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Deutsches Reich. 8
Darmstadt. Das Großherzogliche Regie- rungsblatt Nr. 14 enthält:
I. Verzeichniß der Vorlesungen, welche auf der Groß⸗ herzoglich Hessischen Ludewigs-Universität zu Gießen im Sommerhalbjahr 1872 gehalten und am 15. April ihren Anfang nehmen werden.
II. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen fremder Orden. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 22. Februar dem Com- merzienrath Fink zu Darmstadt die Erlaubniß zur An⸗ nahme und zum Tragen des ihm von seiner Majestät dem König von Bayern verliehenen Verdienstkreuzes für die Jahre 1870— 1871, am 23. Februar dem Geheimen Com- merzienrath Leonhard Heyl zu Worms die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von seiner Majestät dem König von Bayern verliebenen Verdienstkreuzes für die Jahre 1870— 1871, am 27. Februar dem Kreisarzt des Kreismedicinalamts Mainz I. Dr. Helwig und dem Hospitalarzt Dr. Hochgesand zu Mainz die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Seiner Majestät dem Könige von Bayern verliehenen Verdienst— kreuzes für 1870-1871 und am 5. März dem Großher⸗ zoglichen außerordentlichen Gesandten und bavollmächtigten Minister am Königlich Preußischen Hofe, Bevollmächtigten bei dem Bundesrathe des Deutschen Reichs, Geheimerath Hofmann, die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Seiner Majestät dem König von Bayern verliehenen Königlich Bayerischen Verdienst— kreuzes für die Jahre 1870—1871 zu ertheilen.
III. Namensveränderung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 22. Fe⸗ bruar der Katharine Krömmelbein von Lauterbach zu gesfatten, daß dieselbe künftighin statt ihres bisherigen Familiennamens den Familiennamen Ambach führe.
IV. Dienstnachrichten. Seine Königliche Hobeit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 27. Februar dem evangelischen Schullehrer zu Frischborn, im Kreise Lauterbach, Philipp Fischer, die erste evang. Mädchen- Schulstelle zu Lauterbach, im Kreise Lauterbach, und dem Schulamtsaspiranzen Valentin Nicolai aus Ober-Mötlen, im Kreise Friedberg, die katholische Schulstelle zu Unter⸗ Schönmattenwaag, im Kreise Lindenfels, zu übertragen.
V. Versetzungen in den Ruhestand. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 27. Februar den Schullehrer an der evangelischen Schule zu Nauheim, im Kreise Groß⸗Gerau, Johann Buxbaum, auf sein Nachsuchen, und am 4. März den Schullehrer an der zweiten evangelischen Schulstelle zu Hungen, im Kreise Nidda, Ludwig Klein, auf sein Nachsuchen in den Nuhestand zu versetzen.
VI. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die erste katholische Schulstelle zu Obershausen, im Kreise Offen⸗ bach, mit einem Gehalte von 446 fl. 34 kr.; die ersie evangelssche Schulstelle zu Lang⸗Göns, im Kreise Gießen, mit einem jährlichen Gehalte von 393 fl.
Berlin. Eine Privatdepesche des„Rh. K.“ meldet:„Das Ministerium hat sich entschlossen, die Zeitungsstempelsteuer vom 1. Januar 1873 an fallen zu lassen. Der Finanzminister hat hierüber bereits vor einigen Tagen in einer Commisstonssitzung des Abgeordnetenhauses feste Zusage gegeben.“
— Nach der„Br. Z.“ sollen bereits Schritte zur Einberufung einer Coyferenz der preußischen Bischöfe erfolgt sein, welche Mitte künftigen Monats in einer der rheinischen Städte zusammentreten dürste. Die Conferenz wird sich mit dem Schul- aufsichtsgesetze, d. h. damit beschäftigen, welche Haltung der Clerus gegenüber den Maßnahmen der Regierung einzunehmen hat.
— Dem Bundesrathe wird demnächst der Landesbaushalts⸗Etat für die Reichslande Elsaß · Lothringen vorgelegt werden; derselbe ist dem Reichskanzler Amte bereits zugegangen. Dieser Etat weist sehr günstige Verhältnisse auf; dem Vernehmen nach soll er über 43 Millionen Franken verfügen, welche ganz besonders der Hebung des Elementar- und höheren Schulwesens zu Gute kommen sollen, und zwar namentlich durch Auf⸗ besserung der Gehalte der Volksschullehrer. Fast 7 Mill. Franken sind für öffentliche Arbeiten bestimmt.
— Die Luxemburger Regierung hat sich nun endlich enischlossen, mit der deulschen Regierung hinsichtlich des Betriebs der Luxemburger Eisen— bahn in directere Verhandlungen zu treten. Die zu diesem Zweck ernannte Commission, bestehend aus den Herren Ulveling, General- Director, Jurion, General-Procurator und Föhr, dem bisherigen Luxemburger Geschäftsträger am hiesigen Hofe, ist am 16. d. M. von Luxemburg nach Berlin zu weiteren Verhandlungen abgereist.
Bonn. Die am 17. d. dahier stattgehabte, von fast 100 Delegirten vieler Städte besuchte Altkatholiken-Conferenz beschloß u. A., im Monat September einen gro en Congreß in Köln abzu⸗ halten und eine Petition gegen die Jesuiten an den Reichstag zu richten.
Ausland Frankreich. Paris. Das„Journal ofsi⸗ ciel“ erklärt die Nachricht von der Beendigung der Untersuchung über die Capitulation von Metz für verfrüht. Die Commission habe noch keinen Beschluß gefaßt und werde noch Zeugen abhören.
— Das klerikale Blatt„Univers“ enthält fol⸗ gende Mittheilung:„Wir fordern den„Monde“ auf, folgende Nachricht sich anzumerken: Die Ge— rüchte, denen zufolge Herr Thiers dem Papste kürzlich eine Zufluchtsstätte in Frankreich ange- boten habe, entbehren einer jeden Begründung. Durch ein solches Anerbieten würde Herr Thiers die italienische Regierung unzufrieden gemacht haben, und dieses ist ganz gegen seine Politik. Der Präsident der Republik behauptet übrigens, daß, der Papst in Rom in Sicherheit ist und dort der ganzen nothwendigen Freiheit genießt. Man glaubt behaupten zu können, daß Alles, was Hr. Thiers für den Fall gethan hat, daß der heilige Vater Rom verlassen würde, sich darauf beschränkte, vor einigen Monaten zu sagen, daß, wenn Pius IX. nach Frankreich käme, er dort mit den Rücksichten empfangen werden würde, auf die er Anspruch hat. Von da bis zur Ergreifung der Initiative ist ein weiter Weg.“ 8
— Thiers soll bei seinem letzten Empfange sich sehr beruhigend ausgesprochen und geäußert baben, daß er bei einer Berusung an das Volk weder die Bonapartisten, die höchstens auf 1,500,000 Wäbler zählen könnten,, noch die Revolutionäre fürchte, der Bauer sei im Allge- meinen zufrieden, da er seine Producte sehr gut verzaufe und die Ernte die prächtigsten Aussichten darbiete. Die Armee nennt Thiers ebenfalls„von einem trefflichen Geiste beseelt“; sie würde sich keiner Partei zur Verfügung stellen. Diejenigen, welche Befürchtungen hegten, seien schlecht unter richtet; er(Thiers),„der in den Lagern lebe“, wisse dieses. Von einem Mitgliede der Majorität darum befragt, was et von den Beziehungen Preußens zu Italien denke, sagte er:„Preußen ist sehr gut gegen uns; sobald mir die Versamm⸗ lung 14 Tage Ruhe gibt, ist die Rede von der gänzlichen Räumung des Landes; bei der ge— ringsten Agitation werden die Verhandlungen aber abgebrochen, und man sagt mir, daß es mein Interesse sei, daß die Preußen in Frankreich bleiben; ibre Anwesenheit verhindere, daß die Agitation sich enkwickelt. Geben Sie mir die Ruhe, seien Sie weise und Alles wird gut gehen.“
— Das„Journal officiel“ meldet:„Der Handelsvertrag mit England ist am 15. März ge⸗ kündigt worden. Der Weg der Unterhandlungen bleibt offen für Festsetzungen, betreffend den fran⸗ zösisch⸗englischen Handel.“
Versailles. Der erste Jahrestag des Aus⸗ bruches der Commune Insurrection, 18. März, verlief durchweg in vollkommener Ruhe.
Großbritannien. London. Der„Ob⸗ server“ meldet, daß die Antwort der Unionsregie⸗ rung im Ministerrathe vorgelegen habe. Das Blatt glaubt zu wissen, daß die Ansicht vor- berrschte, die Antwort Fish's werde zu neuen Verhandlungen auf Basis des Washingtoner Ver— trags und der darin vorgesehenen Arrangements die Handhabe bieten. Der„Observer“ weist da— rauf hin, daß Granville's Note England an ein bestimmtes Verfahren nicht gebunden, sondern in einem einfachen Proteste gegen die indirecten An- sprüche bestanden hätte.
— Vom auswärtigen Amte geht den sämmt— lichen Blättern die amtliche Mittheilung zu, daß der französische Handelsvertrag gekündigt worden sei. Die Kündigungsfrist ist ein Jahr und der Vertrag wird daher am 15. März 1873 ablaufen.
— 18. März. Unterhaus. Gladstone erklärt, die Antwort der Unionsregierung, welche vom 27. Februar datirt, sei in einem fehr freundschaft— lichen und höflichen Tone gehalten, adoptire jedoch die englischen Ansichten nicht. Eine Rückantwort Englands sei nothwendig. Dieselbe werde dem amerikanischen Gesandten Schenck ver Donnerstag zugehen, damit sie noch vor Ablauf der Woche nach Washington abgesandt werden könne. Glad—
stone verspricht weitere Mittheilungen, sobald dies das Interesse des Staates gestatte. i
Türkei. Konstantinopel. Der Sultan macht im Anfange Aprils eine Reise und besucht Neapel, Rom, Paris, London. Die eise wird über Marseille oder Genua stattfinden!
Asien. Betreffs der Nachrichten über die jüngsten Christenverfolgungen in Japan sagt der „London und China Telegraph“, er habe sich immer enthalten, dieselben zu veröffentlichen, da er der Ansicht gewesen, daß die von der„Naga⸗ saki Gazette“ ausgehenden Angaben stark über- trieben seien. Aus der Correspondenz mit letzter Post stelle sich denn auch die Richtigkeit dieser Muthmaßung heraus.
* Friedberg. Von den zur Aufnahme-Prüfung des Schullehrer-Seminars diesmal erschienenen 53 Prä⸗ paranden haben 50 die Prüfung bestanden.
d. Friedberg. Als Augenzeuge kann ich Folgendes von einem respectablen Frühssück erzählen: Am ver⸗ flossenen Montag hat ein Viehtreiber aus Kirchbracht (Vogelsberg) zu Frankfurt in einer Metzgerei nächst den Vieh und Fruchtmärkten als Frübstück 5 Häringe, ) Schoppen Branntwein, 24 Stück Knoblauchswürste und für 6 kr. Brod verschlungen, um sich dann von der auf dem Fruchtmarktplatze versammelten Menschenmasse als„Vielfraß“ bewundern zu lassen.— Einen solchen unmenschlich willigen Magen groß zu ziehen und zu ali⸗ mentiren, das thut's gewiß nicht ohne einen bedeutenden „Viehtrieb“«, an welchem es dem Kirchbrachter nicht zu fehlen scheint. f
Darmstadt. Am 18. d. Morgens einige Minuten nach 3 Uhr, fand eine ziemlich starke Erderschütterung statt.
In Leipzig abonnirt man jetzt nicht nur auf Theater, Concerte und Zeitungen, sondern neuerdings auch auf Garderobe. Ein intelligenter Kopf, der dortige Con⸗ fectionist Herr Eduard Berthold, hat diese originelle Idee in's Leben gerufen und führt sie in seinem Geschäfte folgendermaßen durch. Gegen monatliche Zahlung von zehn Thalern in der ersten und acht Thalern in der zweiten Classe erhält der Abonnent seine fämmtlichen Bekleidungsartikel, und zwar so, deß in der I. Classe Frühjahrs⸗Rock oder Jaquet mit Hose und Weste, Som- merpaletot, Sommerrock oder Jaquet, Hose und Weste, Herbstrock oder Jaquet, Winterpaletot, dergleichen Hose und Weste, Salon-Frack oder Rock, Hose und Weste und überdies eine Winterhose, in II. Classe, mit wenig Aus⸗ nahmen, die nämlichen Stücke entnehmen kann. Die Bedingungen, welche dieser Einrichtung zu Grunde liegen, sind ebenso billige als selbstvernändliche und bestehen vor⸗ nehmlich in der Rücklieferung der eninommenen Artikel nach beendigter Saison, wogegen den Abonnenten die freie Wahl der Stoffe und das Recht zusteht, das be⸗ treffende Kleidungsstück eigenthümlich zu erwerben; ebenso ist derselbe nicht an die Reihenfolge, noch an die Form der Kleider und ebensowenig an die Festhaltung des Abonnements seinem ganzen Umfange nach gebunden, gleichwie alle Reparaturen unentgeltlich bewerkstelligt werden und der Abonnent nur vollkommen gutsitzende Kleider zu verlangen berechtigt sein soll. Das Vortheil— hafte dieser Neuerung ist nicht zu verkennen.
Frankfurt a. M., 19. März. Die gestern einge⸗ tretene Haussebewegung fand im gestrigen Abend⸗Privat⸗ verkehr wie auch an heutiger Börse ihre Fortsetzung und wandte sich vorzüglich den Bankwerthen zu, die äußerst umfangreich gehandelt und fast durchweg höher bezahlt wurden. Es stellte sich nämlich heraus, daß der größte Theil der jungen Banken im Stande ist für das erste Jahr gute Dividende zu vertheilen, ein Umstand der nafürlich auf unsere Speculanten seine Wirkung äußert. So wurden heute Oesterreich-Deutsche, deutsche Vereins⸗ bank, Pfälzer Bankoerein, Brüsseler Bank u. s. w. in großen Beträgen umgesetzt und ca. 1% theuxer bezablt. Von älteren Banken gingen heute Meininger sehr hoch auf die Nachricht, daß diese Bank„Junge“ emittiren werde behufs Dotirung ührer Filialen. Creditactien, in welchen ebenfalls sehr großes Geschäft, stiegen bis 3688/3, konnten sich aber doch nicht behaupten und gingen wieder bis 367½ zurück, den Stand von gestern Abend. Oesir. Nationalbank wenig begehrt, aber den Curs von 894 behauptend. Das Geschäft in Bahnen mußte heute gegen den Bankverkehr etwas zurücktreten, indessen waren Staatsbahnen lebhaft und fast bei 414½— 415 und Lombarden bei 221. Elisabeth, ung. Nordost, Busch⸗ terader gesucht, Franz-Joseph matter. Oberhessen beliebt, Von Prioritäten waren namentlich Livorneser wie Alföld gefragt. Auf dem Loosmarkt war gegen gestern keine Veränderung zu bemerken und von Staalspapieren ist nur der Verkehr in östr. Renten erwähnenswerth. Silber Rente ward mit 645¾ bezahlt. Amerikanische Szer Bonds gefragt und Prioritäten in gutem Verkehr bei sich behauptenden Preisen. Für die durch Gebrüder Sulzbach hier demnächst zur Auflage kommende 5% rus⸗ sische Echi-Bahn-Anleihe herrscht sehr gute Meinung und laufen die Anmeldungen jetzt schon zahlreich ein.
Lokalgewerbyerein.
In der Sitzung am 23. d. M., Abends 8 Uhr, soll über die Betheiligung der Gewerbtreibenden von hier und der Umgegend an der Wiener Weltausstellung im Jahr 1873, das Nöthige besprochen werden.
Friedberg den 20. März 1872.
Der Vorstand.
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