Ausgabe 
27.8.1872
 
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Der Kronprinz des deutschen Reiches wird am 29. d. von Regensburg bier eintreffen, am 30. und 31. die Truppen inspiciren und am 31. nach Potsdam abreisen.

S8. Aus Oberhessen. Bei der am 21. d. zu Hungen stattgehabten Wahl der drei Deka⸗ natscandidaten erhielt Decan Cellarius in Griedel 36, Decan Blumhof in Melbach 15 und Pfarrer Schnabel in Langsdorf 13 Stimmen.

Berlin. Der Kaiser geht am 27. August von Gastein per Extrazug nach Salzburg, von da am 28. nach Ischl, am 29. von Ischl über Ebensee per Dampfer nach Gmünden, von dort nach Lambach, Passau, Regensburg, am 30. über Eger, Reichenbach, Leipzig nach Berlin, wo er Abends 9 Uhr eintrifft

DieKreuz-Ztg. kündigt schon für die nächste Zeit eine Seitens des Generalpostamts beabsichtigte neue, sehr erwünschte Einrichtung an. Es soll nämlich in Aussicht genommen sein,eine amtlich gestattete Betheiligung von Privatleuten an dem Verkaufe der Postwerthzeichen, einschließlich der Freicouverts, der Postkarten und Postan- weisungen, eintreten zu lassen. Die Oberpost- direktionen u. s. w. sind bereits angewiesen worden, durch die Postanstalten ihres Geschäftsbereichs Ge⸗ werbtreibende zu ermitteln, welche geneigt sind, jenes Verkaufsgeschäft zu übernehmen.

Die Verwaltung der Ludwigsbahn hat auf ihre wiederholte Eingabe, daß sie unbeschadet der vom Staate zu bauenden neuen Linie Berlin- Frankfurt ebenfalls mit der ihr verbündeten Potsdam- Magdeburger Eisenbahn sich zum Bau einer Strecke Berlin Frankfurt verpflichten wolle, noch keine Entscheidung erhalten. Während der Staat von Bebra aus die bestehende Linie nach Hanau Frankfurt benützen würde, gedenkt die Ludwigs⸗ bahn durch Oberhessen auf Frankfurt vorzugehen und unter Anderem auch die Strecke Hersfeld Alsfeld zum Ausbau zu bringen. Die Concession zum Bau der Linie Friedberg Hanau ist ver Ludwigsbahn jetzt definitiv ertheilt worden und man wird mit den Arbeiten zur Ausführung des Projects demnächst beginnen.

Wie dieSpener'sche Zeitung meldet, hat die militärische Commission zur Berathung der neuen Disciplinar-Ordnung für das Reichsheer die erste Lesung derselben beendet. Der Entwurf soll mit geringen Modificationen angenommen sein und wird vor der zweiten Lesung den einzelnen

Regierungen zur Begutachtung unterbreitet werden.

Eine k. Cabinetsordre verfügt, daß Mann- schaften des Beurlaubtenstandes, welche, bezw. so lange sie bei Staats- oder Privat- Eisenbahnen im Bau- oder Betriebsdienst angestellt sind oder als ständige professionelle Arbeiter fungiren, zur Reserve, bezw. Landwehr des Eisenbahn-Bataillons übergeführt werden sollen.

Um für den Fall einer Mobilmachung dem Mangel aa Aerzten zu begegnen, wie er sich bei dem plötzlich hereinbrechenden letzten Kriege geltend gemacht, ist man von Seiten der Militärver⸗ waltung darauf bedacht, schon in Friedenszeiten die nöthige Zahl geeigneter Aerzte für das Ersatz⸗ aushebungsgeschäft zu gewinnen. Zu diesem Be⸗ hufe find die Generalärzte angewiesen worden, schon jetzt Contrakte mit nicht dienstpflichtigen Aerzten dahin gehend abzuschließen, daß dieselben sich verpflichten, gegen porher zu stipulirende Diäten die ärztlichen Funktionen bei dem Ersatz- Aus- hebungsgeschäft im Fall einer Mobilmachung zu übernehmen. An Diäten sollen, derVoss. Ztg. zufolge, diesen Aerzten 5 Thlr. bis 6 Thlr. 20 Sgr. bewilligt werden. Jüngst ist Seitens des Cultus- ministers an alle königlichen Regierungen die Ver fügung erlassen worden: nicht nur in den Fällen, wo die größere oder kleinere Excommunication vorliege, sondern auch da, wo jemand sich einfach als Altkatholik erkläre, ihre Hülfe zur Beitreibung neukatholischer Kirchensteuern zu versagen.

Nach den neuesten Ermittelungen über die französische Anleihe ist(so schreibt man derK. Ztg.) zur Eoidenz festgestellt worden, daß die Betheiligung des deutschen Publikums an der An leihe eine verhältnißmäßig geringe war. Die Mehrzahl der Zeichnungen bei den Berliner Bank

häusern ist durch schriftliche Ordres vom Aus⸗ lande und zu nicht geringem Theil sogar von Pariser Häusern erfolgt.

Die Leipzig⸗Dresdener Bahn gibt an die

Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen 100 Güter⸗

wagen, mehrere Maschinen nebst Personal leih- weise ab. Mehrere andere Verwaltungen sind gleich- falls zur Wagenverleihung aufgefordert worden. Die Reichseisenbahn Verwaltung bedarf dieses Materials zum Betriebe der Luxemburger Bahnen.

Straßburg. Es wird behauptet, die Jesuiten im Elsaß hätten bereits ihre Vorsichtsmaßregeln getroffen, indem sie ihr Mutterhaus in Issenheim (Oberrhein) mehreren Fabrikherren abtraten, welche vorläufig die geeignetsten Räumlichkeiten für ihre Industrie zu verwenden suchen. Die Trappisten auf dem Oelberg sollen ebenfalls die Weisung er halten haben, binnen sechs Monaten ihre Anstalt zu räumen. Man trifft hier bereits Vorkehrungen zur Entgegennahme der ersten 500 Millionen, die bekanntlich zwei Monate nach dem am 7. Juli erfolgten Austausch der Ratificationen des Ueber einkommens vom 29. Juni, also am 7. September, zu erlegen sind.

Von dem in seinem Vaterlande zuerst so hoch gepriesenen, später ebenso schwer verurtheilten Vertheidiger der elsässischen Rheinfeste, General Uhrich, wird demnächst unter dem TitelAuf die Belagerung von Straßburg bezügliche Dokumente ein Buch in Paris erscheinen, welches einen ins Detail gehenden, von einer beträchtlichen Anzahl offizieller, bisher unbekannter Dokumente begleiteten Bericht über Vertheidigung und Fall der genannten Festung enthalten und als Antwort auf das be kannte, den General schwer beschuldigende Urtheil der Enquete-Commission dienen soll.

Ausland.

Frankreich. Paris. DiePatrie hört davon reden, daß in dem Erträgniß der indirecten Steuern des ersten Quartals 1872 ein Rückgang um nahezu 90 Millionen im Vergleich zu der entsprechenden Periode des Vorjahres constatirt worden sei.

Der officiöseBien public veröffentlicht folgende Note betreffs der Spielbankfrage, welche an Deutlichkeit nichts zu wünschen läßt:Einige Blätter, welche das ist für Niemand mehr ein Geheimniß an der Wiederherstellung der Spiel banken in Frankreich ein Interesse haben, melden als eine entschiedene Thatsache, daß dem Pächter von Baden-Baden, dessen eifrige Schritte in dieser Richtung und dessen Beziehungen zur Presse be kannt sind, die zeitweilige Erlaubniß ertheilt worden sei, Spielhäuser in einigen Bade⸗ Orten zu er öffnen. Diese Angabe ist ganz und gar falsch. Die Regierung hat die ihr in dieser Hinsicht ge⸗ machten Anträge zurückgewiesen und wird sie stets zurückweisen. Die Frage der Spiele gehört zu jenen, über die man gar nicht discutirt, und alle Polemiken, mögen sie nun unentgeltlich sein oder nicht, welche sich auf die Bedürfnisse des Staats- schatzes und die Bequemlichkeit dieser Hülfsquellen beriefen, haben noch nicht den Nachweis geführt, daß die Unsittlichkest und das Laster in den Augen einer rechtschaffenen Regierung als eine gesetzliche Einnahmsquelle gelten können. So lange dieser Beweis nicht geführt ist, wird man und alle anständigen Leute werden sich dazu nur Glück wünschen keine Autorisation ertheilen und noch weniger der Nationalversammlung einen Gesetz enfwurf vorlegen, den sie mit Entrüstung zurück weisen würde. Die Anhänger der Spiele werden sich nun einmal darein finden müssen, und die öffentliche Meinung wolle in Meldungen, wie die, welche wir dementiren, nur wirkungslose Versuchs ballons erblicken. Die Spielbanken werden weder allgemein noch partjell wieder gestattet werden.

Großbritannien. London. Die amt⸗ licheGazette publizirt eine Verordnung des Geheimen Raths, wonach Vieh aus Oesterreich Ungarn, Deutschland, der Türkei, Italien, Griechen land, Belgien und Frankreich spätestens 10 Tage nach der Landung geschlachtet werden muß, aus genommen, wenn es unter Quarantaine in Sout hampton gelandet war. Die Landung russischen

Viehs wird gänzlich untersagt, die Vieh ⸗Elnfuhr aus den nicht genannten Ländern ist dagegen un⸗ beschränkt. i

Spanien. Madrid. Der Ministerpräsident

erklärte in einer Wählerversammlung: Die Regierun werde über die Errungenschaften der Revolution der Cortesversammlung eine besondere Gesetzesvor⸗

lage machen; die Regierung stelle an den Klerus

nur die Ansprüche, welche der Fortschritt der Civilisation erheische, werde aber dafür demselben Freiheit und Unabhängigkeit gewähren. Die Finanz · lage sei sehr ernst, aber die Regierung werde dem⸗

nächst über das zu befolgende Finanzsystem eine

Entscheidung treffen. Gegen die Parteien, welche sich auf einen ungesetzlichen Boden stellten, zu welchen Redner vorzugsweise die Alphonsisten zähle, werde die Regierung aufs Strengste vorgehen, Bapyonne. Die Neuwahlen in Spanien werden voraussichtlich für die Regierung eine große Majorität ergeben. Die spanischen Behörden haben der französischen Regierung mitgetheilt, daß sich in den Grenzdepartements zahlreiche Carlisten auf⸗ halten, welche für den 26. d. M. einen Einfall vorbereiteten; die französische Regierung möge also die geeigneten Vorkehrungen treffen, die Be⸗ wegung zu verhindern.

Donaufürstenthümer. Autlich wurde constatirt, daß in der Moldau, in der Gegend von Jassy und Sculeni, die Cholera heersche. Von 201 erkrankten Personen starben 22.

Friedberg Das in Gießen garnisonirende 2. Inf.⸗Regt. wird auf seinem Marsche zu den in der Umgegend von Darmstadt stattfindenden Herbstübungen am Dienstag den 27. d. Mittags in Friedberg und Umgegend eintreffen. Der Stab des Regiments mit der Musik, sowie das 2. Bataillon nebst Stab wird in unserer Stadt Quartier beziehen, wöhrend das 1. Bataillon in mehrere umliegende Orte vertheilt werden wird.

T Friedberg. Die üble Gewohnheit unserer Jugend, sich an vorüberfahrende Fuhrwerke anzuhängen oder denselben nachzulaufen, hat am Sonntag Abend einem kleinen Jungen eine schwere Verletzung zugezogen, indem das Räderwerk den Kittel des Kleinen erfaßte und ihn wahrscheinlich unter die Räder zog, so daß der⸗ selbe einen Bruch des Oberbeins erlitt. Möge dieser Fall sowohl eine Warnung für die Kleinen sein, von dieser gefährlichen, nur zu bäufig bemerkbaren Unart ab⸗ zulassen, als auch eine Mahnung an die Eltern und alle Erwachsene, derselben überall strenge entgegenzutreten zur Vermeidung nur zu leicht möglicher Unglücksfälle.

Homburg. Mit der Reorganisatlon unserer Kur⸗ etablissemenis und der mancherlei bezüglichen Einrichtungen scheint man jetzt mit allem Ernste vorgehen zu wollen. Das hiesige Bürgermeister⸗Amt erläßt nämlich eine Bekannt⸗ machung, daß vom 1. Januar 1873 ab dahier ein städ⸗ tisches Theater- und Kur⸗Orchester gebildet werben soll und daß für dasselbe ein tüchtiger Dirigent, welcher einem Orchester bereits vorgestanden hat und im Stande ist, so⸗ wobl bei Opern, als bei Concerten zu dirigiren, gesucht wird. Bewerbungen sind bis zum 1. Oct. d. J. einzu⸗ reichen. Auch der Betrieb der Resiauration im hiesigen Kurhause soll von gleichem Zeitpunkt ab auf die Dauer von 5 Jahren im Soumissionswege verpachtet werden und sind hierzu Soumissionen bis 15. Oct. d. J. einzureichen.

Ettingshausen, Kr. Gießen. In der hiesigen Schul wohnung wurde dieser Tage ein frecher Diebstahl verübt. Ein seit einigen Monaten zur Pflege übergebenes 16jähriges Mädchen benutzte die Abwesenheit des Lehrers, packte in der Nacht verschiedene werthvolle Kleidungsstücke in die Reisetasche eines im Hause wohnenden Schülers und nahm aus einer Lade ungefähr 200 fl. baares Geld. Vor Tagesanbruch ging sie nach Lich, wo ste einige Leute nach dem Wege zum Bahnhof fragte. Es ist wohl anzu⸗ nehmen, daß sie mit einem der Schnellzüge Morgens von Gießen abgefahren und da die Polizei erst einige Stunden später aufmerksam gemacht wurde, so ist es fraglich, ob sie der entlaufenen Dirne auf die Spur kommt. f

Frankfurt. Der zoologische Garten erhielt dieser Tage ein Faul hier. Da die gefangenen Exemplare nur ausnahmsweise sich an ein anderes Futter, als das Laub der Bäume gewöhnen, gehören diese Thiere zu den seltensten Bewohnern der europäischen Thiergärten, so daß gegenwärtig nächst dem hiesigen zoologischen Garten nur noch ber in London diese Merkwürdigkeit aufzuweisen hat.

Frankfurt. Hiesige Blätter warnen das Publikum ernstlichst vor Taschendieben. Im Laufe voriger Woche sollen an der Homburger Bahn wieder zwei abgefaßt worden sein.

Rüsselsheim. Das heftige Zuschlagen der Waggon⸗ Thüren durch die Condueteure ohne vorherige Warnung hat schon manchen Unfall herbeigeführt. Am Sonntag der vorigen Woche wurde einem jungen Manne auf der Station Rüsselsheim ein Finger vollständig zerquetscht.

Mainz. Ein Festungesträfling machte beim Wasser⸗ holen in Zahlbach einen Versuch, der Wache zu entkommen. Ein Mann der Bedeckung folgte ihm aber, statt in dem bewohnten Orte auf ihn zu feuern, mit gefälltem Bajonnet und erreichte ihn am Ausgange des Dorfes; hier aber

stellte sich der Ausreißer kühn zur Wehr und drang dem

Soldaten so nahe auf den Leib, daß dieser keinen Gebrauch

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