Ausgabe 
27.7.1872
 
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Beilage.

Oberhessischer Ameiger.

M 87.

Das siebente Mainthal⸗Sängerfest N in Friedberg.

Es war ein herrliches Fest, das wir am Sonntag und Montag in unsern Mauern feierten! Mit

d sen Worten möchte der Berichterstatter die Feder

urder niederlegen und in träumerischer Ruhe noch et mal die schönen Bilder dieser Tage an sich vrüberziehen lassen. Denn die Glieder sind müde, ud der Kopf ist noch schwer, und das Träumen nach froh verlebten Tagen ist ja eine süße Erholung. eintemalen aber die, welche unserer Festfeier nicht ben beiwohnen können, sich gewiß, wenn die nchste Nummer d. Bl. bei ihnen einkehrt, nach ther Beschreibung derselben umsehen werden und d. Festtheilnehmer selbst eine solche wohl als eine srhe Erinnerung begrüßen, mehr noch aber, weil ds 7. Fest des Mainthal⸗Sängerbundes recht tchentlich zur Zeitgeschichte Friedbergs gehört, igen nachfolgende Zeilen es versuchen, ein schwaches

LEklld davon zu geben.

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Wohl sind wir uns dabei bewußt, daß es für ei Gemeinwesen nicht gut wäre, wenn allzu oft dr Feste Jubel in seiner Mitte erschallte, und es sel darum uns Friedbergern nicht nachgesagt werden diefen, daß wir ernster Arbeit in bescheidenem Keise abhold an der sogenannten Feierkrankheit orirten.

Das kann und darf uns aber nicht abhalten, usere Theilnahme und unsere Sympathien zu be bpisen, wenn es den großen Interessen unseres Witerlandes gilt, wenn es sich darum handelt, das zu pflegen und zu fördern, was ein Volksleben pirm erhält für die höheren Ziele des Lebens, i Vaterlandsliebe, für Bildung und Gesittung, i Gemüthsvertiefung und Herzensveredlung. Als

det wirksames Mittel für diese Zwecke ist von jeher

1 dos deutsche Lied, der deutsche Männergesang er- decuet worden. Kein Wunder darum, daß man den Streben unserer Gesangvereine mit so allge

3 1 miner Aufmerksamkeit folgt, daß der Aufruf zur f see Otheiligung bei einem in unsern Mauern zu

ferrnden Gesangfest des Mainthal⸗Sängerbundes tien so freudigen Wiederhall in den Herzen der bideren Bewohner Friedbergs gefunden.

Ein Comits bildete sich alsbald, bestehend aus ester großen Anzahl von Männern unserer Stadt, vlches die Vorbereitungen zum Feste in umfassender ud umsichtiger Weise in die Hände nahm. Da t es manche Schwierigkeiten zu überwinden,

u vereinen.

Endlich war die Festzeit näher gekommen; ein üägneter Raum für das Festconcert war in dem rrgkasernenhof gefunden; zum Banketiplatz war 1 Allee auf der breiten Straße vor dem Land- ichts gebäude in Aussicht genommen. Und nun sig's mit rüstigem Fleiß an's Vermessen, Zurichten, immern, und in wenigen Tagen war der Bankett- ich in ein Riesenzelt mit entsprechendem Portal uu, theilweise Bretter-, theilweise Leinwandbe⸗ ughung verwandelt, wozu die Bäume der Allee hersprießlichen Dienst genommen wurden. Nicht

kinder rasch war im Burgkasernenhof ein Emporium i gegen 600 Sänger errichtet, der ausgedehnte Nam mit einer stattlichen Reihe von Sitzen für in Publicum bedeckt und das Ganze mit Flaggen 9 un Guirlanden geschmackvoll decorirt.

Zur besonderen Zierde gereichte dem Platz ein

anch gegentheilige Ansichten zum schönen Ziele

% ener Pavillon, für Seine Königliche Hoheit

wern Großherzog bestimmt, der schon bei Beginn

in Zurüstungen zum Feste sein hohes Interesse n demselben durch eine Unterstützung des Fest⸗ tu gets von 100 fl. bethätigt und außerdem die biade hatte, seine persönliche Theilnahme bei dem

f 4 concert in Aussicht zu stellen.

Mit dem Näberrücken des Festtags kleidete all

häplich unsere Stadt sich in ihr Festgewand, so

in einem Festgruß in Wahrheit von ihr ge⸗ gen werden durfte:

So steht in seinem schmucksten Feierkleide,

Und hat gerüstet emsig Monde lang,

Das gute Städtchen harrend denn auch heute

Den lieben Sängergästen zum Empfang;

Bald wird es bell von deutscher Männer Singen,

Von Festesjubel in den Mauern klingen.

Nur eine bange Sorge noch drückte die Gemüther: Wird der Himmel freundlich auf unser Fest her niederschauen? Hatte sich doch in den letzten Wochen die Witterung recht unbeständig gezeigt, waren doch erst kürzlich mehrere Festlichkeiten in strömendem Regen zerflossen! Doch als bei Anbruch des Festmorgens die Sonne einen tief blauen Himmel durchstrahlte; als die fromm⸗ernsten Weisen zweier Choräle, von der Kapelle Schell haas geblasen, vom Thurme der Burgkirche, von einem freundlichen Nordwinde getragen, über unsere Stadt hin ertönten; als Böllerschüsse den Beginn der Festfeier weithin verkündeten; als nach Ankunft unserer Nauheimer und Homburger Sangesbrüder in der durch das Festprogramm bestimmten Weise ein Zug durch unsere in lieblichem Festschmuck prangen den Straßen nach dem Bahnhof sich bewegte und dort die mit einem Extrazug angekommenen lieben Main- thalbundesgäste mit Festgesang und Festmusik empfing: da sah man es aus jedem Auge blitzen und fühlte es am warmen Druck der Hand, wie Aller Herzen Ein Gefühl bewegte und Jedes Brust sich hob in dem Gedanken: Hoch unserem Vaterland im gold'nen Frie- den! Hoch deutscher Freundschaft, deutscher Männer- treue! Hoch deutschem Lied und deutschem Männer- sang! Laßt heute uns vereint ein Fest begehen, das, würdig sei der schönen Ziele unseres Bundes!

Erhöht noch wurde die Feststimmung durch die Begrüßungsrede des Festpräsidenten, Herrn Seminarlehrers Wahl, am Rathhaus. Er sprach mit Begeisterung von der Förderung des deutschen Männergesanges, der, wie jede Kunst, eine bildende, veredelnde Wirkung übe auf Alle, die sich seiner Pflege widmen. Der Gesang sei die Sprache des Herzens, in ihm vermähle sich das Ideal mit dem Wirklichen, der Gesang gebe reiner Freude den edelsten Ausdruck. Darum sei es Pflicht, den Gesang zu pflegen, und darin liege eine hohe Be deutung des Festes. Es komme aber noch ein weiteres Moment hinzu. Zwischen dem letzten Mainthalbundesfest und heute liege trotz der Spanne Zeit das weltgeschichtliche Ereigniß der Wieder- geburt des deutschen Reiches. In gleichem Maaße, wie man das Bedüifniß empfinde, den Dank und die Freude über das in heißer Feldschlacht Erkämpfte im Liede ausströmen zu lassen, trete nun die Verpflichtung an uns heran, diese großen Errungen⸗ schaften zu hüten und zu verwerthen zum Wohle unseres Volkes in der Pflege der Künste des Friedens. Den Gesangvereinen falle dabei eine hehre Aufgabe zu, und darum möge man das Panier des deutschen Gesanges hoch halten jetzt und immerdar!

Die Rede fand jubelnden Beifall, wie nicht minder die Begrüßung der Festgenossen und der Ausdruck des Dankes an die Stadt Friedberg für den herzlichen Empfang Seitens der Vertretung des Vorstandes des Mainthal⸗Sängerbundes, der leider am Feste theilzunehmen verhindert war.

Nach eingenommener Erfrischung im Festzelt ging's zur Generalprobe. Trotz der schon hoch gestiegenen Hitze zeigten alle Sänger den frischesten Eifer, und die ebenso energische als mild- wohl. wollende Art, mit welcher der Dirigent, der Großh. Musikdirector Mickler von Gießen, so Sängerschaar als Musikcorps(die Kapelle des in Gießen garnisonirenden Regiments) an seinen Takt⸗ stock zu fesseln wußte, berechtigte zu den besten Erwartungen für das Gelingen des Concerts. Das Festmittagsmahl wurde im Festzelt abgehalten. Manche Bedenken wegen der befriedigenden äußeren Anordnung eines Mahles für so viel Theilnehmer (über 500) erwiesen sich als unbegründet: und sie aßen und tranken und wurden alle satt! Außer dem von Herrn Hofgerichts-Adv. Trapp IV. ausgebrachten Toast auf den Mainthal⸗Sängerbund,

seine seitherige erfolgreiche Thätigkeit und seine Weiterentwickelung verdient noch der Toast des Fest⸗ präsidenten Erwähnung. Er galt dem Kaiser Wil⸗ helm dem Siegreichen, als dem Wiedergründer eines mächtigen, in allen Landen hoch geehrten deutschen Reiches; er galt in gleicher Weise unserm verehrten Großherzog, der bereitwillig Opfer gebracht für das Weik der Einigung Deutschlands und sein Volk beglücke mit Liebe und Güte; er galt nicht minder dem König Ludwig von Baiern, der auch ein Jünger der Kunst der Musik in fürstl. Hochherzigkeit dem Kaiser die Krone entgegenge tragen und sie ihm auf's Haupt habe setzen helfen.

Mittlerweile füllten sich Straßen und Gast häuser mit Festtheilnehmern aus Nah und Fern dergestalt, daß die vorhandenen Räume die Menge kaum zu fassen vermochte. Dies zeigte sich be⸗ sonders bei dem eigentlichen Festzug, der sich Nach- mittags 3 Uhr unter genauer Einhaltung der Pro grammbestimmungen von der Taubstummen-Anstalt die bieite Straße entlang nach der Burg bewegte. Kopf an Kopf drängte sich die ganze Länge der breiten Straße die fröhliche Menschenmenge, und es bedurfte aller Umsicht des Festeomité's und der an der Aufrechterhaltung der Ordnung bereitwillig betheiligten Turner und Bürgerfeuerwehr und der Festreiter, um namentlich am Eingang der Burg Unzuträglichkeiten und Unfälle zu verhüten.

Mit ehrfurchtsvollem Jubel und Hochsingen wurde von dem Festzug Seine Königliche Hoheit unser Großherzog begrüßt, der begleitet von seinen Flügeladjutanten in der Nähe seines Schlosses an den Zug berangetreten war, denselben an sich vorbeidefiliren ließ, und sich hierauf nach dem Concectplatz in seinen Pavillon begab, um der Festfeier die hohe Gunst seiner Anwesenheit zu schenken. Der geräumige Kasernenhof war bereits bis auf das letzte Plätzchen gefüllt, und da, wo sonst nur das militärische Commandowort und Waffenklang erschallte, sollte jetzt die hehre Kunst des Gesanges und der Musik ihren Zauberstab schwingen. Von dem gelungenen Verlauf des Concertes ungeachtet der fast bis zur Unerträglich⸗ keit gestiegenen Hitze wird weiter unten noch die Rede sein. Hier nur die Bemerkung in Bezug auf die Einzelchöre, die ausnahmslos mit lautem Beifall aufgenommen wurden, daß die Hanauer Vereine mitHurrah Germania und der Verein Melomania von Aschaffenburg mitDes Sängers Heimath um die Palme des Sieges rangen, jene vorzugsweise mit ihrer auf hoher Stufe der Vollendung stehenden Schulung, diese namentlich mit ihren lieblich klangvollen Stimmen.

Der von Herrn Hofderichtsadvocaten Sey d gehaltenen, wiederholt von Beifallszeichen unter- brochenen Festrede lag der herrliche Text des ChoresFriedenshymne zu Grunde, an dessen Hand der Redner in schmuckvollem Aufbau der Gedanken zunächst auf die veränderten Zeitver hältnisse zwischen den Tagen des letzten Bundes- festes und heute und die welterschütternden Er eignisse hinwies, die sich seitdem vollzogen. Unsere deutschen Heere, die Heere der Bildung und des Muthes, sie haben den Feind niedergen rfen und die Einheit Deutschlands errungen und den Rhein in Wahrheit zum deutschen Strom gemacht. Ein glorreicher Friede verwirklichte das, was die Besten unseres Volkee ersehnt und wofür sie ge⸗ stritten und gelitten. Nicht ferner mit Schwer- muth dürfen wir an die herrlichen Zeiten deutscher Größe unter einem Barbarossa zurückdenken; Barbarossa ist uns erstanden in unserm Kaiser, Deutschland ist wieder eine große Nation geworden. Nun gilt es den kräftigen, schönen Aufbau des Errungenen als ein ächtes Werk des Friedens. Dazu muß die Macht des deutschen Liedes mit- helfen, wie es sich auch früher um die Bewahrung und Nährung des Gefühls der Zusammengehörig keit aller deutschen Stämme ein hohes Verdienst erworben, von dem der Mainthal-Sängerbund für seine Wirksamkeit sein volles Theil mit Recht