehen. Das Resultat dieser Prüfung war ein überaus günstiges. Man war allgemein angenehm überrascht über die Summe des in der kurzen Zeit Gelernten und über die Forischritte, die sich in den schrifilichen Arveiten der Schüler bekundeten, mehr noch aber über die Art und Weise, wie die Mehrzahl der jungen Leute die an sie gerichteten Fragen beantworteten, da hieraus sich ergab, daß man es nicht mit blos äuß e r⸗ lich Angelerntem, sondern geistig Verarbritetem zu thun habe, daß das Hauptaugenmerk bei dem Unterricht auf das geistige Wachs ihum der Schüler gerichtet gewesen sein müsse.

Für solchen Erfolg gekübrt der unermüdlichen und uneigennützigen Thätigkeit der Miiglieder des Curatoriums, sowie der pflichttreuen und einsichtsvollen Wirksamkeit der Lehrer(wobei der anregende, sittigende Einfluß, den der specielle Dirigent, Hr. Rückert, außer seinem Untercicht besonders noch durch die Ueberwachung und Leitung der abendlichen Arbeitsstunden auf das allgemein belobte Wohlverhalten der Schüler geübt bat, billigerweise nicht unerwähnt bleiben darf) alle Anerkennung. Diese Aner⸗ kennung hat denn auch ihren warmen Ausdruck gefunden in den Schlußworten der Prüfung, in welchen der Herr Graf von Laubach Namens des landwirtzschaftlichen Provinzialvereins seine Befriedigung über die Resultate der Prüsung aussprach und zugleich darauf binwies, daß

durch die von Regierung und Ständen bewilligten reich-

licheren Mittel für landwiribschaftliche Zwecke den Fori⸗ bestand der so gücklich degonnenen und für das Gedeihen der Bodenkultur unserec Provinz se wichtigen Anstalt in

der Weise gesichert sei, daß sie nächsten Winler ihre Thälig⸗

keit in zwei Coursen forisetzen werde.

Noch in den späten Nachmittagsstunden 7 fast alle Theilnebmer an dem Prüfungsakte, die Schüler mit ihren Eltern natürlich inbegriffen, beim Miitagsmahl vereinigt, wo in Toasten auf das Wohl des Herrn Präsidenten des landwirthschaftlichen Propinzialvereins, auf das Gedeihen der jungen Anstalt, auf das Curatorium, die Lehrer und Schüler derselben und deren Eltern, auf die Lebrer des Volkes im Allgemeinen, auf den guten Geist in der Anstalt, auf die Kammerabgeordneten, die ibr Interesse für das Wohl der landwirthschafilichen Be; völkerung durch die Bewilligung obenerwähnter Mittel für Zwecke der Landwiribschaft so erfreulich bethätigt baben, insbesondere die anwesenden Herren Curtman und Keil, ꝛc. noch manch ernstes Wort geredet wurde, das namentlich bei der jungen Schaar künftiger Land⸗ wir the gewiß einen doppelt empfänglichen Boden fand.

Die abgelegte Prüfung der neugegründeten Anstalt bat ibre Lebens- und Leistungsfähigkeit glänzend bewährt. Die Schüler nahmen Abschied von derselben mit dem Bewußtsein:der Winteraufentbalt in Friedberg ist für uns kein nutzloser gewesen, und mit dem Entschluß: wir bleiben nicht auf halbem Wege steben, wir absolviren auch den zweiten Cours, denn Bildung ist das edelste und heutzutage das nutzbringendste Kapital. Gerade det Umstand, daß diese Einsicht in allen Schichten unserer Berölkerung mehr und mehr allgemein wird, stellt der jungen landwirtbschafllichen Lebranstalt eine schöne Zukunft in Aussicht und berechtigt zugleich zu der Hoffnung, daß es auch mit der Volksschule, auf deren Schultern dieselde sich jn zu Kellen hat, durch endliche Gewährung der hier für unarweisbar nöthigen Mittel immer mehr vorwärts gehen werde.

Viernheim. DerFr. Ztg. theilt man von bier folgenden sonderdaren Vorfall mit:Heute Morgen erhielt Herr N., Fabrikant von künstlichem Dünger, ein Paquer aus Frankfurt von der Größe eines Cigarrenkästchens. Beim Exöffnen erfolgte eine heftige Exprosion und mehrere Kugeln durchbohrten Mödel und Wände; eine dringt Hrn. R. ins Auge, eine andere in das Seitenwandsbein ein; Gesicht und Kopf des Verletzten sind furchtbar ver⸗ brannt und sein Zustand lebensgefährlich. Das ganze Zimmer ist demolirt, so daß die eine Wand sosort abge prußt werden mußte. Es fanden sich 6 4 lange schmied⸗ eiseine Läufe, eine Vorrichtung zum Endzünden, aus 2 Spannfedern mit 2 Zündnadeln bestebend vor, die durch

2 Spieraljedern in Bewegung gesetzt wurden. Das Ganze ift mit äußerster Geschicklichkeit verfertigt worden. Bis jetzt sind 6 Kugeln aufgefunden worden. Hoffentlich ge lingt es, den Avpsender zu ermitteln.

Mainz. In der auf den 18. Aptil einberufenen Gene⸗ ralvetsammlung der Actionäre der Ludwigsbahn soll neben der Erledigung der gewöhnlichen Geschäste darüber berathen

werden, den VBerwaltungrath zu ermächtigen) zur Er⸗ werbung der Concession für eine Bahn von Frankfurt a. M. nach Berlin oder für einen bestimmt abgegrenzien Theil dieser Bahn, und d) zum Abschluß eines Vertrages mit der Berlin⸗Potsdam⸗Magbeburger Eisenbahn⸗Gesell⸗ schast über die Erbauung und den Betried der Berlin⸗ Frankfurter Bahn auf gemeinschaftliche Rechnung; c) zur Feststellung der Modalitäten für die Beschaffung der betzufs Ausführung der Bahn erforderlichen Geldmittel.

Bonn. Die Vorarbeiten zum hiesigen Turn fest schreiien rüstig weiter. Man hat gegenwärtig die Aus⸗ schlagung von 800 Zelten ins Auge genommen, von denen jedes zehn Gäste aufnehmen kann.

Iserlohn. Die Nachricht, daß sich in ber Stadt Iserlohn bedeutende Bodensenkungen zeigen und sogar ein ganzer Stadtbeil im Sinken begriffen sei, ist nach der beim kal. Handels ministerium am 29. d. M. eingegangenen telegraphischen Anzeige des Landraths zu Iserlohn gänzlich unbegründet.

München. Der König hat angeordnet, daß, wie im veeflossenen Jahre, tausend Arme in zehn Gastlocalen der Stadt am Ostersonmiag ausgespeist werden. Jeder Arme erhält auf Kosten der kgl. Cabinetscasse einen voll⸗ ftändigen Mitiagstisch, dazu Osterbrod, Schinken, Eier, Cigarren u. s. w. Bei der Auswahl würdiger Armen hat der Bezilks-Armenpfleger sich zu bethelligen.

Frankfurt a. M., 26. März. Der morgige Ullimo drückte heule sehr schwer auf die Börse, namentlich übte er einen niederschlagenden Einfluß auf das Geschäft in Bankwerthen, in welchen die letzie Zeit über von schwächern Leulen sehr starke Engagements eingegangen worden, deren Abwickelung sich durch die Geldvertheuerung nun schwieriger gestaltet. Folge davon ist, daß man durch Realisirungen dem hohen Report aus dem Wege zu gehen sucht und so waren denn heute mehr Verkäufer als Käufer für Bank⸗ (sjecten vorhenden und die Preise ermäßigten sich um Procente. Aehnliches war auch bei Bahnen zu verspüren, obwohl nicht in deu Grade wie bei den Banken. Auch auf andern Gebieten des Kurszettels herrschte Geschäfte⸗ losigkeit und Unlust; am festesten hielten sich noch die ösir. Speculationseffecten, wie Creditactien(die auf die Nachricht einer neubegründeien russischen Bank in Petere⸗ burg, woran die östr. Credit Anstalt hervorragend be⸗ theiligt, gestern Abend von Wien aus haussirt werden) bei 468 ½, Staatsbahn bei 411½, Lombarden und Nationalbank⸗Priotiläten, die für Private viel gekauft werden, wußten sich auch heute eine gewisse Frische des Verkehrs zu bewahren, namenilich Livorneser und neue

Lombarden-Loose ungefragt und leblos. Amerikaner 821 und Sör stark gehandelt.

Bekanntmachung

800 Am Donne stag den 4. April 1. J., Vormittags 11 Ubr, werden hier 2 ausrangirte sechssitzige Personen⸗ wagen und 1 sechssitziger Omnibus in öffentlicher Auction zum Verkauf gest l.

Die Verkaufs bedingungen werden bei der Versteige⸗ rung dekannt gegeben.

Diese Wagen, welche zum Privatverkehr noch sehr gut verwendbar sinr, können täglich eingesehen werden.

Friedberg den 18. März 1872.

Kaiserliches Poffamt. Brentano.

Holz⸗Versteigerung im Füistlichen Schutzbezirk Langsdorf, Distrikt Schweinahl und Klasterschlag. 833 Dienflag den 2. k. M., Moraens 9 Ußr, sollen im obigen Schutzbezirk 186 Stück Eichen, Kiefern und gemischles Stammholz 154 Stangen= 66 8e Imeter meist geringer Dimension; ferner durcheinander mit dem

Stammbolz je nach dem Vorkommen: 14 Raummcier Buchen⸗Scheitholz und Weikholz,

414 1 Eichen⸗, Buchen⸗ und gemischt Prügelholz. 10 1 Eichen⸗, Buchen- und gemischt f Stockholz, 800 Eichen⸗, Buchen- und gemischt Reiser

verkauft werden. Der Anfang ist am Longsdorber⸗ Nonnenrother Viclnalweg, wo derselbe von dem Hunger Obecbessinger Fußpfad ackreuft wird. ungen den 22. März 1872. Fürstliches Rentomt. Dem me.

Lohrinden-Versteigerung.

854 Montag den 8. April d. J., Nachmittags 2 Ubr, sollen auf dem Rath baus zu Cleeberg circa 400 Centner

Lohrinden vetsteigert weiden. Cleeberg den 24. März 1872. Ble bmann,

Nürgermeister.

Meinen Clienten

zur Nachricht, daß ich von Ende März ab im Hause des Herrn Professor von Klipsteln, Seltersbeig, zweien Daus unter der kathosischen Kirche, wohne. Gießen den 21. März 1872. Otmar Weidig, Hofgerichts⸗-Advocat.

836

übertroffen und General⸗Agent

Dampfdresch⸗Maschinen,

neuester Construktion, 286 von

Nuston, Proctor& Cie. in Lincoln(England).

Diese Maschinen haben an einfacher und solider Construktion alle dis jetzt bekannte Sotten bei Weitem liegen die besten Zeugnisse vor. Billigste Preise und nähere Auskunft ertheilt deren

Fr. Brozler in Kaiserslautern(Bayr. Pfalz),

Haupt⸗ Niederlage der neuesten patentirten Futterschneidmaschinen. N

Holz-Versteigerung im Leustädter Wald.

870 Freitag den 5. April l. J. werden im Spieß und Dachsberg versteigert:

436 Raummeter Buchen ⸗Sckeitholz,

40 P ügelholz,

173 Stockholz,

6600 Stück Buchen Stamm und Astwellen.

Zusammenkunft Morgens 10 Uhr bei den Kreisraths⸗ tannen.

Thiergarten den 25. März 1872.

Kalkbof, Fürflicher Revierförffer.

Werkholz⸗Versteigerung. 871 Dienstag den 2. April l. J., Morgens 9 Uhr anfangend, läßt Philipp Ranft I. zu Münster bei Tutzbach folgendes Bohlenholz gegen Baarzahlung ver⸗ fleigern 1) 62 2) 30 3) 32

4) 15

Stück 1 ½ 3zöllige Nußboum-Oehlen von 918 Lange und 6 15 Breite, Stück 13zöllige Eichen Bohlen von 1025 Länge und 1220 Brette, Silück und 3zöll ge Kirschdaum⸗Bohlen von 10-12 Linge und 10-12 Breite, Stück 23¼ßzöllige Buchen-Bobten von 9 257 Länge und 12 20 Breite, sowie 25 Stück gute Schreinerdielen.

Bemeikt wird noch, daß das Holz gut trocken und schon 56 Jahie geschnttten ift.

Münffer den 20. März 1872.

Philipp Ranft!. 891 Zum Tragen eines Kindes für den Nachmittag

wird semand Zuverlässiges von Frau Hofgerichtendvocat Jöckel gesucht.

Die Gartenlaube. N 2

1 Inbalt: Am Altar. Erzählung von E. Werner, Verfasser desHelden der Feder.(Fortsetzung.) Land und Leute. Nr. 33. Der Bregenzer Wald. Von Robert Bier. Mit Abbildung: Aus dem Bregenzer Walde. Nach der Nater aufgenommen don Robert Rretschmer. Der Fiaker Schrecken. Altwienerisches Lebensbild von Em. Straube. De springenden deiligen in Echternach. Von F. K. Freund Mepbisto als Hofmann. Gedicht von Gustav von Mepern. Vom Pfluge in die Akademie. Von L. B. Mit Ab⸗ bildung: Das Grabmal Theodor Mintrop's auf dem Friedhofe zu Düfseldorf. Nach der Natur aufgerommen. Blätter und Blütben P aude⸗ reien im Mufsikzimmer. II. Von Rod. E tner. Ein Messerichlucker aus alter Zeit. Von P. Sl. Mt Ab dildung: Natürliche Größe des verschluckten und wieder aus dem Magen geschnittenen Messers. Ein neues Schmetterlingsbuch. Bindernagel& Schimpff in Friedberg empfehlen sich zu geneigten Aufträgen.

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275 Zwetschen, Mirabellen. Pflaumen zu 30, 30 24 ke. per Stück, 50 fl. per 100 Stück. Aepfelpflanzungen für Gemeinden werden unter Garantie übernommen. Rosen, hoch, halbhoch und niederflämmig ver Stück 36, 30, 24 kr., per 100 Stück 40 fl. Baumschule von Gebr. Schultheis, Steinfurth bei Bad⸗Nauhelm.

Glacé-andschune 5 8c

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